über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 30. März 2019

Die Tiefe des Raumes

Das Winterfutter war noch drin, total unnötig. Satter Rückenwind schob uns über die Autobahn in einen echten 2019er Frühlingstag. Geesthacht, Lauenburg in milder Märzsonne, schließlich der Ausgang nach McPom. Das war lange her. Bei einem Pappbecherkaffee bewunderten wir die Authentizität der Tankstellenszene Boizenburgs. Dann war da die B195 und wir ließen die Maschinen rollen, endlich 90 Sachen und keine Fragen mehr. Niemand war auf der Straße außer uns, nur euphorisch grüßende Biker und der milde Luftstrom von vorn. Durch kahle Wälder glitt der Blick über die Weiten der Elbauen, abseits der heute filmreif schwingenden Straße am Geestrand.. Immer tiefer drangen wir in den gewaltigen, leeren Raum ein. Als wir am Deich saßen, irgendwo am Ende des Universums, stand die Zeit eine Weile still. Dann fielen uns die noch zu kochenden Rinderrouladen ein, die Gäste, und die ganze Realität. Leider auch, dass Anjas Duc nach wie vor nicht rund lief und dabei einen Tank nach dem anderen leersaugte. Der Rückweg ging schnell  Wir brauchten was zu Essen und neue Ideen.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Das richtige Feeling

Der Pilot bekam schwitzige Hände beim Anflug und machte uns auf alle Eventualitäten gefasst. Das ging dann zwar doch noch alles glatt, aber die Wetterlage auf Madeira war definitiv verdreht. Für uns war das dufte, denn welchen Kurs wir auch immer nahmen mit unseren Mietmaschinen, die Sonne schien auch da, wo normalerweise z.B. nasskalter Nebelwald hingehört, auf der Hochebene, oder wo es rau stürmen müsste, im Norden. Jeden Tag erkundeten wir eine andere Region des Mikrokontinents. Da die Touristen gut in den Abspeiserestaurants der Städte gebunden waren, blieben wir auf den kurvigen und ungeheuer steilen Bergstraßen meist vollkommen allein. Optimal für die Benelli 300 mit ihrem faden Bauernmotor und Anjas kernige Mash Two Fifty mit suizidösen Stollenreifen. Nach zwei Tagen hatten wir einen Sonnenbrand und das richtige Feeling für die Insel, die Straßen, die Bikes, Bolo do Caco und Prego Normal. Wir wussten, wann die Aida ablegt und wo im Supermarkt der beste Wein steht. Trotzdem gab es überall Überraschungen: Monsterwellen, die sich über den Parkplatz brechen, Feuer in Funchal und Offroad-Tunnel für Fortgeschrittene. Am Ende war alles stets in trocknen Tüchern und wir betrachteten die Dinge sehr lässig, aus der Abgehobenheit einer Dachterrasse. 

Sonntag, 17. Februar 2019

Tatsachen

Der Sonntag war noch besser. Anja war da, die Vulcan war aufgeladen, aber die Duc ging wieder aus. Was Anja blieb, war: Ansprüche anpassen an die Realität. In anderen Worten: Die Vanvan anorgeln (die läuft immer) und sich auf die schönen Dinge zu fokussieren. Davon gab es reichlich. Allein die Tatsache, mitten im Februar ganztägig durch die Sonne zu cruisen machte alles egal. Wir fuhren größtenteils meine Route von gestern nach. Das war auch für mich interessant. Auf der Vulcan nahm ich Kurven war, die gestern nicht vorhanden waren. Andererseits hatte ich überhaupt keine Probleme, mich Anjas Vanvan-Tempo unterzuordnen. Wir fuhren unbekannte Strecken, nicht weit hinter Harburg, und jede war eine unvergleichliche Panoramastraße. Orte wie Holm-Seppensen oder Trelde wurden Traumstädte. Es dauerte allerdings eine Weile, bis wir endlich eine geöffnete Tanke mit Cappuccinoautomat fanden, das war irgendwo westlich von Welle im Nichts. Zurück kamen wir über die B75 nach Buchholz. Es war noch hell in der Stadt und die Menschen liefen im T-Shirt rum.

Samstag, 16. Februar 2019

Geräusche

Klack-Brrrt war das beschissenste Geräusch was man sich überhaupt vorstellen konnte an diesem unfassbar vorfrühlingshaften Februartag. Es war aber auch das Einzige, was der Vulcan zu entlocken war. Die Sixty-2 stand gleich daneben. Die sprang an. Anja war nicht da. Ich fuhr los. Es ging erst behutsam auf die Dradenau, dann durch unentdeckte Ecken Wilhelmsburg, dann raus in die weite Welt. ich konnte es nicht richtig begreifen, auf freier Landstraße durch die Nordheide zu brettern, ohne zu frieren, einsam lange, lichte Waldgeraden entlang, und jede Kurve so schräg es ging. Die Sonne hing gelb und schräg am Himmel. Die Duc lief nur unter Last gut. Das ist natürlich ein Stück weit so konzipiert, aber irgendwas stimmte eindeutig nicht in Teillast. Um sicher zu gehen (und weil es geil war), donnerte ich zurück auf der Autobahn. Ich holte noch Abendbrot und stellte sie wieder in die Garage.

Samstag, 9. Februar 2019

Auf Knopfdruck

Im Vorfeld dieses Februarwochenendes sprach Anja große Worte. Im Winter sind 8 Grad mild. Letztlich wurde es ein stürmischer Samstag mit Schauerfronten und ich fuhr allein. Immerhin: So durfte ich die Sixty-Two ausfahren. Sie sprang auf Knopfdruck an, und brauchte wieder eine Weile, um rund zu laufen (am besten bei Volllast). Das Fahren war ein großer Genuss. Ich kurvte die üblichen Strecken entlang, durch den Hafen und stand in dramatischer Gewittersonne auf der Dradenau. Eine der Wolkenwalzen aus  Südwest kam verdächtig nahe. Vielleicht war es so gewollt, dass ich ein Feuerzeug kaufen musste, jedenfalls fing es an zu schütten, als ich auf der Truckertankstelle bei der Aluminiumfabrik vorfuhr. Ich trank Kaffee und schaute aus dem Fenster. Der Schauer verzog sich wie ein Sommerregen, ich fuhr durch den Elbtunnel nach Hause, um keine nassen Füße zu kriegen.

Sonntag, 30. Dezember 2018

Mein Freund der Tag


Yeah, es hat nach einer Woche aufgehört zu nieseln. Nach dem Frühstück zog ich die neue schwarze Funktionsunterwäsche drunter und alles was ich hatte drüber. Dann startete ich die Vulcan und rollte durch die Straßen wie eh und je. Einerseits war das ewig her, andererseits war alles wie immer. Es gab praktisch keinen Verkehr, die lagen wohl alle lethargisch rum oder waren im Urlaub, das war gut. Die Mittagssonne stand schwach glimmend am Horizont im Nordwestwind. Ich zog mit Schmackes und ohne groß nachzudenken die altbekannten Strecken entlang, durch den Freihafen, kurz nach Harburg, Kirchdorf, Moorwerder, Peute. Völlige Einsamkeit zwischen Lagerhallen und Springflut. Die Funktionswäsche funktionierte sehr gut. Ich fuhr nach Hause und der Tag war ein Freund.

Dienstag, 25. Dezember 2018

Glücklich und zufrieden

Auf einmal war Weihnachten. Sicher hätte man sich extrawarm angezogen nach Strukdorf cruisen können, aber 3°C waren Anja nicht genug. Der Regionalexpress war beheizt, das Kaminzimmer auf dem Anwesen auch. Ganz verloren war alles aber noch nicht: Am Ersten stellte uns Horst seine schicke Honda NC 750 nebst Goretexausrüstung zur Verfügung. Sie lag satt und zog automatisch auf vereinsamten Landstraßen eine Runde durch das trübe Grau des Weihnachtsnachmittag. Pronsdorf, um den Wardersee herum, dann kreuz und quer bis Neukoppel, wo ein Licht in der Dämmerung glimmte und Telse uns mit Marzipan erwartete. Auf der Rückfahrt gab ich nochmal kurz Gas, dann waren alle glücklich und zufrieden.