über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 10. April 2023

Luftschloss

Wir hatten extra den Frühzug nach Hause genommen, um am Ostermontag die ersten 17° des Jahres im Sattel abzufeiern. Ich fand, das war ein SR-Tag, mit Lederjacke und Jeans. Anja hatte auch Kleinteiliges im Sinn, und so tuckerten wie erstmal die Deichstraße Richtung Geesthacht entlang. Nach kurzer Zeit wurde klar, dass die Vorhersage nicht ansatzweise der Realität standhielt. Aus Südosten kam ein eisig schneidender Wind, dem die Jacke absolut nichts entgegenzusetzen hatte, und der das Luftschloss der programmierten "kleinen McPom-Runde" ins All fegte. Alle Hoffnung lastete nun auf der These, die Picknickstelle in Barförde, die wir nicht vergessen hatten, könnte im Windschatten des Deiches liegen. Lag sie. Wir lagen dort rum (mit Jacke), lasen ein Buch und aus Dresden kamen Dampfer. Zurück hatten wir Rückenwind, und es fuhr sich wie Butter. Das änderte aber nichts an dem Sog, mit dem die Idee eines heißes Bades mich nach Hause zog.





Freitag, 7. April 2023

Starter.

Das einzig Gute am Saisonkennzeichen ist, dass es dadurch einen formellen Saisonstart gibt. Zumindest für die Bolt. Anja feierte auf der Rebel mit. Die Maschinen fanden das Getue albern. Sie gingen an wie gestern abgestellt. Die Rebel hatte nicht einmal Luft verloren, wie sich an der Jet Tanke Feldstraße zeigte. Anhand der Wetterkarte nahmen wir einen nicht zu groß gedachten westlichen Kurs, dort sollten stabile Sonnenstrahlen sein an diesem ansonsten spätwinterlichen Karfreitag. Das, und überhaupt alles, rückte in den Hintergrund, als wir uns auf freier Strecke befanden und die Cruiser über das Land segeln ließen. Das Gefühl war sofort so wieder da, als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben. Winter erschien wie eine absurdes, abwegiges Konzept. Es lag vielleicht auch an den warmen (z.T. beheizten!) Sachen, dass wir in Kollmar mit überzeugender Lässigkeit vorfuhren. Wir parkten etwas abseits, damit keiner die Staubschicht sah. Auf dem Rückweg zogen Wolken über Rellingen auf und brachte die vertraute, fahle Kälte zurück. Die Lässigkeit blieb.



Sonntag, 19. März 2023

Illegal

Ben tauchte im Chat auf und hatte was vor. Keine Stunde später hörte ich das Brummen einer frisierten Dax. Damit war, das hatte ich ihm im Vorfeld versichert, gute Kompatibilität mit der Performance der SR gegeben, und eine kleinteilige Nachmittagsausfahrt war das Ding. Es ging über die Freihafenelbbrücke, dann die bekannte Route über die Hohe Schaar bis nach Harburg. Dort wurde es kriminell: Die riesigen Industrieruinen am Eingang zum Hafen beinhalten Graffiti und Streetart vom Feinsten, und en masse, was natürlich nur sieht wer dort drin ist, total illegal. Wir warteten einen Regenschauer ab und fuhren zurück,  wobei mir die Aufgabe zufiel, von der SR aus die Höchstgeschwindigkeit der Dax messen, deren Tacho ging nämlich nur bis 70. Kein Kommentar. Dann kam noch ein Schauer, und dem konnten wir nicht ganz entkommen. Später rollten wir ins Schanzenviertel ein und waren echte Draufgänger. Kurze, männliche Verabschiedung an der Kreuzung, dann fuhr ich auf direktem Weg zum Kärcher, um schnell die SR zu waschen.



Samstag, 18. März 2023

Zeitenwende

Gerade als Anja sich in Schottland von Dudelsäcken foltern ließ, kam ein Tag wie eine Zeitenwende. Satt zweistellig, taghell und sauber. Kick, Kick, die SR lief. Als hätte ich sie nur kurz für einen Kaffee abgestellt. Die Staubschicht sah keiner, die Lederjacke saß, und beim Schaulaufen durch die Schanze dachte ich umdrehen zu müssen, um die viel zu warme Thermounterwäsche wieder loszuwerden. Ich behielt sie an, weil ich Großes vorhatte: Zunächst auf bekannten Wegen zum Apfelautomat im Alten Land. Dann, unendlich frei atmend, lange Stücke auf der pastell-sonnigen B3 bis Welle, dort abbiegend in die ockerfarbene Heide. Alles war perfekt, die Maschine schnurrte mit 85 Sachen durch die sanfte Kühle. Ich hatte noch Virusreste in mir, und überließ sie Fahrtwind, zum Mitnehmen. Die Strecke über Undeloh, hoch nach Holtorfsloh und schließlich Stelle teilte ich mit mit freundlich grüßenden Bikern, störende Autos waren selten. Zurück in der Stadt traf ich auf die Fußgänger, sie liefen aufgescheucht umher. Ich parkte die SR liebevoll in der Garage. Sie wird dort warten auf den nächsten Kick.



Sonntag, 8. Januar 2023

Randbereich

Wintertage mit 10°C sind absolut innerhalb der Komfortzone. Ich war trotzdem etwas ängstlich und strickte am Tomtom eine sichere Kirchturmfahrt zusammen, die jedes Restrisiko vermied. Sie führte im Bummeltempo durch den Hafen nach Harburg, und dort zunächst durch ein Wohngebiet gefolgt von Bergwäldern, die sonst allenfalls Naherholende sehen (welche auch im Überfluss vorhanden waren). Auf dem südöstlichen Bogen Richtung Meckelfeld war ab und zu auch ein Stückchen befreiende Landstraße dabei, aber das Tempo blieb durchweg zweistellig. Über Over kam ich zurück auf die Elbinseln, dort improvisierte ich durch den diffusen Randbereich zwischen Marsch und Industriegebiet. Niemand war unterwegs außer mir, ich musste mich um nichts kümmern, außer rechtzeitig bei einer warmen Suppe zu sein, kurz bevor die Füße kalt wurden.



Sonntag, 1. Januar 2023

Reset

Am Neujahr kam Licht und Milde, als hätte jemand auf den Reset-Knopf gedrückt. Wir gaben uns der Illusion bedingungslos hin, indem wir uns, nach länglicher Diskussion über die Fahrzeugwahl, mit der 500X dorthin fuhren, wo der neue Wind herkam. Das war irgendwo weit im Westen, in der Marsch hinter Wilster. Zerstreute Sonne strich gelb und schräg über die leeren Weiten, durch die wir staunend auf Nebenstraßen rollten, den Moment absorbierten und nichts hinterfragten. Der Bogen spannte sich bis kurz vor Itzehoe, in Glückstadt schauten wir dem großen Fluss nach. Auf dem Weg nach Elmshorn schaltete ich die Heizgriffe ein, dann ging es auf der Autobahn zurück in die Dunkelheit. Das war okay, denn wir hatten das Licht gesehen.



Samstag, 24. Dezember 2022

Wie Weihnachten

Weihnachten feucht und mild, so mag man es. Wir zogen beheizte Socken und Handschuhe an, bepackten das Schreckliche Topcase deutlich über die Lastgrenze und rollten durch Wandsbek aus der leeren Stadt hinaus, hinein in den trübsten aller Nachmittage. Die Menschen in den Häusern hingen wohl Schmuck an Bäume und sangen fromme Lieder, aber das war Lichtjahre entfernt, auf unserem einsamen Weg durch die Feldmark und die Wälder, über die mit Wucht eine endzeitige, graublaue Dämmerung hineinbrach. Der Scheinwerfer stach einen Laserstrahl in den dicken Nebel, so dass sich die ganze Welt auf einen verlorenen Lichtblick reduzierte. Strukdorf glühte am Ende der Finsternis, wir rollten auf das Anwesen mit dreckigen Schuhen und dem summenden Gefühl eines bestandenen Abenteuers. Aus unserer Sicht (und der unserer Gastgeber) eine Legitimation zum Verheizen eines Waldes sowie die Vertilgung dessen Bewohner.