über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 11. November 2012

Reste

Beim Tanken war es kurz so, als hätte die Sonne noch etwas Wärme. Auf der B 75 war es nur noch eine milde, gaudagelbe Kühle, durch die ich zunehmend ungeduldig rauschte. Ohne Rast und links und rechts zu schauen, erreichte ich Travemünde. Dort war alles beim Alten, auch das neulich noch Neue. Auf der Rückfahrt, die ich still genoss, hatte ich Muße. Ich sah Orte, die mal heiß und flirrend waren, nun kapitulierend in der Nachmitagsdämmerung. Alleen, links kahl und rechts noch beinahe grün. Eine Sonne, riesig dunkelrot im Süden, Familen in Mittelklassewagen, wohlig nach dem Spaziergang in Jack Wolfskin, gedanklich schon Weihnachten. Die Stadt nahm mich leuchtend auf, und die Restwärme, die ihre Steine noch abstrahlten, die war gar nicht da, die bildete ich mir nur ein.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Oktobersommer

Mitten drin im Oktober, irritierend, kam endlich der Sommer. Dinge blieben liegen, Weihnachtsmänner schmolzen in der Sonne. Sicher ist sicher sagten wir und fuhren unbedingt noch einmal Richtung Elbauen. Jetzt bloß kein Risiko eingehen. Klar hätte man dickere Socken anziehen können oder eine Jacke schon mal mit Winterfutter. Aber das wollten wir nicht, sondern noch ein Mal so tun als ginge es immer so weiter. Hinten auf den kleinen Landwegen am Deich entlang, die Brücke bei Dömitz, dann die antiken Dörfer auf der anderen Seite, gelbe Baumkronen im Gegenlicht unter letztem Blau. Wir mampften unsere Proviantbrötchen an der B 195, wo alles, was zwei Räder hatte, vorbei schoss. Am Ende, auf dem üblichen Heimweg, waren wir müde und die 300 Kilometer fühlten sich in den Knochen sogar noch länger an. Wir nahmen die Eindrücke dieser Fahrt und verwahrten sie an einem sicheren Ort.

Freitag, 12. Oktober 2012

Unsinn

Da alles getan war, kam unverhofft ein halbwegs freier Freitag. Die anrückende Front auf dem Radar hielt ich für Unsinn, da ich einen äußerst strammen Ostwind vernahm. Bei Ostwind gibt es keinen Regen. Mit meinem orangen Halstuch und dem dazu passenden Chopper stand ich dekorativ im Dauerstau in Finkenwerder. Dann segelte ich befreit vor dem Wind Richtung Grünendeich. Es war viel zu kalt, aber die Aussicht auf eine einsame Schinkenwurst beflügelte mich. In der Tat war ich abgesehen von zwei plattschnackenden Eingeborenen der Einzige dort, so dass ich die Maschine querfeldein auf dem nummerierten Parkplatz hinlümmeln konnte. Auf der Rückfahrt hatte ich den Ostwind von vorn, und wie durch ein Wunder jetzt dann doch mit Regen. Zunächst alberne Tropfen, dann Nadelstiche, und auf Hamburg zu eiskalter Dauerregen zwischen stockenden LKW's. Der Elbtunnel hätte gar nicht wieder aufhören sollen. Egal, die Wurst war's wert.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Hohe Schaar Dream Team

Der Tag der Einheit war manchmal freundlich, aber zu mehr als der kleinen Hafenrundfahrt reichte es nicht. Dafür aber in einer heute seltenen Konstellation mit Marcus und Anja, dem alten Dreamteam. Es dauerte nicht lange, da wollte Marcus alles testen, vor allem den Orangen. Wir waren weit abgelegen auf der Hohen Schaar, da sah niemand die alte Endurojacke und den Integralhelm in blaumetallic. Marcus war der erste Mensch, der die Fußrasten auf der Geraden aufsetzte. Davon abgesehen arbeitete er sich schrittweise und willens heran an die Lässigkeit einen Chopper zu fahren. Ich fuhr seine antike G/S, die inzwischen nicht mehr gewaschen werden darf. Die fuhr wie ein Aussichtsturm. Die Starkregenfront "Emden" kam auf dem Display millimeterweise näher. Wir flüchteten in die Stadt, fuhren bei Stenzel vor und holten schweren Schokokuchen.

Sonntag, 30. September 2012

Sehr kleine Brötchen

Im direkten Vergleich zu den Grandes Alpes sind hier nur sehr kleine Brötchen. Wir hatten die Maschinen gewaschen und segelten vor dem Wind und etwas gelangweilt zum Zollenspieker. Dort war die Warteschlange zu lang und der Kaffee nicht richtig. Wir drehten lieber nochmal die Runde über Boizenburg - Schaalsee - Gudow durch frühherbstliche Wälder und Sonne, die nicht mehr wärmte. Durchgefroren inhalierten wir die Kürbissuppe am Kamin im Gasthof Hartz. Es kam wieder das lange Stück durch den Wald über Büchen und Lauenburg, den Wind im Gesicht und ferne Länder im Kopf.

Donnerstag, 27. September 2012

Und es ist doch ein Picknick.

Das Leben ist ein Picknick, und zwar besonders an Flusstälern, auf Hochebenen oberhalb der Baumgrenze oder einfach an irgendeinem Picknickplatz an der Straße, die kaum befahren ist, bei einer Kehre, mit einer Sonne wie selbstverständlich und den Blick schweifend über felsige Massive, die in den Himmel ragen. Immer dabei: Baguette, Salami, eine Thermoskanne sowie eine Honda und einen orangenen Chopper.
Den entsprechenden Full-Size Reisebericht gibt es zeitnah hier ganz in der Nähe.

Sonntag, 9. September 2012

Chopper und Hohlwege

Am Anfang war alles viel kälter als gedacht. Auf der Autobahn nach Geesthacht kamen erst die Hände und dann die Füße an den Rand des Komfortbereichs. Wir kurvten weiter auf der B 195 nach Zarrentin und brauchten verfrüht Kaffee, obwohl wir eigentlich bis Janny's Eis in Grevesmühlen durchmachen wollten. Die Landstraße durch die Wildnis hinterm Schaalsee über Lassahn war holperig wie eh und je, was Anja erstmalig spürte und ihre Honda zunächst schräg anguckte. Ich donnerte mit dem orangenen Chopper darüber und war entzückt, dass endlich mal nichts mehr durchschlug. Da der Tütencappuccino am Schaalsee so süß gewesen war, konnten wir in Grevesmühlen nach all der Plackerei noch nicht mal ein Eis essen. Dafür kam endlich die Mittagshitze, typischerweise als wir zu Fuß auf der Suche nach einer Haspa durch die Innenstadt stapften. Über Bobitz kämpften wir uns dann durch sehr kleine romantische Hohlwege, Schlösser, wuchernde Auen und Vorkriegsalleen am oberen Zipfel des Schweriner Sees entlang. Hier war niemand außer uns. Der Nachmittag flirrte, erste Blätter fielen. Aus Versehen landeten wir auf der unschlagbaren Straße über Kaarz und Jülchendorf. Das üble Katzenkopfpflaster mussten die Maschinen halt einstecken. Auch der weitere Verlauf war im Grunde eher was für Vanvans (oder GS'e, worauf Anja bestand), was uns aber mit jedem Kilometer durch den heißen Spätnachmittag egaler wurde. In Dümmer tranken wir nochmals Kaffee inmitten Einheimischer, serviert von der pampigsten Bedienung der DDR. Es kam noch die lange rauschende Gerade durch den Wald nach Büchen und die schläfrige Deichstraße im scharfen Gegenlicht. Zum Schluss waren es gut 400 Kilometer, und es tat tatsächlich nicht mehr weh.