20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 29. August 2011

Travemünde traditionell

Frühherbstlich kühl und klar war die Luft. Die Harley bollerte die Landstraße über Lasbek nach Bad Oldesloe, Benstaben. Ein oder zwei Kilometer westlich von mir bewegte sich eine graue Wolkenfront parallel, drohend, jedoch ohne näher zu kommen. Ich durchfuhr Lübeck und nahm traditionsbewusst die alte B 75 durch den Herrentunnel. Travemünde lag nass und frierend da. Ich verbrachte den Nachmittag mit dem Alten Herren, das Regenradar aus dem Augenwinkel beobachtend und passte eine vielversprechende Lücke ab. Über Oldesloe war aus der Ferne schon die nächste Wolkenwurst zu sehen. Ich stand an der Ampel in einer langen Schlange hinter einem alten roten Porschetrecker als ein kurzer, heftiger Starkregen einsetzte. Die  klammen Klamotten, eisiger Gegenwind und frierende Finger kennzeichneten die eintönige Rückfahrt über die graue B 75 und riefen ein völlig in Vergessenheit geratenes, intensives Körpergefühl in Erinnerung.

Sonntag, 28. August 2011

Marsch

Gestern war mit großem Getöse und reichlich Medienrummel der Sommer beendet worden. Heute Nachmittag hörte der Regen auf und eine neue Witterung begann. Ich fuhr auf Anjas Vanvan und wusste gar nicht wohin. Zuerst die übliche Strecke durch den Hafen, dann ganz unsäglich auf der Vierspurigen durchs prollige Neugraben, unmotiviert hinter Familienkutschen her bis Buxtehude. Damit waren vollendete Tatsachen geschaffen und ich bog ab ins immer älter werdende Alte Land. Am Lüheanleger stand ich allein mit meinem Cappuccino und Apfelkuchen. Die Sonne war herausgekommen und fragte: was nun? Kurzentschlossen bezog ich den Vorabend mit ein und begab mich auf den Weg nach Wischhafen. Die Gartenzwergige Piefigkeit hinter mir lassend, kämpfte sich die Vanvan voran durch die herb im bissigen Südwind harrenden grauen Dörfer. Noch während die Fähre über die glitzernde Fläche setzte zum Horizont, der endlos und starr da lag, kroch die neue Luftmasse in die Goretexjacke, so dass ich erstmal den Reißverschluss zumachen musste. Drüben, auf dem kargen Highway zwischen Glückstadt und Elmshorn rollte die Vanvan im langen Sechsten mit gleichgültigen 80 Sachen durch die Landschaft. Ütersen, Heist, Wedel, Strecken aus der Vorzeit. Die Elbchaussee führte vorbei an spätsommerlich leuchtenden Schiffen. Zu Hause hätte ich eine heiße Dusche gebrauchen können, so durchgefroren war ich.



Montag, 22. August 2011

Call Of the West (in Dithmarschen)

Wochenend und Sonnenschein, das kennt man gar nicht mehr. Wir befanden uns auf der morgendlichen B 75 RIchtung Lübeck, wie so oft. Aus allen Dörfern  krochen Harleys hevor, hinter uns hatte sich bereits ein grollender Tross entwickelt. In Lübeck waren nämlich Harley Days. Obwohl es cool war, die einzige Vanvan zwischen tausenden Custombikes zu parken, überließen wir den Mob nach kurzem Kontrollgang sich selbst und begaben uns auf den langen Weg gen Westen. In Strukdorf hielten wir kurz und Horst lotste uns auf dem T-Max den Weg durch das unübersichtliche, zersiedelte Gebiet bei Wahlstedt. Ab Heidmühlen waren wir auf uns allein gestellt. Weder die Harley noch die Vanvan ließ einen Tankrucksack zu, folglich musste man sich auch die verwegensten Strecken durch Wald und Wiese im Kopf merken. Neumünster empfing uns metropolenhaft. Am örtlichen Galao-Strip parkten wir zwischen allerlei Tiefergelegtem. Unsere Route brachte uns immer weiter in unbekanntes Gebiet. Der Westwind blies und es war gut, einen Pullover anzuhaben. Über Aukrug führten verlassene, einspurige Landsträßchen durch das Schleswig-Holsteinische Kernland. Bei Breiholz setzten wir über den Kanal und kamen in noch fremdere Welten. Wäldchen und kurvige Geestrücken wechselten sich ab mit Topfebenen. Flussarme glänzten im Spätsommer hinter Büschen, Getreide staubte. Mit Bleifuß wuchteten Trecker Doppelanhänger irgendwo hin. Hinter Friedrichstadt, der letzte Bastion der Zivilisation, fängt das Land bereits an, sich aufzulösen. Wir kämpften gegen den spürbar an Kraft gewinnenden Westwind an, bis auf die Halbinsel Eiderstedt. Nach ein paar schleichenden Kilometern durch Buschtunnel standen wir vor dem Ende. Hinter dem Deich kam nur noch ein Windrad, dann ein Betonplattenweg und schließlich ein Haus, wo uns ein Gutteil der Sippe empfing. Das Essen war schon fertig.

Am Sonntag war alles sommerlich. Hinter dem Ort steht der bekannte Leuchtturm aus der Jeverwerbung, obwohl hier gar nicht Friesland ist. Um einen Kreis zu bilden, fuhren wir statt durchs Landesinnere an der Küste entlang zurück, durch endlose Weiten, mit einem Deich, der allzeit den Blick auf die Nordsee versperrt. Meist ist sie ohnehin nicht vorhanden. Dabei kommt man durch viele Orte, die heute, für ein paar Stunden, ihr Grau farbenfroh leuchten ließen. Der Wind hatte inzwischen auf Süd gedreht, so dass er wieder von vorne kam. Wir saßen im Straßencafé und hatten längst aufgehört, die Trecker zu zählen, die die B 5 füllten. Unten an der Ecke der Elbmündung quoll es verdächtig. Wir bogen im prächtigen Marne Richtung St. Michaelisdonn ab und genossen den Moment, wieder Geest unter die Räder zu bekommen. Die Strecke Itzehoe-Elmshorn behält, nüchtern über windige Kuppen und kahle Ebenen führend, sogar an Sommertagen ihren ungemütlichen, derben Charme. Auf dem letzten Stück nach Hamburg kam die graue Masse von Süd immer näher, während es dampfend heiß wurde. In allerletzter Sekunde konnten wir die Boliden in die Sicherheit der Tiefgarage bringen.

Montag, 15. August 2011

Vanvan Now!

Samstag, 29.07.2011, Bayern
Reichlich übermüdet hatte ich Regensburg erreicht, war mit einem tiefergelegten Escort aus den Achtzigern abgeholt worden und saß am Nachmittag schließlich auf der Vanvan, den Gasgriff am Anschlag. Noch hatte ich Mühe, den richtigen Rhythmus zu finden, der bei knapp Neunzig endete. Bei knackigem Gegenwind kämpfte ich mich durchs Altmühltal und auf gelben Straßen über Berg und Tal. Regen setzte ein und hörte nicht wieder auf. In Hilpoltstein saß ich im Bistro mit einer gut gemachten Gulaschsuppe. Draußen stand orange die Vanvan. Spätnachmittags durchquerte ich in grauem Nass ohne Halt Nürnberg, musste aber einsehen, dass es so nicht weitergehen konnte. Triefend und frierend kehrte ich in Forchheim im Einfachsthotel "Easy" ein. Ich fuhr zum Supermarkt, holte Vinho Tinto und Käse und verbrachte den Abend vorm Fernseher, nachdem ich meine Schuhe trockengefönt hatte.

30.07.2011, Sonntag
Der nächste Tag war trocken und arschkalt. Ich war in Bamberg verloren umhergeirrt, bevor ich die B 279 fand. Eine Straße, die man sich unbedingt merken muss. Ganz allein brummte ich durch Landschaft wie in dem Reiseführer "Germany", in dem ich vor zwei Tagen in London Heathrow gelangweilt geblättert hatte. Nur dass dort auf den Bildern die Sonne schien. Hier war es grau, und der Wind blies eisig  gegen verzweifelnde 12 PS an. Die Fahrt über das sich am Horizont mächtig abzeichnende Rhönmassiv schminkte ich mir schnellstens ab, nachdem ich auf einem kleinen Pass im Vorfeld fast erfroren war. Westlich hinter den Bergen erreichte ich bei Fulda aufgelockerten Himmel und die B 27. Ich fühlte mich beinahe heimisch. Gutgelaunt schwang ich die Werra hinunter, hielt gelegentlich um ein, zwei Bifi zu inhalieren mit Anja zu konferieren, die mich am Bildschirm verfolgte. Witzenhausen kam romantisch in Sicht, als es Zeit wurde. Ich quartierte mich ein, bestellte Schnitzel "Holstein" am Markt und freute mich auf einen schönen Absacker irgendwo in einer der zahlreichen Bars in den lebendigen Mittelaltergassen. Pustekuchen, die Bürgersteige wurden hochgeklappt ehe es dunkel war.

31.07.2011 - Montag
Ein freier Montag war zu schade, um schnurstracks auf der B4 (es ginge auch auch die B3) verschwendet zu werden. Lag doch die schöne Weserstrecke so nah. Die Vanvan und ich hatten uns inzwischen eingegrooved. Ich verzichtete auf die letzten 10 Km/h und sie schnurrte im Overdrive durch die weiten Kurven den Fluss entlang. Ich wollte unbedingt alles aus dem Wesergebirge rausholen und da kam nur ein Weg in Frage, es zu verlassen: Durch die Porta Westfalica. Eine gute Stunde irrte ich durch die entsetzlich zersiedelte Gegend bei Rinteln, am Südrücken des Wiehengebirges, und quälte mich zusammen mit abertausenden Lastzügen durch den Weserdurchbruch. Sie begleiteten mich auf der schließlich folgenden, langen Fahrt durch die Ebene über Nienburg, Verden,  Rothenburg usw. Mit 70 Sachen saß ich mit zunehmender Erschöpfung die endlose Zielgerade ab. Die letzte Stunde verbrachte ich im Stau auf Hamburg zu.

14.08.2011 Strukdorf
Das war vor zwei Wochen. Jetzt, an diesem Augustwochenende hörte es für einen Tag auf zu regnen. Ich entpackte die Vanvan und fuhr los Richtung Strukdorf. Noch vor Oldesloe hielt mich nichts mehr auf der Bundesstraße. Ich probierte die Dorfstraßen um Grabau und Tralau aus, und fand mich auf Betongplattenwegen in verwunschenen Märchenwäldern wieder. Es waren die letzten Kilometer und ich wollte sie auskosten, näherte mich Strukdorf nur zögerlich mit mehreren Platzrunden. Vor versammelter Sippe fand die Übergabe statt, genau in dem Moment als die Sonne durchkam und das Orange leuchten ließ. Ein ausschweifendes Fest folgte. Der Regen am folgenden Sonntag dauerte bis zum Abend. Ich musste Anjas GS nach Hause fahren. Die Landschaft lag aufgeweicht und heiß dampfend vor uns. Das ging eine Weile gut, bis über Bargteheide die nächste Starkregenwelle auf uns zurollte. Im Rückspiegel sah ich Anja, abwesend grinsend auf der Vanvan in ein neues Zeitalter hineinrauschen.

Montag, 8. August 2011

Art-Café

Ungläubig hatten wir am Sonntagmorgen auf das Regenradar gestarrt. Meilenweit war kein Dauerregen in Sicht. Wir begaben uns gegen Mittag auf die Landstraße nach Lübeck. Es war ein windiger, frischer Tag im August wie im Herbst. Über Lasbek und Pölitz erreichten wir Oldesloe. Da wir in Strukdorf noch etwas nachzuschauen hatten, machten wir einen Umweg über die immer wieder kurvige Straße nach Segeberg. Von dort brauchten wir einige Anläufe, um die Strecke über Magarethenhof, Rohlstorf hinten um der Warder See herum wiederfanden. In Lübeck mussten wir ein Stück durch neu gemachte, boulevardartige Fußgängerzone fahren, um das Café zu erreichen, wor wir mit Tom verabredet waren. Zurück fuhren wir über Kronsforde, dann aber nicht über Kastorf (gesperrt), sondern brummten durch bis Berkenthin. Eine seltene, unterschätzte Strecke. Immer wenn es ein Stück westlich ging, sahen wir eine drohend schwarze, wenngleich fotogene Wolkenwand zu uns. An Anhalten war nicht zu denken. Nur eine außerordentlich scharfsinnig gewählte Route über z.T. unbekannte Buschtunnel durch die Feldmark brachte uns in letzter Sekunde ins rettende Parkdeck.

Sonntag, 7. August 2011

Rally Of The Year

Weit waren wir nicht gekommen. Aus der langhändig geplanten Rally war ein Versuch geworden, es vielleicht bis Grünendeich zu schaffen. Der Harte Kern, Marcus und ich, kämpfte sich durch den Freihafen bis weit nach Finkenwerder hinein. Am Airbus-Aussichtspunkt diskutierten wir die unheilvollen Radarbilder der Smartphones durch. Gerade hatten wir sie sicher verstaut, setzte Starkregen ein, dem man auch durch den Elbtunnel nicht entkommen konnte. Marcus war irgendwie noch bis Wilhelmsburg durchgekommen, ich kam gezeichnet zu Hause an, als gerade die Sonne wieder rauskam. Ich wollte ruinierte Harley noch waschen, aber der Dampfstahler der Shelltanke war defekt.