Die Medien sprachen von einem Absturz in den Herbst, einem dramatischen Ende, einem Abgrund. Daher war es egal, dass wir nach einem unterhaltsamen Abend mit Wulf recht matschig und viel zu früh unterwegs waren, denn in Mecklenburg sollte ein sich ein Restsommer verstecken. Wir schafften nur mühsam das erste Stück, im Vormittagsdunst am Deich entlang bis Lauenburg, dann war die erste Kaffeepause fällig, an der Shelltanke. Die Fahrt nach Boizenburg war introvertiert, im Kopf konstruierte ich interessante Gebäude, aber manchen Abzweig verschlief ich dabei. Wir nahmen die B195 nach Zarrentin, dann links am Schaalsee entlang, auf winzigen Abwegen über Salem und Kittlitz. Die Farben, durch die wir fuhren, das Licht, die schwer tragenden Apfelbäume entlang der vergessenen Landstraßen im Nordwestmecklemburger Hinterland, das alles hatte einen frühherbstlichen Touch. Die Sonne brannte auf Stoppelfelder und fallendes Laub. Über Rehna erreichten wir Grevesmühlen, fuhren bei Janny's vor, bestellten 2 Kugeln mit Sahne und sinnierten über diesen Ort, den wir schon seit den Anfangstagen kennen. Zurück ging es geradlinig nach Süden, über Mühlen-Eichsen, Richtung Wittenburg. In Südmecklenburg stand die Hitze wie an einem heißen Julitag, dazu kam eine bleiernde Müdigkeit. Wir lagen dösend auf einer flirrenden Elbauenwiese, es war gespenstisch still, nur vereinzelnd erfüllte das Jaulen fliegender Vierzylinder die Luft. Am Ende gondelten wir wieder über die Deichstraße nach Hamburg, der Kilometerzähler sprang auf 400. Im Südwesten war der Rand eines Wolkenbandes zu sehen, in dem die Sonne abtauchte. Das ist immer so, wenn man auf die Stadt zu fährt. nur diesmal stand "Herbst" drauf. Wir hielten das für einen Medienhype.
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