Montag, Northeim (Han)
Feierabend. Der eine Moment, für den jahrelang geplant, diskutiert, gerechnet, verworfen und gezweifelt wurde, der war jetzt gekommen. Um 18:27 klappte ich mein feierlich Laptop zu und lehnte mich zurück. Ich nahm das Tomtom und ließ eine 'spannende Route' berechnen. Der Dönerladen in Clausthal sollte am Scheitelpunkt liegen. Ich nahm Helm und Jacke und startete die Honda, die vor der Tür stand. Auf der B248 dauert es keine 5 Minuten, dann ist man wo man immer sein wollte. Bei Echte ging es rechts ab, über einen kleinen Pass Richtung Westenhof, auf die einsame Kurvenstrecke vom Sonntag. Dann über Windhausen auf die Bergrennstrecke hoch auf den Harz. Die Honda, die Straße, der Moment und ich, wir waren eins. Am Ziel verschlang ich Dürüm unter örtlichen Studentenvolk, welches mit tiefergelegten Kleinwagen anreiste. Für sie war alles normal, während ich mich mühte, die neue Realität Schritt für Schritt einzuordnen. Zum Sonnenuntergang war es noch lange nicht dunkel. Ich parkte die Honda vorm Haus und freute mich auf morgen.
Dienstag machte ich mir erst gar keine Mühe. Ich tippte irgendwo westlich von Göttingen auf die Karte und orderte eine spannende Route. Diese dauerte 90 Minuten, das passte, ich fuhr sie ohne nachzufragen ab. Es ging linksleinisch am Hang entlang, sehr entspannt mit 90 Sachen durch den warmen, hellen, leerem Juniabend. Jede Straße ist ein Genuss, immer frei, die Dörfer schliefen schon, wenn ich im Fünften durchkurvte und durchatmete, wenn es mit etwas Gas auf den nächsten Hügel ging. Manchmal verliefen die Nebenstraßen bucklig durch die Feldmark, dann wieder zügig, egal wie, es war so wie ich es immer wollte. Wenn dies das Leben sein kann, was war es dann vorher, fragte ich mich. Zuhause goss ich mir ein Glas Wein ein und vermisste Anja.



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