Mit großen Gleichmut quälten wir uns aus der Stadt heraus. Die Hände schwitzten in den Handschuhen, die Sonne blendete, es war Samstag, früher Nachmittag, später April. Wir hatten gesagt, irgendwas mit Mecklenburg, keine großen Pläne. Ein Stück Autobahn, dann bei Witzhave in die Gegend um Mölln. Das Land war wie aus dem Ei gepellt, bunt und sauber. Staunend glitten wir über die hügeligen Straßen im Lauenburgischen Grenzstreifen, und erkannten fast nichts wieder. Dass zwischen den Döfern viele Kilometer unbeschwerten Segelns liegen, dass es Kurven gibt, aus denen man mit Genuss rauszieht, und dann fährt, immer weiter, ohne dass die Finger doch irgendwann klamm werden, und ohne irgendein anderes Fahrzeug (seltsam!). Darüber kamen wir aus dem Staunen nicht raus. Bis Zarrentin, dort brauchten wir Kaffee am See. Alles war wie immer, aber neu entdeckt. Telse war am Telefon und lud uns spontan nach Neukoppel. Die buschige Holperstrecke nach Ratzeburg, die Querverbindung Richtung Oldesloe, gelbe Felder bis zum Horizont, oder weiße, ins Kitschige gehende Blüten am Straßenrand. Der Löwenzahn als Herrscher über alles. In Neukoppel gab es eine Hängematte, in der man vom Ostwind gewiegt wurde, und nochmals Kaffee. Auch die B75, zurück, war gespenstisch leer. Wir rollten einfach dahin, und der Amboss im Osten konnte uns nichts anhaben, und der im Süden zog vondann.
über 20 Jahre !!!
Samstag, 26. April 2014
Montag, 21. April 2014
Nord
Erst waren wir in Wedel zum ausführlichen Beratungsgespräch über Nordfernziele, aber an diesem Ostersamstag ging es erst mal um den näheren Bereich im Nordwesten. Die Sonnenblende blieb heruntergeklappt, denn das Licht schien gleißend auf die farblosen Dörfer zwischen Elmshorn, Kellinghusen und Hohenweststedt. Aus Ost jagte ein heftiger Wind, so dass man nur ausnahmsweise mal ins Gleiten kam. Manchmal erhob sich ein Geestrücken aus der Ödnis der Marsch und brachte Momente der Fahrfreude. Dann lagen wieder baumlose Geraden und der Wind vor uns. Friedrichstadt war voller Touristen (zu recht!) aber auch Arschlöcher waren dabei. Gut, dass wir bei unseren Freunden in einem nicht all zu weit entfernten Ort erwartet und bestens untergebracht wurden.
Am Sonntag hatten wir uns eine gut aussehende Route durch den obersten Teil des Landes herausgesucht. Zuvor gerieten wir jedoch in Husum unfreiwillig in die Ausläufer des dortigen Mogo. Wir taten so, als ging all das uns nichts an (tut es ja auch nicht) und kämpften über Viöl und Jübeck gegen den atemlos über die traurige Landschaft peitschenden Ostwind an. Die Gegend war sehr sparsam, daran änderte auch die Sonne nichts. Sie schien machtlos auf menschenleere Orte, monoton und konturlos. Das Land ist hier so schmal, dass wir bald in die Nähe der Ostsee kamen. Bei Missunde überquerten wir die Schlei mit einer Seilfähre. In der Nähe von Eckernförde gibt es ein prächtiges Mittelgebirge, das in der Nachmittagssonne maigrün leuchtete (im April). Aber der Wind kam übers Meer direkt aus Sibirien und wir waren froh, als wir ihn endlich im Rücken hatten. Auf dem Weg nach Erfte sah es dann wieder aus wir in Holland. Zum Glück hatte der Lidl noch auf, so dass wir nicht mit leeren Händen bei unseren Gastgebern aufschlugen.
Ostermontag: Der Regen sollte angeblich gegen Mittag verschwinden, tatsächlich kam er gar nicht. Nur milchige Wolken und nach wie vor der scharfe Ost begleiteten und auf dem Rückweg die grenzenlos monotone B5. Heide, Meldorf, Brunsbüttel - trübe Orte, die erst unter fahlem Grau ihre vollendete Tristesse entfalten. Wir nahmen den Weg über Brokdorf, Glückstadt, Elmshorn, nunmehr sonnig. Der Schluss war ein wilder Slalom zwischen weit sichtbaren Schauerzellen hindurch (mit Erfolg!), der uns bis in ungeahnte Ecken Pinnebergs verschlug.
Sonntag, 13. April 2014
Befriedigung
Der Sonntag war sehr sonnig und sehr frisch, die Stadt schläfrig, und das passte gut. Wir saßen zu zweit auf der blauen Vanvan und schlichen durch die Gassen St. Paulis. An einer Ecke fanden wir ein szeniges Café, wo man vorfahren konnte. Im Windschatten hielten wir es für einen schönen Tag.
Später ergab sich für mich noch eine Gelegenheit, mit dem Chopper eine beseelte Runde zu drehen. Die Kälte kroch eigentlich nicht, sondern wehte irgendwie durch den Kopf, was sehr befriedigend war.
Samstag, 12. April 2014
Introvertiert
Der Samstag war glänzend, und wir hatten ihn ganz für uns. Ohne groß nachzudenken cruisten wir durden Hafen, umgingen auf der neuen Umgehungsstraße unangestrengt Finkenwerder, bummelten brav in Kolonne durchs Alte Land, das blühte wie noch nie. In Grünendeich bogen wir zum Lüheanleger ab, parkten die Reiskocher zwischen funkelnagelneuen Wideglides und Superlows und bestellten Cappuccino. In der Sonne musste man fast die Jacke ausziehen. Hin und her gerissen bogen wir nach Westen ab, da waren zwar Wolken und reichlich Gegenwind, aber auch etwas freies Land, das brauchten wir sehr. Wir setzten mit der Wischhafenfähre über, danach hatten wir den Wind im Rücken. Die Strecke kennt man ja, sie ist eher was für introvertierte Momente. Gegen Ende ging und sie Geduld aus, wir nahmen die Autobahn ab Elmshorn und waren im Nu zu Hause.
Sonntag, 30. März 2014
Von vorne anfangen
Im Süden war es ein Grad mehr auf der Wetterkarte. Süden, das ist da wo die langen Geraden sind, die sind lange her. Jetzt wurde die Zeit umgestellt und der Frühling eingeschaltet. Im Nu fühlte stellte sich das vertraute Gefühl ein. Tief sitzen, breit greifen und das Asphaltband genüsslich unter sich abspulen lassen, den Blick weit, auf die sich im Gegenlicht schimmernde endlose Waldschneise der B3, dabei gedanklich abschweifend und bei Gegenwind leicht kämfend. An Ende der Endlosigkeit kam Soltau, Drehkreuz und Heidemetropole. Wir saßen vor einem kleinen Café und mussten erstmal die warmen Sachen ausziehen. Vor uns stand Mohnkuchen und die Straße war eine einzige Bühne für alles was 2 Räder hat, motorisiert und natürlich angemeldet, im März. Das mit dem Highwaycruisen ging noch eine ganze Weile ungestört weiter. Wir bogen auf die B 209 ab, bis Amelinghausen, dann kleiner, wieder durch die Heide, die überraschenderweise immer wieder ein unbekanntes Landsträßchen aus dem Hut zaubert, das über sanfte Hügel führt. Undeloh kam ins Bild, dann wieder weites Land. In Welle kamen wir wieder auf die 3, inzwischen richtig abgekämpft. Offenbar muss man jedes Jahr von vorne anfangen, jedenfalls fand ich kaum noch eine bequeme Art zu sitzen. Hamburg glühte, war gehüllt in eine Wolke aus Grilldunst, die in der milden Abendsonne super aussah.
Samstag, 29. März 2014
Fliegen
Das mit dem Fensterputzen musste jetzt erstmal so reichen, denn gegen Mittag war die Wärme kaum noch zu glauben. Ich lief schnell in die Garage, holte die Orange raus und fuhr schnell los. Ein Ziel hatte ich nicht, einfach fahren. Ich kam automatisch wieder über die Straße hinter Schenefeld Richtung Appen, war kurz danach Ütersen, dann in Elmshorn. Am Helm klebten erste Fliegen, das war toll. Weiter Richtung Glückstadt, dort gibt es einen Marktplatz, wo man vorfahren kann für ein Schokocroissant und einen Cappuccino. Wenn man keinen Chopper hat, schiebt man halt Kinderwagen, so machen' dort die meisten. Ich ließ mich treiben bis an den Rand von Itzehoe und dann querfeldein irgendwie bis zwischen Quickborn und Bad Bramstedt, es war eigentlich egal wo ich war, ich wollte nur fahren, und es war wie fliegen.
Sonntag, 23. März 2014
Schrubben und zählen
Anja hatte sich im Internet eingeigelt, also fuhr ich allein, trug die Highway-One Lederjacke, Fleecepulli, Doc Martens, aber mit dicken Wollsocken. Denn Zehn Grad waren eine Ansage. Hinter Lurup beginnt eine lange Gerade, die in den rauhen Nordwesten hinausführt. Ich bretterte sie leicht geduckt entlang. Dann kam die Marsch, hell und leer. Über Landstraßen hingen manchmal drohende, diffuse Wolken. Unter Ihnen fror ich, in Sonne nicht. Haseldorf zog vorbei, dann lang gestreckte Deichdörfer, die Heimeligkeit gut situierter Sonntagnachmittage ausstrahlten. Schließlich kam Wedel ins Bild wie eine Metropole. Ich suchte die Straße nach Blankenese durch die Villen beim Falkenstein. Hinter Radfahrern und Familienkutschen her pötternd, konnte ich mich etwas erwärmen. Aber bald war klar, dass nur ein Kaffee bei Anja im Internet wirklich helfen würden. Kaum war ich drin, fing es an zu regnen. Dann hörte es wieder auf, ich wartete noch einen Moment und fuhr wieder los. Noch eine große Runde durch den Hafen, haarscharf an der Kante des Regenbandes entlang, was klasse aussah, dabei mit tendenziell schrubbender Fahrweise, was sehr befriedigte. Jeder Kilometer zählt.
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