Am Mittwochfeierabend cruisten wir durch den Hafen und saßen dann im Beachclub am Harburger Hafenbecken. Ohne die furchtbare Dance-Charts Beschallung hätten wir womöglich die dann ASAP folgende, sensationelle Irrfahrt durch verträumte Deichdörfer zwischen Winsen und Maschen sowie ein Stück echte, unentdeckte B4 im Sonnenuntergang verpasst. Weil's so schön war, rollten wir weiter, bis ganz nach Geesthacht. Im letzten Licht und mit einsetzender Bettschwere rauschten wir die Deichstraße entlang, bis wieder Neonlicht ins Bild kam.
über 20 Jahre !!!
Mittwoch, 21. Mai 2014
Späti
Dreißig Grad im Mai, wow. Die Abende warm, endlos lang, die lässt man nicht vorbeiziehen. Einmal fuhren wir, einfach weil es sich anbot, zusammen auf der Orangen ein Stück aus der Stadt raus, fuhren vorm Schweinske vor und aßen Schuhsohlen. Danach, an der Elbchausee entlang und unten in Övelgönne in der 22 Uhr-Dämmerung, das war verdammt nah am Werbeprospekt.
Sonntag, 18. Mai 2014
Im Westen
Die Regengrenze auf dem Bildschirm ging messerscharf durch Hamburg. Fuhr man nach Westen, blieb man trocken. Hatte sogar Sonne, auf den immer gleichen Birkenalleen hinter Buxtehude, Zeven usw. Irgendwie kannten wir diese Landschaft. Es muss eine alte Zeit gegeben haben, in der man hier entlang fuhr. Heute waren wir schon zufrieden, überhaupt unterwegs zu sein, zumal die Suppe im Osten im Rückspiegel sichtbar war. In Worpswede fuhren wir ca. 12 Mal hin und her, weil wir nicht glauben konnten, dass es nur dieses eine, einzige postmoderne Café gibt. War aber so. Es ging dann endlos weiter, einsam über quadratisch-praktisches Land. Das Teufelsmoor blieb im Verborgenen. Später, irgendwo in der Nähe von Bäderkesa, waren wieder Ansätze von Topografie spürbar. Immer wieder tauchten Orte wie diffuse Erinnerungen auf. Je näher wir dem Alten Land kamen, desto mehr zog es sich zu. Am Ende waren es gute 270 Kilometer, Mehr, als gedacht.
Samstag, 17. Mai 2014
Zehntausende
Am Samstag fuhren wir ausnahmsweise mal zu einem groß angelegten Bikertreff, in Soltau. Es ging geradlinig dort hin, auf der B3 im Sonnenschein. Kaum auf der langen Geraden, war sofort auch dieser Sog wieder da, der uns fast am Heidepark vorbei bis ans Mittelmeer gezogen hätte. Auf dem Veranstaltungsgelände dann, zehntausende Tonnen Stahl auf Rädern, wobei man sich fragte, wo eigentlich die dazugehörigen Menschen waren. Wir stapften schwitzend umher zwischen den neuesten Neuheiten und den üblichen Wurstbuden. Am Ende wussten wir, dass es hier keinen Cappuccino geben wird, auch nicht den ganz billigen aus Pulver. Auf der kurzen Fahrt nach Soltau-Centrum kühlte der Fahrtwind, und in dem kleinen Café gab es alles was wir wollten. Ich hatte die Tour von vor 2 Wochen noch ganz gut im Kopf, die fuhren wir einfach nach. Bergen, Hermannsburg, Munster, dann rauschhaft durch den Wald bis Amelinghausen. Durch das Mittelgebirge bei Undeloh und quer rüber bis Welle. Als wir Im Abendlicht durch den Hafen in die Stadt zurückkamen, waren wir dumm und wohlig erschöpft. Das war okay, denn danach kamen nur noch Burger auf den Grill, und Tom und Almuth zu Besuch. Stundenlang hörten sie sich Benzingespräche an.
Sonntag, 11. Mai 2014
Ernstfall
Ungemütlich, scharfe Böen, wahllose Starkschauer. Ein perfekter Tag, in Rukkaklamotten den Ernstfall zu proben. Im Hafen war Geburtstag, das Wasser voller Schiffe. Aber da wo wir waren, auf Brachflächen hinter Lagerhallen, waren keine Touristen. Dafür Geröll und spektakuläre Pfützen. Irgendwie so muss Island sein.
Samstag, 3. Mai 2014
Raum und Zeit
Halb sog mich die B3 in sich hinein, halb trieb mich der kalte Nordwind vor sich her. Die Straße strahlte Endlosigkeit aus, man würde für immer durch sie gleiten und nicht mehr an die Rückfahrt denken. Der lange Asphalt, die Waldschneise, die monoton brummende Maschine, ich. Sonst nichts. In Schneverdingen machte ich halt bei dem riesigen Motorradgeschäft. Ich trank dort Kaffee, schlich um die Bikes, als bräuchte ich eins. In Wirklichkeit wollte ich mich nur aufwärmen. Südlich gibt eine herrliche Nebenstrecke über Neuenkirchen nach Soltau. Immer noch easy vor dem Wind fuhr ich immer weiter, nach Süden, bis Bergen. Über Herrmannsburg und Faßberg nahm ich Landstraßen, die über sanfte Kuppen, durch Wäldchen und aufgedonnerte Heidedörfer verliefen. Den Wind nun von vorn, verloren in diesem riesigen Land, rollte ich mich mit 80 Sachen. Es folgten Munster, Bispingen, Pferdekutschen und große Weiten, in denen ich den Bezug zu Raum und Zeit verlor. In Sonnenlöchern konnte man auf einer Holzbank sitzen, sich aufwärmen, die Handschuhe auf dem Motor. Das letzte Stück über Egestorf, Undeloh, Welle war filmreif, und ließ viel Raum für Gedanken, z.B. an eine heiße Badewane. Ich fuhr auf der Autobahn in die Stadt zurück, durch die bekannte Kulisse mit den großen Schiffen, eingekuschelt in den Windschatten eines LKW.
Donnerstag, 1. Mai 2014
Enduro
Anja war verschnupft, aber Marcus rief an, und kurz darauf waren wir unterwegs. Mit Mühe schaffte ich es, ihm die Autobahn aus- und die B4 Nord einzureden. Die Gerade auf der Karte hatte ihn zunächst abgeschreckt. Zur Belohnung bogen wir bei Weddelbrook ab und kurvten durch kleinste Waldstraßen, die aussahen, als würden sie jeden Moment in Schotter übergehen. In Kellinghusen saßen wir in der Sonne, staunten über das vorhandene Stadtzentrum und malten uns auf der Karte irrwitzige Fahrten durch das Aukruggebirge aus. Erst eine Bergstrecke, dann ein Flusstal. Dir Bergstrecke ging tatsächlich ein paar Meter einen Hügel hinauf, dass "Flusstal" war ein Betonplattenfeldweg, der mittendrin verboten wurde. Marcus fuhr dann vor, und ich genoss den anderen Blickwinkel sehr, verlore aber komplett die Orientierung. Er führte uns in einem raffinierten nördlichen Bogen um Neumünster herum, dann wieder über verwinkelte Landstraßen querfeldein, die sich nur ein Endurofahrer ausdenken kann, bis zum Flugplatz Hartenholm. Die Zeit drängte, und im Südwesten zog es sich zu. Wir nahmen die B4 zurück, trennten uns an einer Kreuzung in Eimsbüttel und fanden alles gut.
Sonntag, 27. April 2014
Das große Fressen
Es war schon zum Frühstück Sommer, ein Supertag, eine Sensation, jetzt war alles drin. Wegen des Gegenwindes krochen wir die Deichstraße entlang und brauchten in der toten Stadt Lauenburg ASAP einen Cappuccino im Pappbecher. Das war an der Tanke, die sich vor unseren Augen zu einem deftigen Bikertreff verwandelte. Alle wollten auf der B195 durch die Elbauen, wir auch. In umgekehrter Richtung kennt man nicht jede Perspektive schon auswendig, und so genossen wir die 80 Sachen, mit denen der flirrend grüne Tunnel über uns hinweg zog. Die Straße war dann doch ganz und gar leer, seit zig Kilometern rollten wir, ohne einmal runter zu schalten. Dömitz war schneller da, als gewohnt. Wir saßen (schon wieder) an der Tanke auf der Holzbank und aßen mitgebrachte Brötchen. Ohne nachzudenken fuhren wir weiter, durch die immer enger werdende Allee bis Wittenberge. Die Brücke, dann endlich ein freies Stück Bundesstraße zum durchatmen. Das zog sich dann aber ganz schön, auch die Verbindung nach Arendsee, darüber konnten auch die Rapsfelder und Altmarkkirchen nicht hinwegtäuschen. Die Kaffeepause in Lüchow war bereits letzte Not, und irgendwann später bemerkte Anja, dass wir auf dem besten Weg seien, die 400 Km zu knacken. Lünebureg, Lauenburg, zweiundzwanzig Grad. Willenlos, mit müden Knochen fraßen die Kilometer auf, längst satt, bis der Teller leer war wie unsere Köpfe.
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