über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 22. Juni 2015

Giftspritze

Als Werkstattersatzfahzeug hatte ich eine zackige Z 300 (leider nicht grün). Auf der kurvt man wie ein Flugzeug durch die Stadt, bremst spät, schaltet spät, lässt das Gas stehen, doch der Rote Bereich ist unendlich fern. Abends holte ich noch schnell den Integralhelm aus dem Keller und pfoff auf der Autobahn in die Dämmerung. Anja konnte das nicht verstehen, ich auch nicht.
 

Sonntag, 21. Juni 2015

Weiße Tischdecken

Die Fahrt über die B4 war eine Scheißidee. Im Umkreis der Autobahnanschlussstelle Stellingen war die Stadt ein undurchdringlicher Brei aus Blech. Mühevoll kämpften wir uns nach Norderstedt durch und nahmen die B 432 nach Blunk. Unter unmotiviertem Himmel rollten wir stumm dahin, und hinter Nahe, jenseits des Speckgürtels, nahm ich erstmals wahr, dass diese Chaussee streckenweise  ansatzweise - Qualitäten wie Weite und Größe hat. Blunk: Einchecken im Bahnhofshotel, Schminken, Festvorbereitungen, weiße Tischdecken. Draußen: Aufklaren und die schöne Straße über Tensfeld, Stocksee Richtung Ascheberg. Ich ließ Anja in der Dusche zurück und drehte noch eine Runde, dann begab auch ich mich in die Festivitäten.
Der nächste Tag klarer als gedacht, die Köpfe nicht. Trotzdem konnte man nicht schnurstracks nach Hause fahren. Es wurde ein weiter Bogen über Lübeck nach McPom hinein, allein in weiter Flur, die das eintönige Frühlingsgrün gerade ablegte und in ersten Gelbtönen schimmerte. Schönberg, Ratzeburg (eine Sommerstrecke, die man im günstigsten Fall mit Sand, Sonnenbrand und Salz auf der Haut fährt), Mölln, Büchen, zahlreiche Umleitungen, Hunger, bei mir zusätzlich angreifender Schnupfen. Erst am Zollenspieker merkten wir, dass wir locker 200 Kilometer unterwegs waren. Wir aßen die Wurst, glotzen unbeteiligt die Bikerszenerie an und waren froh, auf dem Weg in die Stadt nicht einzuschlafen.
 

Sonntag, 14. Juni 2015

Frappé

Griechenland ist ein lässiges Land. Die meisten fahren einhändig eine Honda Cub, in der anderen Hand das Smartphone, alternativ ein Glas Frappé, Zwei Wochen waren wir mit reichlich durchgegurkten Miet-Vanvans unterwegs auf immer wieder überraschendem Asphalt, entlang Küstenstraßen aus dem Bilderbuch, hinter wilden Bergen, in uraltem Steinen, und blieben immer wieder länger als gedacht an Orten hängen, wo man die Füße hochlegt, mit Buchten irre unnatürlich blau. Doch dazu später mehr.
 

Sonntag, 24. Mai 2015

Schöne lange Leere

Pfingstsonntag, auf dem Weg nach Norden. Im Kreis Stormarn, hinter Itzehoe, auf meiner heimlichen Lieblingsstrecke über Hochdonn nach Meldorf, schienen wir die einzigen bewegten Objekte in einem in digitaler Klarheit liegenden Standbild zu sein. Ruhig und gut sortiert rollten die Kilometer unter uns ab, zogen leblose Dörfer und die maroden Vorstädte Heides und Lunden vorbei. Unerwartet früh standen wir im überdrehten Trubel Friedrichstadts. Wir trafen gute Freunde, nahmen Unmengen Backfisch und Schokoladeneis  in uns auf, zogen erst die Jacken und dann die Fleecepullies aus. Die Rückfahrt hatte den selben angenehmen Flow. Die Straße lag lang und wissend vor uns, Wälder wucherten, Land breitete sich ins Weite, das Licht zog den Tag ins Endlose. Mit einem Schlenker über Glückstadt, Elmshorn und Wedel kamen wir in die Metropolenregion. Die irren Menschenmassen an der Elbe, und vor allem was mit ihnen im Inneren von Autos passiert, wirkten befremdlich nach der schönen langen Leere.

Samstag, 23. Mai 2015

Gruppendynamik

Samstagnachmittag. Wir warteten, bis sich die Wolkensuppe verzogen hatte, trafen Markus, mit seiner antiken G/S und machten uns auf den Weg nach Neukoppel. Ich führte den Tross über Ahrenburg, Lasbek, Pölitz usw.. Eine Route, über die ich schon lange nicht mehr nachdenken muss, und deren Dörfer ich kaum beim Namen kenne, die aber bei Mitreisenden immer gut ankommt. Das Blühen und duften am Wegensrand rettete über manch eisigen Windhauch hinweg. In Neukoppel, bei Telse,  war Windschatten, es gab spektakulären Mandelsplitterkuchen, und alles fühlte sich an wie Urlaub, der sich bis in den frühen Abend hinein zog. In fotogenem Abendlicht waren wir auf dem Rückweg, flüssig, entspannt auf leeren Straßen. Mit drei Leuten muss man Entscheidungen gruppendynamisch und basisdemokratisch fällen. Als Folge machten wir zwar keine Fotos,  fuhren aber ab Ahrensburg auf der Autobahn in die einkriechende Kälte, weil das schneller geht. Schnell nach Hause, Töpfe auf den Herd und die Heizung an, das ging ohne Diskussion.

Freitag, 22. Mai 2015

In der Stadt.

Am Freitagfeierabend traf ich mich mit Anja in Hammerbrook. Wir fuhren ca. 500 Meter weiter beim Italiener vor und bekamen (etwas widerwillig) eine Pizza, draußen unter der S-Bahnbrücke. Die Abende sind lang, und an warmen wie diesem dann kann man geleerte Straßen am Rand in der Abendsonne genießen. Elbbrücken, dann über die Peute, abprubt vom Industriegebiet in die Elbdeichidylle katapultiert, den Moorwerder umrundet. Im Westen, am Rand einer diffusen Dunstglocke, glühte filmreif die Skyline aus Kränen und Hochhäusern. An den brutalen Blocks Stillhorns vorbei, wieder in die goldbraune Hafenbeckenlandschaft hinein. Wir fuhren über die Kattwyk, dann wie im Museum Moorburg, dann wieder monströse Containeranlagen bis zum Horizont. Am Ende standen wir auf der Dradenau und die Sonne senkte sich über den Fluss in abartigsten Kitsch. Es war noch reichlich Zeit und Raum vorhanden, um über die Köhlbrandbrücke und die Hafencity zurück zu cruisen und die 50 Kilometer voll zu machen. Man hätte sogar noch beim Penny vorfahren können und Milch kaufen. So ist das, in der Stadt.

Samstag, 16. Mai 2015

Der Süden

Freitag war zwar Brückentag, aber die Sonne kam entgegen aller Beteuerungen erst nachmittags durch. Wir waren auf den Weg in den Süden, aber zunächst nur bis Schneverdingen gekommen, und wärmten uns im Motorraderlebniszentrum auf. Anja saß eine SR 400 probe, das sah gut aus. Als wir raus kamen, war die Welt wolkenlos. Die Abstände zwischen den Lastern waren groß, dazwischen rollten wir mit dem Highwaygefühl die B3 entlang, dass es nur hier gibt. Es ging bis Bergen, dann links ab, über ein paar Dörfer, und letztendlich landeten wir auf der B209, einer weiteren, durch endlose Wälder und über weite Hügel gelegten Schnur, an der entlang man sich durch den grünen Nachmittag hangelt. An einem im Wald versteckten See im Nahbereich von Amelinghausen trafen Kulturen aufeinander. Der Kaffee kostete mehr als in Hamburg City, aber das Ambiente war ostig. Das Beste war Sonne, die im Windschatten von hinten auf die Lederjacke brannte. Eigentlich hätte längst irgendwann Winsen ausgeschildert sein müssen. Das dachte ich immer wieder, wenn wir an immer kleineren Abzweigungen auf irgendwelchen mit Ach und Krach asphaltierten Feldwegen umher irrten. Durch ein Wunder fanden wir schließlich den Elbdeich. Hier war der Wind eisig, aber die Stadt war cool und nahm uns auf mit der Vertrautheit guter Freunde.