über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 22. April 2019

Essen auf Rädern

Ostern Off-Topic - Hochsommer in Deutschland. Die Maschinen standen geputzt und betankt in der Garage. Wir saßen im FlixTrain auf unserem Weg nach Essen. Dort begann eine nie dagewesene Expedition: Auf NextBike Mietfahrrädern 3 Tage durchs Ruhrgebiet. Das war im Vorfeld nicht leicht zu verargumentieren, war aber wir wollten das so. Näher kommt keiner an die Realität ran, z.B. wenn man sich von Oberhausen nach Mülheim durch Arabische Straßenzüge vorarbeitet, auf ehemaligen Industriebahndämmen über die Dächer endloser Kleinmannträume schwebt, zum Alkoholfreien in den Biergarten oder durch die Fußgängerzone beim Hotel vorrollt. Alles im T-Shirt, unendlich leicht und nach kurzer Zeit mit Sonnenbrand. Meinen NextBike Cruiser hatte ich schon richtig liebgewonnen und zwischendurch gar nicht entmietet. wir waren damit die defacto Uncoolsten auf der gesamten Erzbahntrasse (und fanden das natürlich erst recht cool). Am Ende waren wir voller Eindrücke. Wir sahen strukturgewandelte Kulturindustrie, künstliche Neusiedlungen, hier und da noch den Prahl vergangener Zeiten, zwischendurch ein Rapsfeld. Alles in allem ein krasser, hipsterfreier Urbanitätsmix aus Istanbul und Wandsbek-Gartenstadt.


Samstag, 6. April 2019

Mashed

Während sich draußen ein greller Frühlingstag entwickelte, stand die SixtyTwo im Dunkel der Tiefgarage und wartete auf ihren nächsten Werkstatttermin. Anja saß auf dem Rücksitz der Vulcan S, die ich mit atemberaubender Geschwindigkeit auf der BAB 1 nach Lübeck trieb. In Nullkommanix rollten wir beim örtlichen Ducatihändler auf den Hof. Dort war gerade ein Bikerfest und es gab viele funktionierende Ducatis. Was uns aber eigentlich dort hin gezogen hatte, war eine schicke gebrauchte Mash Scrambler 400, die wir testen durften. Ich fuhr ein Stück aus der Stadt raus, Richtung Reinfeld, dann wieder zurück. Sie lief locker und brummig. das Ganze war sehr entspannt und man fühlte sich irgendwie von jeglichem Stress nicht betroffen. Anja drehte damit noch einige Runden zwischen den Lagerhallen und bestätigte alles. Ich blätterte ein paar Scheine auf den Tresen und nahm die Papiere mit. Mit der Vulcan fuhren wir noch auf einem schönen Bogen auf einen Kaffee nach Strukdorf. Dort wollte man alles wissen. Es war wie ein Sommernachmittag und wir cruisten genüsslich über Segeberg auf der B206, dann die traumhaften Alleen Schmalfeld, Kaltenkirchen, Alveslohe, Quickborn. Anja beklagte sich am Ende über den Rücksitz der Vulcan. Im Gedanken fuhr sie trotzdem noch eine Runde mit der  Mash .

Samstag, 30. März 2019

Die Tiefe des Raumes

Das Winterfutter war noch drin, total unnötig. Satter Rückenwind schob uns über die Autobahn in einen echten 2019er Frühlingstag. Geesthacht, Lauenburg in milder Märzsonne, schließlich der Ausgang nach McPom. Das war lange her. Bei einem Pappbecherkaffee bewunderten wir die Authentizität der Tankstellenszene Boizenburgs. Dann war da die B195 und wir ließen die Maschinen rollen, endlich 90 Sachen und keine Fragen mehr. Niemand war auf der Straße außer uns, nur euphorisch grüßende Biker und der milde Luftstrom von vorn. Durch kahle Wälder glitt der Blick über die Weiten der Elbauen, abseits der heute filmreif schwingenden Straße am Geestrand.. Immer tiefer drangen wir in den gewaltigen, leeren Raum ein. Als wir am Deich saßen, irgendwo am Ende des Universums, stand die Zeit eine Weile still. Dann fielen uns die noch zu kochenden Rinderrouladen ein, die Gäste, und die ganze Realität. Leider auch, dass Anjas Duc nach wie vor nicht rund lief und dabei einen Tank nach dem anderen leersaugte. Der Rückweg ging schnell  Wir brauchten was zu Essen und neue Ideen.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Das richtige Feeling

Der Pilot bekam schwitzige Hände beim Anflug und machte uns auf alle Eventualitäten gefasst. Das ging dann zwar doch noch alles glatt, aber die Wetterlage auf Madeira war definitiv verdreht. Für uns war das dufte, denn welchen Kurs wir auch immer nahmen mit unseren Mietmaschinen, die Sonne schien auch da, wo normalerweise z.B. nasskalter Nebelwald hingehört, auf der Hochebene, oder wo es rau stürmen müsste, im Norden. Jeden Tag erkundeten wir eine andere Region des Mikrokontinents. Da die Touristen gut in den Abspeiserestaurants der Städte gebunden waren, blieben wir auf den kurvigen und ungeheuer steilen Bergstraßen meist vollkommen allein. Optimal für die Benelli 300 mit ihrem faden Bauernmotor und Anjas kernige Mash Two Fifty mit suizidösen Stollenreifen. Nach zwei Tagen hatten wir einen Sonnenbrand und das richtige Feeling für die Insel, die Straßen, die Bikes, Bolo do Caco und Prego Normal. Wir wussten, wann die Aida ablegt und wo im Supermarkt der beste Wein steht. Trotzdem gab es überall Überraschungen: Monsterwellen, die sich über den Parkplatz brechen, Feuer in Funchal und Offroad-Tunnel für Fortgeschrittene. Am Ende war alles stets in trocknen Tüchern und wir betrachteten die Dinge sehr lässig, aus der Abgehobenheit einer Dachterrasse. 

Sonntag, 17. Februar 2019

Tatsachen

Der Sonntag war noch besser. Anja war da, die Vulcan war aufgeladen, aber die Duc ging wieder aus. Was Anja blieb, war: Ansprüche anpassen an die Realität. In anderen Worten: Die Vanvan anorgeln (die läuft immer) und sich auf die schönen Dinge zu fokussieren. Davon gab es reichlich. Allein die Tatsache, mitten im Februar ganztägig durch die Sonne zu cruisen machte alles egal. Wir fuhren größtenteils meine Route von gestern nach. Das war auch für mich interessant. Auf der Vulcan nahm ich Kurven war, die gestern nicht vorhanden waren. Andererseits hatte ich überhaupt keine Probleme, mich Anjas Vanvan-Tempo unterzuordnen. Wir fuhren unbekannte Strecken, nicht weit hinter Harburg, und jede war eine unvergleichliche Panoramastraße. Orte wie Holm-Seppensen oder Trelde wurden Traumstädte. Es dauerte allerdings eine Weile, bis wir endlich eine geöffnete Tanke mit Cappuccinoautomat fanden, das war irgendwo westlich von Welle im Nichts. Zurück kamen wir über die B75 nach Buchholz. Es war noch hell in der Stadt und die Menschen liefen im T-Shirt rum.

Samstag, 16. Februar 2019

Geräusche

Klack-Brrrt war das beschissenste Geräusch was man sich überhaupt vorstellen konnte an diesem unfassbar vorfrühlingshaften Februartag. Es war aber auch das Einzige, was der Vulcan zu entlocken war. Die Sixty-2 stand gleich daneben. Die sprang an. Anja war nicht da. Ich fuhr los. Es ging erst behutsam auf die Dradenau, dann durch unentdeckte Ecken Wilhelmsburg, dann raus in die weite Welt. ich konnte es nicht richtig begreifen, auf freier Landstraße durch die Nordheide zu brettern, ohne zu frieren, einsam lange, lichte Waldgeraden entlang, und jede Kurve so schräg es ging. Die Sonne hing gelb und schräg am Himmel. Die Duc lief nur unter Last gut. Das ist natürlich ein Stück weit so konzipiert, aber irgendwas stimmte eindeutig nicht in Teillast. Um sicher zu gehen (und weil es geil war), donnerte ich zurück auf der Autobahn. Ich holte noch Abendbrot und stellte sie wieder in die Garage.

Samstag, 9. Februar 2019

Auf Knopfdruck

Im Vorfeld dieses Februarwochenendes sprach Anja große Worte. Im Winter sind 8 Grad mild. Letztlich wurde es ein stürmischer Samstag mit Schauerfronten und ich fuhr allein. Immerhin: So durfte ich die Sixty-Two ausfahren. Sie sprang auf Knopfdruck an, und brauchte wieder eine Weile, um rund zu laufen (am besten bei Volllast). Das Fahren war ein großer Genuss. Ich kurvte die üblichen Strecken entlang, durch den Hafen und stand in dramatischer Gewittersonne auf der Dradenau. Eine der Wolkenwalzen aus  Südwest kam verdächtig nahe. Vielleicht war es so gewollt, dass ich ein Feuerzeug kaufen musste, jedenfalls fing es an zu schütten, als ich auf der Truckertankstelle bei der Aluminiumfabrik vorfuhr. Ich trank Kaffee und schaute aus dem Fenster. Der Schauer verzog sich wie ein Sommerregen, ich fuhr durch den Elbtunnel nach Hause, um keine nassen Füße zu kriegen.