über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 30. Dezember 2019

Die Krönung

Das erste Mal im Jahr waren wir mit Marcus unterwegs, als ehrwürdiges Dream-Team in strahlender Dezemberkälte. Und erstmalig mit wieder kompatiblem Mopeds. Marcus' historische G/S hat alle Zeiten überdauert. Es ist okay, dass sie an der Ampel nach Schweröl riecht. Es war auch okay, dass wir nur die üblichen Routen durch den Hafen fuhren, die weder Anja noch Marcus behalten können, so dass ich jedes Mal damit glänzen kann. Die Krönung war die Einkehr im Autohof Altenwerder. Zwischen massiven LKW-Kolonnen gibt es rustikale Gemütlichkeit. Wir löffelten Gulaschsuppe der Spitzenklasse, bis die Finger wieder warm waren. Es gab noch einen kurzen Moment rosafarbener Dämmerung, dann ging wieder Neonlicht an und das Jahr war zu Ende.

Sonntag, 15. Dezember 2019

Ein Rosengarten

Advent Advent, und so weiter. Kaum hatte der Sturm die Regenfront weggefetzt, hatte ich Rukka an und brauste mit der Himalayan los. Das war herrlich unbeschwert. Die Elbe peitschte gegen die Kaimauern, und meist war ich allein mit dem Bike und dem zerrissenen Himmel und dem tosenden Südwind, der mir nichts anhaben konnte. Ich nahm sogar ein Stück Autobahn bis zum Rosengarten bei 7°, ließ die Maschine über die kahlen Landstraßen gleiten, grüßte entgegenkommende Biker und kam gut gelaunt über Wulmsdorf nach Harburg in zivilisiertes Gebiet zurück. Wenn ich den letzten Schlenker über die Hafenroute weggelassen hätte, wäre ich noch mit warmen Fingern heim gekommen. Hätte, hätte, wollte ich aber nicht.


Samstag, 30. November 2019

Ein guter Tag.

Ende November kam eines Nachmittags kurz ein Lichtstrahl. Ich tat so, als sei nun Frühling, zog nicht die ganz dicken Sachen an, sondern die schicken und kickte die SR an (ein Tritt!), weil die bestimmt gut aussieht im schrägen Hartlicht. Das Konzept ging eine ganze Zeit lang auf. Ich suchte mir kleinräumige, stilistisch passende Kulissen auf meiner cruisenden Fahrt durch die Stadt aus und wagte eine letztlich doch ausgiebige Runde durch den verlassenen Hafen. Gegenüber vom Kreuzfahrtterminal rauchte ich mit frierenden Fingern. Dämmerung kam, Eiskristalle. Ich zog die Handschuhe an, dich ich am Motor gewärmt hatte und brach auf. Auf dem Weg zurück froren noch die Füße und dann der Gaszug ein. Es war ein guter Tag.

Sonntag, 3. November 2019

Endzeit

Die Vorteile einer Enduro kommen jetzt nach und nach richtig zur Geltung. In einem Wolkenloch am Samstagnachmittag kurzerhand in GoreTex zu starten, die B5 nach Bergedorf zu brausen, erstmalig im Leben Neuallermöhe-West zu besichtigen und in letzter Sekunde eine kurze, aber massive Regenfront am Autohof in der Großmannstraße abzusitzen, das hätte es sonst nicht gegeben.
Der Sonntag war ähnlich gestrickt: Kaum klarte es halbherzig auf, war ich auf der Straße. Die Himalayan und ich rauschten über die noch nasse A7, herrlich leere und frische Verbindungsstraßen zwischen Quickborn und Barmstedt entlang, durch eine endzeitliche, graubraun-matschige Ödnis. In der Nähe von Elmshorn erwischte mich mit voller Wucht die Dämmerung. Uetersen, Tornesch und Pinneberg waren zu einer neonstrahlenden, gigantischen Megametropole verwachsen, aus deren monotonen Siedlungen es kein Entkommen gab. Kilometer um Kilometer schob mich der Speckgürtelverkehr durch Vorstädte und flächendeckende Gewerbegebiete. Ich machte drei Kreuze, als endlich der Parkplatz von Getränke-Hoffmann in Sicht kam. Dort rauchte ich eine, orderte elektronisch eine heiße Badewanne, begab mich auf die Autobahn und gab Vollgas.

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Donnerstag

Den Vormittag über hatte die Diskrepanz zwischen der Wetter-App und der Realität postfaktischen Charakter. Aber später, zwischen Wilhelmsburg und Fliegenberg, machte alles Sinn. Die Sonne brannte den Hochnebel weg und ließ das Land in genau dem richtigen Herbstlicht strahlen. Immerhin war es ein frei genommener Donnerstag, also hatten wir Ansprüche. Die Landstraßen südlich von Stelle sind auch wochentags leer, so dass wir uns in besonderen durchleuchteten Waldstücken, bunten Alleen, und weiten Felden Zeit nehmen konnten, das Foto des Jahres zu machen (bzw. zu versuchen). So gelangten wir Stück für Stück über Undeloh durch die Heide bis nach Welle, wo wir auf der Holzbank saßen wie damals im Sommer, und einen vom letzten Geld gekauften Cappuccino teilten. Wir nahmen für den Rückweg eine Route querfeldein an Buchholz und Jesteburg vorbei, wieder über Stelle. Hauptsache an allem Feierabendverkehr vorbei, denn wir hatten frei.


Sonntag, 20. Oktober 2019

Rukka Feeling

Das Feeling kannte ich noch von damals: Bei trübem Himmel mit Rukka Klamotten trotzdem unterwegs sein. Es war frisch aber ich fror nicht. Die Straße war nass, aber das machte nichts. Die Royal Enfield rauschte durch den Nachmittag, ich fuhr gedankenverloren mit. Sie trug mich über Bergedorf nach Geesthacht, Lauenburg, über die Brücke ein Stück Richtung Lüneburg. All das geschah mit großer Entspannung und echtem Freiheitsgefühl. Das milchige Licht und das bräunliche Landschaftsbild passten, alles wirkte stimmig und okay. Irgendwo zwischen Bardowick und Winsen, ich ließ mich nach grober Orientierung über die Dörfer treiben, kam historisches Kopfsteinpflaster, dann ein langer Sandweg. Ich schwöre, das war nicht so geplant. Auch nach gewissenhafter Prüfung blieb die Strecke offensichtlich legal. Abgesehen von den vielen Pilzsammlern, denen ich dezent auswich, machte es einen Riesenspaß, die Maschine durch die Sandkuhlen und Schlammlöcher zu reiten. Wieder in der Zivilisation angekommen, hatte ich noch eine gute Stunde, bevor das nächste Regenband eintreffen würde. Ich fuhr weitgehend allein am Elbdeich zurück ins Hafengebiet, und dann in die graue Stadt im Oktober.

Samstag, 12. Oktober 2019

Μύθος

Mit einem Mal fanden wir uns auf einer gemieteten G650 GS im Kretischen Hinterland wieder. Zwei Wochen lang bildeten kleinteilige Bergstraßen, atemberaubende Küstenlandschaften, Pausen mit Badegängen sowie wiederkehrend Frappé, Mythos und Souvlaki in kurzhosigen Urlaubsorten aller Art unseren Alltag. Die Insel war am Ende größer, unerwarteter und vielschichtiger als man denkt. Irgendwann während eines Sundowners war zu Hause der Herbst eingezogen. Das hatten wir gar nicht bemerkt.