über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 3. April 2021

Vermisst.

Ganz ehrlich, das 4er-Saisonkennzeichen war rückblickend eine blöde Idee. Umso aufgeregter war ich, am Ostersamstagvormittag die Bolt anzuklicken. Das Gefühl war dann zunächst doch überraschend vertraut. In Lederjacke steuerte ich den durchdringend brummenden Cruiser durch die Schanze, die Hafencity, über die Elbbrücken und dann kreuz und quer durch die Hafenrouten, bis die Füße kalt wurden. Hinterher spürte ich die Maschine in diversen, fast vergessenen Körperteilen. Das war es, was ich so vermisst hatte.



Montag, 29. März 2021

Mikro

Montag frei nehmen, alles ist möglich heutzutage. In umwerfender Märzsonne wühlten wir uns gelassen durch den Lieferverkehr nach Bergedorf. Dort hingen wir mit desinfizierten Händen auf dem Gelände des Hondahändlers rum, aber die Probe-Rebel war mit einem unansehnlichen Typen unterwegs, vielleicht auch besser so. Immerhin, der Tag war jung und frei, und die Stelle am Deich in Barförde nur eine Handvoll gleitender Landstraßenkilometer entfernt. Eine gute Stunde brannte dort die Sonne durch den Westwind auf unsere Funktionskleidung und die Elbauen. In der Zwischenzeit hatte ich eine wahllose Route südlich um Winsen herum programmiert, ohne große Absichten. Die wurde dann beim Fahren entgegen aller Erwartungen zum Kleinod durch Alleen im grellen Licht und mehreren, z.T. richtig fordernden Sandpisten im Lockdown. Das fühlte sich mikroabenteuerlich an, dabei waren wir die ganze Zeit in Sichtweite unterwegs. Im Nu kamen wir über Over zum Hafen, rauchten noch eine am Kattwyk, und rollten mit großen Augen in die brodelnde Stadt.


Samstag, 20. März 2021

Zwischendurch frei

Zwischendurch kamen immer mal wieder Momente des Lichts: In der Garage, in Wolkenlöchern, oder am Ende des Tunnels. Ein Highlight war z.B. die Fahrt bei 5° nach Buchholz. Dort hatte jemand eine sensationelle Garage und eine BMW XCountry, die Anja probe saß und auch mal anließ, aber nicht mit nach Hause nahm. Später gab es Testfahrten mit neuen Jacken, Schuhen, Thermounterhemden, aber vor allem sehr modernen Helmen mit Bluetoothverbindung, die besser funken als gedacht und eine neue Dimension auf die Straße bringen. Und manchmal, am Sonntagnachmittag, nahm ich einfach die Himalayan, kurvte einmal zum Roßhafen und zurück und fühlte mich frei.



Mittwoch, 24. Februar 2021

Transit

Es fiel nicht schwer, den Mittwoch spontan frei zu nehmen und diese Tour ließen wir keinesfalls anbrennen. In Wittenberge gab es nämlich einen offiziellen Ortstermin, was einen Transit durch McPom auch formal legitimierte. Dass die Mash unerklärlicherweise wieder leer war, war jetzt egal, Anja fuhr einfach auf der Himalayan hinten drauf mit. Hinter Boizenburg war die B195 schnell erreicht. Diese Straße muss man mal loben, das sieht man erst, wenn man länger nicht da war. Wäre sie Teil einer Reise, würde man blumig beschreiben, wie sie am Rand der Elbauen kurvig daliegt, in der Sonne, weite Blicke und unbeschwertes, lang anhaltendes Gleiten im Sweetspot erlaubt. An einem Werktag hat man sie für hundert Kilometer ganz für sich allein. Oben war die Frühlingswärme, unten in den Auen trieben noch Eisreste. In Wittenberge besichtigten wir planmäßig ein Objekt, hielten uns aber nicht lange auf. Die Rückfahrt glich einem Breitbild-Roadmovie in warmen Celluloidfarben. Ganz zum Schluss, ab Geesthacht, nahmen wir die Autobahn. Die Sonne ging unter und ein kühler Hauch kam, und erinnerte uns an die Realität. Sie interessierte uns nicht.



Sonntag, 21. Februar 2021

Neue Situation

Das mit dem Wetter war ernst gemeint, und wir gingen mit. Die Batterie war jetzt voll, die Mash sprang an. Die Himalayan hatte einen raffinierten östlichen Bogen im Navi, im Tankrucksack lagerte Proviant. Es ging zunächst auf einer lächerlich öden Strecke durch Bergedorf, und trotzdem grinsten wir die ganze Zeit debil in die Sonne. Wir rollten durch den Sachsenwald und auf kleinen Landstraßen über Koberg, Duvensee, Klinkrade in perfektem Flow durch einen milden Frühsommertag, der alles vergessen lies. Es war so unwirklich, dass wir die Welt ansahen wie staunende Touristen. Die Route nahm dabei oft unbekannte Straßen durch bekanntes Gebiet. Bei Wesenberg überquerten wir die Trave, dann ging es über Zarpen zur B206. Strukdorf ließen wir links liegen, unser Ziel war heute Geschendorf, das Ferienparadies der LG's. Es gab dort Kaffee und das Neueste aus dem Landkreis. Für die Rückfahrt programmierte ich eine westliche Tour nach gleichem Muster: Von Dorf zu Dorf ging es bei stechendem Gegenlicht und durch Schwaden von Grillrauch diagonal bis Kaltenkirchen, Quickborn, Hamburg, lange Schlangen vor Eisdielen, Garage. Die Handgriffe saßen, aber unser Verstand war von der neuen Situation noch total überfordert.



Samstag, 20. Februar 2021

Ungläubig

Plötzlich sollten es 15 Grad plus sein, nicht minus, wie letzte Woche. Eigentlich waren wir vorbereitet, aber die Mash gab nur ein gequältes Jaulen von sich. Kurzerhand nahm Anja die Himalayan und ich fuhr die SR (die auf den ersten Kick da war). Wir tasteten uns bedächtig über die Hafenroute aus der Stadt raus, über Over, Stelle in die Heide. Erstmalig sahen wir das Land im neuen, pastellfarbenen Licht. Es sah struppig-braun aus und an manchen Straßenrändern lagen noch mächtige Schneereste. Das Fahren ging leicht, man verlernt es nicht. Die Temperatur war irreal, so dass wir uns nur zögerlich in die Weite der Landschaft vorarbeiteten. Letztlich wurde daraus die bekannte Runde über Brackel - Hanstedt - Undeloh - Welle, zurück über die B3. Wir waren ganz entspannt, und bis zum Schluss etwas ungläubig.



Montag, 21. Dezember 2020

Mein Beitrag

Die Welt braucht Schönes, das war zu spüren, gerade jetzt. Ich nahm mir das zu Herzen, argumentierte mir das Thermometer zurecht, und sah ein, dass wahre Schönheit nicht mit Heizgriffen und Rukkasachen realisierbar ist. Stattdessen musste es die Lederjacke und -Hose sein, und die SR. Das ging zunächst besser als gedacht, zumal ich im Hafengebiet im schleppenden LKW Verkehr unterging und nur manchmal eine stille Ecke zum Gucken und für die Beherzigung der schwach glimmenden Sonne fand. Auf der Deichstraße nach Over schnurrte die Yamaha unbeschwert dahin. Der Tag war hell und ich fühlte mich frei. Mir war bewusst, dass ich ungenügend ausgestattet war, blieb aber am Gas, bis ich irgendwo abbiegen konnte, die Orientierung verlor zwischen Elbmarsch, Rangierbahnhof Maschen und allerlei Sperrungen. Letztlich verendete ich auf winzigen Wegen, die eher was für Fahrradfahrer waren. Irgendwie kam ich dennoch zurück in Stadt, durchgefroren meinen Beitrag leistend, zur dringend benötigten ästhetischen Aufwertung.