über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 9. Mai 2021

Alle Hoffnung

Alles fokussierte sich auf einen Punkt, genauer einen Sonntag im Mai, der alle Hoffnung auf eine neue, bessere Zeit speiste. Der Tag kam, und die Wärme vergangener Sommer. Die leichten Sachen, die dünnen Handschuhe, weitreichende Tankfüllungen. Über die Norderstedt verließen wir die Stadt, raus aufs Land, in die Freiheit. Ich hatte eine Route im Dorf-zu-Dorf Mode programmiert. Wir durchkreuzten das Gebiet zwischen Kisdorf, Hartenholm, Wahlstedt, sahen unentdeckte Landstriche und Bekanntes, nur von der anderen Seite, grünes Grün und gelbes Gelb. Bei jedem Halt wanderte ein Kleidungsstück in die Rucksäcke, wurden Lüftungsschlitze geöffnet und Wasserflaschen geleert. Nach über hundert Kilometern erreichten wir Telse inmitten eines grünenden, blühenden Idylls namens Neukoppel. Eine heile Welt, wo immer Sommer ist und wo wir sicher waren vor der Realität. Man hätte noch eine ausufernde Rückfahrt planen können, doch wir waren gesättigt und etwas ängstlich vor den Schauerzellen auf dem App. Insofern war es vollkommen ausreichend, träge auf der B75 in die Abendsonne zu gleiten, die Bikes in die Garage zu rollen und mit einem Sundowner auf dem Balkon den kürzesten Eintagssommer aller Zeiten zu verabschieden.



Samstag, 1. Mai 2021

Kraftfeld

Zwischen Frühstück und dem Nachmittagsregen passte genau eine introvertierte Ausfahrt mit der Bolt. Richtigerweise erlag ich nicht der Versuchung, die Wintersachen anzuziehen. Lederjacke, der kleine silberne Jethelm und die neue Sonnenbrille, das war cool. Als Kompensation suchte ich mir eine langsame Bummelstrecke. Es ging wieder am Deich entlang, wie letzte Woche, nur allein, und cruisend. Das veränderte alles: Letztes Mal langweilig und zäh, heute ein einhüllender Genuss. Um die Maschine hatte sich ein Kraftfeld gebildet, dass alles Leid auf Distanz hielt: Menschen, Viren und die im Süden sichtbaren Schauerzellen. In Geesthacht füllte ich den Tank, dann rollte ich auf dem anderen Ufer mit derselben tiefgründigen Coolness zurück. Wer nicht cruised ist doof.



Sonntag, 25. April 2021

Es wurde Zeit.

Ben rief an und formulierte treffend "es wird Zeit". Wir warteten bis die Temperatur zweistellig wurde, dann führte ich die beiden Enduros am Deich entlang nach Geesthacht. So lange war ich diese Strecke nicht gefahren, ich hatte ganz vergessen wie langweilig sie und zäh sie ist. Ohne die gute neue Jacke und die Heizgriffe wäre ich umgedreht, aber in Geestacht kannte Ben eine in einem waldigen Tal versteckte Rennstrecke. Man muss auf einen Berg klettern, dann kann man Profis beim Training zusehen. Davon abgesehen redeten wir nicht viel, zogen unsere Halstücher zurecht und fuhren uns über eine Navi-gesteuerte Route zurück. Es ging über Land und durch den noch kahlen Sachsenwald. Als wir endlich eine Tanke fanden für die Kaffeepause, waren wir schon in Rahlstedt. Kalte Sonne begleitete uns auf den letzten Kilometern, ein kurzer Wink, Mission erfüllt.



Sonntag, 4. April 2021

Monochromie

Eigentlich schade, dass der Sommer schon wieder vorbei war. Aber gut, dass die neuen Sachen so gut wärmten und gut aussahen. Der Ostersamstag war eisig, wolkenlos strahlend, und die Strecke über Lasbek, Oldesloe, Meddewade fuhr sich leicht und locker. Bis kurz vor Strukdorf blieben die Heizgriffe aus, das Aufwärmen erledigte die dortige Lammversorgung. Am Sonntag war die Sonne weg, stattdessen peitschte uns ein harscher Nordwestwind über die ausgestorbenen Landstraßen. Wir hielten noch am neuen Schloss der LG's in Zarpen, dann ließen wir uns auf der B75 durch den monochromen Sonntag nach Hause treiben. Eine warme Badewanne, und der Tag war perfekt.



Samstag, 3. April 2021

Vermisst.

Ganz ehrlich, das 4er-Saisonkennzeichen war rückblickend eine blöde Idee. Umso aufgeregter war ich, am Ostersamstagvormittag die Bolt anzuklicken. Das Gefühl war dann zunächst doch überraschend vertraut. In Lederjacke steuerte ich den durchdringend brummenden Cruiser durch die Schanze, die Hafencity, über die Elbbrücken und dann kreuz und quer durch die Hafenrouten, bis die Füße kalt wurden. Hinterher spürte ich die Maschine in diversen, fast vergessenen Körperteilen. Das war es, was ich so vermisst hatte.



Montag, 29. März 2021

Mikro

Montag frei nehmen, alles ist möglich heutzutage. In umwerfender Märzsonne wühlten wir uns gelassen durch den Lieferverkehr nach Bergedorf. Dort hingen wir mit desinfizierten Händen auf dem Gelände des Hondahändlers rum, aber die Probe-Rebel war mit einem unansehnlichen Typen unterwegs, vielleicht auch besser so. Immerhin, der Tag war jung und frei, und die Stelle am Deich in Barförde nur eine Handvoll gleitender Landstraßenkilometer entfernt. Eine gute Stunde brannte dort die Sonne durch den Westwind auf unsere Funktionskleidung und die Elbauen. In der Zwischenzeit hatte ich eine wahllose Route südlich um Winsen herum programmiert, ohne große Absichten. Die wurde dann beim Fahren entgegen aller Erwartungen zum Kleinod durch Alleen im grellen Licht und mehreren, z.T. richtig fordernden Sandpisten im Lockdown. Das fühlte sich mikroabenteuerlich an, dabei waren wir die ganze Zeit in Sichtweite unterwegs. Im Nu kamen wir über Over zum Hafen, rauchten noch eine am Kattwyk, und rollten mit großen Augen in die brodelnde Stadt.


Samstag, 20. März 2021

Zwischendurch frei

Zwischendurch kamen immer mal wieder Momente des Lichts: In der Garage, in Wolkenlöchern, oder am Ende des Tunnels. Ein Highlight war z.B. die Fahrt bei 5° nach Buchholz. Dort hatte jemand eine sensationelle Garage und eine BMW XCountry, die Anja probe saß und auch mal anließ, aber nicht mit nach Hause nahm. Später gab es Testfahrten mit neuen Jacken, Schuhen, Thermounterhemden, aber vor allem sehr modernen Helmen mit Bluetoothverbindung, die besser funken als gedacht und eine neue Dimension auf die Straße bringen. Und manchmal, am Sonntagnachmittag, nahm ich einfach die Himalayan, kurvte einmal zum Roßhafen und zurück und fühlte mich frei.