Irgendwie hätte es Stil gehabt, das Restwochenende noch mitzunehmen und noch auf die Schnelle nach Hörden zu fahren. Weil wir es können. Was sind 250 Kilometer im Vergleich zu Lappland? Andererseits, was sind das bitte für erbärmliche 17° im Vergleich zum Midsommar? Okay, das Wetter redeten wir es uns schön, aber in Verbindung mit der langen B3, die normalerweise als Baby-Highway herhält, wurde es anstrengend. Wir diskutierten lange in einem Wohngebiet in Soltau, aber die Entscheidung war längst gefallen. Abbruch, Umkehren, kleine Ehrenrunde durch die Heide, dann total durchgefroren auf schnellstem Weg in die heimische Wanne. Am Polarkreis wäre das nicht passiert.
über 20 Jahre !!!
Samstag, 16. Juli 2022
Donnerstag, 14. Juli 2022
Weiche Landung
Letzte Etappe: Schwedenquai Kiel - Hamburg Eimsbüttel. Mit allergrößten Befürchtungen hatten wir die Fähre in Kiel verlassen, wühlten uns durch den LKW Stau und schmissen die programmierte Route direkt über Bord. Wir waren noch im Urlaub und fuhren einfach an der Küste entlang, als wären wir Touristen. Schönberg, Lütjenburg, Kükelühn, das waren keine Highways der Endlosigkeit, aber sonnige, freischwingende Landstraßen. gut zu fahren und ganz entspannt. Über Ahrensbök kamen wir in die Nähe Strukdorfs und fuhren dort kurzerhand vor, in der Hoffnung, irgendjemand würde da sein und Kaffee kochen. Götz war da. Wir zeigten ihm stolz das Foto vom Elch. Es war ein Rentier. Von Dort ging es in gewohnter Manier zurück in die Stadt. Die war ruhig und leer. Wir landeten weich.
Mittwoch, 13. Juli 2022
Norden
Cruisen in Schweden. Schwedenchopper. Mückenspray. Endloses Gleiten auf einsamen Highways durch ein Land wie ein Kontinent. Zivilisation, wo vorhanden, mit ausgeprägter Motor-Kultur und Hej Hej. Ansonsten: Rote Hütten, Dalarnapferdchen, Systembolaget und Tage ohne Nacht. Und weil wir unsere Route ein wenig anpassten, Midsommar wie kein zweiter.
Was wirklich am Polarkreis geschah, steht hier:
Sonntag, 26. Juni 2022
Wendezeit
Zur Sonnenwende versuchte ich eine einsame Spätfahrt, sie war kühl und ich müde. Zwei Tage später kam die Wärme und die Fahrt wurde wiederholt, mit Anja hinten drauf, und ohne Handschuhe, genüsslich bullernd durch die untergehende Sonne zwischen Hafenkränen. Check.
Das Wochenende stand schon im Zeichen übertriebener Reisevorbereitungen. Die Stadt war heiß und voller Harleys. Am frühen Samstagabend wollte ich eine kleine Runde drehen, kurz allein, da Anja ihre Zehen angemalt hatte. Die Fahrt war auf der Rosengartenstraße schon so genial, dass ich ohne schlechtes Gewissen noch das Stück bis Welle dranhängte. Und dann noch die Querverbindung durch die menschenleere Heide nach Undeloh und von da hoch bis Stelle. Ein heißer Wind blies durch den Hoodie, und die trockene Landschaft sah in der Sonnenbrille aus wie im Kino.
Am Sonntag staute sich stickige Hitze in der Stadt. Während im Süden die Harleys sich ebenfalls stauten, zogen wir nach Norden ab. Ein Stück B4, dann kurvig nach Elmshorn und durch die Marschlandschaft, die so frisch und grün aussah, wie man es gar nicht mehr kannte, nach Kollmar. Es gab dort schweres Softeis aus Kindheitstagen, ausnahmsweise, weil morgen ein Regenband kommt, und dann ein ganz neuer Film.
Samstag, 18. Juni 2022
Gut gemacht.
Alles Stand im Zeichen der Großen Hitze. Sie war aus Spanien unterwegs zu uns und würde alles einschmelzen. Nur der Bereich im Norden versprach Sicherheit, was gut passte, denn in McPom waren wir schon lange nicht. Wir waren nicht in der Stimmung, mit der Navigationssoftware zu diskutieren und folgten einfach deren Vorschlag. So sahen wir zunächst Wandsbek, Jenfeld und Oststeinbek. Das ging recht flüssig, war aber gruselig. Auch die Fahrt übers Land hinterließ zunächst einen zwiespältigen Eindruck. Weitgehend orientierungslos ging es auf auf eintönigen Hohlwegen über Kuddewöhrde, Koberg kreuz und Quer bis Ratzeburg. Die lange Gerade nach Schönberg war heute ganz besonders lang, und erst nach einem müden Picknick am dortigen Teich kam wieder Fahrfreude auf. Janny's Eis in Grevesmühlen hat inzwischen Weltstadtniveau und brauchbaren Kaffee, so dass wir einen satten Umweg für die Rückfahrt planten. Beeline's Route war diesmal weltklasse: Mühlen-Eichsen, Lützow, Wittenburg - herrliches, einsames Gleiten in leichter Klamotte durch dicke Alleen, die Landschaft schimmerte dazu im Sommerlicht wie in besten Zeiten. Auf der B5 ging es mit aller Zeit der Welt zurück bis Geesthacht, dann auf die Deichstraße. Dabei führte Anja und ich schaute es mir an wie einen gut gemachten, langen Film.
Sonntag, 12. Juni 2022
Freundschaft
Thomas kam aus der Hauptstadt zu uns, als Fußgänger. Er wurde gut versorgt mit Kost, Logis und der 500 X als Leihgabe. Das war eine gastfreundschaftliche Geste, allerdings nicht ganz uneigennützig, denn so konnten wir den herrlichen Samstag zu dritt auf den Landstraßen der Nordheide verbringen und mussten nicht mit den anderen Fußgängern in der überfüllten Stadt herumkrebsen. Wir fuhren die üblichen Routen durch die leere Weite, und Thomas freundete sich eng mit der Honda an. Weder die Cruiserbegleitung störte ihn, noch das Schreckliche Topcase, in das wir alles reinschmissen was nervte. In Bispingen gibt es eine Eisdiele mit Blick auf die beeindruckende örtliche Poserszene. Wir bestellten wieder unfassbare Eisbecher (das letzte Mal!) und ich analysierte zahlreiche mögliche Rückrouten. Der ganz große Bogen um die Militärgebiete war zu groß, der kleine auch. Wir folgten dem Beeline auf einer unbekannten, schicken Route nach Geesthacht, und kamen über die schläfrige Deichstraße zurück in den Sommer der Stadt, der eine einzige Party war. Am Sonntag gab ich Thomas einfach den Hondaschlüssel. Anja und ich fuhren Fahrrad.
Montag, 6. Juni 2022
Gute Zeit
Pfingsten 2: Treffen mit Thomas in Wittenberge, halsüberkopf vereinbart. Als Gast dabei: Ben auf 250er Honda Enduro. Um aus der Stadt heraus zu kommen, mussten man einen quälenden Bogen über Barmbek, Wandsbek und Horn fahren, denn die gesamte Innenstadt war gesperrt. Wir bleiben noch bis kurz vor Geesthacht in der 50er Zone, und auch die weitere Fahrt verlief zäh, so dass wir in Lauenburg einen Cappuccino brauchten. Die B195 kannte Ben noch gar nicht, sie gefiel ihm gut. Ich kannte sie gut, aber normalerweise mit weniger Dosenverkehr als heute. Je weiter wir in die Elbauen kamen, um so wärmer wurde es. Die alte Allee hinter Dömitz durchfuhren wir in prächtiger Sommerhitze. Am Treffpunkt war kurze Zeit später das Stampfen Tomas' Himalayan zu hören. Wir beantragten einen Tisch am am "Fährmann" Restaurant, wo es auch Pfingsten nichts zu Essen gibt, und auch keinen Kuchen. Ein paar Kannen Kaffee reichten, um alles Nötige zu besprechen. Wegen der auf dem Radar nachweisbar anrückenden Westfront konnte ich verargumentieren, über Perleberg auf der B5 zurück zu fahren. Formal sollte es nur eine halbe Stunde Zeit sparen, aber mit Rückenwind den Cruiser über den vollkommen freien, großen Highway gleiten zu lassen, das war ein heimliches Highlight der Tour. Überraschenderweise war das sogar voll okay für den Endurofahrer. Alles klappte gut, wir erreichten die rettende Stadt in guter Zeit. Die Regenfront kam gar nicht.

