über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 29. August 2026

Himalayan Stunde Null

Um 10 Uhr rollte ich pünktlich in Lüderode beim Laden vor. Die Honda blieb dort erstmal stehen, ich steig um auf eine jungfräuliche Himalayan mit goldenen Felgen. Hinten war mein Nummernschild dran, sie gehörte tatsächlich mir. Zunächst leicht überfordert von der indischen Software irrte ich durch die Gegend und fand mich oben auf dem Harz wieder. Die Maschine mochte das, aber mir waren hier viel zu viele Autos, und ehrlicherweise auch Motorräder. Das RE-Navi reichte, um wieder herunter und auf vertrauten Wegen durchs Eichsfeld zu kreuzen, und dann hinüber Richtung Weser. Die Kurven passten, sie lag gut und es entstand ein schöner Flow, bis der Bordcomputer "niedrigen Kraftstoffstand" meldete. Konnte ich der Restlaufzeit trauen? Endlich tanken in Beverungen, und noch endlicher einen großen Crepes mit Vanilleeis. Ja. Ich hatte noch Zeit, und jeder Kilometer war gut, schließlich musste ich 500 schaffen an diesem Wochen ende. Die B80 war vollkommen leer, und die Himalayan segelte sehr entspannt durchs Wesertal nach Süden bis kurz vor Kassel. Ich kurvte hoch zum Stauffenberg, und dann auf aberwitzigen Kringeln nach Witzenhausen. Über Jühnde nach Göttingen und auf der B3 in die Bahnhofstraße. Das fühlte sich schon richtig normal an, und nach 350 Km richtig gut.



Sonntag, 16. August 2026

Kunst im Norden

Hamburg, Norden, eine Fahrt planen: Rendsburg. Immerhin, ein Ort außerhalb der Hitzewelle. Andererseits, das Beeline konnte sich auf den Kopf stellen, viel mehr als eine gerade Linie war rauszuholen. Aber darum ging es auch gar nicht, wir wollten früh dort hin und auf der NordArt Kunst bestaunen. Mit der SR tut es nicht weh, längere Zeit mit 80 in einer Autokolonne zu trotten. Als mal freie Bahn war, gab ich Vollgas und auch Anja meldete über Funk Bewunderung, dass die Yamaha 130 Km/H fahren kann, was den extrem trostlosen Bundestraßen einen gewissen Unterhaltungswert verlieh. Vor dem Hintergrund glänzte auch die gezeigte Kunst wie ein Leuchtturm in der Ödnis. Auf der Rückfahrt fuhren wir mit der Schwebefähre und versuchten einige Nebenstraßen, das gelang zum Teil, zum Teil auch nicht. Am Ende landeten wir wieder auf der B4, einem langen Highway im Norden im Abendlicht.



Donnerstag, 6. August 2026

Das Leben der Anderen

Mein ICE Ticket ließ ich verfallen, ich hatte eine bessere Idee, und gute Gründe: Die Z sollte nach Hamburg, jene 250 Kilometer, die wir vor nicht allzu langer Zeit an jedem langen Wochenende runtergebügelt sind, für ein bisschen Freiheit. Nun war ich auf der B3, und blieb dort, rollte genügsam mit 70 Sachen hinter irgendwelchen Lastern durch die Gegend, in der ich sonst meine Feierabende verbrachte. Nach Norden weitete sich das Leinetal und ging in eine Ebene über. Spätestens als Hannover ausgeschildert war, trat ich in die fremde, längst vergesse Welt der anderen über, in der es nichts gab als Gewerbegebiete und Autos, die auf Vierspurigen in alle Richtungen hetzten. Der Bogen über Lehrte sah auf der Karte sinnvoll aus, in Wahrheit war es eine Quälerei von Ampel zu Ampel. Es folgte eine Schnellstraße bei Gegenwind bis Celle, dann war alles weg. Die B3 zog als anderthalbstündige, introvertierte Gerade durch den Nachmittag bis in die Stadt, die mich überraschend freundlich empfing, als hätte sie ein schlechtes Gewissen. Die Z kam in die Garage und blieb dort. Ich hatte ein Einbecker mitgebracht, das tat gut.



Sonntag, 2. August 2026

Grenzen

Das Grenzgebirge entlang der Werra ist immer gut, wenn man einfach nur fahren will. Ich hatte Eisenach eingegeben, aber das war nur ein Orientierungspunkt. Ganz alleine kurvte ich in entspanntem Tempo durch den gleißend hellen Sommertag im Eichsfeld. Die Orte, schöngemacht für niemanden, kein einziger Mensch war weit und breit zu sehen. Tatsächlich kam ich über Wald, Berg und Wiese auf kleinen und kleinsten Nebenstrecken bis nach Eisenach. Die Burg stand im Gegenlicht, ich musste aufs Klo, hatte Hunger und Kaffeedurst. Dennoch, ich musste hier irgendwie schnell wieder weg. Irgendwo hin wo keine Autos sind und keine Deutschlandfahnen aus Plattenbaufenstern. Auf die Weise kam ich mit Eigenorientierung über Treffurt und Wanfried wieder in schönes, weitgehend menschenleeres Gebiet. Ich machte Pause auf einer Kuppe, von der man den Harz und den Thüringer Wald sehen konnte. Dann programmierte ich Venezia ein, weil ich es nicht mehr aushielt und einen Eiskaffee brauchte. Dafür fuhr ich auf der B27 nach Witzenhausen. Nach den 10000 Kurven war das Gleiten auf der Bundestraße sehr erholsam, genauso wie etwas Epoche III Heimeligkeit. Weil noch Zeit übrig war, und die Sonne nie mehr aufhörte zu brennen, hing ich noch das B3-Dreieck Hann. Münden - Göttingen dran. Dort stellte die Z in die Garage, müde und leer.



Samstag, 1. August 2026

Nicht meine Welt

Ich war allein mit dem Tag und der Z, folgte einer unkuratierten Route des Beeline. Ungewohnt geradlinig ging es zunächst nach Einbeck, dann über den Berg nach Grünenplan. Das Zielgbiet war die "Rühler Schweiz". Die Z funkelte und brauchte eigentlich Publikum, aber als ich da war, wäre ich am liebsten  unsichtbar geworden. Pulks von Prollbikern brannten die Passstraße auf und ab und ließen die Vierzylinder brüllen wie am Spieß. Ich fuhr betont langsam und leise, doch in der Außensicht war ich unvermeidlich einer von ihnen. Peinlich. Positiv: Es waren angenehm kühle 23° und der Rückweg entlang der Weser war eine schönes, ruhiges Gleiten. Ich gönnte mir noch einen einsamen Schwung durchs Hinterland über Trendelburg und die seltsame Kammstraße von Sababurg nach Hann. Münden. Zurück ging es wieder über irgendwelche Dorfstraßen bei Jühnde, langsam und forschend. Das war meine Welt.