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20 Jahre !!!

Samstag, 31. Mai 2025

Das Neue Konzept

Das neue Konzept kam Himmelfahrt erstmalig zum Einsatz. Wir fuhren mit der Regionalbahn nach Göttingen zur Garage, was keine Viertelstunde dauerte. Dort machten wir die beiden Hondas startklar, und fuhren Richtung Hörden, um einen Karton mit Sachen ins Topcase umzuladen und zurück nach Northeim zu cruisen. Das ging alles mit einer neuartigen Leichtigkeit vonstatten, und niemand schaute auf die Uhr oder die Kilometer, denn alle Ziele waren in Sichtweite. Abends gingen wir ins Kino und tranken Rotwein unter Einheimischen.

Nächster Tag. Es war schon Nachmittag als wir auf Tour gingen. Die Sonne brannte auf den lachhaften Feierabendverkehr der B3. In Göttingen gibt es einen Louis und ich kaufte Sommerhandschuhe. Und dann dauerte es keine 10 Minuten und wir fanden uns auf einsamen, verschlungenen Nebenstrecken in den umgebenden Wäldern wieder. Das Tomtom stand auf 'kurvige Route' und wir folgten ihm willenlos durch das Grenzgebirge zu Thüringen. In Allendorf kamen wir wieder in zivilisiertes Gebiet. Es gab Schatten und Falafel, und etwas Ruhe, einen würdigen RÜckweg zu programmieren. Das war nicht schwer: Auf den Meißner, dann kreuz und quer über Witzenhausen westlich an Göttingen vorbei nach Norden. Schwingende Kurvenstraßen durchs Hügelland im Abendlicht reihten sich aneinander bis Moringen. In einem Wald erschnüffelten und pflückten wir noch einen Strauß Bärlauch, und dann war plötzlich schon der Rand von Northeim erreicht. Wir brauchten nur noch vorm Haus parken, eine Flasche Wein öffnen und staunen, was alles möglich ist in diesem Konzept.

Einen beträchtlichen Teil des Samstag verbrachten wir im City Center Northeim. Es gibt dort alles, auch was man sonst immer bestellen muss. Der Tag war heiß und die Luft farblos und zähflüssig. Frische und Klarheit versprachen wir uns von einer Bergtour ganz oben auf der Höhenstraße im Harz. Die erreichten wir in einer knappen Stunde, und in der Tat konnte man hier tief durchatmen. Leider taten das auch ca. hunderttausend andere Biker, die meisten ohne Schalldämpfer. Peinlich. Unterwegs fiel Anja das Kloster in Walkenried wieder ein, das ganz unten am Rand liegt. Dort war es kühl, ruhig und interessant. Als Bonus gab es On-Demand-Grillwurst. Auf dem Radar rückte eine Westfront an. Wir rechneten und nahmen freiwillig die B241 Schnellstraße am Südharz, die wahrscheinlich schönste Autobahn der Republik. Wir glitten sie ohne jeden Verkehr eine halbe Stunde entlang und hofften, vor der bereits sichtbaren grauen Suppe in Northeim zu sein. Das klappte. Die Front kam wenig später, löste sich aber überm Balkon in ein großes Nichts auf. Nur noch wir waren da, umgeben von sanftkuppigem Mittelgebirge und tausend neuen Möglichkeiten. 

Sonntag, 11. Mai 2025

Richard

Neue Reifen sind immer wie ein neues Leben. Allerdings, in der trägen Autokolonne auf der B432 hat es keinen Sinn. Heute war aber das Ziel der Weg, und wir waren zu zweit auf der Z unterwegs. Das ging diesmal nicht anders, und das ging überraschend gut. Hinter Segeberg schaltete das Beeline in den Fun Mode: Querfeldein kurvten wir durchs buschige Hohlwege in Richtung Neustadt. Auf Wegen, die wir nie zuvor gesehen hatten und Dörfer mit fremden Nahmen. Die Sonne stand gleißend am leeren Himmel wie immer, konnte aber nichts gegen die Kälte ausrichten, die mit jedem Kilomater zum Meer in unsere Lederjacken kroch. Kein Ding, denn wir sahen spitzenmäßig aus, und der Besuch sollte würdig sein. Im Wald von Brodau verirrten uns fast, bis wir Richards Baum fanden. Er stand in prächtigem Maigrün da. Auf dem Meer tosten Schaumkronen, unser Blick fiel bis nach drüben, dort lag Brook. Auf dem Rückweg hatten wir Rückenwind, aber die erträumte südliche Wärme blieb ein Traum. Bei hartem Gegenlicht und robuster guter Laune rauschten wir über Ahrensbök, Langniendorf, Reinfeld. Eine Aufwärmpause bei Aral mit Knackwurst in Oldesloe, dann durchhalten bis zum Stadtrand, das war zu schaffen. Zu Hause waren wir wieder einigermaßen aufgetaut und stellten fest: Eine würdige Fahrt. Richard hätte das so gewollt.



Sonntag, 4. Mai 2025

Familientag.

Es war das 1. Mai-Wochenende, und alle sagten man sollte raus auf die Straße. Kein Problem. Als Bonus gab es ein Ziel der Extraklasse: Family Bikertreff in Hörden. Um 10 Uhr rollten wir auf der B3 nach Süden. Unter unseren Reifen entwickelte sich ein makelloser Frühsommertag in viel zu warmen Klamotten. Die Kilometer zogen geradlinig und störungsfrei dahin, die ersten Berge kamen in Sicht, verheißungsvoll in schimmernden Dunst. Es war noch Nachmittag als wir ankamen, entspannt und voller Vorfreude. Vor Ort erwartete uns bereits Götz. Er hatte seine Triumph vom Hänger geladen und den Kühlschrank mit toten Tieren gefüllt. Für heute gab es nichts mehr zu tun als eine Tour über den Sieberpass, die ich improvisierend anführte. Die Serpentinen, die umwerfenden Panoramen auf der Stracke nach Clausthal, die perfekten Kurven, das passte alles in eine kleine Stunde rein. Was für ein Leben müsste das sein, dies immer zu haben. Über diese Frage philosophierten wir den ganzen Abend am Grill.

Freier Freitag: Während wir in der Sonne frühstückten, reise Albrecht an. Er lud eine verchromte Royal Enfield vom Hänger, zog die Lederjacke an und war am Start. Die Gruppe aus Street Twin, Interceptor und Rebel sah echt gut aus, nur meine 500X passte nicht ins Bild. Ich glich das aus durch Führung einer sorgfältig komponierten Tour durchs Eichsfeld: Wenig Kilometer, kommunikative Zwischenstopps, angenehme Strecken, und fremde Gegenden. Inzwischen war es heiß wie ein Sommertag. In einem nur Insidern bekannten Wald in der Nähe von Keula beorderte ich die Truppe auf einen Parkplatz. Anja und ich begaben uns ins Unterholz zur Bärlauchernte. Die Rückfahrt wurde zwar nicht der geplante, elegante  Bogen, sondern ein auf seine Art nicht weniger eleganter Tanz zwischen mehreren Gewitterzellen hindurch. Am Ende waren es keine 150 Kilometer, auf die wir am Grill zurückschauten und Bärlauch draufstreuten.

Den Samstag verbrachten wir in Albrechts Mercedes. Der sprach viel tiefsinniges Zeug und nahm verwegene Nebenstrecken. Erstmalig fuhren wir z.B. bei Starkregen nach Düna. Im Gegenzug erreichten wie aber auch Goslar, das uns positiv überraschte, und das wir unter anderen Umständen so nie gesehen hätten.

Am Sonntag reisten alle ab in ihre andere Welt. Unsere Hondas fuhren gemächlich nach Göttingen in die Garage. Unser ICE kam, die Sonne ging überm Flachland unter, und wir schmiedeten Pläne.

Sonntag, 27. April 2025

Farben

Innerlich hatte ich mich schon auf einen Tag mit dem Fahrrad eingestellt, als Anja mit einer Dienstfahrt nach Kittlitz um die Ecke kam. Immerhin, das lag in einer erreichbaren Richtung, denn der Süden war durch den Marathonlauf hermetisch abgeriegelt. Das Tomtom führte uns über Norderstedt querfeldein durch den ausufernden Speckgürtel nach Bargteheide. Danach wurde die Fahrt erst freier und nach und nach richtig gut. Durch gleißend weißes Licht und die einzigen Farben Grün, Gelb und Blau in totaler Klarheit ging es über klassische Routen, die uns seltsam nostalgisch vorkamen, wir aus einer anderen Zeit. Die Region hinter Mölln zwischen Sterley und Kittlitz ist und bleibt ein verstecktes Kleinod. Im dortigen Café trafen wir Götz, Karina, Didi und Kathrin. Bei überdimensionaler Torte wickelte Anja die Geschäfte ab. Dann ging es zurück durch die Aprilwärme über Gudow nach Büchen die unschlagbar einsame, lange Waldstraße durch den Grenzstreifen. Noch einmal tanken, dann über die Deichstraße zurück in die Stadt, wie tausend Mal zuvor. Wir waren müde, alles war erledigt, erfüllt und gut.



Samstag, 26. April 2025

Antworten

Am Anfang hatte der Tag mehr Fragen als Antworten. Die Sonne schien makellos und kühl, die Stadt war voller Autos und die bahnbrechende Idee ließ auf sich warten. Sie kam, als im Handy ein Angebot aus Rahlstedt aufpoppte. Das war nicht weit und ging in die ausnahmsweise passende Richtung. In einem BMW-Glaspalast stand eine blauweiße Himalayan. Sie gefiel Anja so gut, dass sie direkt das Geld auf den Tisch knallte und sie einsackte. Im weiteren Verlauf gurkten wir abwesend über Pfefferberg Richtung Sachsenwald, gedanklich zukünftige Einsätze der Royal Enfield planend. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, wusch sie bei nächster Gelegenheit die Rebel. Es passte ins Konzept, am Zollenspieker zu vorzufahren, wo wir uns eine Thüringer Bratwurst teilten, jedes Bike kommentierten und den Tag richtig gut fanden.



Montag, 21. April 2025

Ostern war gerettet

Am Vorabend hatten wir alles von allen Seiten hin und her diskutiert, immer wieder die Wetterprognosen durchinterpretiert, alles hinterfragt und auf den kleinsten Nenner gebracht. Als es dann soweit war, wischten wir den Plan vom Tisch und machten uns auf den Weg. Tatsächlich konnte man die kaltfeuchte Wolkendecke hinter sich lassen und unter die Sonne des Südens gelangen, etwa in Höhe von Bispingen. Dort beim Kaffee war klar, wie ziehen das durch. Auf einsamen Landstraßen im leuchtenden Frühlingsdunst ging es immer weiter in die Südheide bis Celle, und von dort weiter kreuz und quer, bis endlich die ersten Hügel zu sehen waren. Manchmal kam uns ein Stück bekannt vor, aber meist fuhren wie staunend durch eine Welt wie im Urlaub. Wir checkten ein in Seesen, warum auch nicht. Bis zum eintreffen der Regenfront war noch eine Stunde Luft. Genau richtig für ein paar hundert Genusskurven nach Clausthal und zurück über Hahnenklee. Danach bestellten wir ein monumentales Schnitzel und hatten keine Wünsche mehr offen (außer zwei Schierker).

Am Sonntag war schon Ostermontag. Wir fuhren nach dem Frühstück noch in Hörden vor, wo wir die Hausherren bei schwerer Gartenarbeit durch gute Ratschläge unterstützten. Dann programmierte ich eine satte 350 Km Rückfahrt im östlichen Bogen. Halb routiniert, doch immer wieder fasziniert kurvten wir über den Harz. Beide Maschinen hatten neue Reifen, ein Glückszustand, den wir hier still abfeierten. Von Wernigerode aus ging es von Dorf zu Dorf auf Nebenstrecken nach Norden. Es war eine gleitende, nicht endende Fahrt durch den sonnigen Tag. Immer staunten wir, wie abwechslungsreich man sich zwischen Braunschweig und Wolfsburg hindurchschlängeln kann. Dabei folgte ich blind dem Tomtom, und Anja folgte mir. Als wir bei Bokel in die Ausläufer der Heide kamen, war es schon Spätnachmittag. Von Südwesten waren Regenzellen im Anmarsch, so dass wir einen neuen Kurs über die Schnellstraße setzten. Im Norden wehte ein anderer Wind. Die Luft war kühl, die Zellen drohten und die Leute in der Stadt trugen Daunenjacken. Wir kamen an, waren müde und Ostern war gerettet.

Samstag, 12. April 2025

Frieden

Die Sonne schien seit Tagen allein aus einem leeren Himmel, und am Horizont war schon Ostern zu sehen. Kein Zweifel, der Frühling war längst da. Und endlich gab es nichts zu tun außer die Bikes anzulassen, voll zu tanken und loszufahren. Ein amtlicher Saisonstart war schon immer die Elbufertour nach Dömitz. Daran war nichts Spektakuläres, aber genüsslich auf der B195 durch den Apriltag zu rollen, das hatte etwas unheimlich friedliches. Die zahlreichen Testo-Racer, die auf der allerletzten Rille vorbeipreschten konnten daran nichts ändern. In Neuhaus entdeckten wir ein Eiscafé in der zweiten Reihe. Es ist normalerweise für die Einheimischen vorgesehen, wir merkten es uns trotzdem. Irgendwo auf dem letzten Drittel war die Strecke gesperrt, und zwar wirklich. Auf der Suche nach dem Schleichweg fanden wir uns in der herrlichen Einsamkeit der Elbauen wieder und planten einen Rückweg durchs Dickicht: Zarrentin, Gudow, Büchen, Lauenburg. Alles schon mal dagewesen, aber gut aufgehoben im Portfolio. Es war noch genug Sonne übrig für die Bummelstrecke am Deich entlang zurück in die Stadt. Die Leute dort standen in ihren Autos im Stau, wo sie vielleicht auch hingehörten.