über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 11. März 2018

Unendliche Möglichkeiten

Anfangs wusste Anja gar nicht so recht wie sie die Sixty-Two aus der Garage rauskriegen sollte, so lange war das her. Das ging dann aber wie von selbst und wir fuhren staunend durch einen feuchtwarmer Schwall, erstmal in Richtung Dampfstrahler. Wir ölten noch die Ketten, füllten die Tanks und dann waren wir draußen, auf der Landstraße, unter freiem Himmel in kaum vorstellbarer Frühlingsluft. Es gab ein Ziel in der nähe von Zeven, eine unbekannte Gegend, auf keinem Radar. Die Landschaft war kahl und hell und friedlich, und es war traumhaft durch den frühen Nachmittag zu segeln. Auch wenn wir an jeder Ecke anhalten mussten um auf die Karte zu gucken, auch der Nieselschauer, der die Bikes wieder einsaute, nichts konnte die schöne, leichte Stimmung trüben. In einem Dorf waren wir mit Detlev K. aus T. verabredet (Name von der Red. geändert). Er stellte Kaffee, Kuchen und einen Geldkoffer auf den Tisch. Als Gegenleistung wollte der die Bonnie dabehalten. Ich aß auf und sagte ja. Das war letztlich doch überraschend schmerzlos.
Dicht gedrängt fuhren wir auf Anjas Duc durch die Freiheit. Nach Hause waren es 80 Kilometer, und danach lagen unendliche Möglichkeiten.

Donnerstag, 1. März 2018

Vulcaninsel, 20°

In den Medien war von einer sogen. Russenpeitsche die Rede, die Mitteleuropa in Sekunden schockgefrieren ließ. Halb so wild, denn an Bord einer  Boeing 757 ließen wir den Frost, genau wie alles andere auch, lässig hinter uns. Vor uns lag eine Woche auf Fuerteventura, in Puerto Rosario, fernab vom Massentourismus, inmitten Spanischer Normalität, roh, tiefergelegt und immer um die 20 Grad warm. Die Tage verbrachten wir ausgiebig mit einem sehr gut gehenden Vulcan S Sportcruiser in den Weiten der Wüsteninsel. An der Westküste brandete haushoch der Atlantik, im Inland zogen wir über lange staubige Highways durchs Geröll. Die Bergstrecke ist auch beim fünften Mal atemberaubend. Generell sind alle Straßen vom Feinsten und es ist nirgends Verkehr. Wir fuhren im Sandsturm ums Nordkap, kannten irgendwann jede Kringelstraße zu in Felsen liegenden Stränden und sahen den Süden, wo die Deutschen zwischen Strand und Supermarkt dahinvegetieren. Als wir die Vulcan abgaben, war das okay, aber die Boeing betraten wir diesmal nur widerwillig.

Samstag, 17. Februar 2018

Licht

Diesmal hatte ich mir von Anja schriftlich genehmigen lassen, in ihrer Abwesenheit 'eine kleine Runde' mit der Sixty-Two drehen zu dürfen. Es war nämlich gar nicht so grau wie auf der Wetterkarte. Als ich unterwegs war, mit Rukkaanzug und Daytonastiefeln, trieb mich gleißende Mittagssonne mit satten 5 Grad immer weiter Richtung Stadtrand. Hinter Wedel fand ich mich auf einer Landstraße in freier Wildbahn wieder, beherzt segelnd durch die spröde Februarlandschaft. Es ging Richtung Uetersen, irgendwo bog ich ab nach Pinneberg. An den Ampeln sammelte sich immer genug Wärme um den Bogen bis Quickborn und Norderstedt zu spannen, durch Permafrost und vorbei an den samstäglichen Einkaufszentren der Vorstädter. Erst ganz am Ende zog sich der Himmel zu und es froren die Finger und der große Zeh. Aber bitte, das sind Luxusprobleme. Die Runde war groß und der Tag war voller Licht.

Sonntag, 31. Dezember 2017

Ende 17

Das Jahr ging mit herrlichem Südwestwind zu Ende, mild und nass. Ich tauschte kurzerhand das Fahrrad gegen die Vanvan und brummte in einem Wolkenloch los. Ein Stück durch die Stadt, an den Landungsbrücken entlang, wo abertausende Spaziergänger sich drängten. Hafencity, Veddel, dann allein in finsterster Lichtstimmung über die Peute. Aus grauer Dunstmasse glitzerte die Kupferfabrik wie Weihnachten. Es fing an zu regnen, und die Fahrt wurde immer besser. Auf der Freihafenelbbrücke hielt ich an und genoss das Heranrollen der nächsten inzwischen dunkelschwarzen Front. Zu Hause stellte die Vanvan in der Garage ab, tropfnass und zufrieden. Später kamen Gäste.


Donnerstag, 28. Dezember 2017

Theorie

Zwischen den Jahren gab es einsame Nachmittage und theoretisch die Möglichkeit, sinnvolle Dinge zu erledigen. Dagegen sprach, dass das Wetter war kurzzeitig trocken wurde und ich wusste wo sich Anjas Duc-Schlüssel befand. Die Scrambler sprang sofort an, die Rukka-Hose wärmte, die Stadt war leer und das Gasgeben war eine Erlösung. Ich nahm eine ausgiebige Runde durch das Hafengebiet, überholte alles, was in den Weg kam und kam mit der Dämmerung zurück in die leuchtende Stadt, mit kalten Fingern und zufrieden.
Am Donnerstag wiederholte ich das einfach, diesmal fuhr ich nach Norden, machte Halt beim Yamaha-Händler an der B4, wo es warm war sich eine SCR950 willenlos begrapschen ließ. Es ging noch raus bis Bönningstedt, dann mit über 80 Sachen rüber nach Norderstedt und am Flughafen entlang Richtung Badewanne. Hinterher hab ich Anja davon erzählt, sie musste das akzeptieren.

Montag, 25. Dezember 2017

Weihnachten war gerettet.

Zu Weihnachten kamen viele Geschenke, aber das beste war etwas milderes, nasses Wetter, wie man es liebt.  Wir hatten einen heiligen Abend auf dem Anwesen verbracht und am nächsten Tag stand uns Horsts Integra inklusive Goretex-Ausrüstung zur Verfügung. Wir genossen eine Fahrt mit Automatik und hermetischem Windschutz durch den grauen Nachmittag, kurz nach Lübeck, einmal um den Kirchturm, dann zu Telse nach Neukoppel zum Kaffee und vor allem MEST-Marzpan. Danach war es wieder dunkel und kalt, aber Weihnachten war gerettet.

Samstag, 4. November 2017

Die Kehrseite

Natürlich war es schlecht, dass die Bonnie 4 Monate nicht mehr fahren darf. Und natürlich schlecht, dass Anja kränkelte und nicht aus der Wohnung zu bekommen war. Aber alles hat immer auch eine Kehrseite: Gut war nämlich, dass mir dadurch die Sixty-Two zur Verfügung stand. Und gut auch, dass ein einzelner sonniger Novembersamstag bei 9 Grad mit langer Unterhose durchaus lebenswert sein kann. Ich kurvte mit der Duc durch die Stadt, die Hafenanlagen und hinter Harburg raus aufs Land. Die bergige Rosengartenstraße war herrlich. Der Wald leuchtete gelb, und die Duc war faszinierend agil, mit viel Charakter in der Mitte und meist ein gutes Stück zu schnell. Es war komisch, mit ihr allein unterwegs zu sein und es fühlte sich bis zum Schluss irgendwie verboten an. Eigentlich wollte ich noch am Lüheanleger vorfahren. Als ich in Cranz aber an der Kreuzung stand, waren die Finger schon gut durchgefroren und die warme Stadt zu lockend. Ich rauchte noch eine am Kreuzfahrerterminal Steinwerder, preschte durch die Stadt und dachte am Ende nur noch an die heiße Badewanne.