über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 18. Mai 2019

ich, cruisend.

Cruisen allein, manchmal genau richtig. Erst war ich auf einer ziemlich öden Kawasaki Werbeveranstaltung in Allermöhe. Die Probefahrtwarteliste war absurd lang, aber noch viel mehr gingen mir die vielen Leute auf den Sack. Instinktiv zog es mich auf die B195. Die Vulcan glitt in perfektem Tempo durch den Tag. Vorbei an Boizenburg, Neuhaus, immer weiter die menschenleeren Elbauen entlang, ganz für mich allein. Das Fahrgefühl war allumfassend und flauschig, ein perfekter Moment, der hundert Kilometer anhielt. Eine einsame Frikadelle an der Tanke in Dömitz, dann wieder Asphalt ohne Ende. Dannenberg, abbiegen auf die B218, cruisen durch hellgrüne Alleen mit Sonne dazwischen. In Göhrde einer Eingebung nach links folgend, fand ich mich staunend auf einer schier unendlichen Waldstraße über Himbergen nach Bad Bevensen wieder. Keine Ahnung, ob die schon bekannt war, sie war jedenfalls episch und es gab keinerlei Anzeichen von Zivilisation. Ich hatte keine Lust auf die Karte zu schauen und ließ mich blind nach Westen treiben. In einer unbekannten, hügeligen Welt irgendwo ein Stück südlich von Lüneburg gab es traumhafte Straßen, Hoffentlich finde ich die je wieder. Später, nach einem langen Ritt durch die Lüneburger Heide kamen wieder bekannte Ortsnamen. In Welle stieß ich auf die B3 mit meinem letzten Tropfen Benzin. Der Rest war Standard. Hamburg war wieder voller Menschen, Autos, armen Seelen, die nicht cruisen.


Sonntag, 12. Mai 2019

Klarheit.

Sonntag war die Luft das entscheidende Grad wärmer und die Köpfe klarer. Heute fuhr Anja die Mash, mit viel Braaab!, Ich fuhr die Vulcan und war cool. Wir rollten mit Rückenwind die Deichstraße entlang und fuhren beim Zollenspieker vor. Dort parkten massenweise Harleys und die Wurstschlange war mehrere Kilometer lang. Wir holten Cappuccino und warteten, dass uns jemand auf unsere Boliden ansprach. Passierte natürlich nicht. Ab da verlief die Route so ähnlich wie gestern, nur dass diesmal alles fluffig war, es uns nichts ausmachte, dass die Straße zum Adele gesperrt war, und dass der eisige Nordwest auf der Rückfahrt mörderisch war. Der wurde zurück in Hamburg sogar noch krasser. Und trotzdem gaben wir noch kurz Gas, kurvten im laserharten Licht auf die Dradenau und guckten Schiffe, wie alle anderen auch.

Samstag, 11. Mai 2019

Charakter

Die Duc und die Mash zusammen unterwegs, das gab es noch nie, und wer weiß wie lange noch. Eiskalte Hartsonne begleitete uns durch den Maisamstag, an dem wir eine gewisse Mattheit nie ganz abschütteln konnten. Dennoch, das Fahren ging leicht von der Hand, ich fuhr die Mash, und zwar mit Genuss und meist Schmackes. Ich dachte, man könnte einen intuitiven Bogen durch die Nordheide fahren, einfach so. Leider führte ich uns auf einer eher öden Route durch Orte wir Jesteburg oder die grellen Randgebiete Buchholz', ein Stück westlich von Welle durch das ebensowenig sehenswerte Hollenstedt sowie unzählige weitere nicht nennbare Orte. Wir denken, das lag an vielleicht auch ein Stück weit der Mash, die sich charakterlich immer in den Mittelpunkt stellte, oder an dem Wolkenteppich, der gleich südlich begann. Seit der Reparatur der Duc waren Zweifel geblieben, deshalb testeten wir unterwegs den Verbrauch: 4 Liter. Mash 3. Alles normal. Trotz Thermowäsche waren wir am Ende total durchgefroeren und hatten Rücken. Mitte Mai! Die Sonne strahlte in aller Härte bis in die Nacht hinein.

Sonntag, 28. April 2019

Braaab.

Die Vanvan brummte mit 80 Sachen die B75 entlang. Es war ihre letzte Fahrt unter meiner Herrschaft. Im Rückspiegel folgte Anja geduldig. Reinfeld kam, dann Rapsfelder und Frühlingsgrün, schließlich Strukdorf, wo wir Götz trafen, den neuen Besitzer. Nach der Schlüsselübergabe blieb noch Zeit für einen halben Kaffee, wir wollten schnell Lübeck, um die Mash abzuholen. Zu unserer Überraschung trafen wir dort Horst an, der uns die ersten 20 Kilometer mit der NC eskortierte. Ich fuhr zuerst die Mash. Das ging sehr entspannt und gar nicht so bummelig wie man denkt. An der Tanke in der Nähe von Kastorf holten wir drei Eis und bewunderten unseren Fuhrpark. Die Mash und die Sixty-Two standen nebeneinander und sahen eigentlich recht ähnlich aus. aber auf der Straße war der Unterschied in etwa wie ein Bleistift gegenüber Windows 10. Den Rest fuhr Anja die den Bleistift, und ich die Duc. Manchmal ließ ich mich von ihr überholen, nur um nochmal das Braaab zu hören.
Am Sonntag verzog sich gegen Spätnachmitttag das Regengebiet. Anja hatte zu tun, ich machte noch eine ausgiebige Testfahrt mit der Mash. Durchs Hafengebiet, ein Stück am Deich entlang bis Stelle, einen schönen Bogen durchs grün flirrende Hinterland. Wie sie unaufgeregt auf Landstraßen dahinbrummt fand ich klasse, genau wie die trennscheibenartige Kurvenlage. Und das Braaab. Reichlich durchgefroren kam wieder zurück.

Montag, 22. April 2019

Essen auf Rädern

Ostern Off-Topic - Hochsommer in Deutschland. Die Maschinen standen geputzt und betankt in der Garage. Wir saßen im FlixTrain auf unserem Weg nach Essen. Dort begann eine nie dagewesene Expedition: Auf NextBike Mietfahrrädern 3 Tage durchs Ruhrgebiet. Das war im Vorfeld nicht leicht zu verargumentieren, war aber wir wollten das so. Näher kommt keiner an die Realität ran, z.B. wenn man sich von Oberhausen nach Mülheim durch Arabische Straßenzüge vorarbeitet, auf ehemaligen Industriebahndämmen über die Dächer endloser Kleinmannträume schwebt, zum Alkoholfreien in den Biergarten oder durch die Fußgängerzone beim Hotel vorrollt. Alles im T-Shirt, unendlich leicht und nach kurzer Zeit mit Sonnenbrand. Meinen NextBike Cruiser hatte ich schon richtig liebgewonnen und zwischendurch gar nicht entmietet. wir waren damit die defacto Uncoolsten auf der gesamten Erzbahntrasse (und fanden das natürlich erst recht cool). Am Ende waren wir voller Eindrücke. Wir sahen strukturgewandelte Kulturindustrie, künstliche Neusiedlungen, hier und da noch den Prahl vergangener Zeiten, zwischendurch ein Rapsfeld. Alles in allem ein krasser, hipsterfreier Urbanitätsmix aus Istanbul und Wandsbek-Gartenstadt.


Samstag, 6. April 2019

Mashed

Während sich draußen ein greller Frühlingstag entwickelte, stand die SixtyTwo im Dunkel der Tiefgarage und wartete auf ihren nächsten Werkstatttermin. Anja saß auf dem Rücksitz der Vulcan S, die ich mit atemberaubender Geschwindigkeit auf der BAB 1 nach Lübeck trieb. In Nullkommanix rollten wir beim örtlichen Ducatihändler auf den Hof. Dort war gerade ein Bikerfest und es gab viele funktionierende Ducatis. Was uns aber eigentlich dort hin gezogen hatte, war eine schicke gebrauchte Mash Scrambler 400, die wir testen durften. Ich fuhr ein Stück aus der Stadt raus, Richtung Reinfeld, dann wieder zurück. Sie lief locker und brummig. das Ganze war sehr entspannt und man fühlte sich irgendwie von jeglichem Stress nicht betroffen. Anja drehte damit noch einige Runden zwischen den Lagerhallen und bestätigte alles. Ich blätterte ein paar Scheine auf den Tresen und nahm die Papiere mit. Mit der Vulcan fuhren wir noch auf einem schönen Bogen auf einen Kaffee nach Strukdorf. Dort wollte man alles wissen. Es war wie ein Sommernachmittag und wir cruisten genüsslich über Segeberg auf der B206, dann die traumhaften Alleen Schmalfeld, Kaltenkirchen, Alveslohe, Quickborn. Anja beklagte sich am Ende über den Rücksitz der Vulcan. Im Gedanken fuhr sie trotzdem noch eine Runde mit der  Mash .

Samstag, 30. März 2019

Die Tiefe des Raumes

Das Winterfutter war noch drin, total unnötig. Satter Rückenwind schob uns über die Autobahn in einen echten 2019er Frühlingstag. Geesthacht, Lauenburg in milder Märzsonne, schließlich der Ausgang nach McPom. Das war lange her. Bei einem Pappbecherkaffee bewunderten wir die Authentizität der Tankstellenszene Boizenburgs. Dann war da die B195 und wir ließen die Maschinen rollen, endlich 90 Sachen und keine Fragen mehr. Niemand war auf der Straße außer uns, nur euphorisch grüßende Biker und der milde Luftstrom von vorn. Durch kahle Wälder glitt der Blick über die Weiten der Elbauen, abseits der heute filmreif schwingenden Straße am Geestrand.. Immer tiefer drangen wir in den gewaltigen, leeren Raum ein. Als wir am Deich saßen, irgendwo am Ende des Universums, stand die Zeit eine Weile still. Dann fielen uns die noch zu kochenden Rinderrouladen ein, die Gäste, und die ganze Realität. Leider auch, dass Anjas Duc nach wie vor nicht rund lief und dabei einen Tank nach dem anderen leersaugte. Der Rückweg ging schnell  Wir brauchten was zu Essen und neue Ideen.