über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 16. Juni 2019

Wellenreiten

Ja, eine Seefahrt ist auch lustig, klar. Bei näherer Betrachtung erschien ein Frachter dann aber doch sehr behäbig und fährt außerdem ausschließlich auf Wasser. Die BMW F 700 GS, die wir stattdessen in Barcelona übernahmen, war für unsere Verhältnisse auch ein ganz schön dickes Schiff. Die fuhr aber wohin ich es wollte. Und zwar zunächst südlich an den Pyrenäen entlang in Richtung Horizont. Auf heißem Asphalt, mit 120 Sachen ohne Fahrtwind, dabei allerdings auch ohne viel Charakter. Jeden Abend legten wir in einer anderen Stadt an, auf der Suche nach Essbarem und Vino Tinto, Wir fanden dies meist zwischen Einheimischen in irgendwelchen Seitengassen. Das Hauptziel Biarritz lag auf der anderen Seite, im Regen. Die Griffheizung der BMW lief bei der Überfahrt auf Volldampf. 12° in Südfrankreich wirkten trotzdem absurd. All das war vergessen am nächsten Tag auf dem Wheels & Waves Festival. Immerhin ging es da prinzipiell unter anderem ja auch um Wassersport. Mehr jedoch, und erst recht in den Gassen der Stadt am Abend, um einen lässigen Style, Benzin, Craft Beer, sowie wahnsinnig viel Braaab von Scramblern, Racern und zunehmend Trackern. Genau unser Ding. Den Rest der Woche kurvten wir bei Traumwetter mit großer Geschmeidigkeit durch die Berge, schmuggelten Zigaretten aus Andorra und hatten meist die ganze Welt für uns. Am Ende saßen wir als Fußgänger bei einer Pizza am Mittelmeer und konnten kaum glauben, dass das nur eine Woche gewesen sein soll.

Sonntag, 2. Juni 2019

Unser Osten

VäterInnentag 2019. Wir saßen auf gepackten Koffern, bis das Regenband am Nachmittag endlich durch war. Dann ging es mit frischem Rückenwind auf die Reise ins ferne Stendal. Bis Lüneburg schossen wir auf der Autobahn mit 110 Sachen entlang. Auf der B4 dann verlangte Anja energisch eine Abwechslung und wir nahmen eine Vio-gesteuerte Route von Bad Bevensen aus durch die Altmark. Regionen, die wir nie zuvor gesehen hatten, ruhig, buschig und absolut angenehm zu fahren. Mit jedem Kilometer wurde das Wetter besser, auf dem letzten Stück ab Salzwedel schwitzten wir in unserer Funktionswäsche. Stendal hatte interessante Ziegelbauten und einen Griechen. Ansonsten ist da nichts los. Gut so.

Am nächsten Morgen zog menschenleer und waldig ausgedehnte Landschaft vorbei. Es blieb viel Raum für uns, die Maschinen brummten zufrieden, die Gedanken verliefen sich. Wenn überhaupt mal eine Ortschaft kam, dann war sie leer und die einzigen Farbtupfer die typischen NPD-Plakate. Die Stadt Brandenburg wirkte im Gegensatz überraschend lebendig, beinahe kosmopolitisch-bunt. Unser Ziel Beelitz war schon in Sichtweite, da machte der Kupplungszug der Mash zonk!. Gut, dass ich noch aus alten Zeiten mit ohne Kupplung fahren konnte (mit Anschubsen). Anja eierte mit der Vulcan hinterher. Das Gute war: Auf Remberts Landsitz in Beelitz war genug Kompetenz versammelt, um das Problem administrativ zu lösen. Rembert eskortierte mich nach Wannsee zum freundlichen Mash Händler, der das Teil umgehend und ohne Termin erneuerte! Den Restnachmittag füllten genüssliche maigrüne Kilometer auf raumgreifenden, Landstraßen, die Rembert und Thomas rausgesucht hatten und die uns ganz allein gehörten. Im Abendlicht sah die Gruppe aus Harley, Vanvan Vulcan und Mash dabei aus wie im Film. In Bad Belzig rauchte schon der Grill. Wir waren sehr entspannt und wurden im Laufe des Abends von Insekten restlos aufgefressen.

Samstag führte uns Thomas auf verträumten, wiederum leeren Landstraßen auf einer südlichen Route Richtung Coswig. Die Sonne brannte auf Wald und Wiese, die Vanvan gab ein entspanntes Tempo vor. Das hätte gern ewig so weiter gehen können. Bei Wörlitz überquerten wir die Elbe, dann kamen holprige, angeblich "legale" Schotterpisten, auf denen ich mir mit der Vulcan nichts anmerken ließ. Im dortigen Landschaftspark stieß Rembert dazu und begleitete uns noch ein Stück. Erst durchs glühende Dessau, dann an der Elbe entlang bis Aken, wo wir uns trennten. Anja und ich glitten durch einen langen warmen Abend über leeres Land in später Sonne. In Pömmelte hielten wir an einem Ringheiligtum, dann ging es über samtigen Asphalt immer weiter Richtung Westen. Am Ende des Tages lag Braunschweig. Das hatte sich in unserer Erinnerung zu einer Weltstadt verklärt. Tatsächlich waren wir froh, noch etwas zu Essen zu kriegen.

Sonntag: Viel zu viel Zeit für zu viel wenig Strecke, und gestern scheinbar irgendwie zu wenig Wasser getrunken. Hinter Uelzen fühlte sich die Landschaft wieder vertraut an. Wälder ohne jegliches Ende, lange Geraden, und plötzlich seltsam viel Verkehr bei 30 Grad. Wir vermieden die B3 und fuhren uninspirierte, aber absolut interessante Bögen durchs Hinterland, z.B. durch riesige Militärübungsgelände mit Natodraht. Immer in der Nähe von Autobahnanschlussstellen waren alle Straßen total mit Autos verstopft. Das war umso absurder, da wir seit 4 Tagen praktisch allein auf der Welt waren. Dann doch lieber noch einen großen Schlenker zurück nach Osten, über Amelinghausen und hinten um Lüneburg herum wieder an die Elbe. Auf der Deichstraße nach Hamburg fielen uns fast schon die Augen zu. In der Stadt holten wir Döner und lehnten uns zurück.

Sonntag, 19. Mai 2019

Desillusion

Klar war, dass wir mit den beiden Scramblern los wollten. Unklar, wohin. Auch nachdem wir ewig über die Wetterkarte philosophiert hatten, blieben Fragen. Wie auch immer, wir waren auf dem Weg nach Süden. Die lange gerade B3 schnitt sich durch den Nachmittag, an ihrem Ende die Sonne. Ich hatte Anja überredet, nicht eines der Seniorencafés in der Lüneburger Heide mit Spitzendeckchen anzufahren, sondern die heimliche Lieblingstanke in Welle. Dort schlürft man den Cappu aus dem Pappbecher auf einer Holzbank am Bike. Anja kam panisch mit dem Handy an und zeige mir die Gewitterzelle. Grausam zog sie ihre Bahn auf dem Display. Uns blieben nur Minuten. Motoren an, Gas, zurück nach Norden. Am besten in die andere Luftmasse, nördlich der Elbe. Wir durchquerten Hamburg auf der A1, was als Mash-Test zumindest interessant war, In der Nähe von Ahrensburg kamen wir in einem Gewerbegebiet zum Stehen. Alles war grau, die Luft irgendwie blöd, und es war 5 Uhr. Wir fuhren desillusioniert zurück in die verständnislose Stadt, die von der ganzen Aktion nichts mitbekommen hatte, außer einem trägen Frühsommersonntag.

Samstag, 18. Mai 2019

ich, cruisend.

Cruisen allein, manchmal genau richtig. Erst war ich auf einer ziemlich öden Kawasaki Werbeveranstaltung in Allermöhe. Die Probefahrtwarteliste war absurd lang, aber noch viel mehr gingen mir die vielen Leute auf den Sack. Instinktiv zog es mich auf die B195. Die Vulcan glitt in perfektem Tempo durch den Tag. Vorbei an Boizenburg, Neuhaus, immer weiter die menschenleeren Elbauen entlang, ganz für mich allein. Das Fahrgefühl war allumfassend und flauschig, ein perfekter Moment, der hundert Kilometer anhielt. Eine einsame Frikadelle an der Tanke in Dömitz, dann wieder Asphalt ohne Ende. Dannenberg, abbiegen auf die B218, cruisen durch hellgrüne Alleen mit Sonne dazwischen. In Göhrde einer Eingebung nach links folgend, fand ich mich staunend auf einer schier unendlichen Waldstraße über Himbergen nach Bad Bevensen wieder. Keine Ahnung, ob die schon bekannt war, sie war jedenfalls episch und es gab keinerlei Anzeichen von Zivilisation. Ich hatte keine Lust auf die Karte zu schauen und ließ mich blind nach Westen treiben. In einer unbekannten, hügeligen Welt irgendwo ein Stück südlich von Lüneburg gab es traumhafte Straßen, Hoffentlich finde ich die je wieder. Später, nach einem langen Ritt durch die Lüneburger Heide kamen wieder bekannte Ortsnamen. In Welle stieß ich auf die B3 mit meinem letzten Tropfen Benzin. Der Rest war Standard. Hamburg war wieder voller Menschen, Autos, armen Seelen, die nicht cruisen.


Sonntag, 12. Mai 2019

Klarheit.

Sonntag war die Luft das entscheidende Grad wärmer und die Köpfe klarer. Heute fuhr Anja die Mash, mit viel Braaab!, Ich fuhr die Vulcan und war cool. Wir rollten mit Rückenwind die Deichstraße entlang und fuhren beim Zollenspieker vor. Dort parkten massenweise Harleys und die Wurstschlange war mehrere Kilometer lang. Wir holten Cappuccino und warteten, dass uns jemand auf unsere Boliden ansprach. Passierte natürlich nicht. Ab da verlief die Route so ähnlich wie gestern, nur dass diesmal alles fluffig war, es uns nichts ausmachte, dass die Straße zum Adele gesperrt war, und dass der eisige Nordwest auf der Rückfahrt mörderisch war. Der wurde zurück in Hamburg sogar noch krasser. Und trotzdem gaben wir noch kurz Gas, kurvten im laserharten Licht auf die Dradenau und guckten Schiffe, wie alle anderen auch.

Samstag, 11. Mai 2019

Charakter

Die Duc und die Mash zusammen unterwegs, das gab es noch nie, und wer weiß wie lange noch. Eiskalte Hartsonne begleitete uns durch den Maisamstag, an dem wir eine gewisse Mattheit nie ganz abschütteln konnten. Dennoch, das Fahren ging leicht von der Hand, ich fuhr die Mash, und zwar mit Genuss und meist Schmackes. Ich dachte, man könnte einen intuitiven Bogen durch die Nordheide fahren, einfach so. Leider führte ich uns auf einer eher öden Route durch Orte wir Jesteburg oder die grellen Randgebiete Buchholz', ein Stück westlich von Welle durch das ebensowenig sehenswerte Hollenstedt sowie unzählige weitere nicht nennbare Orte. Wir denken, das lag an vielleicht auch ein Stück weit der Mash, die sich charakterlich immer in den Mittelpunkt stellte, oder an dem Wolkenteppich, der gleich südlich begann. Seit der Reparatur der Duc waren Zweifel geblieben, deshalb testeten wir unterwegs den Verbrauch: 4 Liter. Mash 3. Alles normal. Trotz Thermowäsche waren wir am Ende total durchgefroeren und hatten Rücken. Mitte Mai! Die Sonne strahlte in aller Härte bis in die Nacht hinein.

Sonntag, 28. April 2019

Braaab.

Die Vanvan brummte mit 80 Sachen die B75 entlang. Es war ihre letzte Fahrt unter meiner Herrschaft. Im Rückspiegel folgte Anja geduldig. Reinfeld kam, dann Rapsfelder und Frühlingsgrün, schließlich Strukdorf, wo wir Götz trafen, den neuen Besitzer. Nach der Schlüsselübergabe blieb noch Zeit für einen halben Kaffee, wir wollten schnell Lübeck, um die Mash abzuholen. Zu unserer Überraschung trafen wir dort Horst an, der uns die ersten 20 Kilometer mit der NC eskortierte. Ich fuhr zuerst die Mash. Das ging sehr entspannt und gar nicht so bummelig wie man denkt. An der Tanke in der Nähe von Kastorf holten wir drei Eis und bewunderten unseren Fuhrpark. Die Mash und die Sixty-Two standen nebeneinander und sahen eigentlich recht ähnlich aus. aber auf der Straße war der Unterschied in etwa wie ein Bleistift gegenüber Windows 10. Den Rest fuhr Anja die den Bleistift, und ich die Duc. Manchmal ließ ich mich von ihr überholen, nur um nochmal das Braaab zu hören.
Am Sonntag verzog sich gegen Spätnachmitttag das Regengebiet. Anja hatte zu tun, ich machte noch eine ausgiebige Testfahrt mit der Mash. Durchs Hafengebiet, ein Stück am Deich entlang bis Stelle, einen schönen Bogen durchs grün flirrende Hinterland. Wie sie unaufgeregt auf Landstraßen dahinbrummt fand ich klasse, genau wie die trennscheibenartige Kurvenlage. Und das Braaab. Reichlich durchgefroren kam wieder zurück.