über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 4. Oktober 2020

Gänsehaut

Der einsame Wolf kämpfte sich durch scharfen Westwind seinen Weg nach Süden frei. Er ließ die Bolt laufen, auf verlassenen Straßen, über endloses Land. Er hatte den Horizont fest im Blick und war selbst ganz froh, wie gut die Lederjacke wärmte, jetzt wo das Thermofutter drin war. Den Rest erledigte die lange Unterhose. Die Gänsehaut kam also nicht von der Kälte, sondern von den einmaligen Momenten, wenn z.B. die Straße in einem langen Schwung auf eine Kuppe führte, den Blick freigab auf das im Wechsellicht strahlende Land, und man das Gas eine Weile stehen lassen konnte. Es kamen mehrere Entscheidungspunkte, und immer hing ich noch einen Bogen dran. Ich war auf der Nebenstrecke bis nach Bispingen gekommen, fuhr die diagonale durch die Heide an die B3, bog dort nochmal ab um über Undeloh wieder auf die Ausgangsroute zu kommen. Und weil dass immer noch nicht reichte, fuhr ich bei Geesthacht auf die andere Seite und dachte, was für ein guter Tag. Dann gondelte ich bei Gegenwind auf der Deichstraße nach Hause.



Samstag, 3. Oktober 2020

Naher Osten.

Den Einheitsfeiertag wollten wir da feiern, wo er hingehört: Im nahen Osten. Dass die großspurig programmierte Schaalseeumrundung eine Nummer zu groß für diesen womöglich letzten milden Fahrtag war, wurde schon auf der Anfahrt klar. Bereits in Gudow brauchten wir die erste Kaffeepause. Aber die Große Sause war gar nicht nötig. Denn die unbekannten Verbindungswege im Grenzstreifen zwischen Langenlehsten, Lüttenmerk und Bretzin waren Weltklasse. Wo mal scharf geschossen wurde, schien heute die milchige Oktobersonne Sonne auf legale Schotterpisten und erstes Gelb. Dazwischen bahnten sich unsere Enduros ihren Weg, immer auf der Suche nach dem nächsten, noch besseren Fotospot. Durchs Tessin kamen wir nach Süden, querten die B5 und stießen in den Elbauen auf die B195. Die nahmen wir noch mit Schwung bis zur Grenze, und fanden heute die Wiedervereinigung mal richtig gut.



Mittwoch, 23. September 2020

Sonntag am Mittwoch

Also ein bisschen mutig war es schon, noch einen Mittwoch frei zu nehmen, einfach so. Dass es um den wohl letzten Sommertag ging, hingen wir nicht an die große Glocke. Nach kurzer Fahrt war sofort alles klar: die Entscheidung war richtig, ach, alternativlos. Neulich sagte ich, die Elbuferstraße von damals hätte ausgedient. Das stimmte fürs Cruisen, relativierte sich aber für das heutige Mash/Himalayan-Duo. Ab Lauenburg war null Verkehr, wir gaben uns kurvigem Gebummel durch einem prallen Tag voller Sonne hin. Die holprigen Straßen kamen gerade recht, und als Highlight gab es die Verbotene Straße zwischen Darchau und Hitzacker. Sie führt über Berg und Tal durch den Wald, und heute war sie erlaubt. Danach hatten wir Zeit zum Dösen auf einer Elbwiese, Hornissen und Seeadler bewundernd, die Wärme genießend, die sich ganz und gar sommerlich anfühlte. Dazu kam das schelmische Gefühl, diesen prächtigen Tag gemopst zu haben wie eine Knackwurst aus dem Kühlschrank. Für die Rückfahrt nahmen wir nochmal die Bergstrecke, und navigierten durch unbekanntes Hinterland von Thomasburg, das super aussah, dann ging es zickzack zurück bis an den Elbdeich. Wir hatten überhaupt keinen Bock auf Feierabendverkehr in der Stadt. Stattdessen ergoogelten wir uns einen Dönerladen in Scharmbeck und warteten auf die Dämmerung. Sie kam früh, warm, und wir segelten zurück wie an einem Sommersonntag.




Sonntag, 20. September 2020

Kein Picknick.

Nach einem Abend mit Freunden war es genau richtig, nichts weiter zu planen als eine belanglose Fahrt an irgendeinen Deich, mit Buch und Picknickdecke. Dafür war die SR gut. Die Mash sowieso. Blöd war der gesperrte Elbtunnel. Als Folge stauten sich nämlich die Dosenfahrer nicht nur in der gesamtem Stadt, sondern überall, wo es über die Elbe ging, also z.B. in Geesthacht oder Lauenburg. Unsere Idee vom Buch am Deich platzte unterwegs, und zurück ging es auch nicht mehr. Blieb der Sprung nach vorn, genauer gesagt nach Zarrentin, Kaffee trinken am See geht immer. Durch das Kopfsteinpflaster der Alten Salzstraße waren wir eh wach gerüttelt, die Strecke über Büchen und Gudow geht auch immer. Aus Angst vor den schrecklichen Autostaus, zirkelten wir eine Rückfahret ganz weit außen über Mölln und Nusse auf Bargteheide zu, um von hinten über Ammersbek schadlos in die Stadt zu kommen. Das ging, waren 200 Kilometer und die Autos standen immer noch.



Mittwoch, 16. September 2020

Das erste Mal

Es war sogar noch ein freier Tag übrig, ein Mittwoch, mit viel Sonne, und jetzt auch Anja. Ich nahm jetzt die Himalayan, denn wir fuhren nach McPom. Das erste Mal. Groß angelegter Bogen über Lauenburg, Büchen, Mölln. Dann per Navi ganz elegant auf Hohlwegen quer durchs staubige Land, bis schließlich Schönberg auftauchte und dann, nicht viel später, das Meer. An- und Abbaden im September, top. Wir machten die Rückfahrt genauso schön. Das Land sah im Schräglicht aus wie im Fernsehen. Wenn die Sonne brutal von vorne ins Visier stach, war davon aber nichts mehr zu sehen. Alles war egal, denn für uns zählte nur der Mittwoch am Meer.



Dienstag, 15. September 2020

Ich will cruisen.

Sonntag

Plötzlich wurde eine zweite Sommerwelle angesagt. Im System und fand ich noch reichlich Urlaubstage, klick klick klick, ich bin weg. Allein, cruisen, Anja verstand das. Es gab Strecken im Osten, die waren lang und weit. Die B218 bis Dannenberg, Lüchow, dann nach Salzwedel. Da löste es sich schon langsam auf. Gardelegen, Haldesleben, die Bolt in endloser Prärie durch den Tag laufen lassen, das war genau was ich wollte. Viel zu früh stand ich in Magdeburg vorm Hotel. Ich buchte das einzige Leihfahrrad der Stadt und fand sie gut.


Montag

Der Fläming sieht auf der Karte aus wie ein Mittelgebirge. In Wahrheit ist es ein kaum spürbarer Hügel, dafür mit leeren Straßen, die sich in weiten Bögen daran schmiegen. Ich durchfuhr Löburg, Wiesenburg und Belzig in sengender Sommerhitze, kam in eine bekanntere Region mit engen Alleen und besuchte Rembert im wohl beneidenswertesten Homeoffice aller Zeiten. In Lutherstadt Wittenberg hatte ich mir ein Zimmer gebucht. Bis dahin hatte ich viel Zeit. Es ging nochmals kreuz und Quer durch das Fläminggebirge, über unvorstellbare Holperpisten bei Wörlitz an den Rand einer anderen Landschaft im Süden, wo alles etwas tiefergelegt scheint. Die Lutherstadt war klasse, es war Sommer und man bekam sogar nach 21 Uhr noch einen Absacker.

Dienstag

Aufbruch in herrlicher Morgenfrische, kurz nach Acht. Das war unbeschwertes Schwingen über Zisar, Gentin, hoch nach Jericho. Ich wollte unbedingt nochmal diese Straße bei Wusterdamm fahren. Hätte ich doch bloß an der Tanke auch getankt, statt nur Cappuccino zu trinken. So machte ich noch eine Extratour nach Rathenow. Hinter Havelberg ging es auf den kleinen Buckelpisten in die glühenden Elbauen. In Bad Wilsnack gab es auch diesmal nichts, aber in Wittenberge war gerade Mittagspause, da machte ich mit. Dösend unter einem Baum kurz vor Dömitz merkte ich, dass ich meine Mütze irgendwo verbummelt hatte. Die einzige Chance bestand darin, bis Lüneburg und von da auf der unschlagbaren B209 nach Munster zu fahren, um im dortigen Army-Shop eine neue zu besorgen. Dass ich schon 400 Kilometer auf der Uhr hatte, merkte ich nicht mehr. Im Gegenteil, ich fuhr zur Belohnung noch auf ein Alkoholfreies nach Soltau. Erst dann rollte ich in vollster Zufriedenheit auf der B3 nach Hause.





Samstag, 5. September 2020

Zu Hause

Mit der Himalayan Deutschland zu explorieren war klasse. Dennoch: Cruisen ist eine andere Welt. Die Lederjacke passte noch und die Bolt fand von allein den Weg auf den Highway 3. Der Effekt setzte sogleich ein, willkommen zurück. Durch die Deutschlandtour wusste ich, wie es hinter Soltau aussieht, und so ließ ich die Maschine weiter gleiten bis Fallingbostel. Das hätte sehr entspannt sein können, mit vollem Tank. Ich war froh, in Dorfmark eine Classic Tankstelle zu finden und gönnte mir Super Plus und einen Cappuccino im Stehen. Allzulange durfte ich mich nicht aufhalten, daher war die Rückroute, grob nach Eigenorientierung in einem westlichen Bogen zusammenimprovisiert, eine Mischung aus auf-die-Uhr-gucken und sich-über-zu-viele-Dörfer-ärgern. Am Ende war ich auf der Autobahn und wäre beinahe im Elbtunnelstau verendet. Der Stadtverkehr war eine Qual. Als alles erledigt war, fuhr ich Fahrrad, wie alle anderen. Da fühlte ich mich wieder zu Hause.