Inzwischen war selbst der Oktober fast rum, und einmal kam noch ein strahlend kalter Sonntag. Ich musste schnell noch einen möglicherweise letzten Einsatz der Bolt inszenieren. Scheiß auf die Temperatur, den Autostau, auf alles, Cruisen ist das einig Wahre. Ich sah unfassbar gut aus, das war sicher, und die Fahrt fühlte sich stark an, frei, männlich. Das Licht war aus purem Gold. Genau wie die gesamten 2 Stunden im späten Oktober.
über 20 Jahre !!!
Sonntag, 24. Oktober 2021
Samstag, 16. Oktober 2021
Angebote
Ich drehte und wendete es, und am Ende würde alles klar werden. Das Ende der Saison war schon voll da, und die letzten Fahrten der Himalayan waren bestimmt durch klare Zweckmäßigkeit, z.B. das Ansammeln von 500 Kilometern zur neuen Erstinspektion. Die vervollständigte ich mit Heizgriffen, in beeindruckend trüber Tristesse der Marsch zwischen Elmshorn und Itzehoe. Alles was mal war, begrub die frühe Dämmerung. Eine Woche drauf, während die Maschine bereits im Internet Klicks sammelte, nutzten wir sie noch zum Weinholen, und eine eine Fahrt nach Ahrensburg. Ein Angebot exzessiver Vernunft stand da, das niemand ablehnen konnte. Daran änderte auch die rundum befriedigende, große Elbdeichrunde mit der Enfield nichts mehr, die wir noch dranhingen, bis die Kälte kroch.
Montag, 4. Oktober 2021
Himalayan
Das Telefon klingelte und die Enfield war wieder da. Wir fuhren am Samstagmorgen zu zweit auf der Honda nach Seevetal und übernahmen ohne besondere Feierlichkeiten die Himalayan, die sich jetzt irgendwie anders anhörte, aber funktionierte, mehr will man nicht. Der Tag war rundum frühherbstlich, ungemütlich und wechselnd grau. Wir zogen ohne großen Plan durch die Nordheide. Anja fuhr vorweg über Bispingen, von da nach Wintermoor. Ich schaltete die Heizgriffe ein. Es waren gute Strecken, aber alles wirkte fad und blass. In Welle gab es kurz Sonne, Benzin und einen Kaffee, im Anschluss eine Rückfahrt durch den Freihafen mit gemischten Gefühlen.
Am Sonntag war es immer noch grau, aber seltsam warm. Ohne Navi ging ich allein mit der Enduro auf Tour, ließ mich gedankenversunken durch graue Vorstädte über Glinde bis nach Geesthacht treiben. Ich merkte es unterschwellig, fast widerwillig, aber alles passte so perfekt zusammen: das ruhige Dahinbrummen des Einzylinders, das unbeschwerte Handling, die unaufgeregte Entfaltung. Das bleiben Alleinstellungsmerkmale, da kann ich KTM's und BMW's testen so viel ich will. Ich fuhr vollkommen allein durch einen indifferenten Tag im leergefegten Grenzgebiet zwischen Dalldorf und Schwanheide, auf Plattenwegen und porösem Asphalt, drehte eine sinnlose Runde und fühlte mich gut. Es ging mit 65 Sachen am Elbdeich zurück, die Leichtigkeit war allumfassend. Das muss so bleiben.
Sonntag, 26. September 2021
Freie Wahl
Einmal noch kam ein Sonnensonntag auf uns zu, und macht uns gleichermaßen ratlos wie euphorisch. All die großen Pläne wurden aus der Schublade geholt, wir hatten die Wahl: Heraus kam eine betont ziellose McPom Tour. Das war über ein Jahr her, jetzt war alles möglich. Proforma gaben wir Grevesmühlen ins Beeline ein, und ließen uns über die Landstraßen treiben. Von Süden kommend ging es über die Buckelpiste am Schaalsee entlang, dann kreuz und quer auf einsamen Wegen durch den frühen, hellen Nachmittag. Man konnte beliebig im Nichts halten und köstliche süßsaure Äpfel am Straßenrand pflücken bis der Rucksack voll war. Auf manchem Weg wünschten wir uns die Enduros zurück, im Gegenzug war das Vorfahren beim Jannys Eis umso souveräner. Danach kamen rauschende Highways über weites Land, der milchigen Septembersonne entgegen. Bei Ratzeburg kamen wir wieder in den Westen. Anja führte uns querfeldein über Nusse bis Schönberg, ich fuhr hinterher, staunend über diese umwerfend schöne Museumslandschaft. Wir tankten nochmal und hingen noch einen Bogen durch den Sachsenwald und den Elbdeich dran. Müde ja, aber so einen Tag lässt man nicht vorbeiziehen, der gehörte uns, den will man 300 Kilometer lang für sich haben.
Sonntag, 12. September 2021
Die richtige Dosis
Bei richtig gutem Wetter hätten wir eine richtig große Aktion daraus gemacht, aber immerhin: Es war Sonntag, und wir waren unterwegs. Unter hellgrauem Himmel ging es über Buxtehude, Bremervörde, immer weiter hinein in die Ödnis des Flatlands. Dabei verlief die Fahrt ganz und gar unangestrengt und flüssig. Am frühen Nachmittag erreichten wir Nethen in Friesland, wo die Sonne schien und das bedeutendste, einzige und lässigste Motorrad-Event des Jahres stattfand. Wir bekamen zwar nur noch das Finale mit, aber der Mix aus hochgezüchteten Trackern, Karohemden, Benzinduft und entspannter, prollfreier Beachclub-Atmosphäre war genau die richtige Dosis. Wir jubelten der neuen Weltmeisterin zu und tranken noch einen Cappuccino, während eine Schauerwolke abzog. Dann kam wieder die Tour durch die graue Leere, aber die Köpfe waren bunt gefüllt.
Montag, 6. September 2021
Menschenurlaub
Freitag gegen Mittag hatte ich mich mühsam aus der von Vierrad-Einzellern überbevölkerten Stadt herausgequält. Etwa in Südharburg, beim neunundneunzigsten gedanklichen Durchgehen der Checkliste, ging die rote Lampe an: Was soll ich in Hörden ohne den Hausschlüssel? Gefühllos drehte ich um. Der Rest des Tages litt unter dem 1 1/2 Stunden Offset. Das, der dichte Verkehr auch auf Landstraßen, vor allem aber die Tatsache dass Rembert mich im Harz erwartete, verlieh der Fahrt eine unterschwellig anstrengende Note. Anja war davon nicht betroffen. Sie war zu Hause und bereitete sich auf eine Autofahrt nach Dänemark vor. Am Ende entspannte sich alles. Die Slim und die Bolt fuhren beim Italiener in Osterode vor, wir ernteten Respekt, Privilegien und Pizza.
Am Samstagmorgen war alles so urlaubig, das ich meine Weiterreise über den Schäufeleäquator kurzerhand stornierte und mich auf entspannte Tage im Südharz einstellte. Im ungeahnt frischer Morgenluft eskortierte ich Rembert auf prächtigen Nebenstrecken bis an die Weser. Unterwegs lernte ich u.a., dass aus dem Leinetal demnächst ein Ozean entstehen wird. Rembert verschwand auf eine beneidenswerten Reise, ich ließ mich über die Serpentinen des Kaufunger Gebirges treiben, allein und glücklich. Ich durchquerte das Werratal und kurvte im Osten durch die Wälder und die in der schrägen Nachmittagssonne unfassbar gutaussehende Landschaft des Eichsfelds. Um 19 Uhr stand ich beim Rewe in Herzberg, besorgte mir Frikadellen und machte Urlaub.
Sonntag wollte ich mich frei fühlen und eigentlich einfach die B27 südwärts entlangcruisen. Ein größeres Konzept brauchte ich dafür nicht. Die Luft war herrlich, und ununterbrochen kamen Biker entgegen, die alle in die Enge des Harzes wollten. In meiner Richtung waren viel zu viele Autos unterwegs. In der Nähe von Eschwege bog ich dann spontan ab und erkundete weitere Details des Grenzgebirges entlang der Werra. Da waren z.B. interessante Bergbaugebiete, Bergstraßen mit alpinen Kurven, vor allem aber endlose Sonne und kein Menschenauto weit und breit. Zum Abschluss donnerte ich noch die Bundesstraße hoch auf den Harz. Auf dem Torfhaus parkte ich am Bikertreff, und stand eine Weile dumm rum. Etwas zu Essen ohne Warteschlange fand ich in Altenau, wo die Sonne quer und warm auf den Asphalt und die Bratwurst schien. Noch ein paar schnelle Kurven im Abendlicht, dann zufrieden ins Bett.
Vor der Rückfahrt am Werktag graute es mir ein wenig. Die Nebenstraßenroute, die ich ins Vio programmiert hatte, funktionierte dann aber doch sensationell gut. Vorbei an allen Ballungen ging es praktisch ohne Verkehr durch die endlos-sonnigen Wälder und die Heide, als wäre Sonntag. Ich machte ausgiebig Pause in Bispingen, da war noch reichlich Zeit. Hamburg erreichte ich hellwach über Stelle und die Deichstraße bei Fliegenberg, alles wirkte beschaulich und entspannt. Wie im Urlaub.
Sonntag, 15. August 2021
Folgen
In Deutschland gab es am Samstag genau eine Schauerwolke. Sie befand sich zwischen Hamburg-Langenhorn und Strukdorf. Noch im Reisetaumel waren wir jedoch zu blind (bzw. zu bescheuert) um sie zu erkennen und fuhren erstmal rein, natürlich ohne Regensachen. Im Zweiten Anlauf kamen wir an, und der Abend bot dann glücklicherweise genug Zerstreuung.
Am Sonntag führte Anja. Souverän, streckensicher, zielstrebig. Ein kleines neues Device führte sie. Ich gurkte hinterher, kritiklos, zufrieden und reichlich müde. Eigentlich hätte es nach Rendsburg gehen sollen zur Kunstausstellung. Aber hier und da mussten dann doch immer wieder Entscheidungen des Device erstmal gedanklich nachvollzogen werden, und der zerstreuende Vorabend war noch bis in den Nachmittag hinein spürbar. Statt Kunst programmierte Anja dann eine Tour durch das selten durchfahrene Gebiet zwischen Nortorf, Aukrug, dann schräg rüber durch die Marsch bis Glückstadt, wo endlich die Sonne schien, alles klar und schön wurde, und wir vorfuhren und was zu Essen bestellten. Den Heimweg über Pinneberg nach Schenefeld kenn ich normalerweise auswendig. Aber Folgen ist jetzt mein Ding.


