über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 7. September 2024

Art

Der Endless Summer schien endlos. Man konnte sich nichts anderes mehr vorstellen als Fahrten ohne Handschuhe durch heiß flimmernde Nachmittage. Wir programmierten wieder eine kleinkurvige Route nach Norden, Ziel: Büdelsdorf. Es ging westlich der B4 durch teils bekannte, teils vergessene oder nie gesehene Nebenstraßen übers Land nach Norden, wobei Anja auf der Rebel führte. Eine milchige Dunstschicht milderte angenehmerweise die unter Volllast brennende Sonne, während wir über Wald und Wiese dem Kanaltunnel näher kamen. Mehrere Stunden verbrachten wir in den Hallen der NordArt. Am Ende tat uns alles weh, wir hatten Hunger und Durst und in unsere Köpfe passt nix mehr rein. Daher war es angemessen, die Rückfahrt zunächst relativ blöd anzugehen und erst im weiteren Verlauf noch den einen oder anderen Schlenker einzubauen (meist gegen den Willen des Beeline). Wir fuhren im Stadtzentrum von Nortorf vor, das es tatsächlich gibt, und wo italienischen Kaffee gibt. Ohne den hätten wir den Heimweh nicht geschafft.



Donnerstag, 5. September 2024

Eine gute Woche im Süden

29.8., Hamburg Hbf. Der ICE fuhr an, mit nur 20 Minuten Verspätung. Anja und ich saßen rückwärts auf unreservierten Plätzen, für 2 Stunden. In Göttingen war Sommer und die Stadt trug kurz. Wir beluden die dort stationierte 500X und richteten uns zu zweit auf ihr ein ein. Alles, was nicht ins Schreckliche Topcase passte, musste zurückbleiben. Vor uns lag glühend heiß die B 27 in den Süden. Wir hatten eine Woche Zeit, alle Möglichkeiten und je ein T-Shirt zum Wechseln. Ohne Handschuhe und mit offenem Helm rollten wir in das Landschaftspanorama. Wenn quälende LKW unterwegs waren überholten wir mit Vollgas. In Bad Hersfeld bogen endlich wir ab auf leere Nebenstrecken, auf einer ausgefeilten Route südöstlich über Schlitz Richtung Steinau, auf freier Bahn durch eine idealisierte Mittelgebirgswelt in flirrender Sommerhitze. Im Westen waren Gewitterzellen zu sehen, aber wir erreichten unbeschadet unser erstes Ziel: Ein Hotel in einer nichtssagenden Wohnsiedlung bei Wertheim am Main. Im Gewerbegebiet gab es fußläufig einen Biergarten wie im Urlaub.


30.8. Den ganzen Tag kurvten wir bei brütender Sommersonne durch erstklassige Landschaft, dessen Namen wir nicht kannten (Spessart, Anm. d. Red.). Immer wieder berührten wir Flusstäler, dazwischen lagen einsame Hochebenen mit schmalen Straßen und ohne Verkehr. Schwäbisch Hall sagte uns was, dort gab es ein klimatisiertes Kunstmuseum und Postkartenmotive. Zwischen Hall und unserem Ziel lag ein weiterer unbekannter Wald mit angenehmen Schatten und kringeligen Nebenstraßen, die uns beiden auf der Honda mächtig Spaß machten. Am Spätnachmittag ging der Wald abrupt in ein Einkaufszentrum und eine saubere Wohnsiedlung über. Wulf empfing uns dort und wir bezogen den Kühlraum.


31.8. Auf einer Scrambler 1200 XE führte Wulf uns über Stadtautobahnen zu unserem Aufhänger: Glemseck 101. In kurzen Hosen streiften wir über das Gelände und bewunderten umwerfende Custombikes. An einen Platz auf der Tribüne war nicht zu denken, und die mitgebrachten Wasserflaschen waren längst leer. Am Nachmittag waren wir wieder auf der Straße. Am Neckar gab es Weinberge und Wulf kannte irgendwo oben einen Biergarten mit Aussicht und Gyros. Weil noch Zeit war drehten wir noch eine immer größer werdende, kurvige Runde durch den ungekannten Wald vom Vortag. Er heißt Schwäbischer Wald und ist Wulfs Hausstrecke. Am Abend philosophierten wir lange über den weiteren Verlauf und programmierten das Ergebnis ins Tomtom.


1.9. Das Gremium hatte entschieden, die Alpen zu belassen wo sie waren und stattdessen 250 Kilometer nach Osten zu fahren. Eine gute Entscheidung, denn es ging ganztägig durch abwechslungsreiche Landschaft, meist auf sonnigen Nebenstraßen ohne Autos. Wir durchquerten z.B. den Krater des Nördlinger Ries, was sehr eindrucksvoll war. Östlich schloss sich eine extrem dünn besiedelte hügelige Gegend mit weiten Blicken an. Wir waren schon müde, da öffnete sich vor uns das Altmühltal. Ein Highlight, durch das wir in bester Cruisingmanier in den warmen Abend ritten. Am Ende der Tour lag Kelheim. Es gab Kopfsteinpflaster, Schweinebraten und lokales Bier. Wir stießen an uns beglückwünschten uns gegenseitig.


2.9. Über Nacht war eine ungeplante Gewitterfront gekommen, die nun lokal und zielgenau auf unserer geplanten Route träge dahin zog. Bis Mittag saßen wir im Hotel, warteten, analysierten Wetterdaten und arbeiteten eine raffinierte Strategie aus. Wir würden nach Süden aus der Wolke herausfahren und diese östlich außerhalb nach Norden umfahren. Das klappe tatsächlich, abgesehen von einer Regenschleppe, die wir mit Vollgas auf der Autobahn durchstießen. In Straubing schien die Sonne wie eh und je. Wir bewunderten die lebendige Stadt und aßen Fischbrötchen. Danach ging es wieder auf kleinen und kleinsten Straßen durch den Bayrischen Wald nach Norden. In manchem Dorf musste ich ungläubig nachfragen, aber Tomtom meinte es ernst, schickte uns zwischen Scheune uns Dorfteich in die absurd-kuppige, unübersichtliche Feldmark, oder sogar auf Gravelpisten durch den Wald. Auf diese Weise erreichten wir erschöpft und reichlich weltfremd Weiden in der Oberpfalz. Dort kannten wir uns aus. Es liegt in Bayern, ist aber wie Italien.


3.9. Wir verabschiedeten Wulf in Leder und starteten die Maschine. Was Wulf nicht wusste: Kurzfristig hatten wir uns geeinigt, Thüringen diesseits des Antifaschistischen Schutzwalls zu umfahren, auch wenn es noch so schön und wettergünstig auf dem Weg lag. Der Würgreiz verschwand sofort und wir wühlten wir uns durchs Hinterland bis Bayreuth. Einmal auf dem grünen Hügel stehen, das war was für Insta. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder auf Fränkischen Nebenstrecken jeglicher Art. Bei durchgehend 30° freuten uns über jeden kühlen Wald oder einen Dorfladen mit Kaffeemaschine. Ungezählte einsame, sanftwellige Kilometer später kam majestätisch die Röhn ins Bild. Ein echtes Gebirge mit Flugplatz obendrauf. Dahinter lag Fulda, das kannten wir schon. Dort checkten wir ein und fanden Schweinebraten in historischer Kulisse. Unter uns, jetzt, wo wir den Vergleich hatten: Na ja. Mit Bangen verfolgten wir die ganze Nacht das Wetterradar.


4.9. Wir hatten den Wecker auf 6 Uhr gestellt, um vor dem Eintreffen der Regenfront nach Norden zu fliehen. Total unnötig. Erst gab es noch äußerst fotogenen Frühnebel, dann wieder nichts als Sommerhitze und Neben-Nebenstrecken im Werra Grenzgebiet. Weit hatten wir es nicht, also nahmen wir jedes Bergsträßchen mit, wobei wir einmal sogar ein Stück Thüringen streiften (der Grenzverlauf ist hier unübersichtlich). Wir kamen über Duderstadt nach Hörden, packten unsere Sachen aus und fielen in einen tiefen Nachmittagsschlaf.


5.9. Letzter Tag, im Harz. Wir fassten Mut und überfuhren die Grenze. Denn drüben in Weißenborn stand eine Royal Enfield Guerrilla, die Anja testen wollte. Nicht schlecht. Zurück auf der Honda leitete Tomtom uns auf gröbsten Eselspfaden durch den Wald. An manchen Schotterkehren musste ich Anja absetzen. Lauterbach erschien wie die erlösende Rückkehr in die Zivilisation. Mit euphorischen Vollgas trieb ich die 500X sie Steigungen hinauf auf den Hochharz. Auf der anderen Seite lag Bad Harzburg. Es gab dort Eiskaffee und Ferienhäuser in Beton. Noch einmal ging wie selbstverständlich über die verkehrsfreien Panoramastraßen, Tomtom war im 'Schnelle Route' Mode auf den Wegpunkt 'Garage Göttingen' programmiert. Die Sonne stand schon tief, als der ICE einrollte. Die Klimaanlage funktionierte. Pünktlich ging eine gute Woche entspannte Action zu Ende.




Sonntag, 25. August 2024

Klimawende

Ich hatte einen Wunsch frei und sagte: Strand. Wir packten alles auf die Bikes, was man dafür braucht und gurkten geduldig durch die Stadt. Über Poppenbüttel, weil alles gesperrt war. Letztlich landeten wir auf der auf der B75, rauschten in lockerem Verkehr dahin, nahmen die Nebenstrecke über Rehhorst und fuhren auf dem Anwesen in Strukdorf vor. Anja machte dort Business, ich schnackte Sabine eine perfekt zur Z passende Strandecke ab. Es wurde heiß und wir versprachen uns etwas Luftzug auf der Autobahn bis Schönberg. Die Landstraßen im McPom waren herrlich zu fahren, und lange nicht gesehen. Die gewohnte Kühle in Küstennähe blieb aber aus. Am Strand kam der Wind von hinten und ich brauchte mindestens 2 Badegänge zum abkühlen. Nach einer Weile wurde Anja ungeduldig und wir machten uns auf den Weg in einen schwülwarmen Sommerabend aus dem Bilderbuch. Über Schlutup, die Travemünder Landstraße, Lohmühle, erreichten wir wieder Strukdorf, wo wir einen interessanten Abend mit Grillgut und Nachtsichtgerät verbrachten. Ein Highlight war eine spontane, konsterniert aufgenommene Ausfahrt zum Sunset nach Pronsdorf, im T-Shirt.

Am Sonntag hatte sich das Klima gewendet, nördlich und frisch. Eigentlich ein gutes Setting für eine Fahrt nach Rendsburg zur NordArt. Die Tour dorthin war positiv überraschend, führte uns über viele unbekannte Strecken, die wir frei schwebend abritten, Verkehr gab es nicht, alles war gut. Die dicken Wolken kurz vorm Ziel wollten wir nicht glauben. Sie waren aber real. Wir leiteten eine hektische Flucht nach Kompass ein, aber der Schauer kam trotzdem. Immerhin, wir schafften es auf einer genial berechneten Route durch Regenkorridore nach Haus, Frierend, aber getrocknet. Ich wärmte mich in der heißen Wanne auf als wäre Winter.

Sonntag, 18. August 2024

Die Glücklichen

Anja war nach Westerrade gefahren, geschäftlich. Ich warte darauf, dass es endlich aufklarte. Gegen Mittag war es soweit, ich fuhr ihr nach. Allein mit der Z folgte ich einer nördliche Route. Anfangs tief durchatmend auf der Autobahn, dann ein Stück auf der B4, dann kreuz und quer über die Dörfer. Die Fahrt fühlte sich frei und gut an, ein guter Plan. Ich sah interessante Gewerbegebiete in Henstedt-Ulzburg, wo ich das GPS im Handy kalibrierte. Aber die Strecke über Strüvenhütten war ein ordentlicher Kurvenrausch. Wittenborn, Segeberg, hintenrum über Schieren nach Westerrade. Dort sind die Hühner glücklich und die Menschen auch. Jetzt ging es in gewohnter Zweisamkeit auf den Rückweg, mit groß angelegten, verwinkeltem Umweg durch die Knicks. Highlights: Negernbötel, das umwerfend triste Wahlstedt, Kurven bis Heidmühlen. Das letzte Stück wurden wir immer schneller, aus Angst vor Schauerzellen rasten wir auf der B4 heim. Dort waren auch die Menschen glücklich.





Samstag, 17. August 2024

Voll ins Blaue

Ein trübes, diagonales Band lag zäh über der Stadt und rührte sich nicht. Ich erledige sinnvolle Dinge, wie z.B. die SR zu putzen, obwohl sie nicht schmutzig war. Irgendwann wollte ich nicht mehr warten. Ich zog die Lederjacke an und fuhr nach Norden aus der Stadt raus, dorthin wo das Trübe Band angeblich nicht war, zusammen mit tausenden Autos, deren Existenz mich ärgerte. Beim Blick auf das Beeline bemerkte ich, dass ich es vergessen hatte. Die Route aus der Erinnerung zu fahren klappte nur so halb. Letztlich fuhr nach Nase auf das Blaue am Himmel zu. Einmal den Improvisationsmodus akzeptiert, machte das richtig Laune. Ich gurkte kreuz und quer durch das Gebiet um Kellenhusen, Hohenlockstedt, Hohenweststedt, und was es dort noch so alles gibt. Hier schien die Sonne wie im Sommer. Ich bog spontan ab, wenn es irgendwo eine Nebenstraße auf einen Geestrücken gab, freute mich über unerwartet kurvige Abschnitte und landete auf legalen Plattenwegen in einem flirrenden Wald. Die SR fand die Fahrt ins Blaue richtig gut, schnurrte lautlos durch leere Dörfer und war dankbar für ambitionierte Vollgasetappen dazwischen. In Itzehoe trank ich Cappuccino an der Tanke und prägte mir die Route ein, die am Stördeich entlang nach Glückstadt führt. Von dort ging es mit Fullspeed über Elmshorn und Uetersen zurück in die Stadt der Zurückgebliebenen.



Montag, 12. August 2024

Glückwunsch.

Anja hatte Geburtstag, wir saßen im Zug aber der fuhr nicht los. Wie stiegen um auf die Bikes. Das ging los. Gleichförmig zog die B3 unter den Reifen dahin, die Gedanken schweiften kreuz und quer durch die Welt. In Celle gab es Cappuccino unter Einheimischen, dann nahmen wir gleichmütig das öde Stück über Uetze, und dann irgendwann kamen die ersten Berge, Kurven, Sonne und einsetzender Hunger. Wir checkten am Edelhof ein, dann nahm ich Anja hintendrauf und fuhr mit ihr durch einen glühemden Abend zum Griechen in Osterode. Ein Aperol bitte, herzlichen Glückwunsch.

Exkursion am Sonntag. Der Weg nach Halberstadt führt zwangsläufig über die Traumstrecken im Harz. Kurven und Berge und Sommerhitze. Die Kawa fragte zwischendurch, warum wir nicht immer so fahren. Eine berechtigte Frage, die uns beschäftigte als wir in Halberstadt als Fußgänger schwitzend durchquerten. Auf der Rückfahrt blies der warme Wind alles von uns. Wir stopften uns in Wernigerode mit Pizza voll und hatten den ganzen Abend für die einsamen Bergstrecken. Das Licht kam hart von vorn, aber wenn es über die goldene Landschaft strich, wollte man nichts anderes mehr sehen.

Bevor es Montag zurück in die Ödnis ging, musste ich unbedingt noch den neuen Aussichtsturm am Torfhaus ausprobieren. Dann ging es runter nach Bad Harzburg und auf einer östlichen Route durch den brennend heißen Nachmittag nach Norden. Die Gegend um Schöppenstedt war herrlich einsam, bei Wolfsburg gab es etwas Verkehr, nur VWs. Spätestens bei Wittingen hatte uns die Hitze so ausgelaugt, dass wir einen medizinischen Eiskaffee beim örtlichen Cortina bestellen mussten. Der Rest war rauschen durch die Heide auf langen Waldstraßen, bis schließlich der Speckgürtel der Stadt spürbar wurde und wir wussten, wir müssen baldmöglichst wieder los.



Sonntag, 4. August 2024

Im Westen was Neues

Normalerweise ist man niemals so weit im Westen unterwegs. Jetzt ist dort aber der neue Standort der Berliner. Einladung lag vor, Wetter gut. Zumindest bis zum Nachmittag, daher waren wir um 10 Uhr mit der Rebel und der Z auf der Landstraße. Es war die B 75, die sich zäh über Tostedt und Rothenburg nach Südwesten quält, durch immergleiche Dörfer auf plattem Land. Überraschenderweise gab es auch schöne, flüssig-freischwebende Abschnitte, auf denen man die Zeit und alles vergaß. In Verden überquerten wir die Weser und es ging durch immer westlicheres, unbekanntes Gebiet. Das schwachwellige Relief der Wildeshausener Geest war nach den monotonen Buschtunneln eine Erlösung. Danach kamen wieder graue Orte im Flachland. Von Westen schob sich eine Gewitterfront heran, im allerletzten Moment erreichten wir Bersenbrück. Die Bikes parkten im Regen, wir waren drinnen mit vielen netten Leuten. Christian hatte Geburtstag und Bersenbrück ist das neue Ding.

Sonntag. Nach dem Rührei hatte sich das Regengebiet verzogen. Wir fuhren einmal durchs Stadtzentrum und begaben uns auf die langen Geraden nach Nordwesten. Die Route war eine andere, aber es sah genauso aus. Highlights waren Großenkneten und die Fähre über die Weser. Der weitere Verlauf war entspannt, meist ungestört, meist mit 70 Km/h. Wir kamen über Bremervörde in heimisches Gebiet. Müde, mit leerem Tank und der Sonne im Rückspiegel rollten wir in die Großstadt ein. Bersenbrück existiert.