Beim zweiten Mal ist alles anders, auch Gran Canaria. Im Sattel einer famosen Honda 500, bei arschkalten 18 Grad, kurvten wir über wolkenhohe Felsen, filmreife Passstraßen, durch riesige Täler, die eigentlich gar nicht auf diese winzige Insel passen können. Immer noch eine Felswand baute sich auf, und der Abstieg zog sich meist bis in den Abend. Im Süden ist immer Sommer, debile Touristenmassen dämmern in künstlichen Wüstenkolonien. Wir aber lebten in der Hauptstadt, dort pfoff der Wind vom Atlantik durch Häuserschluchten, und die Spanier sprachen noch spanisch. Von Norden her bricht sich die Brandung an einer rauen, ungemütlichen Küste. Dahinter zieht sich urwaldartig die Landschaft die Berge hinauf, durch die man einen satten Nachmittag von einer Serpentine zur nächsten schwingt, bis endlich ein Cafeteria in Sicht kommt, mit erlösenden Papas Arugadas. Am Ende waren aus den 18 Grad 20 geworden, die Häuserschluchten zu vertrauten Gassen und der Flug nach Hamburg eine blöde Notwendigkeit, die man am liebsten vermieden hätte.
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Freitag, 24. Februar 2017
Samstag, 4. Februar 2017
Netto 7°
Einmal kam ein Samstag mit frühlingshaften 7°. Pro forma fragte ich Anja, ob ich die Honda nehmen kann, da die Bonnie ja abgemeldet sei. Ich Wahrheit hatte ich den Schlüssel schon in der Tasche. Es war herrlich, die Kraft des Motors zu spüren, den Sound, die Schwere der Maschine. Für die meisten war es nur träger Verkehr, der sich durch den dunstigen Nachmittag quälte. Doch es war das ganze Glück motorisierter Freiheit. Mit der angesammelten Coolness fuhr ich beim Möbelhaus in Halstenbek vor und verbrachte eine Weile in der Trend & Style Abteilung. Zwei weitere Läden später konnte ich nicht mehr und fuhr wieder los. Wohin war eigentlich egal, vielleicht Bönningstedt. Auf dem Weg lag ein kleines Stück offene Landstraße, auf der ich kurzzeitig über 80 Km/h erreichte. Manchmal glimmte am Horizont die Sonne müde durch die Winterwolken. Sie blieb unerreichbar fern, trotzdem liebte ich sie, und die ganze Welt gleich mit. Am Netto Markt in Hasloh hielt ich an, einfach weil der oft auf dem Weg liegt, wenn man von einer langen Tour zurückkommt und man noch schnell Grillfleisch holt, an einem warmen, summenden Sommerabend, an dem die Dämmerung sich ins Endlose zieht.
Sonntag, 27. November 2016
Volldampf
Advent, Advent, die Sonne scheint hart und eisig auf die Stadt. Unten wuselten wir zu zweit auf der verbleibenden Vanvan durch die Gassen St. Paulis. Einen Abstecher zum Fischereihafen, durch die trägen Spaziergängertrauben am Baumwall, im Strom der Sonntagsfahrer entlang der Ost-West-Straße. Bei 50 Sachen war es angenehm und trotz Wollsocken kam jede rote Ampel ganz gelegen. Am Brandshof hingen wir eine knappe Stunde herum zwischen Brezelkäfern und enormen Cadillacs an der Nostalgietankstelle. Davon angefixt wollte Anja wollte nun Dampf sehen. Da keine Dampflok greifbar war, fuhren wir durch den Hafen zum Kraftwerk Moorburg, das dampfte wie ein Weltmeister. Dort draußen schien zwar auch die Sonne, aber auf den langen Etappen, kroch die Kälte tief in die Knochen. Vollgas durch den warmen Elbtunnel und von dort direkt in die Badewanne, lange bevor es dunkel war.
Sonntag, 30. Oktober 2016
Timebox
Der Himmel stimmte überhaupt nicht mit dem Wetterbildschirm überein. Statt grauer Decke: Sonne und immerhin 12 Grad. Kurzentschlossen schmissen wir den faulen Sonntag hin und machten wir uns auf dem Weg. Nichts Großes, Hauptsache ein Bild mit gelbem Baum ist dabei. Ich weiß durch ausgedehnte Forschungen, dass es in der Stadt in Wirklichkeit am gelbsten ist. Es folgte eine innerstädtische Tour, die uns in gänzlich unbekannte Gegenden brachte, wie z.B. das Stadtzentrum von Fuhlsbüttel oder den Ohlsdorfer Friedhof, der ironischerweise ein schöner, lebendiger Park ist, in dem man fahren darf. Einen Draußenkaffee in Barmbek, unaufgeregtes Gleiten über Vierspurige, hinunter bis an die Elbe, die im Gegenlicht glitzerte. Als wir in die Garage zurückkamen, war es gerade mal 16 Uhr, alles fühlte sich normal an. Doch auf dem Nummernschild der Bonnie standen zwei Zahlen: 03-10. Diese Timebox war heute aufgebraucht.
Samstag, 29. Oktober 2016
Testosteron
Samstag, 11 Uhr. Leichte Bewölkung, zäher Verkehr. Ich sitze im Sattel einer dunkelweißen Vulcan S auf Probefahrt. Kleine Hafenrundfahrt, mal Gas stehen lassen. Dann durchs Dickicht nach Eppendorf, Anja zeigen. Alles gut, alles schön, und überhaupt, mal wieder Cruiser fahren. Nur die Testosteronproduktion wird nicht wie erhofft vom Sportvulkan getriggert.
Den Rest des Tages verbrachte ich daher wieder mit der Bonnie. Aus Westen kam ein bissiger Wind, gegen den ich mit langer Unterhose und Wollsocken ankämpfte, bis ich auf unzähligen Umleitungen im gottverdammten Alten Land, hinter quälenden Wohlstandskolonnen, den Lüheanleger erreichte. Tatsächlich waren einige Biker da, und von den 30 Wurstbuden war noch genau eine übrig. Der Wind hatte nicht wie versprochen die Wolkendecke weggeschoben, im Gegenteil. Bevor der Kaffee im Pappbecher gefroren war, machte ich mich auf den Rückweg. Über der Stadt war blauer Himmel, aber außer der Aussicht auf eine warme Badewanne konnte mich inzwischen nichts mehr locken.
Sonntag, 23. Oktober 2016
Pekingente / kalter Hund
Anja war wieder da. Sie hatte Jetlag und sprach wirres Zeug von Pekingenten, aber es nützte nichts. Ich setzte sie trotzdem auf ihre Honda, denn so einen schönen Tag gibt es bestimmt ein halbes Jahr lang nicht wieder. Wir blieben in der Nähe der Stadt, kurvten durch einen goldenen Oktobertrag im Hafengebiet herum, fanden es alles sehr schön hier und freuten uns, dass es noch warm auf der Jacke wurde, wenn man in einem Sonnenstrahl an der Ampel stand. Am Brandshof gibt es eine Nostalgietankstelle für Oldtimer. Die gibt es offenbar seit Jahren, aber uns war sie vollkommen unbekannt, und jetzt ein willkommenes Kleinziel für einen Kalten Hund und Filterkaffee. Zur Feier des Tages fuhr meine ehemalige orange Vulcan vor, von ihrem neuen Besitzer geschmackvoll individualisiert. Noch weit vor der Dämmerung kamen wir nach Hause, parkten die Maschinen in der Garage und zählten die Tage.
Sonntag, 16. Oktober 2016
Wie über der Mongolei
Während Anja in China Gin trank, wartete ich darauf, dass sich der Nebel verzog und den versprochenen goldenen Oktobertag freigab. Nichts passierte. 10 Kilometer südlich hatte das Wetterradar dann aber recht. Aus diffusem weißen Dunst arbeitete die Sonne Wald und Wiese in schönsten Herbstfarben heraus. Auf der B3 rausche ich gedankenversunken durch den Nachmittag. Nachdem ich die für meinen Geschmack zu zahlreichen Familienkutschen hinter mir gelassen hatte, zog die Bonnie ihre Bahn so losgelöst und ungestört wie in etwa ein Airbus über der Mongolei, zumindest kam es mir nach einer Weile so vor. In Soltau saß ich allein bei einem Cappuccino und betrachtete den nicht endenden Strom von Bikes mit Fahrern in Goretex, die nochmal frei bekommen haben. Da mir las losgelöste Gleiten heute sehr lag, fuhr ich noch ein langes, einsames Waldstück auf der B209, dann über Amelinghausen, dann Winsen, dann die Elbe. Hamburg lag nun an der Grenze der Nebelwand und sah sehr beeindruckend aus. Klar wurde es am Schluss kühl, aber ich war froh, nicht wie die Millionen in der Hafencity spazieren gehen zu müssen.
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