über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 4. November 2017

Die Kehrseite

Natürlich war es schlecht, dass die Bonnie 4 Monate nicht mehr fahren darf. Und natürlich schlecht, dass Anja kränkelte und nicht aus der Wohnung zu bekommen war. Aber alles hat immer auch eine Kehrseite: Gut war nämlich, dass mir dadurch die Sixty-Two zur Verfügung stand. Und gut auch, dass ein einzelner sonniger Novembersamstag bei 9 Grad mit langer Unterhose durchaus lebenswert sein kann. Ich kurvte mit der Duc durch die Stadt, die Hafenanlagen und hinter Harburg raus aufs Land. Die bergige Rosengartenstraße war herrlich. Der Wald leuchtete gelb, und die Duc war faszinierend agil, mit viel Charakter in der Mitte und meist ein gutes Stück zu schnell. Es war komisch, mit ihr allein unterwegs zu sein und es fühlte sich bis zum Schluss irgendwie verboten an. Eigentlich wollte ich noch am Lüheanleger vorfahren. Als ich in Cranz aber an der Kreuzung stand, waren die Finger schon gut durchgefroren und die warme Stadt zu lockend. Ich rauchte noch eine am Kreuzfahrerterminal Steinwerder, preschte durch die Stadt und dachte am Ende nur noch an die heiße Badewanne.  

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Neonlicht

Das gute Wetter hielt noch bis weit in die Woche hinein. Statt mich vorm Fernseher auf den Winter vorzubereiten, drehte ich noch eine späte Runde durchs Neonlicht. Schnackenburgallee, Rugenbarg, 4-spurig durch die Nacht bis an die Elbchaussee. Dann im gelben Licht in die leere Stadt bis zur Hafencity. Das hat vielleicht eine knappe Stunde gedauert, aber die hat das ganze Leben aufgewertet.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Die gute Nachricht

Mitte Oktober war der Herbst nicht mehr wegzudiskutieren. Die gute Nachricht des Jahres war, dass eines der Wochenenden warm und leuchtend war so wie in den besten Zeiten. Sonntag waren wir früh auf und befuhren zum ersten und letzten Mal dieses Jahres die Elbuferstraße in der alten Version. Noch morgenfrisch ging es auf der Autobahn nach Geesthacht, Lauenburg und dann auf der anderen Seite über Bleckede, Neu Darchau usw.. Auf kleinen Landstraßen ging es durch flirrenden Wald, bunte Alleen und absurd gelbe Rapsfelder. Irgendwann vor ein paar Jahren hatte sich diese Strecke scheinbar abgenutzt und wir uns umorientiert. Aber an diesem goldenen Herbsttag war es traumhaft und irgendwie neu, diese abwechslungsreiche Tour zu fahren, meist im Bummeltempo, mit runtergeklapptem Sonnenvisier. Ohne Halt erreichten wir die Tanke in Dömitz. Zwischen Harleypäärchen und einem Trupp Britischer und Japanischer Klassikbikes schwitzten wir in der Sonne und aßen Eis. Die B195 bildete die Rückfahrt. Sie schien für Autos gesperrt zu sein, ein nicht endender Strom von Motorrädern jeglicher Art zog euphorisch grüßend durchs Land. Die Strecke füllte den Nachmittag nicht aus, wir wollten unbedingt die Sonne bis zum Untergang aufsaugen und machten noch einen erschöpfenden Bogen über Zarrentin, Gudow und Büchen in stechendem Nachmittagslicht. In der Dämmerung erreichten wir auf der Deichstraße mit summenden Köpfen die Stadt. Auf dem Nummernschild der Bonnie stand immer noch 3-10. Das verdrängte ich schnell wieder.

Sonntag, 8. Oktober 2017

Moment der Klarheit

Zwischen zwei Regenwochen gab es einen Sonntag wie einen aufblitzenden Moment der Klarheit. Wortlos holten wir die die immer noch brandneue Duc und die Bonnie aus der Garage. Wichtig war nur, sich nördlich zu halten, wegen der Klarheit, alles andere war egal. Entsprechend suchten wir auch gar nicht erst nach besonders spektakulären Strecken oder Attraktionen, sondern ließen uns, gedanklich auf Abwegen,  mehr oder weniger teilnahmslos über die B4 und dann die B206 nach Segeberg treiben. Dann kam als Highlight die kurvige Verbindung nach Oldesloe, alles in strahlender Oktobersonne, die allerdings der einziehenden Kühle wenig entgegenzusetzen hatte. Im Glashaus in Oldesloe, inmitten Landbevölkerung beim Sonntagsbrunch, wärmten wir uns am Cappuccino auf und planten schon die Rückfahrt, denn abends gab es noch einen Kulturtermin. Wir fragten uns noch kurz wo der Haken war an diesem Tag, aber es gab keinen, das alles war okay.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Berlin 62

Freitag, letzter im September. Gegen halb 11 waren wir aus der Zulassungsstelle raus und hatten ein kompaktes Nummernschild im Rucksack. Nun brummten wir zu zweit auf der Bonnie nach Berlin. Ein Stück Autobahn, dann ab Grabow ganz locker auf der B5 in sonnigen Frühherbstfarben. Zur Feierabendzeit drangen wir über den Berliner Ring von Nordosten in die Stadt ein. In Alt-Friedrichsfelde nahm Anja eine neuwertige Scrambler Sixty2 in Empfang. Ein paar Kilometer weiter, nach Friedrichshain, da passte die Duc bestens hin. Wir parkten dekorativ vorm Übereck und bestellten ein Alkoholfreies.

Am Samstag wollten alle die Duc bewundern. Thomas, Michael, Rembert erschienen mit ihren Bikes zum Frühstück. Dann Setzte sich die respektable Horde unter Remberts Leitung in Bewegung nach Norden. Die Streckenführung war gekonnt ausgewählt, führte über lange Waldstücke hinaus auf freies Feld, in eine Gegend mit vielen Seen und Flüssen. Anfangs gab es unausgesprochene Bedenken wegen der mitreisenden Vanvan ("Spaßbremse"). Im Verlauf war diese dann erstens schneller als gedacht, zweitens die für die Berliner Gegend typischen, engen Alleen und Waldschneisen gerade gut für überschaubare 90 Sachen, so dass Thomas sich bestens integrierte. Ich ließ mich immer wieder zurückfallen und genoss den Anblick der Motorradschlange auf ihrem Weg durch die leuchtende Herbstlandschaft, wobei Anja mit der schwarzen Duc die Königin war, da waren sich alle einig. Im Gegenzug hatte ich jede Orientierung verloren. Orte wie Rheinsberg, Fürstenberg und Gransee blitzen auf, ergaben für mich aber kein System. Als die Sonne schon schräg stand, versammelten sich alle in einer riesigen Ziegelei bei Zehdenick, danach ging es über die bunten Einfallstraßen in die Hauptstadt im Neonlicht.

Der Sonntag begann mit einem Frühstück in Neukölln während draußen sich eine gleichmäßige Nieseldecke gebildet hatte. Auf der bekannten Autobahnschlucht durch Westberlin verließen wir die Stadt. Draußen bei Nauen wurde es trocken, blieb aber herbstlich-ungemütlich. Anja trieb die Sixty2 gegen den böigen Südwestwind auf der B5. Nach der Tank- und Kaffeepause in Perleberg klarte der Himmel auf. Das letzte Stück nahmen wir rasant auf der Autobahn. Hamburg empfing uns mit einem goldenen Oktobernachmittag. Wir fuhren direkt zum Dampfstrahler an der Shelltanke. Dann parkte Anja die 62 in der Garage und alle hofften, es kommen noch ein oder zwei schöne Tage wie diese.



Samstag, 23. September 2017

Schönes Konzept

Über Nacht war einer gekommen und hatte Anjas Honda mitgenommen. Der Preis war fair, aber nun, an einem unverhofft sonnigen Sonnabend, stand Anja da und musste sich mit der Vanvan behelfen. Mir machte es nichts aus mit 80 Sachen voraus zu fahren, gemütlich am Elbufer entlang, ohne jegliche Ambitionen. Ihr scheinbar auch nicht, sie grinste und gab lautstark Gas. Im fotogenen Septemberlicht sah die Combo dabei ausgesprochen gut aus. Es ging durch Geesthacht nach Lauenburg und von da über Buchhorst, Witzeeze nach Büchen, dann die lange, verlassene Waldstrecke durchs Niemandsland bis Gudow. Schön wäre gewesen, den Bogen über Zarrentin und Ratzeburg zu vervollständigen. Realistisch war, unzukehren, die selbe Strecke zurück zu fahren, die Sonne zu genießen und es im Schatten schattig zu finden, und möglichst vor der Dämmerung in der Badewanne zu landen. Das war ganz entspannt möglich und das passte irgendwie ins Konzept.

Sonntag, 10. September 2017

Pausenlos

Itzehoe liegt im Nordwesten, gar nicht weit, aber es bleibt fremd. Man betrachtet es mit Distanz, wenn man in dieser seltenen Ecke unterwegs ist, wie an diesem Sonntag. Die Verbindung über Hochdonn nach Meldorf ist auch selten und dabei jedes Mal überraschend schön. Alles ging schnell, wir endeten mit Rückenwind in rauer Marschlandschaft, die nur aus trister Endlosigkeit und Windparks besteht. Hierher kommen Touristen, und wie verstehen nie, warum. Am Eidersperrwerk parkten wir am Bikertreff, der Wind peitschte und das Meer (ausnahmsweise mal vorhanden!) schäumte. Irgendwo im Landeinneren möge es wohl ein nettes Café geben, davon gingen wir aus und machten uns auf die Reise. Dabei kamen wir immer wieder durch Gegenden, die unbekannt waren wie ein anderes Land. Bei Albersdorf kurvten wir durch waldige Geestrücken, im Prinzip auf der Suche nach Hohenwestedt, einem Café oder zumindest einer Tanke mit Klo. Die Route Grauel, Meezen bis runter nach Kellenhusen war ein Sensationsfund, und mit einer oder zwei Pausen hätte vor allem Anja die vielen Kilometer sicher mehr zu schätzen gewusst. Auf dem Weg nach Bad Bramstedt und anschließend auf der B4 nach Hause kam ich kaum hinterher. Am Ende war die Kälte in die Knochen eingedrungen und es dauerte eine Weile, bis sich alles normalisierte. Ich hab mir die Strecke aber notiert, für Tage mit mehr Pausen und dicke Socken.