Den Vormittag über hatte die Diskrepanz zwischen der Wetter-App und der Realität postfaktischen Charakter. Aber später, zwischen Wilhelmsburg und Fliegenberg, machte alles Sinn. Die Sonne brannte den Hochnebel weg und ließ das Land in genau dem richtigen Herbstlicht strahlen. Immerhin war es ein frei genommener Donnerstag, also hatten wir Ansprüche. Die Landstraßen südlich von Stelle sind auch wochentags leer, so dass wir uns in besonderen durchleuchteten Waldstücken, bunten Alleen, und weiten Felden Zeit nehmen konnten, das Foto des Jahres zu machen (bzw. zu versuchen). So gelangten wir Stück für Stück über Undeloh durch die Heide bis nach Welle, wo wir auf der Holzbank saßen wie damals im Sommer, und einen vom letzten Geld gekauften Cappuccino teilten. Wir nahmen für den Rückweg eine Route querfeldein an Buchholz und Jesteburg vorbei, wieder über Stelle. Hauptsache an allem Feierabendverkehr vorbei, denn wir hatten frei.
über 20 Jahre !!!
Donnerstag, 24. Oktober 2019
Sonntag, 20. Oktober 2019
Rukka Feeling
Das Feeling kannte ich noch von damals: Bei trübem Himmel mit Rukka Klamotten trotzdem unterwegs sein. Es war frisch aber ich fror nicht. Die Straße war nass, aber das machte nichts. Die Royal Enfield rauschte durch den Nachmittag, ich fuhr gedankenverloren mit. Sie trug mich über Bergedorf nach Geesthacht, Lauenburg, über die Brücke ein Stück Richtung Lüneburg. All das geschah mit großer Entspannung und echtem Freiheitsgefühl. Das milchige Licht und das bräunliche Landschaftsbild passten, alles wirkte stimmig und okay. Irgendwo zwischen Bardowick und Winsen, ich ließ mich nach grober Orientierung über die Dörfer treiben, kam historisches Kopfsteinpflaster, dann ein langer Sandweg. Ich schwöre, das war nicht so geplant. Auch nach gewissenhafter Prüfung blieb die Strecke offensichtlich legal. Abgesehen von den vielen Pilzsammlern, denen ich dezent auswich, machte es einen Riesenspaß, die Maschine durch die Sandkuhlen und Schlammlöcher zu reiten. Wieder in der Zivilisation angekommen, hatte ich noch eine gute Stunde, bevor das nächste Regenband eintreffen würde. Ich fuhr weitgehend allein am Elbdeich zurück ins Hafengebiet, und dann in die graue Stadt im Oktober.
Samstag, 12. Oktober 2019
Μύθος
Mit einem Mal fanden wir uns auf einer gemieteten G650 GS im Kretischen Hinterland wieder. Zwei Wochen lang bildeten kleinteilige Bergstraßen, atemberaubende Küstenlandschaften, Pausen mit Badegängen sowie wiederkehrend Frappé, Mythos und Souvlaki in kurzhosigen Urlaubsorten aller Art unseren Alltag. Die Insel war am Ende größer, unerwarteter und vielschichtiger als man denkt. Irgendwann während eines Sundowners war zu Hause der Herbst eingezogen. Das hatten wir gar nicht bemerkt.
Sonntag, 22. September 2019
Wittenberge 19
Wir freuten uns wie Kinder, endlich unterwegs zu sein, zum großen Wittenberge-Meeting 2019. Anja war sehr ungeduldig. In der Stadt, aus der wir nicht rauskamen, auf der Autobahn nach Geesthacht mit Vollgas, selbst auf dem ersten Ende der B195, die in der Septembersonne leuchtete: Die Mash drängte im Rückspiegel und hetzte die SR mit 90 Km/h durch die Elbauen. Mit den Kilometern geriet die Zivilisation in Vergessenheit und epische Gelassenheit kam. Der Späthochsommertag war sensationell. Die Alleen flirrten heiß, ungetrübte Fahrfreude füllte alles aus, und bis Wittenberge war es schön weit. Am Ziel erwarteten uns Rembert und Pauli vor einemm unerwartet hippen Café (Sandwich im Glas!). Die wichtigen Themen wurden besprochen, ein paar Kaffee nachbestellt, auf die Uhr geguckt. Noch ein Gruppenbild an der Tanke, dann Abfahrt. Auf der anderen Elbseite zurück, durch eine übertrieben goldgelb gefilterte Breitbild-Landschaftskulisse im Streiflicht. Scharpenhufe, Gartow, Dannenberg - einsam schwingende Straßen durch wechselndes Frühlingsgrün und vertrocknete ockerfarbene Steppe. Es folgte die jedes Mal wieder umwerfend elegante B216 mit Ende in Lüneburg. Von hier aus hatten wir mit der Autobahn einen Fallback. Den brauchten wir aber nicht, denn wir waren noch fit, und hatten noch Benzin, und die Sonne war auch noch da. Wir ließen sie erst ganz am Ende verglühen, über dem Vierländer Elbdeich in der Nähe vom Zollenspieker.
Samstag, 21. September 2019
Testgelände
Einerseits tat mir Anja ein bisschen leid, weil sie an diesem Sonnentag arbeiten musste. Andererseits konnte sie auch dankbar sein, dass ich für sie ihre Mash testete. Sofort war klar: von zickigem Verhalten keine Spur (bei der Mash), dafür von vornherein unterhaltsame Fahrt, mit Pepp und Braaap. Ich testete die lange Gerade bis Soltau. Gleichförmig zog sie sich durch die Sonne, die schräg stand und einen herbstlichen Touch nicht mehr kaschieren konnte. Nach einem Cappuccino im Café Alexander fuhr ich noch weiter nach Süden bis Bergen, bog dann westlich ab und suchte mir per Eigenorientierung einen Weg durch das riesige Militärgebiet, durch das vollkommen leere Straßen führen, auf denen man auch mal kurz angasen kann. Kein einziger Panzer versperrte meinen Weg, trotzdem war das Übungsgelände natürlich tabu. Dann ging es wieder zivil weiter durch den himmelblauen Tag. Ich ließ mich über Schneeverdingen treiben und kam mit exakt 200 Kilometern auf der Uhr in Welle zum Tanken an, zum Verbrauchstest. Okay. Der Rest ging schnell und ohne Aufsehen. Ich nahm noch eine Reihe Umwege durch das Hafengebiet, gab hier und da noch mal Gas und stellte die Maschine exakt an ihren Platz in der Garage. Alle Systeme arbeiten normal.
Samstag, 14. September 2019
Deadline
Zügig nach Strukdorf kommen, lautete die Mission, sicherheitshalber mit warmen Sachen drunter. Dort: in aller Heimlichkeit Unterhaltungselektronik installieren. Das dauerte bis in den Nachmittag, der herrlich sonnig war, aber gleichzeitig auch ein sich schließendes Zeitfenster, mit einer blöden Deadline am Sonntag um 5 Uhr früh. Ein Stück durch McPom war aber drin, und das nutzten wir aus. Freies Schwingen bis Ratzeburg, dann auf kleinen und kleinsten spätsommerlichen Landstraßen und Wirtschaftswegen durch das Grenzland über Kitlitz, Dutzow, und die einsame Holperstrecke hinterm Schaalsee, die man sowohl mit der Mash und erst recht mit der Himalayan mit 90 Sachen entlangbügeln konnte. Wir hatten keine Zeit mehr für ein Eis in Zarrentin, nahmen die Waldstrecke bis Gudow und fuhren das letzte Stück auf der Autobahn. Normalerweise wäre das eine brummende Fahrt in die Dämmerung geworden, diesmal nicht. Kein Grund sich zu beklagen.
Donnerstag, 12. September 2019
Schönen Feierabend.
Ist noch Sommer. Kurzerhand plante ich einen Dämmertörn in den Feierabend ein. Frikadelle an der Total Moorfleet, Gas geben auf dem Autobahngewürm bis Veddel, dann zwischen Güterzügen und Sunset noch eine Stunde Royal Enfield genießen. Geht.
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