über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 24. Mai 2021

Tag eintüten

Für einen Tag war alles weggefegt: Die Schauerwände, der Endzeitwinter, die Apokalypse, alle machten kurz Pause. Heute lag Schleswig-Holstein vor uns, ausgebreitet in der Sonne wie ein grünflauschiges Picknick. Die Arzttour vom Mittwoch hatte genug Inspiration hinterlassen, um eine sehr ähnliche Tour für zwei einzuprogrammieren (es war fast eine Kopie). Erst ging es wieder durch die Aukrugwälder, westlich an Neumünster vorbei, bis in das Geestland, wo Wind weht und die Wolken nicht weiß, sondern silbern sind. Es ging am Kanal entlang, durch Rendsburgs Hafen, und dann in das kurvige Gelände südlich von Westensee. Beide Maschinen hatten neue Reifen, die waren jetzt eingefahren, das war angenehm. Alles andere auch, am Nachmittag wurde es für die Goretextsachen eigentlich eher schon zu warm. Kreuz und quer zogen wir auf Nebenstrecken durch das Land, das riesig war, grün und duftend. Wie kamen über Sarau nach Ahrensbök, und die Aussicht auf ein Hähnchen zog uns nach Bad Schwartau. Der Abend war zu lang für die schnelle Route nach Hause. Wir bauten noch einen satten Umweg über Lübeck, Kühsen und Koberg ein. Die letzten Kilometer waren müde, aber wir wollten jeden einzelnen eintüten. Könnte schon wieder der letzte sein.





Mittwoch, 19. Mai 2021

Arzttermin

Was tun wenn man spontan einen Arzttermin in einem Dorf zwischen Rendsburg und Kiel bekommt? Halben Tag freinehmen, Goretex anziehen und die Himalayan starten. Es war ein guter Tag, in mehrerer Hinsicht. Der Regen blieb auf Abstand, die trödelnde Autokolonne störte heute nicht, und auf der Route westlich um Neumünster herum gab es ein schönes Waldstück. Weiter im Norden hatte ich noch Zeit übrig und kurvte durch das kleine Mittelgebirge am Westensee, was so selten ist, dass es sich anfühlte wie Urlaub. Beim Arzt ging alles so schnell (und nicht halb so bedeutsam wie ich es mir ausgemalt hatte), so dass ich eine ausgiebige Rückroute über Neben-Nebenstraßen programmieren konnte. Sie schnitt eine idyllische Gerade von Rumorh über Schillsdorf, Willingrade, Heidmühlen nach Hartenholm und fuhr sich im Abendlicht fantastisch. Unmittelbar vor mir verzogen sich die Regenzellen, der Asphalt dampfte. Mit nassen Füßen und bester Laune rollte ich in die Stadt, parkte und setzte mich an den gedeckten Tisch. 



Samstag, 15. Mai 2021

Wahnsinn

Am Pfingsten kam ein Regen nach dem nächsten, aber auch Besuch aus der Hauptstadt, getestet und als Fußgänger. Praktisch, dass wir die Garage noch einigermaßen gefüllt war, und wahnsinn, dass mal zwischendurch für ein paar frische trockene Stunden gab. Für Thomas reichte eine recht standardmäßige, geführte Tour über die Hafenrouten zu den üblichen Hotspots. Er genoss die Freiheit auf der Himalayan, während ich die Bolt fuhr. Für die Rückfahrt tauschten wir, und ich nehme an etwas geschah mit ihm, auch wenn er es nicht zugab. Viel Zeit blieb nicht, das auszudiskutieren, denn von Südwesten schob sich die nächste Welle heran. Abgestumpft zogen wir uns in den Lockdown zurück.



Sonntag, 9. Mai 2021

Alle Hoffnung

Alles fokussierte sich auf einen Punkt, genauer einen Sonntag im Mai, der alle Hoffnung auf eine neue, bessere Zeit speiste. Der Tag kam, und die Wärme vergangener Sommer. Die leichten Sachen, die dünnen Handschuhe, weitreichende Tankfüllungen. Über die Norderstedt verließen wir die Stadt, raus aufs Land, in die Freiheit. Ich hatte eine Route im Dorf-zu-Dorf Mode programmiert. Wir durchkreuzten das Gebiet zwischen Kisdorf, Hartenholm, Wahlstedt, sahen unentdeckte Landstriche und Bekanntes, nur von der anderen Seite, grünes Grün und gelbes Gelb. Bei jedem Halt wanderte ein Kleidungsstück in die Rucksäcke, wurden Lüftungsschlitze geöffnet und Wasserflaschen geleert. Nach über hundert Kilometern erreichten wir Telse inmitten eines grünenden, blühenden Idylls namens Neukoppel. Eine heile Welt, wo immer Sommer ist und wo wir sicher waren vor der Realität. Man hätte noch eine ausufernde Rückfahrt planen können, doch wir waren gesättigt und etwas ängstlich vor den Schauerzellen auf dem App. Insofern war es vollkommen ausreichend, träge auf der B75 in die Abendsonne zu gleiten, die Bikes in die Garage zu rollen und mit einem Sundowner auf dem Balkon den kürzesten Eintagssommer aller Zeiten zu verabschieden.



Samstag, 1. Mai 2021

Kraftfeld

Zwischen Frühstück und dem Nachmittagsregen passte genau eine introvertierte Ausfahrt mit der Bolt. Richtigerweise erlag ich nicht der Versuchung, die Wintersachen anzuziehen. Lederjacke, der kleine silberne Jethelm und die neue Sonnenbrille, das war cool. Als Kompensation suchte ich mir eine langsame Bummelstrecke. Es ging wieder am Deich entlang, wie letzte Woche, nur allein, und cruisend. Das veränderte alles: Letztes Mal langweilig und zäh, heute ein einhüllender Genuss. Um die Maschine hatte sich ein Kraftfeld gebildet, dass alles Leid auf Distanz hielt: Menschen, Viren und die im Süden sichtbaren Schauerzellen. In Geesthacht füllte ich den Tank, dann rollte ich auf dem anderen Ufer mit derselben tiefgründigen Coolness zurück. Wer nicht cruised ist doof.



Sonntag, 25. April 2021

Es wurde Zeit.

Ben rief an und formulierte treffend "es wird Zeit". Wir warteten bis die Temperatur zweistellig wurde, dann führte ich die beiden Enduros am Deich entlang nach Geesthacht. So lange war ich diese Strecke nicht gefahren, ich hatte ganz vergessen wie langweilig sie und zäh sie ist. Ohne die gute neue Jacke und die Heizgriffe wäre ich umgedreht, aber in Geestacht kannte Ben eine in einem waldigen Tal versteckte Rennstrecke. Man muss auf einen Berg klettern, dann kann man Profis beim Training zusehen. Davon abgesehen redeten wir nicht viel, zogen unsere Halstücher zurecht und fuhren uns über eine Navi-gesteuerte Route zurück. Es ging über Land und durch den noch kahlen Sachsenwald. Als wir endlich eine Tanke fanden für die Kaffeepause, waren wir schon in Rahlstedt. Kalte Sonne begleitete uns auf den letzten Kilometern, ein kurzer Wink, Mission erfüllt.



Sonntag, 4. April 2021

Monochromie

Eigentlich schade, dass der Sommer schon wieder vorbei war. Aber gut, dass die neuen Sachen so gut wärmten und gut aussahen. Der Ostersamstag war eisig, wolkenlos strahlend, und die Strecke über Lasbek, Oldesloe, Meddewade fuhr sich leicht und locker. Bis kurz vor Strukdorf blieben die Heizgriffe aus, das Aufwärmen erledigte die dortige Lammversorgung. Am Sonntag war die Sonne weg, stattdessen peitschte uns ein harscher Nordwestwind über die ausgestorbenen Landstraßen. Wir hielten noch am neuen Schloss der LG's in Zarpen, dann ließen wir uns auf der B75 durch den monochromen Sonntag nach Hause treiben. Eine warme Badewanne, und der Tag war perfekt.