Internet sagt: universelles Motorrad, bequem, perfekt. Ich fand: verwegen funkelndes Metal Flake Braun, dazu ein Rot wie die Sonne, goldene Räder und ein sexy Bürzel. Gekauft. Am ersten Tag: alptraumhafter Autoverkehr in der Stadt, und auf dem Land, wenn eine BAB auch nur in der Nähe lag. Irgendwo im südlichen Speckgürtel kam irgendwann mal eine freie Straße, und ich schwang frei mit 80 Sachen. Anja war hinter mir, wir fuhren ohne Navi über die Dörfer, erreichten den rettenden am Deich in der Nähe von Lauenburg für eine Pause. Der Rückweg in die berstende Stadt ging easier als gedacht, und ich war zufrieden und durchgefroren. Die Z sah ihren ersten Regen, während ich in der warmen Wanne saß und von ihr träumte.
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Samstag, 27. April 2024
Samstag, 13. April 2024
Schnurren
Samstag die Sonne wieder da, und die etwas Freiheit in einem Zeitfenster. Ein guter Tag für eine kleinere Ausfahrt mit der Rebel und der SR, im Nahbereich. Alles was ich programmiert hatte, verwarfen wir nach kurzer Fahrt. Wir tuckerten mit 60 Sachen durch die endlosen Dörfer auf dem Elbesüdufer. Am Deich in Barförde hatten wir erstmal genug geleistet, bewunderten den Fluss und saßen rum. Neue Programmierung durch die Heide, auch unterwegs abgeändert und verkleinert. Die SR liebt es, mit 80 Sachen dahinzuschnurren. Es muss nicht abartig spektakulär sein, wichtig ist eine ungestörte Fahrt und ab zu ein Ort wo jemand guckt. Irgendwo war eine Autobahn gesperrt, so dass einige Landstraßen total mit Bürgerkäfigen verstopft waren. Wir wichen über Stelle auf die Deichstraße aus. Die richtig Bekloppten stauten sich in Hamburg. Wir betrachteten sie wie Tiere im Zoo. Nichts konnte uns stressen.
Sonntag, 7. April 2024
Triumph
Ein bombiges Frühlingswochenende, dazu große Pläne. Ja, Strukdorf ist der kälteste Ort der Republik, trotzdem war es richtig, Samstagmittag dort hinzunavigieren. Das Beeline nimmt immer die Route über Norderstedt, und die ist gut. Wir modifizierten sie etwas und kurvten durchs Hinterland. Es war April, und zum ersten Mal durfte wieder die Bolt fahren. Lässig und entschlossen glitt sie über das erwachende Land, Anja folgte auf der Rebel im Rückspiegel. In Strukdorf gab es Kaffee und den Schlüssel zu Götz' Triumph Street Twin, auf die ich für den Rest des Tages umstieg. Es war eine Testfahrt, und die Akzeptanzkriterien waren Aussehen, Coolness und Gleitfähigkeit. Alles wurde gut erfüllt, wobei der erste Teil der Route generell eher kleinteilig war. Von Dorf zu Dorf kreuzten wir auf nördlichen Kurs durch Ostholstein. Auf den kurzen Geraden entwickelte die Street Twin gewaltige Kräfte, meist aber bummelten wir auf Nebenstrecken durch die Knicks. Ganz oben, im Mittelgebirge kurz vor Kiel tankten wir und planten eine schöne, aber sozialverträgliche Rückfahrt. Die Triumpf wanderte zurück in Götz Garage, ein positives Testergebnis wurde dokumentiert.
Sonntag, 31. März 2024
Ostern im Osten
Am Samstag kamen unverhofft 20 Grad, und wir waren mit den Hondas unterwegs nach Osten. Aus dem Großraum Berlin waren gleichzeitig Rembert und Thomas unterwegs, in Gegenrichtung, zum Treffpunkt in Wittenberge. Wir konnten uns Zeit lassen für die Nebenstrecken im Wendland und der Altmark. So viel, dass wir noch einen Umweg durch zart angrünende Winterwälder zum Arendsee anhingen. In unseren Jacken war es zu warm, die Sonne glimmte hinter in einem dicken Saharadunst, der das leere Land und die tristen Dörfer in ein endzeitlich-trübes, diffuses Licht tauchte. Große Wiedersehensfreude im Hotel Singer, dessen Parkplatz wir mit unseren Bikes belegten. Der Rest wurde beim Griechen besprochen. Gut, dass wir noch einen Absacker im Schrecklichen Topcase hatten, denn am Samstagabend ist nichts zu erwarten in Wittenberge. Sonntag fuhren alle wieder zurück in ihre Großräume. Ich hatte dem Tomtom freie Hand gelassen bei der Auswahl einer 'kurvigen Strecke' nach Hamburg. Das Ergebnis überzeugte: Vorbei an allem was entfernt nach Zivilisation aussah ging es auf fragwürdigen Nebenstrecken und Wirtschaftswegen durch immer neue, freie Landschaften und Wälder abseits der bekannten Routen. Südlich von Lüneburg war vor uns ein Regengebiet abgezogen und hatte eine kalte Sonne hinterlassen. Wir zogen die Jacken zu und gaben uns staunend dem Kreuz und Quer durch die Heide hin. Die Stadt kam in Sicht, aber eigentlich war da nichts für uns, außer vielleicht einer warmen Wanne.
Freitag, 29. März 2024
Pathos
Karfreitag, großes Kino. Ich, in Lederjacke und Jeans in der Garage. Feierlich enthüllte ich die SR, sammelte mich und gab ihr sanft einen Kick. Sie lief sofort. Einfach so, als wäre ich nie weg gewesen. Ich fuhr dann mit einem dämlichen Grinsen durch die leere Stadt, in der es gerade mal 9 Grad waren, viel zu wenig für die Lederjacke. Die SR fuhr so schnurrend wie immer, eigentlich war alles sehr normal, von Pathos keine Spur, obwohl das total angebracht gewesen wäre. Eine kleine Runde auf den Steinwerder, die Hafencity, St. Pauli. Alles war noch da. Ich auch.
Sonntag, 3. März 2024
Nur hier
Wir waren wie Butter in einem hellen Vorfrühling gelandet. Es war total naheliegend, warme Unterwäsche anzuziehen und da weiterzumachen wo wir vorgestern aufgehört hatten: Im Sattel unserer Hondas. Anjas Drang, mal wieder selbst zu fahren, war großräumig spürbar. Und es war egal, dass es nicht wie sonst gleich wieder hoch ins Felsenmeer ging, sondern nur in die Nordheide. Was zählte war das Rauschen durch den Wind. Tatsächlich konnte ich den leeren Landstraßen sogar etwas abgewinnen, was wir auf der Insel nie hatten, nämlich ein gleitendes, freies Fahrgefühl im 6. Gang. Nach einer Weile wurde der rauschende Wind frisch, im weiteren Verlauf eisig. Wir trennten uns bei Tötensen. Anja fuhr zurück in die Wärme, ich hatte die Griffe auf Stufe 2 und kurvte noch über die Rosengartenstraße zum Apfelautomat im Alten Land. Zu Hause gab es eine warme Wanne. Gibt's nur hier.


