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Freitag, 6. Mai 2011
Geschenkt.
Ein geschenkter Freitag sollte zu mehr gut sein als Wände streichen und Fußleisten verlegen. Dachte ich und holte in der Mainachmittagshitze die Iron aus der Garage. Eine Kaffeefahrt zum Lüheanleger, warum nicht. Es war wie gesagt sommerlich warm, an der ersten Ampel mussten die Handschuhe aus. Ich verbrachte eine gute halbe Stunde auf der Ost-West-Straße. Quälend quoll die Autoschlange stinkend Richtung Wochenende. Im Hafengebiet übernahmen unsere lieben Brummis den Stau. Im Stop-and-Go schob mich die Kolonne über die Kölbrandbrücke. Eine Stunde war vergangen als ich Finkenwerder erreichte. Der Stau ging fing schon am Ortseingang an. Das war alles vollkommen inakzeptabel. Ich drehte um und fuhr teilnahmslos durch den Freihafen zurück Richtung Stadt. Die Kilometer auf der Wilhelmsburger Reichsstraße, auf der man mit 80 Sachen durchatmen konnte, kann man getrost als Höhepunkt dieser Ausfahrt ansehen. Absurderweise war es im inneren der Stadt richtig locker, so dass ich bis Eppendorf durch kam, wo es Cappucino im Hinterhof gab. Trozdem kann keiner von mir verlangen, auf dem Ring 2 im Kreis zu fahren. Ich verstaute die Iron und genoss den Restatg auf dem Hollandrad.
Samstag, 30. April 2011
Randale
An einem Samstagvormittag wie ein
Kristall brachen wir auf zur Elbuferstraße. Nicht ganz ohne Diskussion, denn
wie oft wollen wir die Strecke denn noch fahren! Bis Geesthacht auf der
Autobahn (wie immer), dann setzten wir über und zuckelten durch die samstäglichen
Dörfer am Südufer (wie immer). Manch
Aufsitzmäher musste schwer arbeiten in den Gärten, an den Supermärkten wurde
tonnenweise Grillkohle verladen. In Bleckede war gefühlt bereits bereits
Sonntag. Wir saßen im Straßencafé, aber die Espressomaschine war kaputt (wie
immer!). Immer weiter entfernten wir uns von der Zivilisation. Wir kreuzten mit
entspanntem Tempo durch frühlingsgrelle Wälder, weißblendende Alleen, leuchtende Rapsfelder und kitschige
Löwenzahnwiesen. Die ganze Landschaft wirkte wie der Faller-Katalog unter dem
lupenrein strahlenden Polfilterblau des Himmels. Über freies Feld fegte brutal
der eisige Nordostwind. Das Stück hinter Hitzacker, wo die Idylle keine Grenzen kennt, tauschten wir die Fahrzeuge,
so dass Anja die Iron fuhr und ich auf ihrem Lufkissenboot, welches sich
vollkommen lautlos und ganz von selbst bewegt. Die ganzen kurven der B195
zurück bis Boizenburg, durch die dösenden Dörfer fuhren wir in dieser Combo,
praktisch ohne dass wir jemandem begegneten. Den Abschluss bildete eine Pause
bei den "5 Aposteln", dann wie gewohnt Lauenburg, Geesthacht,
Autobahn, so dass wir gerade noch rechtzeitig vor der Randale-Vollsperrung in
die Stadt einliefen.
geschrieben April 2011, Text auf USB-Stick gefunden im Dez. 2013.
Dienstag, 26. April 2011
Heimat am Dienstag
Nach einer arabischen Woche, die heiß war, neu und staubig, erwartete mich der deutsche Frühling wie eine grüne Bombe. Am noch freien Dienstag blieb eine Restzeit, die ich mit der Iron mangels besserer Ideen westlich von Hamburg verbrachte. Ich donnerte mit hundertzwanzig die Autobahn bis Tornesch, rollte mit teils unbeschwerter, meist jedoch uninspirierter Ziellosigkeit durch die Marsch. Elmshorn durchstriff ich abwesend, fand unbekannte Strecken durch sumpfiges Tiefland und war froh, bei Horst einen rettenden Geestrücken zu erreichen. Auch wenn die Straßen leer waren, die Gereiztheit eines Dienstagnachmittages war stets spürbar. Die Ortschaften gehörten voll und ganz den Hausfrauem in ihren Kleinwagen - das muss man auch respektieren. Ich fand mich beim Portugiesen in Pinneberg wieder, schlürfte Galao im Lärm der Vierzigtonner und sann. Ein zäher, pestender Stau auf der A7 zurück in die Stadt gab einen würdigen Abschluss.
Montag, 11. April 2011
Checkpoint Harry
Zwischen allerlei Notwendigem gleißte der Frühling durch ein Zeitfenster. Für eine Fahrt die Elbe hinauf würde es reichen. Mit sechzig Sachen zog der Elbdeich gähnend vorbei, leuchteten hier und da grellbunte Blüten im frühen Samstagnachmiittagslicht. Wir durchliefen schläfrig Geesthacht, Krümmel, Lauenburg, als der kleine Hunger kam. Geistesgegenwärtig steuerte ich den bekannten Checkpoint Harry an der Kontrollstation am westlichen Ortsausgang Boizenburgs an. Obwohl logischerweise ein Nachwendeimbiss, vermittelt das Interieur überzeugend Ostcharme. Wir bestellten die aus der großen Arte-Dokumentation bekannte Riesencurrywurst mit Salat. Gedanken an eine Weiterfahrt Richtung McPom hielten dem Reality-Check nicht stand. Zu sehr drängte die Uhr, denn es stand noch Kultur auf der Agenda. Mit jedem Meter wurde deutlicher, dass es sogar richtig knapp war und wir es nur mit angelegten Ohren auf der Autobahn schaffen würden, rechtzeitig auf die MS Bleichen zu kommen. Diese liegt beim Schuppen 50, den kennen wir natürlich. Doch weder wir noch die Navigation wussten, dass das eigentlich Bremerkay heißt. Gut, dass man auf der Freihafenstrecke auch mal 100 fahren kann, wenns drauf ankommt.
Samstag, 2. April 2011
Jahrhundertaprilstart des Jahres
Es war April und alles war gut. Die Iron sprang an wie nichts, das Gepäck für eine Nacht passte in den kleinen Rucksack, und die Sonne schien wie noch nie. Ganz und gar lässig kurvten wir aus der Stadt hinaus, dann zielstrebig mit 90 Sachen auf McPom zu. Am Rand der Landstraßen spross erstes Grün. Hinter Mölln lagen wie immer Sterley, Kittlitz und Goldensee im Abseits ders Zonenrandgebiets idyllisch im gleißenden Nachmittagslicht. Immer wieder wartete man auf die früher oder später kriechende Kälte. Am Hals, an den Fingern oder sonstwo. Aber sie kroch nicht. Es blieb einfach warm. Am Nordrand der B 208 bollerten wir über Betonplattenwege durch die Prärie und fanden schließlich die altbekannte Lieblingsstrecke über Rehna nach Grevesmühlen. Anja segelte mit ihrem Luftkissenboot über die bockige Piste, aber ich ließ mir die Rückenschmerzen nicht anmerken, wenn die Iron knallhart durch die Schlaglöcher donnerte. Endlich kamm Janny's Eis in Grevesmühlen-City in Sicht. Auch wenn der Tag noch Jung war, drängte die Uhr. Wir irrten noch ein wenig in den Wäldern nördlich der B 106 herum, vergeblich eine geheime Verbindung zum Klützer Winkel suchend, brachen ab und nahmen resigniert westlichen Kurs. Noch rechtzeitig erkannten wir, dass wir kein Geld hatten. Deshalb war die Priwallfähre keine Option. So durchkreuzten wir das frühsommerlich taumelnde Lübeck und erreichten Strukdorf, wo wir kopfschüttelnd mitten am ersten warmen Samstagnachmittag des Jahres in Empfang genommen wurden. Sünde. Nach einer lauen Sommernacht mit fröhlichen Fünfzigern im Hinterhof Lübecks begann der Sonntag beim Brötchenholen noch sonnig, zog sich unter unseren Augen zu und begann zu unserer Abfahrt zu nieseln. Auf der B 75 durchfuhren wir schlingernd das Regenband, dessen Ende wir zur Mittagszeit in Hamburg erreichten, was der Iron ein deftiges, Paris-Dakar-artiges Aussehen verlieh. Inzwischen war Hanna G. aus P. eingetroffen. Eigens für sie - sie ist ein Fliegengewicht - wurde der Badlander-Sitz montiert, auf dem sie es beeindruckende und voll coole Stadt- und Hafenrundfahrt lang aushielt, was den Sonntag im Nachhinein doch noch legitimierte.
Montag, 21. März 2011
Gänseblümchenring
Aus dem Elbtunnel fuhren wir in die Dämmerung. Auf der A7 in Richtung Süden zu fahren weckte Erinnerungen. Man konnte sich vorstellen, eine Reise anzutreten, die Maschinen beladen mit stattlicher Campingausrüstung, sehnsüchtig das Geräusch der Zikaden erwartend. Dieser Samstagabend verlief anders. Wir bogen auf die B 75 ab, dann auf die B3 (könnte man auch bis Basel durchfahren!) und kamen mit einsetzender Dunkelheit kurz vor Buchholz zum stehen. Das letzte Stück bis zum Gänseblümchenring fuhr ich mit Navigation, das erste Mal im Leben. Sofort verlor ich die Orientierung. Um uns herum bewegten sich in gleichmäßigem Tempo Buchholzer in ihren Autos die Umgehungsstraßen entlang. Bei Fran und Nico im wüstigen Neubaugebiet gab es eine Menge zu besprechen und Wohlstand satt. Der nächste Morgen war frisch und hell, von den versprochenen vierzehn Grad fehlte jede Spur. Wir gaben uns willenlos einer trägen Tour durch die Nordheide hin. Mit 90 Sachen rauschten wir verschnarcht über ockerfarbene Landstraßen. Die Sonne blendete, jedoch war die Luft aus einem Block Eis. Am Hals pfiff es schneidend rein, weil Anja die Sturmhaube für sich beanspruchte. Und dennoch, wir mussten zugeben, dass die Strecke nicht ohne Reiz war, wie uns sie kreuz und quer durch kahle Wälder und über braune Kuppen bis an den Geestrand gleiten und schließlich am Elbdeich in Hoopte rauskommen ließ. Alles war so früh, dass als wir mit kalten Fingern in der Stadt einliefen, die Menschen übernächtigt blass vor den Cafés hockten, in Decken gehüllt, vorsichtig an großen heißen Gläsern Galao schlürfend, und uns teilnahmslos vorbeiziehen ließen.
Montag, 14. März 2011
Märzbräune
An einem Wochenende im März, wir werden es in den Geschichtsbüchern wiederfinden, glimmte ein Hauch von Frühling über der Stadt. Tief im Untergeschoss kratzten wir unter einer meterdicken Staubschicht ein Päärchen BMW's hervor. Anjas Oldtimer sprang auf Knopfdruck an (mit eingeschaltetem Licht und Heizgriffen!), in die 850 musste ich erst die bei Louis mühsam beantragte Batterie einbauen, was eine gute Stunde dauerte. Mit vagem Ziel wagten wir uns tastend aus der Stadt heinaus. Auf vertrauten Wegen durchfuhren wird das noch im allumfassenden Graubraun dämmernde Land zwischen Hamburg und Neukoppel, schlugen in Lübeck einen Rest übriggebliebene Zeit in lupenreiner Epoche-III Szenerie tot und rollten bei Telse vor, justamente als der Kaffee durchgelaufen war. Bis spät in den Nachmittag hinein zögerten wir die Rückfahrt hinaus, indem wir immer neue Kuchenstücke aufluden. Dann nahmen wir, einem Automatismus gehorchend, die spröde, noch auf Permafrost gebette B 75, erreichten müde die Stadt, und waren jedesmal irritiert, wenn wir auf einem mildem Parkplatz standen, die Helme abnahmen, wo Vögel sangen und es genossen, dass dies kein letzter schöner Tag im November war.
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