über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 25. September 2011

Alte Weiber

Mit offiziellem Herbst setzte ein unschlagbares Altweiberwochenende ein. Inzwischen könnte jedes das letzte Mal sein, deshalb ließ ich nichts anbrennen und buchte die große Elbuferrunde. Anja ging arbeiten, nur die Iron und ich waren unterwegs. Auf der Autobahn bis Geesthacht, aber im Grunde auch den Landstraßen den Fluss entlang bis Bleckede, döste ich gedankenverloren dahin. Endlich war in dem Café am Platz mal die Espressomaschine in Ordnung. Unter gleißender Mittagssonne glitt ich weiter durch leuchtende Mischwälder, über Berge am Elbtal, backsteinniedliche Aussteigerdörfer, rauchte im schnuckeligen Schnackenburg, studierte die Karte, nahm nicht die Fähre, sondern die Straße Richtung Altmark. Erstmalig bereitete mir die im Tacho dezent leuchtende kleine gelbe Tanksäule Sorgen. In Orten wie Wanzer, Wahrenberg oder Geestgottberg kann man keine Tankstelle erwarten, so dass ich extrem sparsam über die endlosen Weiten rollte. Ich atmete auf, als ich die Elbebrücke überquerte und Wittenberge sich am anderen Ufer aus den Auen erhob. Wittenberge hat nicht nur ein monströses Einkaufszentrum mit Tanke, sondern auch eine herrlich ostig-tothosige Altstadt, durch die ich eine kleine Runde drehte, bevor ich mich auf die B 195 begab, dessen Ursprung, also das Stück bis Dömitz, ich zum allerersten Mal befuhr. Es ist genau so wie der Rest. Kurven durch Kiefern auf Sand, links meist die inzwischen nachmittaglichen Elbauen. Bislang war ich allein auf der Welt, nun flogen mir die Racer um die Ohren. Sie fahren immer zwischen Dömitz und Neuhaus hin und her. Autos hatten heute scheinbar Fahrverbot, was gut war. Meine Kilometer zogen ungestört mit malerischen 90 Sachen vorbei. Ich sah schwer bepackte Birnbäume, Gärten wie als Kind bei Oma und Opa, eine enorme Binnendüne, meterdicke Kreuzspinnen, deren im Gegenlicht glänztende Netze ganze Straßen überspannten. Das hätte für immer so weiter gehen können und es war richtig schade, als Boizenburg ins Bild kam, welches die den Rückweg markierte, den ich zunehmend schwerfällig abbummelte. Lauenburg, das mehr und mehr zur Geisterstadt mutiert, Geesthacht, und die zäh-schläfrige Deichstraße, auf der man irgendwann einfach nicht mehr grüßt, und hofft, bloß nicht für einen der Kirchturmfahrer gehalten zu werden.

Montag, 19. September 2011

Vanvan am Sonntag

Die Vanvans sind gut geeignet, sich mit einem ungemütlichen Sonntagnachmittag im September anzufreunden. Die Stadt lag noch in Sauer, als wir durch die Häuserschluchten schnurrten, in das menschenleere Hafengebiet. Am Schuppen 50 trafen alte Lieferwagen. Weil wir gerade in Stimmung waren, besuchten wir auch gleich noch das dortige Museum, bevor wir den langen Weg durchs Alte Land antraten. Endlose Plantagen prall leuchtender, duftender Äpfel zogen vorbei. Am Lüheanleger stellten wir die Vanvans effektvoll ab und bestellten Tütencappuccino. Lange hielt es uns dort nicht, wir nahmen den selben Weg zurück in die Stadt, die introvertiert einen weiteren gemütlich-trägen Sonntagnachmittag auf das Ende des Sommers hin abhakte.

Sonntag, 11. September 2011

Zeitfahren

Der Sommer brachte nur noch lustlos ein paar heitere Tage zwischen den Regenfronten hervor. In einem diesigem Wolkenloch starte ich allein mit der Iron ins ungewisse. Wie immer rollte ich durch das Hafengebiet, schaute mal hier und mal da und bog mangels besserer Ideen ins Alte Land ab. Dort rollte ich einigermaßen flüssig durch die erntereifen Plantagen, und weil sie es so schön unbeteiligt an mir vorbeizogen, war das Weiterfahren eine bessere Option als ein weiteres Mal bei den Dorfprolls am Lüheanleger zu stehen und Tütencappuccino zu trinken. Die grauen, leergefegten Dörfer lagen bald hinter mir und ich fuhr auf die Elbefähre in Wischhafen. Der Blick schweifte zurück über den unter weiß-diesigem Licht glänzenden Fluss. Im Hintergrund wurde die täglich neu aus Südwest nahende graue Suppe sichtbar. Der Rest der Fahrt ging gegen die Zeit. Ich wagte noch einen Abstecher nach Kollmar, welches über die Jahre praktisch unbemerkt zu einem zotigem Bikertreff Marke Zollenspieker mutiert ist. Kaum hatte ich den Motor abgestellt, hatte die Regenfront schon das andere Ufer erreicht. In Panik stürzte ich mich auf die Autobahn und raste heim. Die ersten Schwertropfen platschten auf den dreckigen Asphalt, als ich in die rettende Tiefgarage rollte.

Sonntag, 4. September 2011

Mittelgebirgsschwelle

Freitag war frei, und wir hatten viel vor. Wie damals waren wir um 7 Uhr 30 auf der Straße, nbogen gleich nach dem Elbtunnel auf die B3 ab und froren. Die Sonne leuchtete wie schon lange nicht mehr und irgendwann würde sie die eiskalte Luft wärmen. Einsame Kilometer verstrichen endlos zwischen weiten Stoppelfeldern und Waldstücken, die einem schier die Finger einfroren. Das Highwayfeeling war perfekt, als eine Ort namens Heber-City auftauchte. Wir durchfuhren ihn in der morgendlichen Rushour. Im Dunst bauten sich die ersten Berge am Horizont auf und weckten Erinnerungen und Fernweh. In Göttingen war es bereits Mittagszeit und endlich kam ein Stückchen Wärme sowie unsere Liebslingsstraße B 27. Wir aßen Eis mit direktem Anschluss an die lokalen Befindlichkeiten, rafften uns weiter, um in langen 80-Sachen-Kolonnen die 300 Km zu knacken. Bergfest. Fulda zog am Nachmittag ohne Halt vorbei. Wir nahmen den gut versteckten Abzweig Richtung Flieden, Steinau, immer an den Hängen des Kinzigtals entlang, hin und her unter der Autobahn durch, dort gibt es beschauliche Dörfer an denen alles vorbeizieht. In brütender Nachmittagshitze, kurz vor Hanau bekamen wir Hunger, deshalb zog uns ein Ort namens Linsengericht magisch an. Es gab keine Linsen, aber kleine Landstraßen, auf denen wir etwas orientierungslos durch eine Ecke vom Spessart kreuzten und in Aschaffenburg wieder rauskamen. Das letzte und zermürbendste Stück ging in den Abend hinein über die B 28 durch die traurig-zersiedelte Ödnis, an deren Ende tröstend Pfungstadt liegt. In den Knochen spürten wir 600 Km Landstraße, aber vor uns stand ein großer Braten den Frau Gill für uns liebenswerterweise zubereitet hatte.

Samstag, 2.9.2011
In einem Konvoi aus GS, Iron und einem VW Beetle waren wir im Odenwald unterwegs. Albrecht fuhr vorweg, denn er kennt alle Wege durch die dichtbesiedelten Berge. Die Dörfer gehören Städtern und sind bunt und blankgeputzt. Wir überquerten den Main, fuhren noch ein Stück kreiselkurven im Spessart und trennten uns auf einer Verkehrsinsel in Rohrbrunn. Anja und ich nutzten die gewonnene Freiheit um die schwingenden Kurven über mächtige Kuppen, die verschnarchten Holperstrecken durch die einsame, dunkle Täler dieses unterschätzten Mittelgebirges zu genießen. Wir fuhren an der Lohr und der Joss entlang und waren baff über die immer neuen Weitblicke auf Deutschlands perfekteste Modellbahnlandschaft im goldenen Nachmittagslicht. Nahtlos geht der Spessart in die Röhn über. Im "Staatsbad Bad Brückenau" kreutzten wir die B 27 und arbeiteten uns hoch über Gersten, dann immer spektakulärer bis zum Gipfel der Wasserkuppe. Den Rummel dort konnten wir nur durchfahrend ertragen. Eine Handvoll warme Romantikkilometer im Streiflicht weiter, hinter Tann gibt es eine kaum zu findene winzige Straße über den Grenzberg. Über Eiterfeld kommt man zurück zur B 27. Der Spätsommerabend lag leuchtend vor uns. In vollendeten Flow glitten wir ungestört das Werratal entlang, bis sich erlösend die Burgen von Witzenhausen ins Bild schoben. Wir checkten ein und waren froh, noch einen Krustenbraten zu ergattern.
Sonntag
Wir waren schockiert. Irgendwoher war über Nacht Regen gekommen. Um 9 Uhr rollten wir unter trüben Himmel durch das noch schlafende Land, monoton, in sich ruhend glitt der nasse Asphalt unter uns hinweg. Beim Mc Donalds irgendwo an der Strecke standen wir im Nieselregen und füllten Kaffee in unsere Thermoskanne. Später, nachdem die Goretexschuhe entgültig undicht geworden waren, lichtete sich der Himmel und es wurde trocken. Die Berge hatten wir hinter uns gelassen und rauschten nun wieder einsam über die Highways durch die Prärie der Tiefebene. In Soltau vergaßen wir einen Abzweig und fuhren schnurstraks kreuz und quer durch die Lüneburger Heide, was okay war, denn der Tag war jung und immer wieder findet sich noch eine schöne Straße. Nach einem letzten RIesenumweg auf Hamburg zu fanden wir uns zwischen knipsenden Touristen wieder vorm Fleetschlösschen in der Hafencity, teuren Cappuccino schlürfend. Welcome, Germany is beautiful, what für eine Tour.

Montag, 29. August 2011

Travemünde traditionell

Frühherbstlich kühl und klar war die Luft. Die Harley bollerte die Landstraße über Lasbek nach Bad Oldesloe, Benstaben. Ein oder zwei Kilometer westlich von mir bewegte sich eine graue Wolkenfront parallel, drohend, jedoch ohne näher zu kommen. Ich durchfuhr Lübeck und nahm traditionsbewusst die alte B 75 durch den Herrentunnel. Travemünde lag nass und frierend da. Ich verbrachte den Nachmittag mit dem Alten Herren, das Regenradar aus dem Augenwinkel beobachtend und passte eine vielversprechende Lücke ab. Über Oldesloe war aus der Ferne schon die nächste Wolkenwurst zu sehen. Ich stand an der Ampel in einer langen Schlange hinter einem alten roten Porschetrecker als ein kurzer, heftiger Starkregen einsetzte. Die  klammen Klamotten, eisiger Gegenwind und frierende Finger kennzeichneten die eintönige Rückfahrt über die graue B 75 und riefen ein völlig in Vergessenheit geratenes, intensives Körpergefühl in Erinnerung.

Sonntag, 28. August 2011

Marsch

Gestern war mit großem Getöse und reichlich Medienrummel der Sommer beendet worden. Heute Nachmittag hörte der Regen auf und eine neue Witterung begann. Ich fuhr auf Anjas Vanvan und wusste gar nicht wohin. Zuerst die übliche Strecke durch den Hafen, dann ganz unsäglich auf der Vierspurigen durchs prollige Neugraben, unmotiviert hinter Familienkutschen her bis Buxtehude. Damit waren vollendete Tatsachen geschaffen und ich bog ab ins immer älter werdende Alte Land. Am Lüheanleger stand ich allein mit meinem Cappuccino und Apfelkuchen. Die Sonne war herausgekommen und fragte: was nun? Kurzentschlossen bezog ich den Vorabend mit ein und begab mich auf den Weg nach Wischhafen. Die Gartenzwergige Piefigkeit hinter mir lassend, kämpfte sich die Vanvan voran durch die herb im bissigen Südwind harrenden grauen Dörfer. Noch während die Fähre über die glitzernde Fläche setzte zum Horizont, der endlos und starr da lag, kroch die neue Luftmasse in die Goretexjacke, so dass ich erstmal den Reißverschluss zumachen musste. Drüben, auf dem kargen Highway zwischen Glückstadt und Elmshorn rollte die Vanvan im langen Sechsten mit gleichgültigen 80 Sachen durch die Landschaft. Ütersen, Heist, Wedel, Strecken aus der Vorzeit. Die Elbchaussee führte vorbei an spätsommerlich leuchtenden Schiffen. Zu Hause hätte ich eine heiße Dusche gebrauchen können, so durchgefroren war ich.



Montag, 22. August 2011

Call Of the West (in Dithmarschen)

Wochenend und Sonnenschein, das kennt man gar nicht mehr. Wir befanden uns auf der morgendlichen B 75 RIchtung Lübeck, wie so oft. Aus allen Dörfern  krochen Harleys hevor, hinter uns hatte sich bereits ein grollender Tross entwickelt. In Lübeck waren nämlich Harley Days. Obwohl es cool war, die einzige Vanvan zwischen tausenden Custombikes zu parken, überließen wir den Mob nach kurzem Kontrollgang sich selbst und begaben uns auf den langen Weg gen Westen. In Strukdorf hielten wir kurz und Horst lotste uns auf dem T-Max den Weg durch das unübersichtliche, zersiedelte Gebiet bei Wahlstedt. Ab Heidmühlen waren wir auf uns allein gestellt. Weder die Harley noch die Vanvan ließ einen Tankrucksack zu, folglich musste man sich auch die verwegensten Strecken durch Wald und Wiese im Kopf merken. Neumünster empfing uns metropolenhaft. Am örtlichen Galao-Strip parkten wir zwischen allerlei Tiefergelegtem. Unsere Route brachte uns immer weiter in unbekanntes Gebiet. Der Westwind blies und es war gut, einen Pullover anzuhaben. Über Aukrug führten verlassene, einspurige Landsträßchen durch das Schleswig-Holsteinische Kernland. Bei Breiholz setzten wir über den Kanal und kamen in noch fremdere Welten. Wäldchen und kurvige Geestrücken wechselten sich ab mit Topfebenen. Flussarme glänzten im Spätsommer hinter Büschen, Getreide staubte. Mit Bleifuß wuchteten Trecker Doppelanhänger irgendwo hin. Hinter Friedrichstadt, der letzte Bastion der Zivilisation, fängt das Land bereits an, sich aufzulösen. Wir kämpften gegen den spürbar an Kraft gewinnenden Westwind an, bis auf die Halbinsel Eiderstedt. Nach ein paar schleichenden Kilometern durch Buschtunnel standen wir vor dem Ende. Hinter dem Deich kam nur noch ein Windrad, dann ein Betonplattenweg und schließlich ein Haus, wo uns ein Gutteil der Sippe empfing. Das Essen war schon fertig.

Am Sonntag war alles sommerlich. Hinter dem Ort steht der bekannte Leuchtturm aus der Jeverwerbung, obwohl hier gar nicht Friesland ist. Um einen Kreis zu bilden, fuhren wir statt durchs Landesinnere an der Küste entlang zurück, durch endlose Weiten, mit einem Deich, der allzeit den Blick auf die Nordsee versperrt. Meist ist sie ohnehin nicht vorhanden. Dabei kommt man durch viele Orte, die heute, für ein paar Stunden, ihr Grau farbenfroh leuchten ließen. Der Wind hatte inzwischen auf Süd gedreht, so dass er wieder von vorne kam. Wir saßen im Straßencafé und hatten längst aufgehört, die Trecker zu zählen, die die B 5 füllten. Unten an der Ecke der Elbmündung quoll es verdächtig. Wir bogen im prächtigen Marne Richtung St. Michaelisdonn ab und genossen den Moment, wieder Geest unter die Räder zu bekommen. Die Strecke Itzehoe-Elmshorn behält, nüchtern über windige Kuppen und kahle Ebenen führend, sogar an Sommertagen ihren ungemütlichen, derben Charme. Auf dem letzten Stück nach Hamburg kam die graue Masse von Süd immer näher, während es dampfend heiß wurde. In allerletzter Sekunde konnten wir die Boliden in die Sicherheit der Tiefgarage bringen.