über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 4. Mai 2013

Klassik

Nun wollten wir sozusagen offiziell die Saison eröffnen. Schon Samstagmittag waren wir mit Rückenwind Richtung Geesthacht unterwegs, durchquerten die Geisterstadt Lauenburg und befanden uns kurz danach auf der Elbuferstraße Richtung Bleckede. Eine klassische Route. Es war viel wärmer als im Internet, das Licht blendete und wir aßen ein Eis im Schlosshof, wie immer. Warum nicht mal anders weiterfahren als immer, dachten wir. Erstmalig bogen wir mal Richtung Dahlenburg ab, fuhren über Tosterglope auf sensationellen, endlosen einsamen Highways und durch nie endende lichte Wälder wie im Märchen. Das ganze Land war absolut leer, die herrliche milde Luft, das überall sprießende Grün, alles unser. Bei Dömitz querten wir, wie immer, die Elbe. An der Tankstelle trafen wir den deutschstämmigen Hölländer Konstantin auf einer Sommer Diesel. Nicht ohne Neid wünschten wir ihm eine gute Reise. Wir nahmen die B195 im Nachmittagslicht für die Rückfahrt erreichten mit summenden Köpfen die wie immer dösende Stadt.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Stade sehen und staunen

Heute waren es 2° mehr, außerdem der erste Mai und Anja dabei. Wir mussten durch den Elbtunnel, denn die Stadt war dicht. Es folgten zäh frierende Kilometer wieder auf der B 75, dann plattes Land über das der Nordwind eisig fegte. Voller Hoffnung erreichten wir Zeven. Es lag beklemmend in Sonntagsstarre. Vor dem Eiscafé in tristem Ziegel hielten wir nicht mal an, alles war zu depressiv. Stattdessen wagten wir einen weiteren Schlag durch klirrende Kälte und waren baff, als wir Stade betraten. Hier gab es nicht nur Cappuccino und Mandelkuchen, sondern warmen Backstein, Menschen, Sonne und alles wie im Bilderbuch. Ganz aufgepeppelt war die Strecke nach Wischhafen, die dümpelnde Fährüberfahrt, die Kolonne durch Glückstadt, Elmshorn und der ganze letzte Rest über Wedel und die Elbchaussee, obwohl die Wärme nicht mehr wieder kam, ein Klacks.

Dienstag, 30. April 2013

Out Of Office

Trotz vieler Brückentage blieb allenfalls der Dienstag, um sich heraus zu wagen. Ich driftete hinter den Harburger Bergen herum und landete auf der B 75. Gottseidank hatte in Tostedt eine Bäckerei ein Tischchen im Windschatten. Ich mampfte ein Quarkzuckerzöpfchen und genoss einen Hauch von Sonnenwärme, während eine endlose Kolonne Lastwagen vorbeilärmte. Ansonsten gurkte ich über plattes, kahles Land, sah Heidenau, Hollenstedt, schließlich Buxtehude, alles in gleißendem Licht ohne Kraft. Gedanklich war ich bereits in der warmen Badewanne, die ich zügig ansteuerte.

Sonntag, 21. April 2013

Memories in braunem Gestrüpp

Ohne nennenswerte Erwartungen und fuhren wir nach einem halben Jahr Eis und Schnee aus der Stadt heraus. Was man aus den 14 Grad machen könnte, war völlig unklar. Ein Marathonlauf zwang uns durch den Elbtunnel, ein paar Kilometer schwappten wir dann auf der Vierspurigen durch Peripherie amerikanischer Machart, was irgendwie passte. Auch die B3, auf die wir bei Buxtehude abbogen, legte sich highwayartig einsam durch braunstuppiges Wintergesträuch. Die Boliden rollten zufrieden und hochglänzend durch gerade beinahe milde Aprilluft, kreuz und quer durch die auf erste Touristen lauernde Lüneburger Heide. Wir wärmten uns ein wenig in der sonntagsgeöffneten Zweiradschau in Schneverdingen auf, genau wie alle anderen Biker auch. In Bispingen gibt es außer trashiger Autbahnbespaßung auch das unvermeidliche Eiscafé in gewohnt norddeutscher Klinkertristesse. Die Kugeln waren riesig. Ohne Landkarte ließen wir uns treiben, bis nach Scharnebek, wo wir staunend das Schiffshebewerk besichtigten. Auf der Rückfahrt trafen wir auf Lauenburg. Mit ihm kamen Erinnerungen hoch, an flirrend heiße Sonntagspätnachmittage, irgendwann, aus einer anderen Zeit. Zeitgleich entdeckte Anja einen Grünschimmer am Waldrand. Wie damals nahmen wir dir Deichstraße für das letzte endlose Stück. Es war 2 Km/h zu langsam, 2° zu kalt und dadurch etwas zu lang. Aber echt,  sich über die ersten 230 Kilometer des Jahres zu beschweren, wäre wohl verrückt.

Freitag, 15. Februar 2013

Bom Dia.

Madeira.

Man akklimatisiert sich überraschend schnell. Wir bummelten erst einmal durch die Gassen Funchals, die hübsch sind wie ein Reiseführer, und erreichten schwitzend das herrlich Portugiesisch-hässliche Einkaufszentrum, in dem sich die Motorradvermietung befand. Kurz darauf saßen wir im Sattel einer gut durchgeholten Honda CBF 500, das ist praktisch der Toyota Corolla unter den Motorrädern. Es ging an diesem Tag nur kreuz und quer durch die Stadt, bis wir deren Anatomie verstanden und den Supermarkt gefunden hatten. Den Rest erledigten wir zu Fuß, bis wir bei Rotwein für 1 Euro bei der Snackbar an der Ecke strandeten.

Freitag

Die Stadt zieht sich bis oben den Berg hinauf, dann kamen Kurven im Wald und es wurde kühl. Kaum über die Kante, pfoff uns der eisige Nordwind ins Gesicht. Die Wolken fühlten sich von innen an wie amorpher Nieselregen. Mit kalten Fingern kurvte ich tausend nasse Serpentinen hinunter auf die Luvseite der Insel. Im Reiseführer standen allerlei Spezialitäten. Aber wir saßen noch leicht fröstelnd unter Einheimischen, während unter grauen Wolken ein Kinderkarnevalszug durch die Dorfstraßen lärmte. Auf dem Ostzipfel der Insel gibt es eine spektakuläre Straße, die mir schon beim Landeanflug aufgefallen war. Windgepeitscht liegen erst Dünen, dann senkrechte Felsen im tosenden Atlantik. Wir knipsten ein paar Speicherkarten voll und flüchteten, als ein Reisebus kam. Santa Cruz lag schon wieder auf der Sonnenseite und auf dem halben Heimweg. Das Meer brandete im Wechsellicht, dazu gab es Espada sowie traditional bread from Madeira und eine Riesenportion Vorfreude auf den Abend und die restliche Woche.

Samstag

An der Sonnenseite scheint immer die Sonne, sagten wir uns und suchten die alte Küstenstraße, was gar nicht so einfach war, denn sie wollen einen mit aller Gewalt immer wieder auf die Vierspurige zwingen, die wie eine U-Bahn durch die Felsen sticht. Die Alte jedoch kurvt unaufhörlich auf und ab durch alle Ortschaften, die aneinandergereiht die ganze Südflanke zersiedeln. An manchen Stellen windet sie sich in Talkessel hinab, wo es Fischrestaurants und z.B. Prego Normal gibt. Bei Ribeira Brava konnten wir nicht anders, als die Passtraße ins Gebirge hochzufahren. Durch feuchte Wälder in engem Tal waberten Wolkenfetzen. Oben ist eine karge Hochebene über die der Wind fegte, als gäbe es kein morgen. Wolken wälzten sich über uns hinweg, die Sichtweite lag bei etwa einem Meter. Dazu fror das Gesicht ein. Nach endloser Kurverei empfing uns die Küste wieder warm und sonnig wie das Paradies. Abends waren wir groggy wie nach einem langen, erfüllten Motorradtag. Als ob das nicht reichte, war aber auch noch Karneval in Rio in Funchal, mit allem drum und dran.  

Sonntag

Der Sonntag zog sich faul und heiß bis in Nachmittag hinein. Dann entdeckte Anja auf der Karte einerseits ein Tal der Nonnen mit einer Straße für "schwindelfreie Autofahrer" und vielen Miradouros. Ich hetzte die Honda die Steilhänge Funchals hinauf, dann ging es auf bröseligen Serpentinen zuerst durch Eukalyptuswälder und später alpin um die Felsen herum. Unten war immer winziger die Stadt zu erkennen, oben Sonne. Wir picknickten Früchte, die nie ein Mensch zuvor gesehen hatte. Die Reste verfütterten wir an die Eidechsen. Die Querverbindung zum Pico do Ariero ist so neu, dass sie noch nicht mal auf der Karte war. Und so steil, dass ich im Ersten fuhr. Oben ist ein riesiger Souvenirshop, ein militärisches Radargerät, dicke alte Deutsche, die sich beklagen, und ein Ausblick auf schroffes Felsenmeer, der einfach sensationell war. Die Honda musste ganz schön was einstecken. Anja aber auch, vor allem auf den extremen Abfahrten bis hinunter an den Hafen, wo schon wieder eine neue Aida lag und ihre meckernde Fracht in die Gassen ausspuckte.

Around the World

Madeira ist ein richtiger Kontinent. Auf der Südseite war zunächst noch das übliche Doce Vita. Wir zogen von einem Ort zum nächsten, bunte Häuser, Kurve an Kurve, links das Meer, da schon der nächste Galao. Dann wurden die Dörfer blasser, die Wälder dichter der Blick weit. Am westlichen Zipfel stehen einsam Kühe auf Wiesen am Steilhang. Unten schäumt wie wild der Ozean, winzig wie bei Google. Ab Porto Moniz ging es an der senkrechten Nordflanke entlang. Sie ist rauh und derb, die Brandung meterhoch, türkis und weiß. Leider ist die heftige, alte Straße inzwischen gesperrt und man wird wie alle anderen durch die Tunnel geschossen. Grau lag der Himmel über dampfendem Dschungel wie in Südamerika. Die Honda jaulte in kleinem Gang über die Steigungen, polterte über narbigen Asphalt, rubbelte um eintausend Kehren. Als wir dachten, wir seien verloren, müssten im Urwald übernachten oder bei Nacht und Nebel über den eisigen Pass, da tauchte vor uns der Schlund des Via Expresso auf und katapultierte uns in einer halben Stunde in das süße Leben der Stadt zurück.

Nochmal

Das Nordostende, die kälteste und nasseste Ecke, wollten wir unbedingt noch mal aus der Nähe sehen. Oben waren allenfalls Leichtwolken, also fuhren wir über den Pass hinter Monte, dem gruseligen Disnelyland mit Zwangsbespaßung. Der Nordhang war kalt wie immer, aber aufgelockert mit Sonnenstrahlen, die den feinen Sprühnebel äußerst fotogen in dem tiefen Grün der Täler wie Gardinen im Sommerlicht stehen ließ. Nach und nach wurden wieder die Finger kalt und die Goretexstiefel  klamm. Erst der üppig-grüne Taleinschnitt bei Boaventura erlöste mit komplett anderem Klima und wärmender Sonne. Bauern hielten inne, Fenster öffneten sich, Gespräche verstummten, als wir am Ende der befahrbaren Welt standen, auf einem Picknickplatz einkehrten und in der Sonne einnickten. Auf dem Rückweg, wieder durch die Tunnel pfeilend, stoppten wir nochmals in Santa Cruz. Prego Normal, Coral sem Alcool, Flugzeuge und ein Regenbogen wie aus dem Kinderbuch. Abends saßen wir wie immer zum Sundowner auf unserem winzigen Balkon. An das Glitzern der Stadt und das Hafenbecken hatten wir uns schon gewöhnt, so dass wir es nicht so recht realisieren wollten, morgen nur noch eine Kaffeefahrt nach Camara do Lobos zu machen, dann die Honda im Einkaufszentrum abzugeben, und schon mal den Koffer zu packen, um in ein farbloses, eisiges Land zu reisen, das die Menschen hier nur aus dem Fernsehen kennen.


Montag, 31. Dezember 2012

Zwischenzeit

Zwischen den Jahren blieb es mild und es gab Tage mit von Süden anrollendem Wolken wie im Juli. Einmal fand ich mich mit dem Chopper auf den traurigen Landstraßen des Speckgürtels wieder, die den Ring aus Großsuper- und Baumärkten vernetzen. In dichtem Abstand bewegten sich dunkle Passats und Audis durch das Wechsellicht des frühen Nachmittags, im Inneren Vamilienväter mit Todo-Listen. Gedenkenlos trieb ich mit dem Strom, landete in Wedel. Rechtzeitig vor der Dämmerung sog mich die Stadt wieder an.
Ein anderes Mal kamen viele Schauer, aber dazwischen leuchtete es verführerisch. Hafenkräne standen dramatisch im Gegenlicht, Asphalt schwarz und glänzend, Gleise wie gezogenes Gold unter schwarzem Himmel. Je weiter ich kam, desto verzweifelter  suchte ich nach dem Wolkenloch vom Satellitenbild. Ich drehte um und donnerte mit Vollgas zu Stenzel und holte Kuchen, mit dem ich zu Anja fuhr, gerade als es anfing zu schütten.
Irgendwann war dann die Woche vorbei. Anja und ich brummten auf den Vanvans durch den Silvestertag. Im Hafengebiet hörte man das Knallen nur aus der Ferne. Hier lag alles still zwischen Lagerhallen aus dem Tatort. Durch Zufall wurden wir Zeuge des letzten Zöllners, der seinen Übergang noch ein letztes Mal verschloss. Morgen wird der ganze Freihafen abgeschafft. In einem fotogenen Bogen über Kattwyk und Altenwerder kamen wir zurück. Dann kam 2013.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Sonnenwende

Das eigentliche Geschenk war die milde, westliche Luftmasse, so dass Weihnachten feuchtwarm und schneelos vor uns lag. Beide Vanvans sprangen an, und die gefütterten Goretexsachen trugen enorm auf, während wir uns aus der noch immer hektischen Stadt heraus bewegten und uns zunächst in eine sich mit den Kilometern zerstreuende Autokolonne einreihten. Mit dem Nachmittag kam immer mehr Einsamkeit und wir rollten stumm staunend in eine farblose Dämmerung hinein. Baumgerippe griffen knochig und schwarz nach dem sinkenden, allumfassenden schweren Dunkelgrau. Einzelne Leuchtpunkte strahlten irreal hervor, sogleich verglühend am porösen Rand der Erde. Gegen Ende glimmte ein kurzer Moment intensiven Blaus, danach war nur noch schwarze Nacht, unterbrochen von natriumdampfgelb erstarrten Dörfern. Das Scheinwerferlicht verzweifelte an dicken Nebelbänken, unter den Reifen klatschten Schneereste. Im Rausch der Eindrücke rollten wir auf das leuchtende Anwesen. Da Weihnachten war, frohlockten wir die ganze Nacht.
Der Sonntag begann in monotonem Nieselregen und die Fahrt war sehr introvertiert. Ausgelaugt lagen die Ortschaften an der Straße, wartend auf das Abendprogramm. In der Nähe von Hamburg war kurz ein Lichtblick am Himmel zu sehen. Er ging unter, noch bevor wir die tropfenden Vanvans in die Garage geparkt hatten.