über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 30. Juni 2014

Science-Fiction

Hinterm Hotel Edda steigt das Gelände an und sieht aus wie Österreich. Vorne war eine Ebene wie Dittmarschen. Auf der Fahrt folgten in 50-Km Etappen erst Lupinenfelder, dann gelbe Lavamasse, und schließlich eine die ganze Welt umspannende schwarze Sandfläche. Die Straße führte verschwindend durch die Endlosigkeit, und wir waren winzig wie Amöben. Wieder hatten wir Rückenwind, und wieder war das Wetter unangemessen lieblich für diese Science-Fiction-Landchaft. Die Vanvans brummten mit monotonen 80 Sachen durch den Tag. Zur Linken ragten mal grüne, mal zackig-schroffe Berge in den Himmel, rechts war immer das Meer. Von der Tanke aus, die genauso irgendwo in Alaska den sozialen Mittelpunkt abgeben könnte, waren in 30 Kilometer Entfernung die Gletscherzungen sichtbar. Aus der Nähe sahen sie aus wie die übertriebenen Gemälde im Souvenirshop . Der Gletschersee übertraf aber alles je erwartete. Wir checkten im Hali Luxushotel ein, packten den Gaskocher und die Tütensuppe ein und fuhren nochmal raus, zu der Stelle mit dem Blick auf den Vatnajjökul. Die Sonne verdampfte in den Eismassen, aber dunkel wurde es die ganze Nacht nicht.



Samstag, 28. Juni 2014

Millimeter

Wir genossen noch einmal die Zivilisation, dann bogen wir auf die 42 ab, die die letzten in Lava gemeißelten Gewerbegebiete hinter sich ließ und sich gleich in eine gepflegte Dirt Road verwandelte. Es ging an einem schwarzen Bergsee vorbei, und an den Steigungen hoppelte man im Zweiten über Wellblech. Am ende der Piste war das Land zu Ende und vor uns lag der Ozean. Links ging es viele endlose Kilometer durch perfekte Ödnis. Der Wind kam von hinten und legte eine willkommene Schippe Hubraum drauf. In Selafoss traf sich die Welt an der Tanke. Weit war es von hier nicht mehr, so dass wir noch einen Abstecher machten, auf eine Landzunge, wo es noch leerer war. Am Horizont waren die leuchtenden Gletschergipfel zu sehen. wir krochen millimeterweise auf sie zu. Unten, bei Vik gibt es Stichstraßen an die Felsenküste. Sie sieht aus wie überall. Der Eigentliche Knaller war die Rückfahrt nach Skögar, den Blick schweifend über in Gegenlicht liegende weite Täler, und über den Bergen die Gletscherkappen, weißer strahlend als irgendwas in der Welt. Wir waren hinterher so groggy, dass wir am örtlichen Wasserfall, noch in Goretex, einen Absacker einnehmen mussten.


Freitag, 27. Juni 2014

Tag und Nacht



Das Gefühl war seltsam, eben noch im Sommermärchen in der Weidenallee zu sitzen, dann, ein paar unbequeme Airbusstunden später in maximaler Trübnis aber um zwei Uhr Nachts durch ein Reykjaviker Wohngebiet zu stapfen. Am Freitag war dann alles klar. Schwitzend waren wir durch die halbe Stadt gelaufen, haben am Hafen die Vanvans abgeholt, und fuhren erst mal vor ein Cafe vor. Der Kaffee war besserr als Spanien und Portugal zusammen. Langsam realsierten wir, das wir da waren. Dann rollten wir auf Vierspurigen durch Isländische Normalität. Sie hört gleich hinter Mosfell auf. Und auf dem Weg nach Þingvellir sah es schon in etwa so aus wie in den Arte Dokus. Am Aussichtspunkt stauten sich die Reisebusse. Wir flüchteten über eine Dirt Road auf die andere Seite des Berges. Nur, um schon mal einen Eindruck zu bekommen. Es war fantastisch, und die Kulisse aus Weite und Kahlen Bergen war wirklich echt. Dazu schien die Sonne unverschämt auf alles. Abends aßen wir Burger am Gammel Hövn, und unsere Maschinen leuchteten in der gleißenden Abendsonne, als gehörten sie hier her. In der Stadt lief die gesamte Bevölkerung dekorativ umher. Als wir auf die Uhr schauten, war es Mittenacht, und es fühlte sich an, wir ein lockerer Nachmittag.

Freitag, 13. Juni 2014

Island ganz nah

Auf die Vanvans waren sehr große Gepäckrollen geschnallt, als wir uns an einem ungemütlichen Freitagvormittag aus der Stadt heraus quälten. Endlich waren wir auf wir die B 73, immer Richtung Westen. Wir erreichten spielend die 70 Km/h, trotz scharfem Gegenwind. Voller Gleichmut brummten wir durch die grenzenlose Ödnis, unter düsteren Wolken und wunderten uns über die Autofahrer, die waghalsige Überholstunts ablieferten, fest ins Lenkrad verbissen. Die rauhe Atmosphäre hätte eigentlich nicht passender sein können. Zum Schluss waren um uns herum Containerstapel wie Wohnblocks, Kräne und eine gigantische Lagerhalle. Im inneren befand sich an der Seite eine Art Verschlag, in dem allerlei Gerümpel stand sowie zwei expeditionstaugliche GSse. Wir stellten die Vanvans dazu, ließen die Schlüssel stecken. Ein Schiff wird kommen, und alles aus dem Verschlag mitnehmen, nach Island. Wir, nun Fußgänger, saßen am Fischereihafen und bestellten Island-Rotbarsch. Dann kam ein Schauer, der keine Minute anhielt. Da war Island schon fast spürbar.
(Geschrieben in 35000 Fuß, Island rechts sichtbar am Horizont)


Montag, 9. Juni 2014

Pfingsten 3000

Samstag
Drei Tage, drei Männer, drei Maschinen. Dreißig Grad. Da Anja sich zum Schuhe kaufen in Mailand befand, befand ich mich mit Marcus und Christoph im Rückspiegel auf der B3 nach Süden. Seit geraumer Zeit lief in meinem Kopf Deep Purple's Highway Star in einer lästig werdenden Endlosschleife. In Soltau gab es endlich Bandsalat. Die Tour ging aber highwaymäßg weiter, auf den langen Geraden über Celle, und bloß an Braunschweig vorbei über Salzgitter, wo die ersten Hügel, dann im Sommerdunst das Harzmassiv erschien. Mit Hingabe ließen wir die Maschinen die schwungvoll ansteigende B4 hinaufstampfen, drehten noch eine kleine Runde auf den gelben Bergstraßen, und landeten mit dämlichen Grinsen in Zorge. Ein langes Harzdorf ohne Einwohner. Aber es gab Bier, Jägerschnitzel, ein Hotel, das sehr privat wirkte und unsere Landkarte, die die Welt bedeutete.
Sonntag
Den Pullover brauchte man nicht mal sicherheitshalber mitnehmen. Kaum waren wir aus dem kühlen, engen Tal heraus, war da nur noch brütende Hitze. Das Land südlich vom Harz, auf der Karte beängstigend langweilig, entpuppte sich gleich als feinste Hügellandschaft mit verträumten Dörfen und winkeligen Straßen. Angesichts der beiden Dual-Sports versuchte ich stets, die Orange möglichst geschmeidig um die Ecken zu segeln. Tausend Orte mit -rode, immer mal wieder ein kleine quer liegender Höhenzug, dann hinter Mühlhausen ein respektabler Anstieg auf die Ebene bei Nazza, schließlich das Werratal und der erlösende Eisbecher am Markt in Eisenach. Im Hintergrund war schon der Thüringer Wald zu sehen. Wir näherten uns von Westen und krochen bei flirrender Hitze die Berge hinauf. Erst ganz oben auf dem Inselberg wehte eine angenehme Brise, und die Bratwurst kam kompliziert aber zeitnah auf den Tisch. Ich drehte noch eine Runde, um mir den Thüringer Wald genauer anzusehen. Es ist ein stark bewaldeter Berg. Bei der Rückfahrt zum Harz hatte sich am Horizont ein mächtiger Amboss gebildet. Mit weichen Knien kurvten wir an seiner Ostflanke entlang. Als wir dann in Bad Sachsa beim tiefer gelegten Bifteki saßen, hatte er sich aufgelöst, offenbar in Wohlgefallen. Wir gaben noch einmal Gas, um bloß in Zorge noch rechtzeitig einen Absacker zu bekommen. 
Montag
Christoph hatte seine Reise nach Süden fortgesetzt, Marcus und ich kurvten im Frühtau durch den Harz. Hasselfelde, Güntersberge, all die Orte flogen in gleißendem Vormittagslicht vorbei. Als der Kaffeedurst kam, waren die Harzberge längst aus dem Rückspiegel verschwunden. Stattdessen saßen wir ziemlich einsam inmitten historisch schwergewichtigem Gemäuter in Halberstadt und waren froh über jeden Schatten. Es folgten endlose Weiten, schnurgerade Geraden, bei sengender Hitze wir in Arizona. Die Etappe bis Salzwedel erlebten wir abwesend, schwitzend, ausdauernd. Der Fahrtwind kühlte erst wieder im Wendland ein wenig. Am Elbufer trennten wir uns, denn Marcus hatte eine Badestelle entdeckt. Auf meiner Suche nach einer Tanke hatte ich etwas anderes entdeckt, nämlich die verräterische graue Masse am Horizont im Westen. Ich warf meine großen Pläne über den Haufen und versuchte, unauffällig und schleunigst über Lauenburg, Geesthacht nach Hause zu kommen. Am Stadtrand klatschten die typischen, ersten dicken Tropfen, ich hechtete durch die Autoschlangen, Blitze zuckten. In der Fruchtallee wurde ich Nass, das war lachhaft, denn da war die Garage schon in Sicht.

Samstag, 31. Mai 2014

Total meerumschlungen

29.05.2014
Das Internet sagte, fahrt bloß nach Norden. Aber nicht nach Lolland, sondern macht es Euch gemütlich, bzw. ride easy, baby. Vielleicht hatte es recht, denn am Herrentag war es ungemütlich wie nie. Wir waren froh, erst mal nur die Strecke nach Zarrentin vor uns zu haben, durch die wild wuchernden Knicks über Breitefelde, Mölln und Seedorf, Ausschau haltend nach besoffenen Bollwerwagen-Chaoten. Die Currywurst am Schaalsee gefror auf dem Teller, aber im Norden war der Rand der Wolkendecke sichtbar. Als wir auf das Anwesen in Strukdorf rollten, war der Himmel lupenrein. Trotzdem behielten wir den Rest des Abends die Funktionsunterwäsche an.
30.05.2014
Der Freitag fühlte ich an wie ein Samstag, und wir brachen früh auf. Die bekannte Strecke über Ahrensbök, Eutin, Schönwalde. Das Land strahlte blitzblank unter starrer Sonne, der Ostwind hatte die Dörfer und die Straßen menschenleer gefegt wie ein Hochdruckreiniger. Ohne Pause, und ohne nachzudenken zog alles an uns vorbei, bis am Horizont das Meer auftauchte. In Laboe saßen wir zwischen dummen Touristengruppen, kauften Tickets und bestiegen schnell den Ehrenmalturm, bevor die nächsten Reisebusse anrollten. Hort hatte empfohlen, mal nach Angeln zu fahren. Dafür mussten wir noch schnell um Kiel herum, was einfach war, denn dort ist nie was los. Hinter Eckernförde gibt es ein hügeliges, verstecktes Land und kleine Dorfstraßen. Besonders reizte uns aber das westlich gelegene Mittelgebirge. Es gibt dort schwungvolle Bögen und Ausblicke wie im Sauerland. Mit etwas Fantasie. Anja fand es jedenfalls langweilig. Die restlichen Etappen über Rendsburg, Emkendorf, Nortorf genossen wir noch, danach war Strecke machen angesagt. Der Wind hatte inzwischen auf West gedreht und schob uns flott über die A20, denn den Grill um 19 Uhr in Strukdorf durften wir nicht verpassen.

31.05.2014
Viel zu spät hatten wir eine vorliegende Einladung an die Treene wahrgenommen.  Wir packten die Zahnbürste in den Rucksack und fuhren über die sagenhafte Route Berlin - Stocksee - Ascheberg nach Nordwesten. Das war genau da, wo der heftige Wind herkam, was der Tour einen neuen, rauhen Charakter verlieh. Kurz vor Breiholz saßen wir an einer Tanke und wärmten uns an einem Becher Automatencappucino. Das Stück danach, wo sich zermürbende Marschflächen mit dunklen Geestrücken abwechseln, passte gut zu den sich verdichtenden Wolkenmassen. Das Treffen war kurz, denn wir waren Fremde und die Zeit zog uns in die große Stadt zurück. Südlich von Heide war es wieder wolkenlos, und eiskalt. Das Licht stach wie ein Laser und der Wind war unnachgiebig. Glücklicherweise kam beides von achtern. Die Funktionskleidung am Limit, so segelten wir über Brunsbüttel, Glückstadt, Elmshorn, dann Autobahn, Hauptsache schnell da hin, wo es einen Herd gibt.
Ausnahmsweise mal eine Karte mit der Route: Hier

Sonntag, 25. Mai 2014

In Berlin ist immer Sommer.

Lange nicht gesehen, B5, wir hatten uns den ganzen Tag Zeit genommen. Die Erhabenheit der langen Allee, das abwesende, gleichförmige Dahingleiten, das gibt es sonst nirgends. Sie gibt Gedanken Raum, in dem man manches Problem zerlegt und umsortiert. In Lulu, beim Kaffee, wussten wir nicht, wie wir da hingekommen sind. Tausend Kilometer weiter liegt Ribbeck (Birnbaum). Wieder Pause, jetzt am Schloss, unter sonnigem Grün und Storchennest. In Berlin ist immer Sommer, und immer Wochenende. Und alles ist so fucking awesome wie man es kennt. Wir parkten die Cruiser so, dass sie nicht unter den Linden standen, und verbrachten den Abend mit unseren Lieblingsberlinern am Boxi. Tapas, Rioja, und immer wieder Benzin.

Am Sonntag durfte Thomas wieder ein Stück auf Anjas Honda fahren und führte uns durch bedeutende 30er-Zonen der Hauptstadt. Erst in Potsdam kamen wir wieder ans Licht. Dort sitzt man cool im Garage Du Pont, während ein Strom Berliner Ausflügler in Halbschuhen vorbei zieht, auf nagelneuen Harleys und zurechtgemachten Café-Racern. Die Zeit verging, und vor uns lag eine raumgreifende Route. Zunächst über die eng und ausgelaugt wirkende B1 bis Brandenburg, das mit authentischer DDR-Weitläufigkeit und monumentalen Industrieruinen brilliert. Weiter im Westen wurde es dann wahrhaft ostig. Das Land groß, der Geist klein und die Wahlplakate braun. Auf leeren Geraden ging es immer tiefer in das buschige Land, am Horizont kam die Elbebrücke bei Stendal ins Bild. Ein sattes Stück Highway nach Norden, verloren in der Ewigkeit der Altmark, und zunehmend schläfrig. Bei Seehausen bogen wir ab und waren vorübergehend wieder wach, denn die schnuckelige Landstraße durchs Wendland, im flirrenden Abendlicht, war unschlagbar, märchenhaft. Dann kam noch die elegante B216, und Hunger, aber erst in Lüneburg kam die rettende Pizza an altem Gemäuer. Die Autobahn nach Hause schafften wir noch irgendwie, aber als wir in die Garage fuhren, war im Gehirn nur noch ein Vakuum.