Beim Frühstück klarte es auf, wenig später war alles wieder in den Gepäckrollen, der letzte Reservekanister im Tank und wir auf der Hochlandpiste. Es ging stückweise mit sanften Zug über Feinschotter, meist jedoch im Slalom um die Regenlöcher herum. Dabei bloß nicht zu viel verbrauchen! Von vorne kamen in dichter werdenden Abstand SUV's, Hochlandbusse und ahnungslose Wohnmobile. Wir genossen die letzten Blicke auf die endlosen Weiten und die Gletscher am Horizont, freuten uns aber insgeheim auf den nahenden Asphalt. Am Gulfoss hatte uns die zivile Welt wieder. Wir sahen Reisegruppen, Radfahrer und GS-Fahrer, die viel vor hatten. Wir hatten viel hinter uns. So viel, dass wir am Geysir die Tankstelle das einzig Interessante fanden (endlich!). In der Nähe von Thingvellir kam eine Regenfront von rechts, die wir austricksen wollten. Erstmal bogen wir ab und gaben Vollgas. Dann kam eine Piste, die sich vor einem stattlichen Gebirge verlor. Ein gut ausgebauter, spektakulärer Pass (2. Gang!) brachte uns in die Europa-Amerika Erdspalte, dann kam ein Stück Gerade, und nach einer Kuppe tauchte am Horizont das Häusermeer Reykjaviks unter blauem Himmel auf. Es war, wie nach einer Weltreise nach Hause zu kommen.
über 20 Jahre !!!
Montag, 7. Juli 2014
Sonntag, 6. Juli 2014
F 35
Im skurrilen Hotel Blönduos hatten wir uns festgesetzt, guckten wahlweise die vom Nordpol anstürmende Brandung oder verrauschte WM-Spiele. In der Zwischenzeit zog das üble Regentief vorbei und wir bereiteten unsere Hochlandüberquerung vor. Aus Angst füllten wir noch eine Limoflasche mit Benzin voll und nahmen sie mit. Am Samstagmorgen bogen wir gut gelaunt auf die F35 ab. Sie begann harmlos wir jede Unpaved Road, oben wird es etwas gröber. Noch weiter oben folgt die Piste den Vorgaben der Landschaft, d.h. auf den gerölligen Ebenen besteht sie aus grobem Schotter. Die Vanvans fanden immer Grip, wenns drauf ankam und Anja wusste was zu tun ist: Am Gas bleiben. Die Sicht war gut und am Horizont erhoben sich blendend die beiden enormen Gletscher und dazwischen das alpinesque Kerlingergebirge. Mittendrin lag unser Bergresort, wir bezogen unsere Luxushütte und fingen an zu wandern. Der Weg zu den Blubberfeldern war aber viel zu weit, also wanderten wir zurück und nahmen die Maschinen. Es folgte eine Piste der C-Kategorie, Steigungen die mit Not im Zweiten erklommen wurden, auf Schotter wie Tennisbällen. Am Gas bleiben, um zu überleben. Zwischen den Bergen liegt eine abgefahrene, bunte Felslandschaft eines anderen Planeten, aus den Ritzen dampft und sprotzt es. Aus der grauen Masse, eben noch fotogener Hintergrund, entwickelte sich in Sekunden ein Hagelschauer, der alles unter sich begrub. Im Schritttempo, blind und tropfnass holperten und schlingerten wir die Trialpiste hinab und machten drei Kreuze, als wir lebend vor unserer Hütte standen. Zur Belohnung bestellten wir eine Isländische Fleischsuppe und eine Fischeintopf.
Samstag, 5. Juli 2014
Zivilisation
Wir verließen Myvatn mit einem lachenden und einem weinenden Auge, auf jeden Fall aber im Nieselregen und mit Ziel Blöndous. Es dauert gar nicht so lange, da ändert sich die schroffe, feindliche Vulkanebene ziemlich abrupt in eine liebliche Alpenlandschaft mit Wiesen, Wäldchen und Bauernhöfen. Das Vorhandensein von Zivilisation und der heitere Himmel am Ende des weiten Tales taten gut, das muss man schon zugeben. Zwischen Akureyri und Blöduos verläuft die 1 durch ein 80 Kilometer langes alpines Tal, durch das uns der Nordostwind katapultierte. Am Ende, Richtung Meer, hatten wir ihn dann gegen uns. Das gelang zum Teil nur im Dritten, mit knapp 60 Sachen. Mit jedem Meter zum Ozean hin wurde es ein Grad kälter. Die Gischt kam bis ans Hotelfenster. Unten waren große Ledermöbel, draußen pfiff der Wind. Seit Hamburg Airport hatten wir eine Weinflasche im Gepäck. Die war nun fällig.
Freitag, 4. Juli 2014
Odin
Der Weg nach Myvatn führte 165 Kilometer durchs Nichts. Einen guten Teil davon fuhren wir zudem durch dichten Nebel, manchmal so dicht, dass ich über jeden sichbaren Brgrenzungspfosten froh war. Es war eine sehr abstrakte Fahrt. Im sichtbaren Teil sahen wir eine Landschaft, die völlig mit sich selbst beschäftigt war. Grau, braun , zerrissen und oft wie hingerotzt liegende Lavatrümmer. Außer der fremdkörperartig auf einem Damm hineingelegten Straße konnten wir alle Stadien der natürlichen Selbstzerstörung und Wiederneuordnung beobachten, jeweils einen Augenblick in Jahrmillionen. Eine bewährte Methode sich aufzuwärmen ist, mit allem Goretexgeschlüchter einen Geröllhügel hinaufzusteigen und damit Odin noch etwas näher zu sein. Nachdem wir von einer blauhaarigen Elfe im Gasthaus (mit Sammelbad) eingecheckt wurden, fuhren wir die 50 Kilometer zum Dettifoss. Obwohl dort die Chinesen mit Reisebussen angekarrt werden, konnten wir das Naturschauspiel nur bewundern. Der Vulkankrater Krafla (dort wandern die Chinesen im Kreis) war auch gut, obwohl ich das angeschlossene Geothermalkraftwerk besser fand. Es beheizt auch die heiße Dusche, dich im abends dringend nötig hatte.
Donnerstag, 3. Juli 2014
Kaffeefahrt
Das Unwetter von Gestern Nacht war heute sogar im Fernsehen. Jetzt war alles wieder normal: Wind, wechselnde Wolken und immer wieder mal die typischen fahrigen Leichtschauer. Wir hatten eine superkurze Etappe, die uns überr das einzige Gravelstück der 1 führte. Inklusiv war eine respektable Passfahrt hinüber in ein Tal, in dem es grünte wie in Kanada. Wir checkten ein in Egilsstadir (einsilbig auszusprechen) und fuhren um einen langen See mit Ungeheuer. Die Fahrt war entspannt wie eine Kaffeefahrt. Hin eine lange, gute Piste, zurück auf der Leeseite durch Wälder durch Kurven schwingend. Wenn wir oben am Berg im Sturm durch das Islandmoos stapften, behielten wir die Helme auf und haben gelernt, die Kamera mit Handschuhen zu bedienen. Der Mann an der Rezeption wollte sich glatt für das Wetter entschuldigen, wie kommt der dazu, das ist doch nicht Disneyland.
Mittwoch, 2. Juli 2014
978 Hektopascal
Gleich hinter der Ecke bei Hövn hörte der Sprühniesel auf, und eine sensationelle Küstenstraße entlang der zerklüfteten Ostflanke Islands begann. Im Zentrum des bekannten Islandtiefs, rotierte der Wind wie wir gegen den Uhrzeiger und schob uns weiterhin satt voran. Die Szenerie an den Fjorden entsprach genau den Vorstellungen: Einsame Küstenstraße, heftiger Wind aus allen Richtungen, der Atlantik umrahmt von schneebedeckten Bergen wie alpine Dreitausender, Wolken, die über die Gipfel quellen und wie Teppiche über dem Fjord wabern. Mittendrin zwei Vanvans, die sich wacker abmühten. Es war eine Strecke, auf der das klein und langsam sein seine Stärke ausspielen konnte. Wir glotzten eine Halbzeit Belgien - USA mit Einheimischen im Grillimbis von Reidarfjördur, einer matten Hafenstadt ohne Tourismus. Dann machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel in Breiddalsvik. Die Strecke zog sich jetzt ins Endlose, der Sturm kam nun meist frontal, oder in heftigen Böen von der Seite, und hatte jetzt Regen dabei. Verloren in der drohenden Schwärze ertasteten wir unseren Weg. Das Naturerlebnis war unvergleichlich, genau wie die Erleichterung, als Endlich das Schild "Hotel Magret 1000 m" kam.
Dienstag, 1. Juli 2014
Heute kein Picknick
Heute hatten wir einen Day-Off, und endlich Regen, der in Schüben übers Meer kam. Wir waren nach Hövn unterwegs, eine Strecke, die zumindest auf der Karte ganz gut aussah. In Hovn, einem derben Fischereihafen mittem im Nordatlantik, gab es Benzin und Proviant in großer Auswahl. Wir hingen ein halbes Stündchen im Backshop rum, und als es kurz aufklarte, fuhren wir die 65 Kilometer zurück. Bei dem Wetter pendelte sich die Wohlfühlgeschwindigkeit bei 70 Sachen ein. Auf den Ebenen waren weder die Berge noch die Küste zu sehen, nur ein Horizont von vielleicht 100 Metern, unter dem sich quälend das grobe Asphaltband abrollte. Wir waren froh üner unser Luxushotel, in dem wir den Rest des Tages verbrachten und Wetter- und Landkarten studierten, die nun bedrohlich wirkten. Im Radio lief Schland-Algerien, dagegen haben wir es ja leicht, dachten wir, und genehmigten uns einen Schluck Gin-Appelsinbrause.
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