über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 8. Mai 2022

Bermuda

Anja musste erneut abgeholt werden, diesmal bei Heike in Lübeck St. Lorenz-Nord. Sie war als Selbstfahrerin da, was bedeutete, ich konnte am Samstagnachmittag entspannt die Bolt satteln und mich auf einen schönen Umweg dorthin machen. Ich wusste, es waren Schauerzellen auf dem Radar und nahm eine sichere,  maximal östliche Route über Schwarzenbek, Mölln usw.. Es kam aber der Punkt, an dem das Grau vor mir echt bedenklich aussah. Tatsächlich hatte sich über Lübeck ein Regengebiet gebildet, dass ich durchziehen ließ, indem ich vollkommen absurde Ausweichmanöver bis ganz nach Wakendorf II unternahm. Es funktionierte, aber es war albern, denn das Unwetter waren nur einzelne, unmotivierte Tropfen, wie ich später erfuhr. Ich sammelte Anja ein und wir cruisten noch beherzt (aber orientierungslos) auf unbekannten Wegen im Bermudadreieck Arfrade-Dissau-Reinsbek umher, fielen in Strukdorf ein und verbrachten einen fröhlichen Abend mit den Üblichen Verdächtigen.

Sonntag begleitete Horst uns ein Stück auf seiner NC. Die programmierte Route funktionierte perfekt, es ging bei bestem Wetter über das grünende Land Richtung Osten. Ratzeburg durchfuhren wir nur, viel besser waren die Landstraßen durch das dahinter vergessene Grenzgebiet zwischen Mölln und Kittlitz. Dass ich mich verfranst hatte, bemerkte keiner. Es war auch egal, denn Horst kannte ein spitzenmäßiges Gartencafé und bezahlte auch den Kuchen. Wir trennten uns dort, Anja und ich drehten eine weitere unfreiwillige Runde über Salem, kamen letztlich auf die unvergleichlich schön und einsam in der Spätnachmittagssonne liegenden Straße von Zarrentin über Gudow nach Büchen. Zum Abschluss gönnten wir uns noch die Deichstraße, müde und zufrieden, fast so wie damals im Sommer.



Montag, 2. Mai 2022

Halberstadt

Als Teil der Großen Strategie lag eine Besichtigung Halberstadts an. Beinahe wären wir mit der Bimmelbahn gefahren, aber das Wetter war letztlich gut genug für eine Fahrt auf der weißen Honda, mit langen Unterhosen und Heizgriffen. Auf der Autobahn nach Lüneburg verloren wir nicht viel Zeit, es folgte ein Stück B4, die wir seit Jahrzehnten meiden, die heute, am Sonntag, aber flüssig zu fahren war. Die Route führte diagonal über Wittingen, am Rande Wolfsburg entlang und es war schön, wie nach und nach die ersten Harzausläufer spürbar wurden. Das letzte Stück auf der B79 waren reiner Genuss, es war niemand unterwegs außer uns. Das setzte sich dann auch so in Halberstadt fort. Es hat ein spektakuläres Stadtbild, aber kaum einen Menschen, geschweige denn ein Café für einen Sundowner.

Sonntag war schon Montag, aber das war so geplant. Wir versuchten, großräumig alles zu umfahren. Das gelang perfekt auf einer raffiniert gelegten Route über den Huy, durch das Allertal, den Drömling, auf enorm abwechslungsreichen Landstraßen über Völpke, Köckte, Klötze, Clenze bis hoch ins Wendland. Die Sonne schien mit Wucht auf den sprießenden Frühling. Über Pudripp und Plumbohm kamen wir an die Elbuferstraße. Mit dem Privileg des Montagsfahrers nahm ich das verbotene Stück durch die Berge bei Hitzacker. Danach schaltete ich das Navi aus, und fuhr nach Hause wie seit Jahrzehnten.



Sonntag, 1. Mai 2022

Muss abgeholt werden.

Anja war die ganze Nacht in Neukoppel. Um sie abzuholen, hatte ich am Samstag gegen Mittag ihre Sachen ins Schreckliche Topcase gepackt und trieb die Honda auf der mittleren Spur die A1 entlang. Das ging sehr gut, flüssig, tat meinem Kopf gut und dauerte nicht lang. Ich fand Anja beim Buchsbaumschneiden in Telses Garten. Für mich gab es auch Arbeit in Form eines Hängemattentests. Einige Tassen Kaffee später waren wir unterwegs auf einer äußerst kleinteiligen, 'kürzesten Route' durch Stormarn. Dabei kamen wieder Verbindungswege durch die Feldmark zum Vorschein, die uns staunen ließen. Höhepunkte waren die Entdeckung des Duvenseer Moores und die mittelalterliche Katzenkopfpiste durch den Wald bei Linau. Wir kamen bei Bergedorf an den Rand der Zivilisation, gaben kurz Gas und waren zurück in unserer Welt.



Samstag, 23. April 2022

Darstellung

Am Samstag war alles auf darstellendes Cruisen ausgelegt. 17 Grad, grelles Aprillicht und mehrere Bikerevents mit Outlawschwerpunkt im Flatland des Südwestens. Für den guten Auftritt legten wir Wert auf Minimalistik: ohne Funk, Trinkflasche oder Goretex ging es los. Am Lenker der Bolt klemmte das unauffällige Beeline Device, das fiel nicht auf. Alles war unfassbar lässig, als wir die B3 entlangzogen. Aber der locker-flockige Rückenwind machte uns auch misstrauisch. Genau genommen macht er uns Angst, und zwar vor der Rückfahrt, hundert Kilometer gegenan. Ohne Funkverbindung einigten wir uns auf eine Planänderung. Wir kurvten noch eine Weile über die Geraden zwischen Soltau und Rotenburg herum, einem unbekannten und auf eine Art interessanten Gebiet, zu dem wir nie über ein ambivalentes Verhältnis hinaus kamen. Immerhin entdeckten wir in Neuenkirchen (von dem wir nicht wussten, dass es existiert) ein Weltklasse-Bauernhofcafé. Danach ging es wie von selbst nochmal über die lonesome Highways der Heide. Aber die Kälte begann zu kriechen. Und egal wie kurzhosig die Leute in der Stadt herumliefen, auf der Heimreise hatte erneut nichts mehr Kraft als sie Vision einer warmen Wanne.



Montag, 18. April 2022

Im Gehölz

Nochmal Ostern, anderes Konzept. Noch etwas wärmer angezogen nahm ich meine weiße Honda, mit Windschutz und (inzwischen reparierten) Heizgriffen. Es ging kleinstteilig nach Neukoppel. Erst ganz entspannt durch die endlose Stadt, bis Duvenstedt und andere Orte, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Das Vio lotste uns durch Knicks und Wälder, über Katzenköpfe durch die Feldmark, bis ab und zu nur noch entfernt Bekanntes auf den Wegweisern erschien. Anja folgte auf der Rebel und ich war neidisch, weil sie so gut aussah, hatte zeitweise aber ein schlechtes Gewissen wegen der üblen Wegstrecke. Aber sie hatte überhaupt nichts zu beanstanden und die Rebel auch nicht. Der befürchtete sibirische Eissturm war erst einen Kilometer vorm Ziel plötzlich spürbar. Aber bei Telse gab es eine windschattige Ecke, wo man gern hängengeblieben wäre. Zurück hatten wir den Wind im Rücken, das flog sich wie von selbst. Erst über die B75, dann suchten wir aus Angst von den Osterheimkehrern einen Hintereingang in die Stadt, wieder bei Wohldorf durchs Gehölz. Das funktionierte gut, alles blieb entspannt, und die Heizgriffe blieben den ganzen Tag aus.




Samstag, 16. April 2022

Ancruisen

Mitten im April, Ostersamstag. Lederjacke anziehen, Jeans, Jethelm. Bolt anlassen. Nach 5 Monaten ist das ein ergreifender Moment. Mit alles durchdringender Coolness bullerte ich durch die Schanze zur Jet Tanke und tankte. Ich wollte noch die Reifen aufpumpen, aber es hatte sich schon eine Warteschlange aus Lastenrädern gebildet. Die Bolt fuhr trotzdem grandios. Es musste nicht weit sein, ich wollte rollen, sonst nichts. Auf der Schnellstraße mit satten 80 Sachen nach Bergedorf, weiter bis Geesthacht und sogar Lauenburg. Die Sonne schien gleißend, der Wind zog kalt und war herrlich. Ich fuhr die Deichstraße zurück, mit kleiner Fahrt und ohne Halt. Am Ende wollte ich nur noch in die warme Wanne.

Sonntag war Anja dabei. Die Rebel und die Bolt gaben ein respekteinflößendes Bild ab. Diesmal waren es ein paar Grad mehr und wir hatten die warmen Sachen an. In Anjas Beeline hatten wir eine Route durch die Nordheide programmiert. Sie führte um die Sonne herum auf einsamen Umlaufbahnen durch die Tiefe des Raumes. Die Maschinen glitten durch den leeren Osternachmittag, hier war niemand außer uns und am Waldrand gab es einen zarten Grünschleier. In Amelinghausen dockten wir am Eiscafé an und verargumentierten eine Ausnahmeportion warmen Apfelstrudels. Auf dem Rückweg stoppten wir am Köhlbrand und schauten rüber zur Stadt. Sie war angestrahlt und leer. Alles war gut, die Dosis richtig, die Zukunft strahlend.



Sonntag, 3. April 2022

Wird nicht langweilig.

Es hätte Alternativen gegeben, an diesem spätwinterlich-sonnigem Samstag nach Strukdorf zu gelangen. Wir hatten auch alle durchdiskutiert und uns für die einzig denkbare Version entschieden. Mit warmer Funktionswäsche und beheizbaren Socken tasteten wir uns zu zweit auf der CB 500 X  Richtung Bargteheide aus der Stadt heraus. Auf dieser Route ist man maximal lange im Stadtgebiet unterwegs, kriecht mit 50 Sachen durch den Verkehr und kann sich an tausend Ampeln aufwärmen. Über Land ging es frontal gegen einen scharfen Eiswind aus Nordost an. Auf dem letzten Drittel zog die Kälte in die Knochen, aber trotzdem: das Fahren über die graubraunen Nebenstraßen zwischen Reinfeld und dem Anwesen machte Laune wie schon lange nicht mehr. Den Abend verbrachten wir mit großer Runde in Luxuslimousinen und Feinschmeckerrestaurants. Sonntagfrüh fuhr ich bei 3° nach Segeberg zum Brötchenholen, aber der Bäcker existierte nicht mehr. Später, auf der Fahrt nach Hamburg, war die Temperatur wie am Vortag, aber es kamen noch Schauer dazu. Einen sahen wir von der Ferne, beim nächsten stellten wir uns unter, und zum Schluss fuhren wir einfach durch. Es hätte alles so langweilig sein können!