über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Samstag, 3. Juni 2023

Meine Welt

Neue Reifen sind wie ein neues Leben. Und ein Tag allein mit der Bolt hat auch was. Ich putzte sie und machte mich auf den Weg nach nirgendwo. Die Route sagte schon in der App alles. Highway 3, dann Highway 71 nach Osten. Gleiten. Das Stück zwischen Soltau und Uelzen, abseits der Ballungen, in traumhafter Leere, die einen  ausfüllt, die man nur cruisend erleben kann. Die wenigen Ortschaften durchfuhr ich abwesend, beschleunigte auf der freien Strecke nach Salzwedel wieder auf den 95 Km/h-Sweetspot und genoss das Leben. Am Tank Treff kam ich mit Einheimischen in Kontakt, aber alles schien weit weg und gehörte nicht zu meiner Welt. Es ging weiter auf z.T. absurd kleinen Landsträßchen nach Norden. Lüchow, Danneberg, über die Elbbrücke nach Dömitz. In der Nachmittagssonne ging es holprig durch McPom, dann ein kurzes Stück auf der majestätischen B5, abbiegen zur schwingenden Nebenstrecke über Zarrentin, Seedorf, Ratzeburg, Kastorf, und immer so weiter. Der Endpunkt war das Anwesen in Strukdorf. Anja war bereits da, alle anderen auch. Es gab ein Bier in Leder, und alle dachten ich müsste K.O. sein. Nope. Nur ein glücklicher Mann.


Montag, 29. Mai 2023

Atmen.

Immer noch langes Wochenende, das war gut. Und wir hatten einen Plan: Ausgiebige Tour nach Tangermünde, dort Treffen mit Thomas. Wir verließen die Stadt in sonniger Morgenfrische auf der B75, cuisten durch die Heide und verloren uns bald darauf in den Weiten des Wendlands. Sonnige, ungestörte Kilometer durch endlose Wälder und grenzenlose Flächen zogen vorbei und gaben den ersehnten Raum zum Atmen. Das Gefühl steigerte sich ins Unermessliche in der Einsamkeit der Altmark. Vollendetes Highway-Cruisen wechselte sich ab mit DDR-Holperpisten. In völliger Abwesenheit von Menschen trieben wir durch Zeit und Raum. Thomas erwartete uns im Hochsommer in Tangermünde, das in den letzten Jahren ganz groß rausgekommen war. Es gab einen würdigen Abend zu dritt, mit Motorkultur am Kay, Bier unter Bäumen, Furzwurz und Küche bis nach 9. 


Der Montag begann schon kristallklar. Thomas steuerte seine Himalayan zur zur Fähre bei Grieben, wo wir uns gegenseitig fotografierten und dann trennten. Die Bolt und die Rebel kreuzten bei Gegenwind die Strecke zurück durch die Altmark. Wieder setzte das introvertierte einatmen der gesamten grünen Fläche ein, durch die sich einsame Asphaltbänder zogen. Salzwedel, Uelzen, unbekannte, traumhafte Highways voller Freiheit. Weiter im Norden, in der Heide, spürte man den Verkehr im Dunstkreis der Metropole. Das Menschengewimmel im Eiscafé Salzhausen war Overkill, nach all den gedankenverlorenen Kilometern. Der Rest der Fahrt war Routine. Wir kamen im Schanzenviertel an, die Köpfe leer und zufrieden.

Samstag, 27. Mai 2023

Heimat

Rembert meldete sich aus dem Off, genauer gesagt aus Wismar, und er war geologisch interessiert. Ich sagte im, Boltenhagen könne er vergessen, das Brodtener Ufer sei das reelle Ding, und außerdem meine Heimat, und ein historisch bedeutender Schauplatz. Samstag, kurz nach dem Frühstück trieb ich die 500X über die Autobahn. Das Timing war so bemessen, dass ich in Lübeck noch kurz an der Lohmühle Halt machte um eine Guzzi probezusitzen, Keine halbe Stunde später rollte ich am Mövensteen vor, wo Rembert just seine Slim geparkt hatte. Das geologische Ufer war total eingewachsen und kaum zu sehen, aber der Strandspaziergang war wie das Treffen alter Freunde, obwohl er zum ersten Mal hier war. Wir nahmen die Priwallfähre und fuhren zusammen bis Grevesmühlen, wo wir uns trennten. In der Zwischenzeit war Anja aktiv geworden und kam mir mit der Rebel diagonal entgegen. Ich nahm die historische Route über Rehna, Carlow, Dechow, und dann mit Tempo die Buckelpiste östlich am Schalseee entlang, was der Honda gut gefiel. Anja fand ich mit einer Kugel Schokoladeneis in Zarrentin vor. Zusammen fuhren wir auf der B195 nach Süden und konnten uns gar nicht erinnern, wir herrlich die Strecke war. Alles war herrlich, auch das Pfingsten war und es morgen richtig los ging.




Sonntag, 21. Mai 2023

Himmelfahrer:innen

Das lange Himmelfahrtswochenende war da, und jeden Tag war ein Grad weniger auf dem Radar. Am Ende trugen wir lange Unterhosen und ich saß auf der wetterfesten 500X. Aber das Wichtige war, wir waren unterwegs. Die vielen Menschen drängten sich an den Hotspots und auf der Autobahn, dazwischen lagen endlose Weiten durch die einsame Landstraßen führten. Genau da verlief unser Weg nach Hörden. Eine Neben-Nebenroute durch die Heide bis ans südliche Ende. Kurz nach Celle kam die Stelle, von der aus das erste Mal die Berge zu sehen sind. An die konnten wir uns erinnern. Nach dem Einchecken, vor der Tagesschau , gönnten wir uns noch eine leichtfüßige 80-Kilometer Sundowner-Runde in den leeren Harz. Das ging wie ein Spaziergang, unkompliziert und umwerfend gut.

Der Samstag war kühl, aber es gab auf der anderen Seite des Leinetals einen genialen Umweg über Uslar nach Einbeck. Freier, schwingender Asphalt in wucherndem Grün, Berg und Tal in perfekter Dosis. In Einbeck besuchten wir das berühmte Museum. Das war gut, denn indem wir die Jacken anbehielten, konnten wir uns effektiv wieder aufwärmen. Die Ausstellung selbst übertraf die Erwartungen. Für die Rückfahrt nahmen wir wieder den genialen Umweg, weiteten diesen noch etwas aus, und hingen auf der anderen Seite noch eine noch einsamere Runde über die wogenden Hügel des Eichsfelds in der inzwischen wiedergekehrten Abendsonne. In Hattdorf bekommt man Dönerteller, auch gut zu wissen.

Sonntag Waren wir schon etwas unruhig schon beim Frühstück, Angst vor der anrückenden Westfront und rückreisenden Autos lastete auf allem. Um zügig auf die sichere Seite zu gelangen, programmierten wir eine besonders trostlose route über Salzgitter und Peine, die aber angenehm leer war. Auf Nebennebenstraßen nach Norden durch die Heide, mit Abstand zu jeder Zivilisation und vor allem jeglichen Autobahnumleitern. Die Fahrt war schön introvertiert aber auch interessant, zum Beispiel in Wienhausen. Mit den Kilometern kam schwere Sommerhitze. Der Regen kam nicht. Autos auch nicht, nur manchmal auf dem Navi blinkte es rot. Nachmittags waren wir zu Hause, in der schläfrigen Großstadt. Ich nahm mir noch kurz die SR und fuhr durchs Industriegebiet.


Sonntag, 14. Mai 2023

Honda gegen Honda

Anja hatte sich in Portugal eine Enduro gebucht, bekam beim Anblick meiner 500 X aber kalte Füße. Ein Reality-Check würde Planungssicherheit bringen. Kurzerhand tauschten wir die Hondas, ich bekam die winzige Rebel, Anja die mächtige X, welche ihr überraschend gut stand. Aus dem Beeline kam eine Dorf-zu Dorf Route nach Norden mit vielen Kurven und wenig Verkehr. Was gut war, denn die Kurven gingen fluffig aber das Anhalten auf Zehenspitzen wirkte etwas würdelos. Als wir bei Telse beim Kaffee saßen wussten beide, das eine Stornierungsemail nach Porto unumgänglich war. Wir tauschten die Hondas zurück und nahmen sehr entspannt die Rennstrecke über Hartenholm, Kaltenkirchen, Alveslohe, die zentimetergenau zwischen 2 Schauerzellen hindurchführte. Wir fühlten uns je einen Zentner leichter.



Samstag, 13. Mai 2023

Gute Zeit

Am Samstag konnte es nur ein Thema geben: Cruisen. In der Sonne, durch die Nordheide, wie in den besten Zeiten. Gegen Mittag waren wir auf der Landstraße, machten keine Experimente, ließen die Cruiser einfach durch den leuchtenden Tag rollen. In Seevetal hielten wir beim Händler und saßen diverse neue Maschinen probe, einige waren gut. Aber die Landstraßen warn besser, egal wo das Beeline uns hinführte. Frei, allein, hellgrün. Es ging bis Soltau nach Süden, dann auf der B3 zurück bis Handeloh, wo wir das Gartencafé wiederfanden, welches jetzt ein gespeicherter Wegpunkt ist. Ich programmierte noch einen genüsslichen Schlenker über die Rosengartenstraße, Hauptsache wir kamen nicht mit der Realität in Berührung. Über das Kattwyk kamen wir in die Stadt, erfüllt von Frühling und guter Zeit.



Freitag, 12. Mai 2023

Testen, testen, testen!

Freitag, Offakamp, am Flughafen entlang, ein Stück Autobahn mit 120 Sachen. Ach, da war noch ein Gang übrig! Ich rollte auf einer dreihundertsechzig Kilo schweren BMW R18 Classic durch die sommerheiße Mittagspause. Anja begleitete mich im Rückspiegel und gab mir Live-Feedback über Funk. Sie sagte, es sieht nicht so kacke aus wie erwartet, verglich mich aber gleichzeitig mit einem Cop. Nach ein paar Kilometern hatte ich die Ramme einigermaßen im Griff und konnte mich auf das Gefühl einlassen. Ja, das Ding ist stark, aber die ersehnten Allmachtsfantasien bleiben aus, auch die Testosteronproduktion blieb unterkritisch. Es war ein schönes, gleitendes Fahrerlebnis. Testen ist wichtig. Ich brachte sie zurück, wechselte auf die Bolt, und war wieder der Outlaw, für den ich mich hielt.