über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 14. Juli 2024

Major Tom

Start. Währen der Rest der Welt mit der Planung von Nudelsalaten beschäftigt war, hatte ich mir eine verwegene Route durch die Heide programmiert. Aber als ich auf der B3 nach Süden schwebte, fand ich es schön und hielt die 500X einfach auf Kurs mit 90 Sachen. Der wichtigste Wegpunkt auf der klassischen Route ist Solschen, von hier aus sieht man erstmalig die mächtigen Harzberge. Der Rest war Routine. Rewe-Markt, auspacken, Füße hoch.

Sonntag: Völlig losgelöst durchs Eichsfeld, dann in groß angelegtem Orbit erst um Göttingen, dann um Kassel herum. Dazwischen, extra kurvige Transferbahnen über Stunden. Mal flott, mal auf einsamen Waldwegen. Ich querte die Weser, Eder, Fulda und Werra wie in einer Heimatkundelektion. Alles ohne Verkehr, ohne die geringste Störung. Dörfer wie aus dem Fallerkatalog lagen dekorativ zwischen den Hügeln. Ich fuhr mehr und mehr orientierungslos, folgte Tomtom, mit dem ich mich wortlos verstand. Er war hier in seinem Element. Nur die Burg Heiligenburg war nicht zu finden. Stattdessen eine tranceartige, einsame Fahrt über das Meißnergebirge in aufkommender Nachmittagshitze. Bad Sooden,  das Grenzgebirge zurück ins Eichsfeld, ein nicht endender Rausch. Einen Schlenker in den Harz hängte ich noch dran, weil's so schön war und Tomtom das auch gut fand.

Einen Tag hatte ich noch, und Sonne und Zeit bis um 20:01 Uhr an Gleis 8. Und etwas zu besichtigen hatte ich auch, in Halberstadt, auf der anderen Seite. Den Weg dorthin schmückte ich aus, mit überflüssigen Fahrten im Hochharz. Die neu entwickelte Heidelandschaft sah super aus in der flirrenden Mittagshitze, sie ist ein echter Gewinn. Viele Kurven später saß ich in Halberstadt am Fischmarkt und traf dort Frau L. Zurück geriet ich in den örtlichen Berufsverkehr, was bedeutete, die Gerade, die auf die Berge zuführt in einer lockeren Kolonne zu fahren. Das geht schlechter, dachte ich. Das galt auch für die elegante B243 am Südrand, auf der ich ohne störende Autos in den Spätnachmittag glitt. Endpunkt des Tages war die Göttinger Innenstadt im Hochsommer. Noch ein Alkoholfreies, dann kam der ICE.


Sonntag, 7. Juli 2024

Wiedereintritt

Wir kamen zurück in ein Land, dass man sich erst schöntrinken musste. Bzw. zurechtfahren, an den verbleibenden Urlaubstagen. Um ehrlich zu sein, das war schwerer als gedacht. Aber es gab auch Highlights. Zum Beispiel am Freitag endlich die Enfield HNTR zu testen, die gewisse Chancen auf einen Platz im Fuhrpark hatte. Wir wechselten uns ab im Speckgürtel-Dickicht des Seevetals, wobei als direkter Vergleich die SR mitfuhr. Die HNTR ist dagegen ein modernes Bike ohne Vibration. Unangestrengt rollte sie mit 100 Sachen dahin. Die SR sah hinterher noch sexier aus, und vibrierte herrlich.  

Am Samstag kam ein schöner Schwall Sommerluft, den wir mit der Rebel und der Z ganz tief in der Südheide verbrachten. Im Schatten der TrÜbPl bei Munster gab es Einsamkeit und Freiraum, mit gutem Willen so ähnlich wie auf einer normalen Bundesstraße in Schweden. Leichtfüßig schwangen wir Richtung Amelinghausen, beide wussten, dass ein Eisbecher verdient war.  Dann flüchteten wir vor einer Regenfront, die nicht kam. Abends war es noch warm und schön, und ich bollerte mit der SR durch die taumelnde Stadt. Sonnenbrille, luftiger Hoodie, eine Dreiviertelstunde heile Welt.

Sonntag fuhr man wieder mit langer Unterhose, Aber egal, wir wollten es wissen. Im Bogen ging es über Kühsen nach Norden. Eigentlich einen gute Fahrt, wären nicht die Norwegischen Fjordstraßen noch so präsent in der Erinnerung. Aus Fantasielosigkeit landeten wir mit Kaffeedurst in Lübeck. Anja organisierte telefonisch Kaffee und Kekse in Strukdorf, wo wir von Skandinavien schwärmten. Zurück ging es kreuz und quer über Schwissel. Eine gut gemeinte Tour, aber die endlosen, gleichförmigen Buschtunnel, die allgegenwärtigen Bürgerkäfige und dass alle 3 Kilometer ein Dorf kam, das nahm deprimierende Ausmaße an. Zu Hause guckten wir 600 Bilder aus Norwegen durch.



Donnerstag, 4. Juli 2024

Entscheidung beim Rührei

Alles war geplant, gebucht und gepackt. Doch am Frühstückstisch war alles anders. Statt nach Frankreich buchten wir eine Kabine auf der Color Magic und waren am nächsten Morgen in Norwegen. Während wir noch ungläubig die eigene Courage verarbeiteten, zogen schon majestätisch Flusstäler, Felsen und Fjorde am Visier vorbei. Eine Woche lang gab es nichts als entspanntes Gleiten über Traumstraßen durch die spektakulärsten Landschaften seit Entstehung des Universums. Wir nahmen uns Zeit für Fotos am Antlantikvejen, auf Fjells mit Schnee bei 25°, wir wussten wo das Vinmonopolet ist und wo es Döner gab. Wir folgten der Sonne nach Schweden, und schlossen den Traum ab bevor er zerplatze.


Alle unglaublichen Details demnächst hier bei den Reiseberichten.

Samstag, 15. Juni 2024

Die Sonne über Meckelfeld

Die endlosen Junitage ermöglichen auch die späte Tour. Am Spätnachmittag waren die letzten Regenbänder durchgezogen. Die Sonne war noch hinter Milch, aber für eine Ausfahrt zum Durchatmen müsste es reichen. Keine Experimente im Ablauf - Hafen, Stelle, Nordheide. Ich hatte Zeit bis in den späten Abend. Theoretisch. Real kroch schon in Winsen die Kälte. Im Hinterland hatte ich den Wind frontal. Die programmierte Route hatte ich längst weggeklickt, es ging nur noch darum, den rettenden Sonnenstreifen im Westen zu erreichen, was zu einer verwinkelten, improvisierten Strecke führte. Es gab schöne, frei schwingende Momente, ich sah bunte Gewerbegebiete und verprollte Vorstädte. Die Sonne stand über Meckelfeld, eisig und hart. In Hamburg versuchte ich mich im Fußballstau aufzuwärmen. Am Ende half nur eine Wolldecke und ein warmes Bier.



Sonntag, 9. Juni 2024

Europa

Samstag in Europa. Ich wählte einen Tag allein mit der Z. Im Osten war das Wetter gut, immerhin, und es gab keinen Stau. Ohne jeglichen Gedanken segelte ich über Geesthacht und Lauenburg zur Grenze. In Boizenburg, wo man normalerweise auf die  B195 abbiegt, wollte die Kawa weiter geradeaus. Vor mir öffnete sich die B5 in ihrer ganzen Pracht. Ein grünwuchernder Tunnel, durch den ein graues Band in die Ewigkeit führt. Kein Auto störte die gleitende Fahrt durch den kühlen Luftstrom. Allenfalls die abartigen Wahlplakate störten, die den Ossis wahr machen wollten, es sei ihr Land. Das war natürlich Quatsch, mir ganz allein gehörte alles wo meine Reifen rollten. Hinter Ludwigslust bog ich Richtung Dömitz ab, Wortlos und introvertiert. Zurück ging es dann tatsächlich auf der B195. Vereinzelnd kamen Bikes entgegen, grüßten und verschwanden im Nirvana. Ich schloss die Tour am Zollenspieker ab. Der Eindruck westlicher Kultur und Zivilisation wirkte erholsam.



Sonntag, 2. Juni 2024

Gestern

Der triste, milchige Dunst blieb entgegen aller Versprechungen bis weit nach Mittag. Nur McPom leuchtete auf der Wetterkarte nach wie vor sommerlich. Es musste sich noch ein Tag wie gestern herauszaubern lassen, da waren wir uns sicher. In Ahrensburg bogen wir von der Autobahn ab und folgten einer winkeligen 'Fun' Route des Beeline. Hin und her ging es durch den dichtbesiedelten Speckgürtel. Nach kurzer Zeit hatte ich sowohl die Orientierung als auch die Motivation verloren. Eine uninspirierte Dreiviertelstunde lang standen wir auf einem Parkplatz in Barkhorst, Wetterkarten studierend und immer neue Routenmodelle durchspekulierend. Währenddessen wehte der Nordwind, so dass wir schon im Stand froren. Abbruch. Es folgte noch orientierungsloses Herumgurken auf Feldwegen über Rümpel nach Oldesloe (falsche Richtung), dann eine frostig-desillusionierende Rückfahrt über Norderstedt. Was blieb, war die Erinnerung an einen Sommer von gestern.



Samstag, 1. Juni 2024

Deluxe

Große Vorfreude ging diesem Samstag mit Sonnenschein voraus. McPom war ein gutes Ziel. Dort waren wir lange nicht, und die Z sogar noch nie. Es begann auf kleinteiligen Landstraßen im Herzogtum Lauenburg von wo wir irgendwo im Gebüsch auf due B195 nach Zarrentin stießen. Ich kurvte noch etwas müde durch die engen Alleen, und wir waren uns einig, am Schaalsee müsste es eine Pause geben. Über den See blies klarer Nordwind während wir Fischbrötchen mampften. Es ging weiter auf Buckelpisten Richtung Norden, immer vorsichtig um die unübersichtlichen Ecken in überbordender Buschigkeit. Hinter Mühlen-Eichsen ging es diagonal nach Grevesmühlen, es der Endpunkt der programmierten Route. Die Sonne schien grell, während wir mit zwei Eiskugeln über den weiteren Verlauf philosophierten. Ich wollte das Meer sehen und setzte mich durch. In Brook waren wir auf eisigen Wind und Schaumkronen eingestellt. Unerklärlicherweise wehte dort nur ein laues Lüftchen. Zwei Stunden sonnten wir uns in Unterhose am unschlagbaren Pausenplatz Deluxe, als wäre es ein Sommertag vergangener Zeiten. Auch die Rückfahrt durch sonnenbrillengoldenes Abendlicht hatte durch und durch nostalgische Züge. Wir streiften Lübeck, glitten völlig autofrei und unbeschwert über Kronsforde, Kastorf auf der Nebenstrecke durch den Sommerabend. Zum Abschluss fuhren wir beim Diner im Gewerbegebiet von Barsbüttel vor. Danach war selbst die Einfahrt in die Stadt Deluxe.