über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Dienstag, 15. Juli 2025

Bürokram

Anja war abgereist, der Regen auch. Übrig blieb ein sonniger Nachmittag für mich und die Honda. Warum nicht mal was Praktisches: Die Honda gründlich waschen, dann Fahrt nach Kassel, Homeoffice Kram bei Ikea holen, und mit Überbreite durchs Hügelland zurück. Das sah als Konzept charmant aus, und das hätte auf der Autobahn auch vielleicht geklappt. Ich wollte aber die B3 über Hann Münden, die hat nämlich echte Highlights. Aber dann stauten sich die Autos, und auf dem Tomtom erschien ein Sperrsymbol. Ich drehte um und wich irgendwelche auf Nebenstraßen aus. Kurze Zeit später befand ich mich auf semi-asphaltierten Waldwegen, wo die Vögel zwitscherten. Ikea war kein Thema mehr. Ich gab mich den Serpentinen hin, die hinunter ins Wesertal führten, In Bursfelde war ein Kloster und in Fürstenberg Porzellan. Wo sich das Tal weitete, kam eine bedrohliche diffuse Masse aus Westen. Ich verlor keine Zeit und hechtete über Neuhaus Richtung Uslar. Ganz allein auf den schnittigen Straßen im Solling, etwas zu schnell, hinter mir Grau, vorne die Sonne. Da gäbe es Schlimmeres. Bürokram bei Ikea kaufen, zum Beispiel.



Montag, 7. Juli 2025

Wochenende

Um 22 Uhr Anja abholen, Göttingen Hbf.  Das stand im Kalender, und das ließ sich einrichten. Gerne nicht auf der B3, lieber linksleinisch am Hang entlang, im Sunset, der dass das gelbe Gras leuchten ließ. In Göttingen war viel los. Anja stieg vom ICE direkt auf den Rücksitz der 500X. Auf der Schnellstraße rauschten wir mit der Dämmerung ins Wochenende.

Wie so oft begann der Samstag bei Louis in Göttingen. Anja hatte sich so hartnäckig über das Schreckliche Topcase der Honda beschwert - immerhin hatte sie es beim Hinterherfahren immer vor der Nase. Jetzt bekam die 500X eine Alukiste im GS Style. Um diese unter Echtweltbedingungen zu testen, lieferte ich nicht Pizzas aus, sondern packte unseren Kram hinein und programmierte eine große Runde durchs Eichsfeld ins Navi. Dort sind praktisch alle Strecken erstklassig und zeigen die Landschaft von ihrer besten Seite. Die Honda und die Royal Enfield schwangen leichtfüßig über Berg und Tal bis an den Rand von Heiligenstadt, dann Wörbis, und zwar meist auf verwegenen Nebenstrecken und brennender Sonne. Ein entdeckter Weg herum um den Ayers Rock in Holungen wurde erst offroad und endete im Nichts. Am Horizont waren das Harzmassiv zu sehen. Dort lockten frische Temperatur, schneidige Kurven und immer wieder die unschlagbare Panoramastrecke. Vor allem aber: Zwei halbe Hahn beim Wienerwald am Torfhaus. Gibt's dort wirklich. Als Bonus gab es noch die Rennstrecke hinunter nach Bad Ground. Die Bäuche waren voll, die Tanks fast leer, der Tag war wieder perfekt und manchmal fragt man sich, wo der Haken ist.

Der Sonntag war wechselnd diesig und uneindeutig. Das ist manchmal gut, um z.B. einen Falkenhof in Bad Sachsa zu besichtigen. Dorthin könnte man auf der Schnellstraße rauschen, oder besser kurvig über Bilshausen, Gieboldeshausen, Ruhmspringe, das macht aus jedem Tag Urlaub. Im Falkenhof waren beeindruckende Eulen, Adler und natürlich Falken. Die Adler guckten grimmig, waren aber angebunden. Für die Rückfahrt berechneten wir einen krassen Nebenstreckenkurs, um vor der Regenzelle in Northeim zu sein. Das klappte, war aber unnötig. Der Regen war zum Lachen, was wir auch taten.




Donnerstag, 3. Juli 2025

Gut so.

Northeim, allein am Donnerstag. Im Hinterland von Nörten-Hardenberg gibt es eine Strecke, die ist live noch besser als auf dem Bildschirm. Ideale, weite Slalomkurven und interessanter Belag. Weiter über Bodensee, Wulften, introvertiertes Angasen auf einsamen Landstraßen. Einen Dönerteller (Huhn) mit Tsaziki in Hattdorf bestellen, dann die gleiche Tour nochmal zurück im sanften Abendlicht. So ist es gut, hier will ich sein.



Sonntag, 29. Juni 2025

Am Meer

Eine Sache gab es nur hier, im Norden: Man konnte an einem Sonntag einfach mal so ans Meer fahren. Große Teile der Stadt waren unpassierbar, aber nach 1000 Ampeln, und hundert Kilometern durch Norderstedt waren die Rebel und die Z auf freiem Feld, wo sie hingehörten. Kayhude, Bargteheide, Oldesloe. Eine durch und durch bekannte und unspektakuläre Route. Die war aber okay, denn die Maschinen konnten einfach mal laufen, bis endlich erste Seeluft in den Helm kam. Mehr wollten wir nicht. Wir nahmen die Priwallfähre in Travemünde, das war ein touristisches Highlight und außerdem sehr nostalgisch für mich. Auf dem Klützer Winkel entdeckten wir einen Strand beim Gut Schwansee. Dort sonnten sich mal keine nackten Ossis, sondern Städter mit Strohhüten. Zurück nahmen wir wie in jedem Sommer die lange Gerade bis Ratzeburg, sie führte in einen goldgelben warmen Abend und ließ den Gedanken freien Raum. Diagonal übers Land nach Hamburg zu kommen, gelang es nur mit mehrmaligem Nachschauen. In der Stadt erwartete man uns bereits, die Irren in ihren endlosen Autoschlangen nervten, und wir sehnten uns nach einen entspannten, langen Sommerabend, irgendwo wo nix los ist.



Samstag, 28. Juni 2025

In der Stadt

Ich war in Hamburg als Tourist. Was macht man da an einem Sommertag? Man quält sich von Ampel zu Ampel durch die Straßen, mit Millionen von Autos. Gut auszusehen ist wichtig, und mit der blitzblanken SR war das kein Ding. Das Gegurke ging mir trotzdem auf die Nerven, also fuhr ich raus, dorthin, wo es auf der Karte grün ist. In der Realität gibt es dort jedoch auch nichts als immer mehr Autos in dicht folgenden, gesichtslosen Vororten. Ich kam über Wedel zurück, wühlte mich nochmal durch die Stadt, überquerte die Elbe und erreichte den Apfelautomaten im Alten Land. Diese Strecke war zu lang für die SR, der Arsch tat schon weh und außerdem transportierte ich 2 Kilo Elstar im Rucksack. Ohne einmal über 70 Km/h gefahren zu sein, kam ich nach Hause und erzählte von einer erfüllten Tour. 

Abends versuchten Anja und ich es nochmal zusammen. Immerhin, gleichzeitig waren Harley Days, da sollte man den Flair von Benzin und Heißem Stahl in der ganzem Stadt spüren. Vielleicht lag es am trüben Himmel oder an der zunehmenden Wokeness, aber es brannte weder die Luft, geschweige denn Gummi. Schwamm drüber. Wir fuhren nach Hause und schalteten den Fernseher an.

An den folgenden Tagen wurde es auch ohne Harley very hot. Wieder kam die SR zum Einsatz, diesmal mitten im Sweetspot: Im T-Shirt bullerte ich mit 60 Sachen durch die Dämmerung wie durch eine warme Wolldecke. Auf der Strecke durchquerte ich zweimal das Schulterblatt, immer noch mit Sonnenbrille, das passte. So funktioniert die Stadt.



Donnerstag, 26. Juni 2025

Midsommar in Darmstadt

In sonniger Morgenfrische auf der Straße zu sein, mit Gepäck für ein Wochenende, das ist eines unser unschlagbaren Lieblingsgefühle. Tiefenentspannt ließen wir die 500X und die Himalayan auf der B27 nach Süden rollen und genossen die Aussicht vom Leinetal ins mächtige Werratal, vorbei an Eschwege an die Fulda und Bad Hersfeld. Diese Strecke war früher meist Teil einer Gewalttour von Hamburg nach Darmstadt. Darmstadt war auch heute unser Ziel, nur mit unendlich mehr Zeit, Genuss und Leichtigkeit. Es ging auf einer immer besser werden Strecke weiter über Schlitz und Lauterbach, am Vogelsberg entlang auf freien, schwingenden Straßen und durch ansehnliche Dörfer, in denen es noch einen Imbiss gibt. Am Nachmittag setzte die Mainebene dem verträumten Gleiten ein Ende. Plötzlich waren es erdrückende 30 Grad, und alles bestand nur noch aus Schnellstraßen, die Millionen von SUV's ins nahe Frankfurt pumpten. Einzig die Aussicht auf die Roof Top Reopening Midsommar Party bei Albrecht ließ uns schwitzend aber gelassen die verbleibende B45 abreiten. Die Nacht über Darmstadt war hell und warm, und der Abend mit Freunden setzte allem einen entspannten I-Punkt drauf.

Morgens durfte ich mit Albrechts Vespa 946 Brötchen holen. Ich trug Shorts, Espandrillos und T-Shirt, das passte. Auf einer Bundesstraße am Waldrand gab ich Vollgas bis ich fröstelte, das war schön. Den Rest des Tages trieben Anja und ich unsere Reiseenduros durch einen heißen Luftstrom übers Land. Wir fuhren in leichtestmöglicher Bekleidung die gleiche Strecke vom Hinweg, waren richtig eingestellt und kamen gut durch. Wenn wir einzuschlafen drohten, unternahmen wir belebende Exkursionen in kühlende Höhen, wie z.B. den Hoherodskopf oder rosafarbene Mohnplantagen am Meißner. Aufgeweicht aber noch ansprechbar erreichten wir unsere Einzimmerpfalz in Northeim. Wir öffneten eine Flasche Rotwein und schalteten den Ventilator ein.

Freitag, 20. Juni 2025

Wienerwald

Anja war da, die Himalayan stand vor der Tür und die Einkäufe waren erledigt. Die Sonne brannte auf Northeim, und am liebsten wären wir im T-Shirt losgefahren. Heute blieb die Küche kalt, wir wollten essen gehen am Torfhaus - im Wienerwald. Das ist nur ein, zwei Traumstraßen entfernt, und Tomtom hatte noch einen Bonus über Bad Lauterbach und die B27 durch die Harzberge hinzugefügt, was wir gerne annahmen. Was wir gar nicht auf dem Zettel hatten: In den Bergtälern war es kühl, und oben im Gebirge sogar arschkalt. Vor allem, wenn man nicht mal einen Pullover eingepackt hatte. Der Wienerwald wurde auf irgendwann verschoben, wir kurvten stattdessen im Sturzflug nach Osterrode und cruisten im Abendlicht zurück nach Northeim. Dort gibt es einen Inder, den probierten wir aus. Mit Pullover.