über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 24. August 2014

Boienhagen-Friedrichshain-Eimsbüttel

Am Samstag mussten wir mit den Vanvans um 11:23 Uhr in Grevesmühlen am Hauptbahnhof sein, und zwar um Thomas dort abzuholen.Wir nahmen die Route vom letzten Mal und froren uns die Füße ab, dabei war es mitten im August.  Thomas stieg aus dem Nahverkehrszug und wir fuhren nach Upahl-Boienhagen, wo Thomas seine Grüne in Empfang nahm, ohne sich die Rührung anmerken zu lassen. Nun waren wir zu dritt unterwegs und Berlin lag in weiter Ferne. Vor uns lag ganz Mecklenburg, das wir mit Geduld und Vollgas durchquerten. Nicht auf direktem Weg, sondern auf einer äußerst abwechslungsreichen Tour durch weites Hügelland, auf schmalen Pfaden um die Seen um Müritzgebiet, durch endlose Wälder und nie gesehene Orte abseits von allem. Inzwischen brannte die Sonne wie in alten Zeiten. Mancher Schauer war unmittelbar vor uns abgezogen, sodass die Straßen dampften. In Rheinsberg konnte man dekorativ vorfahren und Gulaschsuppe kommen lassen, danach war Berlin schon in Sichtweite. Oranienburg, schließlich die bedeutende B 96 bis ins Herz der Hauptstadt. Anja und ich hatten über 400 Kilometer auf der Uhr, bis spät in die Nacht gab es nur ein Thema: Benzin.

Als wir am Sonntag wir unterwegs waren, schnarchten die Berliner noch. Heute kam der Wind von vorn, so dass der Sechste Gang unerreichbar bleib. Bei Perleberg bogen wir von der B 5 am Richtung Elbe. In Sichtweite sahen wir sorgenvoll dicke Schauerzellen am weiten Horizont, aber durch ein Wunder wir flutschten immer im richtigen Moment zwischen ihnen durch. Die B 195 war leergefegt. Ein Stückchen weit wurde der Asphalt durch eine unterhaltsame Gravelroad ersetzt. Das alberne Baustellenschild beeindruckte uns nicht. Kilometer kamen und gingen, der Wind war kalt, die Wollsocken machtlos. Aber man konnte jederzeit in ein Stück Kiefernwäldchen in den Elbauen abbiegen, und sich an einer sonnigen Phase erwärmen. Nach 300 Kilometern stellten wir die Vanvans in die Garage, zufrieden und einen Gruß zum Chapter Friedrichshain schickend.

Sonntag, 10. August 2014

Freigabe

Noch während Anja ihren Geburtstagskuchen ausblies, poppte im Internet eine grüne Vanvan auf. Sie hatte das Potential, die zermürbenden Diskussion zu beenden. Von Thomas E. aus B. kam per SMS die Freigabe, das Gerät zu sichten und am besten auch gleich zu kaufen. Hektisch machten wir uns auf einen pragmatischen Weg über Bergedorf, Schwarzenbek, Ratzeburg, Gadebusch bis zu einem verstecken Dorf mit total verkorksten Hausnummern in der Nähe von Grevesmühlen.  Während ich eine leise schnurrende Probefahrt machte, ohne Nummernschild, geschweige denn Helm, kam die Sonne raus und der Deal war perfekt. Danach saßen wir beim Eis in Grevesmühlen und mussten immer wieder über die Vorstellung schmunzeln, dass wir nun drei sind und Thomas damit einen Platz im Club hat. Chapter Berlin-Friedrichshain. Die ganze Rückfahrt malten wir uns noch irre Treffen aus, während das endlosen, abgeernteten Felder Nordwestmecklenburgs und schwere, alte Alleen vorbeizogen. Es war die romantische Buckelpiste von früher: Rehna, Carlow, Klocksdorf. Weil es so schön und so sommer war, und irgendwie so genau richtig (und wir Angst vor der Gewitterfront bei Hamburg hatten, die, wie immer, gar nicht kam), zögerten wir es noch über Mustin, Salem, Zarrentin hinaus, dann die nie endende Waldstraße nach Büchen. Alles Straßen, auf denen die Vanvans schon immer flott und zu Hause waren, das hatten wir um ein Haar vergessen.

Sonntag, 3. August 2014

Heiße Luft

Katja war ja da und sollte nicht abreisen, ohne einen Kick zu bekommen von unserem zügellosen Bikerleben. Sie saß hinter mir auf der Vulcan und trug Anjas grüne Lederjacke aus alten Zeiten. Jethelm, Sonnenbrille. Die Fahrt durch die Stadt war cool, und der Hafen mit der Köhlbrandbrücke etwas, was es nur hier gibt. Man selber vergisst das schnell. Hinter Harburg tat ich so, als hätte ich einen Plan, doch in Wirklichkeit gurkte ich hilflos durch das Dickicht aus Siedlungsdörfern und Autobahnanschlüssen südlich der Stadt, mit Anja im Schlepp und der ahnungslosen Katja. Dabei war es schwülheiß und wir mussten uns unter der Süderelbbrücke in den Schatten setzen. Noch eine genüssliche Runde durch die Hafenromantik, dann ganz cool zurück in die Weidenallee, den Blick auf die Uhr. Katja nahm den Zug, und die Gewitterfront, eben noch drohend auf dem Bildschirm, verpuffte in nichts als heiße Luft.

Samstag, 2. August 2014

Strachau

Es war einer der vielen heißen Sonnabenden dieses Sommers. Während wir mit höchstens 100 Km/h auf der Autobahn nach Geesthacht dahin krochen, war eine gewisse Bettschwere nicht zu leugnen. In Lauenburg an der Tanke tankten wir nicht, sondern holten Cappuccino aus dem Automat. Er half über die nächsten Kilometer hinweg, die wir gleichmütig entlang rollten. Die Umgehungsstraße Boizenburgs, so altbekannt und doch so lange nicht gesehen. Dann die B195, deren Abzweig wir glatt verträumten und erst ein gutes Stück auf der B5 fuhren, unter Kastanien, die schon bräunlich wurden und Stoppelfelder, die heiß staubten. Zwischen Neuhaus und Dömitz, irgendwo im flirrenden Nachmittag, nahmen wir einer Eingebung folgend eine Seitenstraße. Sie führte Richtung Strachau, an einem Deich entlang hinter dem sich tatsächlich die Elbe befand (und nicht endlose Auen, das weiß man nie vorher). Auf einer Buhne fanden wir einen etwa drei Quadratmeter großer Strand. Wir breiteten unsere Decke aus und erholten uns von der beschwerlichen Reise. Immer wenn es zu heiß wurde, badete ich im Fluss. Das ging einige Stunden so. Dann fuhren weiter bis Dömitz, über die Brücke, geradeaus bis Dannenberg, und dann in einsetzender Abendstimmung die traumhafte B218 gen Westen. Anja ist von der Straße noch nicht restlos überzeugt, aber einige Abschnitte fand sie immerhin schon ganz okay. Ab Lüneburg nahmen wir die kürzlich ausgegrabene Rest-B4, kamen bei Hoopte an die Elbe und endeten wie immer in einer völlig überhitzten Stadt.

Sonntag, 27. Juli 2014

7-Gang

Wo war nochmal Westerhever? Ach ja. Jedenfalls fanden wir diesmal einen Weg, der frappierend geradlinig war, aber schöner als das Gejuckel von einem Dorf zum anderen. Stattdessen eine dieser ehrwürdigen Ehemaligen, die mal wichtig waren, lange vor der BAB, und einen schönen Verlauf haben, und ein hohes Ziel. In diesem Fall Meldorf, das Dithmarscher Oberzentrum, nachdem bei Hochdonn per Fähre der Kanal überquert war. Wir fuhren die B5 entlang, parkten dekorativ vor der Eisdiele in Heide, fuhren wieder, im lockeren Strom mit den Touristen (wir waren keine!). Zwischen zwei klar umrissenen Gewitterzellen erreichten wir Eiderstedt. In St.Peter-Ording, die paar Tropfen, das war kein Grund zum Anhalten. Mitten auf freiem Feld wurde daraus urplötzlich ein stattlicher Starkschauer. Als er vorbei war, standen wir desorientiert an einer Weggabelung jenseits der GPS-Karte und Mobilfunkzellen. Das Windrad, bislang einziger Orientierungspunkt, war verschwunden. Ohne die Radfahrerin, die alles wusste, hätten wir den Haubarg, die LG's den ganzen Anhang und vor allem das luxuriöse 7-Gänge-Menü nie gefunden.
Am Sonntag trafen wir nach dem ganzen Hazzle endlich T+A in Fr. Es dauerte nicht lange und wir bevölkerten ein auf faszinierende Weise untermotorisiertes Elektroboot, dass ich so souverän wie möglich durch enge Grachten steuerte. Der Nachmittag war ruhig, und wir nahmen die selbe Straße zurück. Anja war dankbar über die friedliche, störungsfreie Fahrt. An einem alten Rastplatz stand eine Bank mit Blick über sanfte Geest. Die Sonne war mollig wie eine Decke, wir dösten sofort ein. Weiter voran, hatten sich die Ambosse im Osten aufgelöst und nur einen leichten Weichzeichner über der im frühen Abendlicht liegenden, vom letzten Schauer blankgekärcherten Landschaft hinterlassen. An Entscheidungspunkten nahmen wir immer den Umweg. Pizza in Glückstadt, über die Dörfer nach Elmshorn, ach nö, lass uns noch über Wedel fahren, und dann die Elbchaussee. Die Schiffe bekamen effektvolle Spotbeleuchtung von schräg rechts. In die Jacke wehte die laue Brise eines Sommers, dessen jede einzelne Sekunde uns gehört.

Sonntag, 20. Juli 2014

Tourismus

Irgendwann waren alle Geschichten erzählt, alle Brötchen verspeist und vor uns lag ein strahlendes Wochenende im Urlaubsland Schleswig Holstein. Vielleicht klappt es ja diesmal mit der Düne. Von Strukdorf aus ging es entspannt auf die jedes Mal aufs Neue traumhafte Strecke Ahrensbök-Eutin-Lensahn-Oldenburg. Wir hatten alles für uns, glitten ohne Handschuhe durch einen flirrenden Nachmittag. Als wir gerade ausholen wollten zum finalen Schlag, enstand auf der Autobahn bei Heiligenhafen ein sogen. Horror-Stau. Schwitzende Leiber, Hunde und Campingstühle auf dem Standstreifen. Wir passten trotzdem noch durch und nahmen die nächste Ausfahrt. Halb studierend neugierig, halb hoffend auf eine unentdeckte Bucht, rollten wir fassungslos durch bis zum letzten Zentimeter ausgequetschte Küstenorte südlich von Großenbrode. Wir fanden eine Bucht, aber sie war winzig und das Meer bedrohlich nah. In sonntagsgeöffneten Lidlmärkten stehen junge Sachsen schlange und kaufen Grillkohle. Wir kauften eine Flasche Rioja und segelten im Abendlicht nach Neukoppel. Dort war alles, was wir brauchten: Telse und ihr Jungvolk, Webergrill, und als Krönung das Sommerfest des örtlichen MC.
Am Sonntag war immer noch Sommer und wir in Neukoppel. Wir einigten uns auf einen dritten Versuch, die Düne auf Atlantis zu erreichen. Es ging entspannt auf die jedes Mal aufs Neue traumhafte Strecke Ahrensbök-Eutin-Lensahn-Oldenburg. Ohne Halt erreichten wir die Insel, direkt vor der Düne war eine Parklücke und hinter einem Busch war der heftige Ostwind sehr angenehm. Zu einem schnellen Schlaf brauste das Meer.Wir ließen ein paar Stunden vorbeiziehen und gingen gemütlich den Rückweg an, auf einer selten befahrenen Route über Neustadt, Süsel und Pansdorf. Sie ging genau richtig und geradlinig durch reifen Weizen und strahlte den bröseligen Glanz einer ehemals bedeutenden Bundesstraße aus, die nun unter dick gewordenen Alleebäumen einwuchert. Das Beste war, sie endete wieder am Hähnchengrill in Schwartau. Die B75 nach Hamburg glitten wir im diffusen Abendlicht einer wabernden Wolkenmasse mit unklarem Ausgang entgegen. In Hamburg lag noch die zermürbende Hitze des Tages auf dem Asphalt. Die Menschen flehten um Regen, aber der Himmel schwitzte nur einzelne Tröpfchen aus. Erleichtert diagnostizierten wir die angenehme Verblödung nach so einem Tag. Geht doch.

Freitag, 18. Juli 2014

Container

Am Freitag saßen wir erst im Metronom, wanderten durch Cuxhaven und kämpften uns bis zum Samskip-Terminal durch. Ein riesiger Reachstacker kam und brachte einen braunen 20' Container. Im Inneren befand sich eine extreme KTM sowie unsere Vanvans. Der Dreck der Hochlandpiste war noch dran und wirkte deplaciert, als wir durch das lieblich-grüne Land Richtung Wischhafen brummten. Dabei war es so heiß wie in der Wüste. Ohne Handschuhe und nach vielen Pausen kamen wir in Wedel an, stürmten noch kurz das Reisebüro und schwammen im Feierabendverkehr in die kochende Stadt.
Wir diskutierten, packten Sachen hin und her, suchten Dinge und rollten schließlich, nunmehr auf den riesigen Cruisern, in der Abendsonne Richtung Strukdorf, beflügelt vom Grillduft, der war Kilometerweit riechbar.