Die Spätmärzwochenenden glänzen mit harten Sonnenstrahlen und Temperaturen knapp unterhalb der Komfortzone. Für uns öffnete sich Stück für Stück die Tür zu einem Leben, für das es sich zu leben lohnt. Die Freude führte zu geradezu alberner Anspruchslosigkeit, so dass grundöde Fahrten durch den samstäglichen Speckgürtel ein debiles Vergnügen waren, immer schön eingereiht in der trägen Kolonne der Familienkutschen. Auf den kurzen freien Abschnitten kroch die Kälte noch in die Jacke. Aber am Lüheanleger waren hunderte von unserer Sorte versammelt. Alle wollten draußen sein, on the Road, auch wenn die große Freiheit wahrscheinlich irgendwo anders war, aber das würde sich im Verlauf der Saison noch zurechtrücken.
über 20 Jahre !!!
Sonntag, 26. März 2017
Samstag, 11. März 2017
Normal
Es gab viel zu tun am Samstag, aber das Problem war der gleißende Sonnenschein und die zweistelligen Temperaturen. Ich priorisierte eine Ausfahrt mit der Bonnie ganz nach oben und wagte mich erstmals aus der Stadt hinaus. Die B4 trottete genügsam in einer Autokolonne entlang, freute mich über belanglose Landstraßen nach Pinneberg und gab einmal richtig Gas auf der Schnellstraße nach Schenefeld. In der Stadt war ich dann wieder extrem cool. Alles normal, aber nach 4 Monaten Entzug weiß man das erst richtig zu schätzen.
Samstag, 4. März 2017
Große weite Welt
Am Ende ging alles ganz schnell, der Februar war vorbei, die Bonnie hatte wieder Saison, und draußen waren 12 Grad. Vor dem Hintergrund war ein San Francisco-Jetlag total zweitrangig. Wir fuhren die Shelltanke an und sprühten den Winter von den Maschinen. Dann fuhren wir mit warmen Socken durch die Stadt wie Könige. Von Ampel zu Ampel genossen wir das Leben. Die Tour durch den Freihafen verkörperte die große, weite Welt, die uns zu Füßen lag. Sie war so groß, das wir uns den Rest aufsparten für einen endlosen Sommer.
Freitag, 24. Februar 2017
Papas Arugadas
Beim zweiten Mal ist alles anders, auch Gran Canaria. Im Sattel einer famosen Honda 500, bei arschkalten 18 Grad, kurvten wir über wolkenhohe Felsen, filmreife Passstraßen, durch riesige Täler, die eigentlich gar nicht auf diese winzige Insel passen können. Immer noch eine Felswand baute sich auf, und der Abstieg zog sich meist bis in den Abend. Im Süden ist immer Sommer, debile Touristenmassen dämmern in künstlichen Wüstenkolonien. Wir aber lebten in der Hauptstadt, dort pfoff der Wind vom Atlantik durch Häuserschluchten, und die Spanier sprachen noch spanisch. Von Norden her bricht sich die Brandung an einer rauen, ungemütlichen Küste. Dahinter zieht sich urwaldartig die Landschaft die Berge hinauf, durch die man einen satten Nachmittag von einer Serpentine zur nächsten schwingt, bis endlich ein Cafeteria in Sicht kommt, mit erlösenden Papas Arugadas. Am Ende waren aus den 18 Grad 20 geworden, die Häuserschluchten zu vertrauten Gassen und der Flug nach Hamburg eine blöde Notwendigkeit, die man am liebsten vermieden hätte.
Mehr Bilder? Hier.
Samstag, 4. Februar 2017
Netto 7°
Einmal kam ein Samstag mit frühlingshaften 7°. Pro forma fragte ich Anja, ob ich die Honda nehmen kann, da die Bonnie ja abgemeldet sei. Ich Wahrheit hatte ich den Schlüssel schon in der Tasche. Es war herrlich, die Kraft des Motors zu spüren, den Sound, die Schwere der Maschine. Für die meisten war es nur träger Verkehr, der sich durch den dunstigen Nachmittag quälte. Doch es war das ganze Glück motorisierter Freiheit. Mit der angesammelten Coolness fuhr ich beim Möbelhaus in Halstenbek vor und verbrachte eine Weile in der Trend & Style Abteilung. Zwei weitere Läden später konnte ich nicht mehr und fuhr wieder los. Wohin war eigentlich egal, vielleicht Bönningstedt. Auf dem Weg lag ein kleines Stück offene Landstraße, auf der ich kurzzeitig über 80 Km/h erreichte. Manchmal glimmte am Horizont die Sonne müde durch die Winterwolken. Sie blieb unerreichbar fern, trotzdem liebte ich sie, und die ganze Welt gleich mit. Am Netto Markt in Hasloh hielt ich an, einfach weil der oft auf dem Weg liegt, wenn man von einer langen Tour zurückkommt und man noch schnell Grillfleisch holt, an einem warmen, summenden Sommerabend, an dem die Dämmerung sich ins Endlose zieht.
Sonntag, 27. November 2016
Volldampf
Advent, Advent, die Sonne scheint hart und eisig auf die Stadt. Unten wuselten wir zu zweit auf der verbleibenden Vanvan durch die Gassen St. Paulis. Einen Abstecher zum Fischereihafen, durch die trägen Spaziergängertrauben am Baumwall, im Strom der Sonntagsfahrer entlang der Ost-West-Straße. Bei 50 Sachen war es angenehm und trotz Wollsocken kam jede rote Ampel ganz gelegen. Am Brandshof hingen wir eine knappe Stunde herum zwischen Brezelkäfern und enormen Cadillacs an der Nostalgietankstelle. Davon angefixt wollte Anja wollte nun Dampf sehen. Da keine Dampflok greifbar war, fuhren wir durch den Hafen zum Kraftwerk Moorburg, das dampfte wie ein Weltmeister. Dort draußen schien zwar auch die Sonne, aber auf den langen Etappen, kroch die Kälte tief in die Knochen. Vollgas durch den warmen Elbtunnel und von dort direkt in die Badewanne, lange bevor es dunkel war.
Sonntag, 30. Oktober 2016
Timebox
Der Himmel stimmte überhaupt nicht mit dem Wetterbildschirm überein. Statt grauer Decke: Sonne und immerhin 12 Grad. Kurzentschlossen schmissen wir den faulen Sonntag hin und machten wir uns auf dem Weg. Nichts Großes, Hauptsache ein Bild mit gelbem Baum ist dabei. Ich weiß durch ausgedehnte Forschungen, dass es in der Stadt in Wirklichkeit am gelbsten ist. Es folgte eine innerstädtische Tour, die uns in gänzlich unbekannte Gegenden brachte, wie z.B. das Stadtzentrum von Fuhlsbüttel oder den Ohlsdorfer Friedhof, der ironischerweise ein schöner, lebendiger Park ist, in dem man fahren darf. Einen Draußenkaffee in Barmbek, unaufgeregtes Gleiten über Vierspurige, hinunter bis an die Elbe, die im Gegenlicht glitzerte. Als wir in die Garage zurückkamen, war es gerade mal 16 Uhr, alles fühlte sich normal an. Doch auf dem Nummernschild der Bonnie standen zwei Zahlen: 03-10. Diese Timebox war heute aufgebraucht.
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