über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Donnerstag, 3. Juli 2014

Kaffeefahrt

Das Unwetter von Gestern Nacht war heute sogar im Fernsehen. Jetzt war alles wieder normal: Wind, wechselnde Wolken und immer wieder mal die typischen fahrigen Leichtschauer. Wir hatten eine superkurze Etappe, die uns überr das einzige Gravelstück der 1 führte. Inklusiv war eine respektable Passfahrt hinüber in ein Tal, in dem es grünte wie in Kanada. Wir checkten ein in Egilsstadir (einsilbig auszusprechen) und fuhren um einen langen See mit Ungeheuer. Die Fahrt war  entspannt wie eine Kaffeefahrt. Hin eine lange, gute Piste, zurück auf der Leeseite durch Wälder durch Kurven schwingend. Wenn wir oben am Berg im Sturm durch das Islandmoos stapften, behielten wir die Helme auf und haben gelernt, die Kamera mit Handschuhen zu bedienen. Der Mann an der Rezeption wollte sich glatt für das Wetter entschuldigen, wie kommt der dazu, das ist doch nicht Disneyland.

Mittwoch, 2. Juli 2014

978 Hektopascal

Gleich hinter der Ecke bei Hövn hörte der Sprühniesel auf, und eine sensationelle Küstenstraße entlang der zerklüfteten Ostflanke Islands begann. Im Zentrum des bekannten Islandtiefs, rotierte der Wind wie wir gegen den Uhrzeiger und schob uns weiterhin satt voran. Die Szenerie an den Fjorden entsprach genau den Vorstellungen: Einsame Küstenstraße, heftiger Wind aus allen Richtungen, der Atlantik umrahmt von schneebedeckten Bergen wie alpine Dreitausender, Wolken, die über die Gipfel quellen und wie Teppiche über dem Fjord wabern. Mittendrin zwei Vanvans, die sich wacker abmühten. Es war eine Strecke, auf der das klein und langsam sein seine Stärke ausspielen konnte. Wir glotzten eine Halbzeit Belgien - USA mit Einheimischen im Grillimbis von Reidarfjördur, einer matten Hafenstadt ohne Tourismus. Dann machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel in Breiddalsvik. Die Strecke zog sich jetzt ins Endlose, der Sturm kam nun meist frontal, oder in heftigen Böen von der Seite, und hatte jetzt Regen dabei. Verloren in der drohenden Schwärze ertasteten wir unseren Weg. Das Naturerlebnis war unvergleichlich, genau wie die Erleichterung, als Endlich das Schild "Hotel Magret 1000 m" kam.

Dienstag, 1. Juli 2014

Heute kein Picknick

Heute hatten wir einen Day-Off, und endlich Regen, der in Schüben übers Meer kam. Wir waren nach Hövn unterwegs, eine Strecke, die zumindest auf der Karte ganz gut aussah. In Hovn, einem derben Fischereihafen mittem im Nordatlantik, gab es Benzin und Proviant in großer Auswahl. Wir hingen ein halbes Stündchen im Backshop rum, und als es kurz aufklarte, fuhren wir die 65 Kilometer zurück. Bei dem Wetter pendelte sich die Wohlfühlgeschwindigkeit bei 70 Sachen ein. Auf den Ebenen waren weder die Berge noch die Küste zu sehen, nur ein Horizont von vielleicht 100 Metern, unter dem sich quälend das grobe Asphaltband abrollte. Wir waren froh üner unser Luxushotel, in dem wir den Rest des Tages verbrachten und Wetter- und Landkarten studierten, die nun bedrohlich wirkten. Im Radio lief Schland-Algerien, dagegen haben wir es ja leicht, dachten wir, und genehmigten uns einen Schluck Gin-Appelsinbrause.

Montag, 30. Juni 2014

Science-Fiction

Hinterm Hotel Edda steigt das Gelände an und sieht aus wie Österreich. Vorne war eine Ebene wie Dittmarschen. Auf der Fahrt folgten in 50-Km Etappen erst Lupinenfelder, dann gelbe Lavamasse, und schließlich eine die ganze Welt umspannende schwarze Sandfläche. Die Straße führte verschwindend durch die Endlosigkeit, und wir waren winzig wie Amöben. Wieder hatten wir Rückenwind, und wieder war das Wetter unangemessen lieblich für diese Science-Fiction-Landchaft. Die Vanvans brummten mit monotonen 80 Sachen durch den Tag. Zur Linken ragten mal grüne, mal zackig-schroffe Berge in den Himmel, rechts war immer das Meer. Von der Tanke aus, die genauso irgendwo in Alaska den sozialen Mittelpunkt abgeben könnte, waren in 30 Kilometer Entfernung die Gletscherzungen sichtbar. Aus der Nähe sahen sie aus wie die übertriebenen Gemälde im Souvenirshop . Der Gletschersee übertraf aber alles je erwartete. Wir checkten im Hali Luxushotel ein, packten den Gaskocher und die Tütensuppe ein und fuhren nochmal raus, zu der Stelle mit dem Blick auf den Vatnajjökul. Die Sonne verdampfte in den Eismassen, aber dunkel wurde es die ganze Nacht nicht.



Samstag, 28. Juni 2014

Millimeter

Wir genossen noch einmal die Zivilisation, dann bogen wir auf die 42 ab, die die letzten in Lava gemeißelten Gewerbegebiete hinter sich ließ und sich gleich in eine gepflegte Dirt Road verwandelte. Es ging an einem schwarzen Bergsee vorbei, und an den Steigungen hoppelte man im Zweiten über Wellblech. Am ende der Piste war das Land zu Ende und vor uns lag der Ozean. Links ging es viele endlose Kilometer durch perfekte Ödnis. Der Wind kam von hinten und legte eine willkommene Schippe Hubraum drauf. In Selafoss traf sich die Welt an der Tanke. Weit war es von hier nicht mehr, so dass wir noch einen Abstecher machten, auf eine Landzunge, wo es noch leerer war. Am Horizont waren die leuchtenden Gletschergipfel zu sehen. wir krochen millimeterweise auf sie zu. Unten, bei Vik gibt es Stichstraßen an die Felsenküste. Sie sieht aus wie überall. Der Eigentliche Knaller war die Rückfahrt nach Skögar, den Blick schweifend über in Gegenlicht liegende weite Täler, und über den Bergen die Gletscherkappen, weißer strahlend als irgendwas in der Welt. Wir waren hinterher so groggy, dass wir am örtlichen Wasserfall, noch in Goretex, einen Absacker einnehmen mussten.


Freitag, 27. Juni 2014

Tag und Nacht



Das Gefühl war seltsam, eben noch im Sommermärchen in der Weidenallee zu sitzen, dann, ein paar unbequeme Airbusstunden später in maximaler Trübnis aber um zwei Uhr Nachts durch ein Reykjaviker Wohngebiet zu stapfen. Am Freitag war dann alles klar. Schwitzend waren wir durch die halbe Stadt gelaufen, haben am Hafen die Vanvans abgeholt, und fuhren erst mal vor ein Cafe vor. Der Kaffee war besserr als Spanien und Portugal zusammen. Langsam realsierten wir, das wir da waren. Dann rollten wir auf Vierspurigen durch Isländische Normalität. Sie hört gleich hinter Mosfell auf. Und auf dem Weg nach Þingvellir sah es schon in etwa so aus wie in den Arte Dokus. Am Aussichtspunkt stauten sich die Reisebusse. Wir flüchteten über eine Dirt Road auf die andere Seite des Berges. Nur, um schon mal einen Eindruck zu bekommen. Es war fantastisch, und die Kulisse aus Weite und Kahlen Bergen war wirklich echt. Dazu schien die Sonne unverschämt auf alles. Abends aßen wir Burger am Gammel Hövn, und unsere Maschinen leuchteten in der gleißenden Abendsonne, als gehörten sie hier her. In der Stadt lief die gesamte Bevölkerung dekorativ umher. Als wir auf die Uhr schauten, war es Mittenacht, und es fühlte sich an, wir ein lockerer Nachmittag.

Freitag, 13. Juni 2014

Island ganz nah

Auf die Vanvans waren sehr große Gepäckrollen geschnallt, als wir uns an einem ungemütlichen Freitagvormittag aus der Stadt heraus quälten. Endlich waren wir auf wir die B 73, immer Richtung Westen. Wir erreichten spielend die 70 Km/h, trotz scharfem Gegenwind. Voller Gleichmut brummten wir durch die grenzenlose Ödnis, unter düsteren Wolken und wunderten uns über die Autofahrer, die waghalsige Überholstunts ablieferten, fest ins Lenkrad verbissen. Die rauhe Atmosphäre hätte eigentlich nicht passender sein können. Zum Schluss waren um uns herum Containerstapel wie Wohnblocks, Kräne und eine gigantische Lagerhalle. Im inneren befand sich an der Seite eine Art Verschlag, in dem allerlei Gerümpel stand sowie zwei expeditionstaugliche GSse. Wir stellten die Vanvans dazu, ließen die Schlüssel stecken. Ein Schiff wird kommen, und alles aus dem Verschlag mitnehmen, nach Island. Wir, nun Fußgänger, saßen am Fischereihafen und bestellten Island-Rotbarsch. Dann kam ein Schauer, der keine Minute anhielt. Da war Island schon fast spürbar.
(Geschrieben in 35000 Fuß, Island rechts sichtbar am Horizont)