Es hätte ein schöner Sonntag sein können. Sonne pur, weites Land, freie Straßen. Anja war vorgefahren nach Reinfeld, zum Brunch ohne Männer. Ich holte sie ab und wir machten einen riesigen Schlag bis nach McPom hinein. Das Problem waren die Ereignisse in der Schanze der vergangenen Tage, denn die füllten unsere Köpfe mit Gewaltphantasien, die dort nie und nimmer hingehören, so dass die schönen Eindrücke einfach nicht durchkamen. In der Folge sahen wir in jedem und allem, was uns am Wegesrand begegnete nur das Schlimmste, Dümmste, Atzendste. Am ehesten entspannend war dann das einsame Stück von Grevesmühlen nach Dassau, und auch die Rückfahrt in den Abend war nicht übel. Am Ende waren über 300 Kilometer zusammengekommen ohne die alles wohl noch ätzender gewesen wäre.
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Sonntag, 9. Juli 2017
Sonntag, 2. Juli 2017
Harmonie
Sonntag, Anfang Juli hatte alles ein Ende. Der Dauerregen der letzten Tage, vor allem aber das Einpacken, Auspacken, Räumen, Entsorgen und die monatelangen Exceltabellen. Alles war abgehakt und neu, und nun war da nur noch die Bonnie, eine freie Auswahl an Landstraßen und sonst gar nix. Ich ließ mich auf der B4 durch den Nachmittag treiben, über Kaltenkirchen, in Schräglage nach Hasenmoor und auf der 206 gedankenlos bis Segeberg. Die Fahrt war unbeschwert, ruhig und vollkommen harmonisch. Kühler Fahrtwind blies den letzten Baustaub aus dem Gehirn und machte die Atmosphäre spürbar, real, was ich sehr genoss. Von Segeberg aus gibt es eine wunderschöne Landstraße nach Oldesloe, sie führt kurvig durch hügeliges Land, dass sich nach dem Unwetter auch gerade selbst neu erfand. Ich schloss den Bogen über Pölitz, Lasbek, Ahrensburg, und rollte dann tiefenentspannt in die Stadt. Um mich waren nur Bekloppte, und mir machte nichts etwas aus, denn es war in Ordnung, alles.
Sonntag, 18. Juni 2017
Benzin und Zeit
Ein Sonntag ganz für mich, man kann das auch positiv sehen. Ich rollte auf der Autobahn nach Nordwesten, will die Wetter-App das gesagt hat. Ab Elmshorn eigentlich über Land Richtung Itzehoe. Da waren zig Umleitungen, und die führten zugegebenermaßen ganz interessant auf unbekannten Strecken abwechselnd durch die Marschebenen und Geesthügel. Ich fand die viel zu selten gefahrene Straße über Hochdonn nach Meldorf, fuhr ein Stück die B5 hoch, bog aber bei Heide wieder ins Landesinnere ab. Das allein wäre schon eine satte Tour, aber da ich nichts hatte außer Benzin und Zeit, nahm ich, wiederum raffiniert umgeleitet, den Weg nach Rendsburg. Es war ein Hochsommertag und es war einfach ein Genuss, allein durch das Land zu Gleiten, während der Kopf sich im interstellaren Raum befand. Von Rendsburg aus gibt es eine Landstraße nach Emkendorf. Sie führt weiter durch ein Mittelgebirge bis Rumohr und ist sensationell schön. Ich würde Eintritt zahlen für diese Straße. Es ging endlos so weiter, bis Ascheberg bei Plön. Ich wusste, dass in Ostholstein Sonntags die Supermärkte auf haben, wegen der Touristen. Dort lud ich Würste und Kartoffelsalat in den Rucksack, genoss noch einen Tiefen Zug der Seeumfahrung Dersau, Stocksee, Klein Rönnau. Von Segeberg aus war alles egal. Ich hatte Grillgut, bekam Sonnenbrand und hatte zweimal getankt. So ist es gut.
Samstag, 17. Juni 2017
Der Grieche
Den ganzen Tag hatte ich Kartons gepackt und Möbel gewuchtet. Nun war ich ausgehungert. Mit Anja konnte ich nicht rechnen, sie war nach Darmstadt abgehauen. Das Gute war, die Mittsommersonne scheint bis tief in den Abend, also nahm ich die Bonnie und begab mich auf die Suche nach was Essbarem. Harburg am Abend, immer wieder interessant, wir reinkopiert aus dem Ruhrpott. Ich hätte auch einen Döner genommen, wenn da einer gewesen wäre. Komische Umleitungen durch das zersiedelte Vorland, tote Dörfer, nix. Weiter. Winsen an der Luhe. Ja, es hat ein Stadtzentrum, aber das war mir unheimlich. Rückenwind trieb mich schwerelos immer weiter, und Lüneburg kündigte sich mit grellen Gewerbegebieten an. Im Augenwinkel sah ich ein Griechisches Restaurant. Vorfahren, einmal Gyros. Lecker. Keinen Ouzo. Dafür eine traumhafte Rückfahrt über Geesthacht und die Deichstraße im stechenden Gegenlicht mit fast leerem Tank zurück in die brodelnde Stadt. Ich holte mir einen Griechischen Joghurt mit Honig vom Rewe und legte die Füße hoch.
Sonntag, 11. Juni 2017
Her mit den Abenteuern.
Irgendwie sprang der Funke nicht über. Und das, obwohl wir bei bestem Sommerwetter unterwegs waren, mit gepackter Strandtasche und Fernziel Atlantis. Die Kilometer spulten hell und ereignislos ab, sie waren vertraut aber es fehlte wie gesagt der Funke. Am Petersberg hinter Schönwalde wurden wir realistisch: Wenn wir bis Wenkendorf durchführen und dennoch vor dem Gewitter wieder zu Hause sein wollten, blieb rechnerisch eine Dreiviertelstunde am Strand. Schön blöd. Desillusioniert kurvten wir hinunter zu einem Ort namens Lensterstrand, von dem nie jemand je gehört hat. Dort ist man sehr auf Ordnung bedacht und maßregelt die Touristen wenn's sein muss. Immerhin, wir schauten eine Weile aufs Meer, es dümpelte vor sich hin wie immer. Wir nahmen die selbe Strecke zurück, über Eutin und durch die flirrenden Wälder. Inzwischen hatten wir genug Mut, in Neukoppel unangemeldet vorzufahren und Telse um einen Kaffee zu bitten. Wir bekamen zu allem Überfluss Erdbeeren. Jetzt noch kurz in Strukdorf was abgeben, ach nein, lieber durchfahren, denn es quoll bedrohlich am Himmel. Das Wetterradar hatte die Führung übernommen und leitete uns letztlich doch nach Strukdorf und dann in einem riesigen Bogen nach Westen. Wir saßen in Bad Bramstedt, mampften Cordon Bleu und warteten, das das Regenband hinwegzog. Das tat es erst, als wir wieder auf der B4 waren. Leichter Regen bis nach Hause, zu albern um sich unterzustellen. Das verlieh dem Tag am Ende doch etwas abenteuerliches.
Montag, 5. Juni 2017
Me, myself und Holstein.
Montag war, wegen Pfingsten, nochmal Sonntag, nochmal allein. Und diesmal stimmte alles, um schon am Vormittag auf der Straße zu sein. Mein alleiniges Ziel war grob gefasst: Die Ostsee. Wenn man alleine fährt, macht man Strecke. Ich fuhr einen großen Bogen durchs Lauenburgische über Kühsen und musste in Ratzeburg wegen Koffeinmangel halten. Ohnmächtig fuhr ich beim dortigen Bikertreff vor, obwohl wir den ansonsten großräumig meiden. Ein Eis, einen Kaffee im stehen, weiter. Ich durchfuhr Lübeck, dann Schwartau, und dann die Dorfstrecke durchs wuchernde Dickicht über Warnsdorf nach Travemünde. Am Strand am Brodtener Ufer rollte ich keineswegs mein Handtuch aus, sondern rauchte eine und fuhr gleich wieder weiter. Es war noch nicht mal richtig Nachmittag, daher nahm ich mir Zeit und fuhr die Bäderstraße entlang. Sie führte durch unsagbar verstopfte Bäder, wobei inzwischen die Trauben von Leifahrradfahren das Hauptproblem sind. Ein Stück im Inland war es herrlich, ich rollte einfach immer weiter durch das wellige Land, und erst am Selenter See kehrte ich zögernd um. Eine völlig unbekannte Verbindung nach Plön tauchte auf, eine verschrobene Allee wie aus einem anderen Film. Von Plön aus ging es gekonnt über Dersau um den See herum nach Berlin und dann, durch unbekannte Kräfte angezogen, direkt zum Hähnchen-Eck nach Bad Schwartau. Das schmeckte auch allein. Es war immer noch unendlich viel Tag übrig, aber ich rauschte die abendliche B75 durch alle denkbaren Grüntöne nach Hause. Mit 330 Km auf der Uhr trank ich, noch in Leder, ein Alkoholfreies. War kurz davor nochmal los zu fahren, aber jetzt reichte es.
Sonntag, 4. Juni 2017
Einsam und Alleen
Über Pfingsten war Anja nach Dublin abgehauen und ich saß allein zu Hause, wartend auf den Abzug eines Regenbandes. Es dauerte bis Sonntagnachmittag, und selbst dann war es noch ratsam in die untere linke Ecke des Bildschirms zu fahren, wo es klar war. Leider war dies das Gebiet um Stade und Bremervörde herum. Jeder weiß, wie reizarm die Gegend ist. Dennoch: Die völlige Einsamkeit auf den Birkenalleen unter endlosem Himmel, die seltsam saubergefegten, langgestreckten Veendörfer und nicht zuletzt die ganzen unterschiedlichen Grüntöne, das waren Sachen für dich man halt auf diese Weise mal, ganz für sich allein, einen Blick hatte. Mit den Kilometern kann der Hunger und ich arbeitete mich zum Lüheanleger vor, da sind die Biker, heute meine Kumpels. Letzlich mampfte ich meine Wurst allein, war wie gehabt doch eher darauf bedacht, unansprechbar zu bleiben. Abends kam ich durch die Schanze zurück, da waren viele Menschen, die waren aber Fußgänger, die hatten mir erst recht nichts zu sagen.
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