über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Donnerstag, 12. September 2019

Schönen Feierabend.

Ist noch Sommer. Kurzerhand plante ich einen Dämmertörn in den Feierabend ein. Frikadelle an der Total Moorfleet, Gas geben auf dem Autobahngewürm bis Veddel, dann zwischen Güterzügen und Sunset noch eine Stunde Royal Enfield genießen. Geht.


Sonntag, 8. September 2019

Kirchturmfahrer

Sonntag war alles klar. Sonne zum Frühstück, warme Pullover, Die Mash und die SR vergnügt auf der Landstraße im Süden unterwegs. Die Fahrt fluffig und leicht, es ging über Fliegenberg Richtung Heide. Als wir das zweite mal aufs Display schauten, waren überall Schauerzellen. In der Folge trauten wir uns nicht mal bis Amelinghausen. Wir gurkten stattdessen nach Geesthacht, und dann etwas unbeholfen auf der anderen Seite zurück in die rettende Stadt. Wie die Kirchturmfahrer. Andere wären vielleicht um die halbe Welt gefahren, wir setzen Kaffee auf.

Samstag, 7. September 2019

Adventure-Mode

Die Diskussion führte zu nichts. Der Tag war ungeeignet für eine gemütliche Butterfahrt in die Heide. Am besten war, ich ziehe eine lange Unterhose drunter und fahre im Adventure-Mode nach Friesland, allein. Die Himalayan stampfte durch monotone Kulisse gegen den Wind im Niemandsland hinter Buxtehude an. Eine Fahrt ohne Stopps, zügig, introvertiert und frei. Ab Bremervörde war ich dem Vio ausgeliefert. Es ging über herrlich zweitklassige Landstraßen an immer unbedeutenderen, einheitlichen Dörfern vorbei, bis schließlich die Weser vor mir lag. Lang gestreckt und grau, dahinter das Ende der Welt. Drüben schloss ich mich ein Stück weit einer Bikergruppe an, die dasselbe Ziel hatten (bis die Ural liegenblieb). Ich ließ sie Enfield laufen, durch das unwirklich flache und leere Land bis schließlich das Festivalgelände in Nethen ins Bild kam. Anderthalb Stunden war es ein ganz kleines bisschen wie in Biarritz. Bikes, Benzin, Bier (alkoholfrei). Alles recht entspannt, und ich mittendrin.
Ich musste los, bevor die Schauer kamen. Zuerst dachte ich das war Fake. Ein paar Kilometer später schob ich eine schwarze Regenfront vor mir her, auf den Straßen stand das Wasser. An einer Tanke wartete ich einen Cappuccino lang und fasste Mut. Dann geschah ein meteorologisches Wunder und ich kam irgendwie, diesmal einfach den Schildern folgend, am Südrand eines supermassiven Schwarzen Lochs die ganze Strecke über Horneburg bis nach Hause, ohne nass zu werden. Nur die rechte Socke hatte Wasser gezogen, who cares.

Sonntag, 1. September 2019

McCormick

Noch ein 30-Grad Wochenende kam, vielleicht das letzte. Von unzähligen Optionen blieb am Ende die einzig wahre übrig: Strandsachen aufschnallen und ab an die Ostsee. Die SR und die Mash quälten sich in Altona durch die ätzenden Autoschlangen zur B4 nach Norden. Das war ein natürlich unsinniger Umweg, aber die Quere von Alveslohe über Wakendorf II nach Nahe war gar nicht übel. Inzwischen war klar, dass uns nur die Autobahn 20 ab Segeberg noch heute ans Meer bringen konnte. Nach dem zermürbenden Kolonnenfahren war es befreiend, mit 110 Sachen über die leere Bahn zu brummen. Strukdorf flog unwissend vorbei, Lübeck, und bald kam Schönberg in Sicht. Dort probierten wir ein neues Café aus, und dann kam endlich die vertraute Seefrische auf den letzten Kilometern. Einen Badegang später fuhren wir durch flirrende Alleen über Schlutup nach Lübeck und ohne Halt durch bis Strukdorf. Wir konnten es nicht erwarten, Horsts neuen alten McCormick zu bewundern. Der war knallrot und zog alle Sympathien auf sich. Vor allem aber durfte ich eine Runde drehen und wollte nie wieder absteigen.
Der Sonntag blieb am Thema: Treckertreffen mit allem Drum und Dran in Schadehörn. Ein Dorf, nicht weit weg, aber dermaßen gut versteckt, dass wir es spiralförmig einkreisen mussten. Der Nachmittag hatte sich zugezogen, das Wetterradar gab einen kleinen, dreieckigen Aktionsraum vor, an dessen nordwestlichem Ende passenderweise Neukoppel lag. Dort besuchten wir Telse auf ihrem Anwesen, bekamen Filterkaffee, Erdbeeren und Eier von Hühnern mit Namen. Am liebsten wären wir gleich da geblieben. Unsere Klamotten waren auf 30 Grad ausgelegt, davon war auf der Rückfahrt nichts mehr übrig. Es war die schiere Lust am unbekümmerten Gasgeben, dem federleichten Schwingen um die vertrauten Kurven der B75, das tiefenentspannte Einrollen in die Stadt der Bekloppten, was uns ausfüllte, so dass wir die einkriechende Kühle erst zu Hause spürten, wenn überhaupt.

Sonntag, 25. August 2019

Alleinreisend

Es begann mit einem Experiment: Freitag um 15 Uhr Bleistift fallen lassen und abhauen. Allein, denn Anja war in Venedig. Ergebnis: Freitag machen scheinbar alle um 15 Uhr Feierabend. Sie stauen sich einfach überall in ihren Bürgerkäfigen, und zwar in abartigem Ausmaß, sogar bis weit über die Stadtgrenze hinaus, in sengender Hitze. Sie sind die Pest. Ich war auf dem Weg entlang der Elbe stromaufwärts. Ab Lüneburg lichtete es sich langsam, und ich konnte den traumhaften Sommernachmittag wahrnehmen, die Maschine gleichmäßig durch die B216 gleiten lassen. Das Land war gelb und vertrocknet, sah dabei aber einfach klasse aus im Spätnachmittagslicht. Der weitere Verlauf über Gorleben und Gartow kommt selten dran, aber für mich war es schon die letzte Etappe. Am Ende liegt Schnackenburg, die kleinste Stadt der Welt. Ich checkte ein und genoss den Abend allein mit einem Schnitzel, zwei Pils und einem umwerfenden Sonnenuntergang über den Elbauen.
Der Samstagmorgen begann gut gefrühstückt mit einer herrlichen, einsamen Fahrt durch die Altmark über Seehausen, Werben, hin zu der hinterweltlerischen Holperallee zur Gierfähre bei Räbel. Auf der Himalayan kann man die Strecke locker mit 80 Sachen bügeln. Drüben stellte ich das VIO auf "kürzeste Route" und ließ mich von Dorf zu Dorf bis Brandenburg, und weiter Richtung Beeltz leiten. Auf die Weise ist auch mal ein Betonplattenweg durch den Wald dabei, was ich genau richtig fand. Als mal kurz ein Flecken Internet auftauchte, verabredete ich mich mit Rembert. Er war bereits wach und hatte Kaffee da, aber leider kein Motorrad. Dafür hatte aber Thomas sich gemeldet und mich zum Bikercafé in Dobbrikow zitiert. Zeitgleich mit mir traf er auf der Vanvan dort ein. Wir drehten eine kurze Runde mit getauschten Maschinen, danach war ich wieder allein unterwegs im Süden von Berlin, wo es einsame Alleen gibt und zwischendurch Ausblicke in riesige Ebenen. Ich rollte auf einer ungewöhnlichen Strecke in das mächtige Berlin ein, schwamm gleichmütig im zähen Verkehr mit, und traf schwitzend und überpünktlich in Tempelhof ein, wo ich zu einer netten Garagenparty in lauer Sommernacht erwartet wurde.
Sonntag lag die B5 vor mir in der Unendlichkeit. Es ging mit Rückenwind durch den heißen Sommertag, aufgeräumt, flüssig und leicht. Die Sperrung bei Gumtow nahm ich nicht ernst, ein kleiner Ausweg durchs Gelände war kein Hindernis. Einsame Kilometer verflogen im Nachmittag, Kyritz, Perleberg, ein Eis in Ludwigslust. Die Sperrung bei Boizenburg war echt. Von der B5 war nur ein aufgewühltes Kiesbett übrig, undurchdringlich und scharf bewacht. Aber selbst die ihrerseits gesperrte Umleitung nahm ich locker, fuhr mit immer noch derselben Tankfüllung in den Abend, saß noch ein langes Alkoholfreies lang am Zollenspieker und stellte die knisternde Royal Enfield in die Garage. Zufrieden mit der Welt, als hätte ich sie umrundet.

Sonntag, 11. August 2019

Party

Anja wollte weg und hatte kurzerhand ein Zimmer in Quedlinburg gebucht. Der Freitag war auch schnell frei genommen. Es drehte sich zwar eigentlich um ihren Geburtstag, aber irgendwie hatte ich auch ein bisschen Geburtstag, denn es war die erste große Tour mit der nagelneuen Himalayan. Auf der Strecke durften keine Autobahnen vorkommen, wegen der Einfahrzeit. Das war gut, denn heraus kam eine durchweg angenehme Route im Bummeltempo vorbei an jeder störenden Zivilisation. Erst durch die Heide über Amelinghausen bis Uelzen, dann diagonal nach Südwesten durch eine ziemlich unbekannte Landschaft mit weiten Flächen und ganz ansehnlichen Dörfern. Östlich von Wolfsburg waren die Straßen voller Volkswagen und gesäumt von Neubausiedlungen. An einem Kreisverkehr blieb die Mash röchelnd stehen. Über dem Lidl-Parkplatz lag drückende Hitze, als wir deprimiert zwischen den Maschinen saßen und alles durchspekulierten. Danach sprang sie auf Knopfdruck an und fuhr ganz normal. Die Fahrt ging weiter durch großes, welliges Land, schließlich kam in schwülem Dunst die Silhouette der Harzberge in Sicht. Das Timing war gut. Nachdem wir eincheckten, ging der Tag in einen tropischen Niesel über.
Ihren Geburtstag verbrachte Anja im Sattel, wo sonst. Wir umfuhren einige der allgegenwärtigen Sperrungen und kamen auf engen, kurvigen Bergstraßen über den windigen Hauptkamm auf die andere Seite nach Stolberg. Das Eis aßen wir am Rand, im Zentrum war währenddessen ein Stadtfest mit Ost-Schlagermusik. Wo wir schon auf der Südseite waren, lagen zwei Optionen nahe: Erstens würde es in Nordhausen sicher einen Billigladen geben, wo ich mir einen Not-Pullover kaufen könnte (meinen hatte ich großkotzig im Hotel gelassen). Zweitens war Hörden nicht weit, und wenn der Zufall es wollte, könnten wir dort Heike treffen und noch einen zweiten Kaffee abstauben. Beides klappte gut. Die Rückfahrt war herrlich, mit leeren Straßen, Sonne und Wind im Rücken. Die Himalayan zog satt und geschmeidig durch die Kurven, die Mash eigentlich auch. Beim Blick auf die Uhr stieg aber eine andere, harztypische Ungewissheit auf, die man gern verdrängt: Wie bloß nachher noch was zu Essen bekommen, wo Restaurants um 21 Uhr schließen ("Essenszeit ist hier zwischen 6 und 8.")? Alles ist gut gegangen. Und gegenüber vom Griechen war sogar spät noch was los. Happy Birthday.
Sonntag fuhren wir gar nicht erst in die Berge, sondern malten uns eine besonders ausgetüftelte Route ins Navi. Ein freies, gerades Stück bis südlich von Magdeburg, den Moloch auf winzigen Nebenstraßen östlich umfahren, bis zu einer Fähre bei Rogatz. Dann der Elbe folgen bis Tangermünde. So ging es weiter durch die immer abseitiger, buschiger und knorriger werdenden Elbauen bis Wittenberge, Dömitz, Neuhaus, Boizenburg. Eine heiße, langsame Traumstrecke, die sich endlos durch den Nachmittag zog, so dass wir immer häufiger Pausen, Wasser, Frikadellen und Kaffee brauchten, um nicht am nächstbesten Baum zu landen. Die großräumigen Umleitungen bei Neuhaus und vor Lauenburg hatten letztlich wachrüttelnde Wirkung und waren außerdem echte Geheimtipps, die man sich merken muss. Am Ziel waren wir glücklich erschöpft wie nach einer ausufernden Geburtstagsparty.

Samstag, 3. August 2019

Was mit Männern

Am Samstag war CSD. also warum nicht mal was mit Männern anfangen. Ben und Marcus erwarteten mich in der Langenfelder Straße. Die SR stand zerbrechlich zwischen der historischen G/S Paris-Dakar und einer hypermodernen Africa Twin. Trotzdem durfte ich die Truppe anführen bis zur Übergabestelle. Die bewährte Hafenroute war gleich am Anfang gesperrt. Egal. Hinter Harburg ging es auf die  Rosengartenstrecke, die gab tempomäßig nicht so viel her und fühlte sich für alle okay an. Danach führte Ben. Es ging über viele Dörfer ins Hinterland von Buxtehude. Am Horizont bildete sich die einzige Gewitterzelle im Umkreis von 200 Kilometern. Die Endurofahrer hielten direkt drauf zu. Ich hielt die Schnauze. In einem Ort namens Harsefeld warteten wir auf einem Supermarktplatz noch, bis es richtig anfing zu schütten, dann nahmen wir den Rest zu Bens Waldhütte unter die Reifen. Es ging über Geröllpisten, Matschlöcher und schließlich Waldwege für Mountainbikes. Ich sagte nix. Als wir tropfend in der Luxushütte standen, kam die Sonne wieder raus. Es gab Kaffee, Kuchen und dazu meine vorletzte Schachtel Fortuna. Es wurde beschlossen, einen Bogen durchs Alte Land zu machen und per Elbefähre bei Wischhafen über zu setzen. Alle hatten vergessen, wie unsagbar öde diese Strecke ist. Immerhin, auf der anderen Seite war die Luft besser, der Blick weiter und manchmal gab es ein freies Stück zum Durchatmen. Über Quickborn kamen wir zurück, haarscharf an der sich verziehenden Gewitterfront entlang. Wir wären auch durchgefahren.