In der Theorie gab es ein Zeitfenster bis Mitte Nachmittag. Ideal zum allein Cruisen. Ohne Störungen sollte eine großzügige Highwayrunde drin sein, sagte das Beeline. So locker, dass ich am Anfang einen Zwischenstop beim Harleyfritzen in Seevetal einbaute und beinahe eine Softail Standard Probe gefahren wäre. Danach ging es gedankenverloren auf den Langen Geraden nach Süden. Je weiter desto alleiner, desto besser. Heiße Luft zog durch den Hoodie, die Bolt rollte im Fünften dahin, das hätte endlos so weiter gehen können. Wäre es auch, aber aus Westen kam mehr Suppe angeschoben als geplant. In Bergen bekam ich Angst und strich den südwestlichen Teil der Route unbemerkt weg, drehte auf die B3 nach Norden. Das ging gut, aber Regen kam nicht, bzw. verlief parallel. Die Rosengartenstraße nahm ich noch mit, dann den Hafen und ab nach Hause. Das Zeitfenster schloss sich, aber die Sonne schien noch rein.
über 20 Jahre !!!
Samstag, 15. Juli 2023
Sonntag, 9. Juli 2023
Insider
Den ersten Teil der Strecke erlebte ich träge und irgendwie verkatert. Dabei war viel Diskussion und Planung in das Vorhaben eingeflossen, gemeinsam der drohenden Gluthitze zu entfliehen, und zwar im frischen Wind der östlichen Ostsee, dem kältesten Ort der Republik. Kilometer flogen, irgendwo kam eine Pause, ein Brötchen, Klarheit. Wir kreuzten durch gelbe, heiße Felder in Mecklenburg, es ging durch Gadebusch, Mühlen-Eichsen dann nördlich ohne Verkehrsstörung nach Wismar. Dort checkten wir mitten in der Altstadt ein, ließen die Jacken zurück und fuhren über den Damm nach Poel, wobei wir versuchten auszurechnen, wann wir das letzte Mal hier waren. Jahrzehnte. Durch Insiderwissen kannte ich den Weg zu Off-Stränden, die nur Einheimische kennen. Letztere waren leicht auszumachen, unförmig und ohne Badehosen. Der Strand lag im Windschatten und war nur anderthalb Meter breit. Das Wasser war flach, aber hey, es war kühl und vor allem vorhanden! In Wismar war es lange hell, aber die Küche schließt um 21 Uhr. Osten bleibt Osten.
Sonntag probierten wir den anderen Insiderstrand aus, am Ende eines Plattenweges. Auch hier wieder nackte Ossipimmel und Hunde, aber mehr Sand, und eine angenehme Brise vom Meer. Umso massiver die Hitze, die auf der Rückfahrt über dem Land lag. Entgegen aller Erwartungen cruisten wir fast allein über die Highways auf die sengende Nachmittagssonne zu. Grevesmühlen war nicht weit, und beim Eiskaffee programmierte ich einen herrlichen Umweg durch warme Luft über Schönberg, Ratzeburg, und dann weiter in den Westen, bis Zarpen, wo wir auf die Minute pünktlich ankamen und bestens begrillt wurden. Das hätte richtig gemütlich werden können, wenn ich nicht zufällig auf dem Radar die anrückende Gewitterfront entdeckt hätte. Autobahn, das ging ganz fluffig, wir waren safe. In uns glühte der gesamte Sommer.
Sonntag, 2. Juli 2023
Gesamtkunstwerk
Rendsburg hin und zurück, das macht man nur, wenn es was zu gucken gibt. Tatsächlich ist die Nordart ein bewährtes Ziel, aber auch die Strecke, die man eher selten fährt, hat was. Es war stürmisch aus Westen, so dass ich aus Angst die 500X nahm. Anja fuhr die Rebel und blieb cool. Auf der B4, und weiter im Norden auf der Route Bad Bramstedt, Aukrug, Jevenstedt musste man aufpassen, nicht von der Allee gefegt zu werden. Am Ziel guckten wir Kunst bis zur Erschöpfung und uns war schon mulmig vor der Rückfahrt. Unnötig, die Fahrt war easy, das Licht spektakulär, und alles war ein Gesamtkunstwerk.
Sonntag, 25. Juni 2023
Sommerurlaub
Ein Sommertag war noch übrig, mit allem Drum und Dran, was wir auskosteten. Ich kickte die SR an, Anja schnallte die Strandtasche auf die Rebel. In leichter Klamotte hangelten wir uns nordöstlich aus der Stadt raus und kurvten auf Nebenstrecken über Trittau nach Mölln. Von dort ging es hinten rum über Ratzeburg nach Schönberg und schließlich den Strand von Brook. Eine klassische Route, doch es schien ewig her zu sein. Warmer Wind durchzog meinen total sicheren Hoodie, die SR bestimmte ein bummeliges Tempo am Sweetspot, was endlos Raum bot, diesen Tag zu bewundern. Ein Badegang reichte, gegen 18 Uhr machten wir uns auf den Weg Richtung Lübeck, auf einen amtlichen Döner mit Draußensitzen spekulierend. Irgendwie ergab sich das nicht, und in jedem Dorf entlang der fantastischen Strecke Kronsforde-Kastorf-Schönberg (das andere) hielten wir vergeblich Ausschau. Alles war dominiert von einem idealisierten Sommerfeeling, mit goldbraunem Sonnenbrillenlicht, Sonnencreme auf der Haut und Sand in der Unterhose. Wir kamen um 21 Uhr in Hamburg an, die Sonne stand himmelhoch über der Alster. Am Schlump hatte ein Döner auf. Wir hielten an und hatten immer noch einen kleinen Rest Urlaub.
Samstag, 24. Juni 2023
Würde und Freiheit
Die Sonne war dieselbe, aber das Land war sehr anders. Alles war weitläufig und ruhig wie noch nie. Die Rebel und die Bolt waren drahtig und leicht, und cruisende Fortbewegung war die unstrittig legitime Form, die Schönheit der Heimat zu würdigen. Auf der B195 waren wir wieder einsam unterwegs. Wir hatten Funk, aber es gab nicht viel zu besprechen. Ein heißer Nachmittag in den gelbtrockenen Elbauen zog mit 90 Sachen vorbei. Auf einer Buhne kurz vor Dömitz hielten wir ein träges Stündchen lang die Füße ins Wasser und holten uns den ersten Sonnenbrand. Es ging auf der anderen Elbseite zurück, dankbar ein paar Umleitungen folgend, immer froh wenn es durch einen kühlen Wald ging, und voller Hochhachtung vor so viel Zeit und dieser endlosen Freiheit. Müde wie die gesamte Stadt kamen wir zurück, und freuten uns schon auf morgen.
Freitag, 23. Juni 2023
Porto frei
Sonntag, 4. Juni 2023
Ein Wunder
Von Strukdorf aus ging es in vertrauter Zweisamkeit nach Norden durch Berlin. Gute, kleine Straßen in frischer, klarer Luft, mit Thermo First Layer. Die Strecke links am Plöner See entlang, über Blunk und Damsdorf begeistert auch heute noch. Wir fuhren die Beeline Strecke ab, ohne zu hinterfragen. Über eher nüchterne Bundesstraßen Richtung Westensee, wir waren etwas müde und anspruchslos und zufrieden. Von Emkendorf ging es improvisiert nach Rendsburg, weil dort bestimmt eine Tanke war. Die Wiese am Kanalufer kam uns ganz gelegen. Man konnte dort liegen, Schiffe gucken und einpennen. Die Rückfahrt nach Hamburg war ein weiter, westlicher Bogen, den Anja führte. Es waren sehr schöne, einsame Strecken durch die unbekannte Gegend um Nortorf. Stille Dörfer, lange Wälder und weiter Blick über die Marschflächen. Ganz unten, in in Hohenlockstedt war mein Handy nicht in der Tasche. Auch nicht im Rucksack. Weg. Albtraum. Panik. Nerven behalten. Rekapitulation, Retronavigation. Den Baum wiederfinden, wo ich gepinkelt hatte, 30 Kilometer zuvor. Nichts. Vielleicht die Wiese, von der aus ich fotografiert hatte. Stille. Dann: entferntes Nokia-Bimmeln aus hohem Gras. Ein Wunder. Danach schwebten wir, durch die Abendsonne auf der B4 nach Hause.

