Ein bombiges Frühlingswochenende, dazu große Pläne. Ja, Strukdorf ist der kälteste Ort der Republik, trotzdem war es richtig, Samstagmittag dort hinzunavigieren. Das Beeline nimmt immer die Route über Norderstedt, und die ist gut. Wir modifizierten sie etwas und kurvten durchs Hinterland. Es war April, und zum ersten Mal durfte wieder die Bolt fahren. Lässig und entschlossen glitt sie über das erwachende Land, Anja folgte auf der Rebel im Rückspiegel. In Strukdorf gab es Kaffee und den Schlüssel zu Götz' Triumph Street Twin, auf die ich für den Rest des Tages umstieg. Es war eine Testfahrt, und die Akzeptanzkriterien waren Aussehen, Coolness und Gleitfähigkeit. Alles wurde gut erfüllt, wobei der erste Teil der Route generell eher kleinteilig war. Von Dorf zu Dorf kreuzten wir auf nördlichen Kurs durch Ostholstein. Auf den kurzen Geraden entwickelte die Street Twin gewaltige Kräfte, meist aber bummelten wir auf Nebenstrecken durch die Knicks. Ganz oben, im Mittelgebirge kurz vor Kiel tankten wir und planten eine schöne, aber sozialverträgliche Rückfahrt. Die Triumpf wanderte zurück in Götz Garage, ein positives Testergebnis wurde dokumentiert.
über 20 Jahre !!!
Sonntag, 7. April 2024
Triumph
Sonntag, 31. März 2024
Ostern im Osten
Am Samstag kamen unverhofft 20 Grad, und wir waren mit den Hondas unterwegs nach Osten. Aus dem Großraum Berlin waren gleichzeitig Rembert und Thomas unterwegs, in Gegenrichtung, zum Treffpunkt in Wittenberge. Wir konnten uns Zeit lassen für die Nebenstrecken im Wendland und der Altmark. So viel, dass wir noch einen Umweg durch zart angrünende Winterwälder zum Arendsee anhingen. In unseren Jacken war es zu warm, die Sonne glimmte hinter in einem dicken Saharadunst, der das leere Land und die tristen Dörfer in ein endzeitlich-trübes, diffuses Licht tauchte. Große Wiedersehensfreude im Hotel Singer, dessen Parkplatz wir mit unseren Bikes belegten. Der Rest wurde beim Griechen besprochen. Gut, dass wir noch einen Absacker im Schrecklichen Topcase hatten, denn am Samstagabend ist nichts zu erwarten in Wittenberge. Sonntag fuhren alle wieder zurück in ihre Großräume. Ich hatte dem Tomtom freie Hand gelassen bei der Auswahl einer 'kurvigen Strecke' nach Hamburg. Das Ergebnis überzeugte: Vorbei an allem was entfernt nach Zivilisation aussah ging es auf fragwürdigen Nebenstrecken und Wirtschaftswegen durch immer neue, freie Landschaften und Wälder abseits der bekannten Routen. Südlich von Lüneburg war vor uns ein Regengebiet abgezogen und hatte eine kalte Sonne hinterlassen. Wir zogen die Jacken zu und gaben uns staunend dem Kreuz und Quer durch die Heide hin. Die Stadt kam in Sicht, aber eigentlich war da nichts für uns, außer vielleicht einer warmen Wanne.
Freitag, 29. März 2024
Pathos
Karfreitag, großes Kino. Ich, in Lederjacke und Jeans in der Garage. Feierlich enthüllte ich die SR, sammelte mich und gab ihr sanft einen Kick. Sie lief sofort. Einfach so, als wäre ich nie weg gewesen. Ich fuhr dann mit einem dämlichen Grinsen durch die leere Stadt, in der es gerade mal 9 Grad waren, viel zu wenig für die Lederjacke. Die SR fuhr so schnurrend wie immer, eigentlich war alles sehr normal, von Pathos keine Spur, obwohl das total angebracht gewesen wäre. Eine kleine Runde auf den Steinwerder, die Hafencity, St. Pauli. Alles war noch da. Ich auch.
Sonntag, 3. März 2024
Nur hier
Wir waren wie Butter in einem hellen Vorfrühling gelandet. Es war total naheliegend, warme Unterwäsche anzuziehen und da weiterzumachen wo wir vorgestern aufgehört hatten: Im Sattel unserer Hondas. Anjas Drang, mal wieder selbst zu fahren, war großräumig spürbar. Und es war egal, dass es nicht wie sonst gleich wieder hoch ins Felsenmeer ging, sondern nur in die Nordheide. Was zählte war das Rauschen durch den Wind. Tatsächlich konnte ich den leeren Landstraßen sogar etwas abgewinnen, was wir auf der Insel nie hatten, nämlich ein gleitendes, freies Fahrgefühl im 6. Gang. Nach einer Weile wurde der rauschende Wind frisch, im weiteren Verlauf eisig. Wir trennten uns bei Tötensen. Anja fuhr zurück in die Wärme, ich hatte die Griffe auf Stufe 2 und kurvte noch über die Rosengartenstraße zum Apfelautomat im Alten Land. Zu Hause gab es eine warme Wanne. Gibt's nur hier.
Samstag, 2. März 2024
Hin zu Kraken
Sonntag, 28. Januar 2024
Große Oper
Die Opernkarten verfallen zu lassen war keine Option, Bahnstreik hin oder her. Nach Lübeck zu kommen, dafür gab es Ende Januar ein sonniges Wochenende, 6°C, beheizte Socken und Thermounterwäsche. Und natürlich die 500X, auf der wir uns einkuschelten und gemächlich durch die Nachmittagshitze nach Norden rollten. Das Tomtom empfiehlt immer die Strecke über Norderstedt und Schwissel, und eigentlich hat es Recht. Auf dem letzten Stück fing zwar die Kälte an zu kriechen, aber das Schwingen über die kurvigen Hügel auf der Route Herrenmühle, Weeden, Geschendorf waren Weltklasse, an einem Januartag. Wir checkten in Strukdorf ein und erledigten die Oper mit dem Bus.
Am Morgen kratzte ich das Eis von der Sitzbank und fuhr mit Samthandschuhen über die reifglatte Landstraße zur Shelltanke zum Brötchenholen. Am Nachmittag war die Kälte wieder normal, und es gab eine unfassbar gute Langstrecke über Nebenstrecken. Kloster Nütschau war dabei noch das einzig Wiedererkannte, der Rest war Staunen über immer noch kleinere Feld-, Wald- und Wiesenwege bis an den Stadtrand, wo wir unter die Fahrradfahrer, Reiter, Fußgänger und sonstige Zuhausebleiber gerieten. Es wurde wieder kalt, aber die Socken heizten bis zum Schluss, und die Inszenierung dieses Tages bekam tosenden Applaus.
Sonntag, 17. Dezember 2023
Nicht Advent Advent
Auf dem Kalender war Weihnachten längst in Sicht, aber auf der Vorhersage stand schon seit Tagen ein einzelner wundersamer milder Tag, auf den sich große Hoffnungen aufbauten. Ich wartete bis Mittag, dann ging es los. In der Stadt war mir so warm, dass ich die Heizgriffe gleich wieder ausschaltete. Die Honda rauschte durch das Hafengebiet, dann am Deich entlang nach Over, und über Stelle Richtung Nordheide. Die Strecke stand nicht im Vordergrund, auch nicht Advent Advent, sondern das pure Unterwegssein, die motorisierte Fortbewegung, schwebendes Gefühl, ja Freiheit war auch dabei. Am Anfang grüßte ich entgegenkommende Biker überschwänglich, im Laufe der Fahrt waren es so viele wie an einem Sommertag. Ich kurvte in schwachem Nachmittagslicht querfeldein nach Westen, durch Buchholz in Richtung Altes Land. Die Griffe standen inzwischen auf Stufe 3, über die kahlen Felder peitschte harscher Dezemberwind. Ich packte 2 Kilo Elstar ins Schreckliche Topcase, fuhr frierend in den Elbtunnel und von dort direkt in die warme Wanne. Weihnachten konnte kommen.
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