über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Donnerstag, 19. Juni 2025

Eine Woche

Montag, Northeim (Han)

Feierabend. Der eine Moment, für den jahrelang geplant, diskutiert, gerechnet, verworfen  und gezweifelt wurde, der war jetzt gekommen. Um 18:27 klappte ich mein feierlich Laptop zu und lehnte mich zurück. Ich nahm das Tomtom und ließ eine 'spannende Route' berechnen. Der Dönerladen in Clausthal sollte am Scheitelpunkt liegen. Ich nahm Helm und Jacke und startete die Honda, die vor der Tür stand. Auf der B248 dauert es keine 5 Minuten, dann ist man wo man immer sein wollte. Bei Echte ging es rechts ab, über einen kleinen Pass Richtung Westenhof, auf die einsame Kurvenstrecke vom Sonntag. Dann über Windhausen auf die Bergrennstrecke hoch auf den Harz. Die Honda, die Straße, der Moment und ich, wir waren eins. Am Ziel verschlang ich Dürüm unter örtlichen Studentenvolk, welches mit tiefergelegten Kleinwagen anreiste. Für sie war alles normal, während ich mich mühte, die neue Realität Schritt für Schritt einzuordnen. Zum Sonnenuntergang war es noch lange nicht dunkel. Ich parkte die Honda vorm Haus und freute mich auf morgen.

Dienstag machte ich mir erst gar keine Mühe. Ich tippte irgendwo westlich von Göttingen auf die Karte und orderte eine spannende Route. Diese dauerte 90 Minuten, das passte, ich fuhr sie ohne nachzufragen ab. Es ging linksleinisch am Hang entlang, sehr entspannt mit 90 Sachen durch den warmen, hellen, leerem Juniabend. Jede Straße ist ein Genuss, immer frei, die Dörfer schliefen schon, wenn ich im Fünften durchkurvte und durchatmete, wenn es mit etwas Gas auf den nächsten Hügel ging. Manchmal verliefen die Nebenstraßen bucklig durch die Feldmark, dann wieder zügig, egal wie, es war so wie ich es immer wollte. Wenn dies das Leben sein kann, was war es dann vorher, fragte ich mich. Zuhause goss ich mir ein Glas Wein ein und vermisste Anja.


Donnerstag. Der Tag war heiß und hart, das Internet kaputt und alles viel zu komplex. Um 18.30 fuhr ich das Lenovo runter und den Tomtom hoch. Er schlug die Route über den Sieberpass vor, und die Panoramastraße nach Clausthal. Klar kenne ich die, aber danke, genau richtig. Abends hat man diese Prachtstraßen ganz für sich allein. Da konnte ich auch mal mit 70 dahinbummeln wenn ich müde war. Aber wenn man doch mal einem Auto begegnet, muss man sehr aufpassen, denn die Fahrer:innen hier sind alle geisteskrank. Auf der Passhöhe zog ich den Pullover an und glitt rauschend die Hochstraße entlang, allein in den Sonnenuntergang. Dabei driftete ich gedanklich immer weiter ab. Dies war nun praktisch meine Hausstrecke, mein Alltag, mein Leben. Für ein paar Monate, oder länger. Morgen kommt Anja aus der Stadt. Die hat bestimmt viel zu erzählen.

Sonntag, 15. Juni 2025

Sonntagnachmittag

Am Sonntag behielten wir die Wetterkarte genau im Blick. Der Himmel war mal diesig, mal frei, oft drohend. Aber wir wollten in den Harz, besonders die Himalayan. Die Straßen waren herrlich frei, was wohl am diffusen Himmel gelegen haben muss. Von Clausthal über Altenau ging es mit tänzelnder Lockerheit hinauf zum Torfhaus. Wir parkten unser gutaussehendes Duo zwischen zig GS' aller Marken und verkrochen uns mit Kaffee und Kuchen in die letzte Ecke. Dann rollten wir hinunter nach Bad Harzburg, tankten, fuhren sinnloserweise nach Vienenburg, dann Goslar, und dann wieder auf die Kurven nach oben. Immer wieder hieß es, bald kommt der Regen. Aber trotz aller Extrakilometer waren wir pünktlich in Sicherheit. Es kam kein Tropfen. Anja packte ihre Sachen, dann ging es auf die letzte gemeinsame Fahrt nach Göttingen. Die Himalayan kam in die Garage, Anja in den ICE, und ich fuhr allein heim nach Northeim, um zu bleiben.



Samstag, 14. Juni 2025

Drüben am Solling

Wir ließen uns mit allem viel Zeit. Über Northeim brannte die Sonne wie im Urlaub, wir kauften ein wie Millionäre und ließen einen Gutteil des Tages ohne schlechtes Gewissen verstreichen. Erst am Nachmittag starteten wir die Motoren, in der Hoffnung auf kühle Waldstraßen drüben am Solling. Die ersten Kilometer waren zäh, weil Tomtom immer wieder lustig sein wollte, z.B. mit andauernden Ortsdurchfahrten bei 30°. Dabei hilft manchmal nur eine zügige Bundesstraße. Drüben am Solling begann es auf verwegenen Feldwegen, gefolgt von erstklassigen, flüssigen Bergstrecken durch tatsächlich kühlere Wälder. Kurve um Kurve, kaum Verkehr, fühlten wir uns im Paradies. Es fiel schwer zu realisieren, dass dies nun Teil meines Alltags werden soll. Am Ende der Kurven lag ein Wanderweg, der zum Weser Skywalk führte. Unten lag das Flusstal in heißem Abenddunst und sah aus wie im Urlaub. Für die Rückfahrt nahmen wir fließende Bundesstraßen mit schönem Luftzug. Die B 80 schwang sich ohne Verkehr durchs Wesertal, darauf folgte die B 241, die zog zügig über die Kuppen im Abendlicht. Während wir in Möckelheim Burger aßen, baute sich im Westen eine bedrohliche Front auf. Sie blieb dort, den ganzen Abend, da waren wir und das Regenradar uns einig. So einig, dass wir vorm Schlafengehen noch eine unfassbar einsam-fluffige Runde über Elvershausen, Marke und Westerhof dranhängten. Das ist hier der Nahbereich und allein das ist schon wie ein Lottogewinn.



Freitag, 13. Juni 2025

Zeitenwende

Bald war alles das vorbei. Die Qual am Freitagnachmittag bis zum Stadtrand, das debile Dahinvegetieren in bräsiger Autokolonne im Speckgürtel, zermürbende 65 Km/h hinter LKW auf der B3 nach Süden. Alles lichtete sich, als wir auf Nebenstrecken auswichen, durch die Südheide über Wietzendorf, ganz allein auf weiter Flur, und jede Bodenwelle als erste Anzeichen aufkommender Lebensfreude aufnahmen. Nach einer Pause an einer Privattanke mit Filterkaffee machte alles wieder Sinn. Hinter Celle war aus dem Dahinsiechen ein freier Flow geworden, und in Solchen erschienen die ersten Berge am Horizont in flirrender Nachmittagshitze wie die Verheißung. Tomtom verhieß eine Ankunft in Northeim nach 20 Uhr. Das war okay, denn der Rewe hat bis 22 Uhr auf und außerdem begann gerade neue Zeitrechnung.



Montag, 9. Juni 2025

Inspiration

Ein Tag des langen Pfingstwochenende war okay, und wir starteten die erste Ausfahrt der 500X und der Himalayan. Auf der Straße sag das Gespann dann doch überzeugend und gut aus. Wir machten keine Experimente, stattdessen eine entspannte, kleinteilige Tour nach Strukdorf. Dort gab es Publikum und was zu erzählen. Das Navi der Enfield ist schick, aber es kennt nur A und B. Wir folgten daher wie gewohnt dem Tomtom der Honda durchs Unterholz. Aber der Weg war eigentlich egal, Anja war mit der neuen Maschine beschäftigt, freundete sich mit dem lässigen Motorlauf und dem großen Vorderrad an, ich fand den Anblick im Rückspiegel richtig gut und äußerst inspirierend. In Strukdorf gab es Kuchen und große Bewunderung, genau darauf hatten wir spekuliert. Inzwischen waren dicke Wolken angerückt und die Rückfahrt war nur trocken möglich auf einer aufwendig berechneten, westlichen Route über Segeberg und Kaltenkirchen, zwischen mehreren Zellen hindurch an den Stadtrand. Die Maschinen kamen in die Garage, Würste auf den Grill und wilde Abenteuerfantasien in unsere Köpfe.



Dienstag, 3. Juni 2025

Die Königin

Anja hatte ihre neue, neuwertige Royal Enfield in die Garage gestellt, neben meine CB 500x. Das war nett gemeint, und auch logisch. Aber die Honda sieht seitdem irgendwie scheiße aus. Für die erste Ausfahrt ("kleine Hafenrundfahrt") am Feierabend nahm ich daher die Z als Begleitfahrzeug, schließlich ging es auch durch bewohntes Gebiet. Die Himalayan fuhr souverän, klang super und sie stand Anja umwerfend gut. Die Kawa war hart und ruppig. Im Alten Land holte ich 2 Kg Äpfel, im Rucksack. Auf der Rückfahrt durch den Hafen schien noch spät die Sonne. In der Schanze ging schon das Licht an. Anja rollte lässig durch und war die Queen.




Sonntag, 1. Juni 2025

Die Drei

Direkt hinterm Haus verläuft die B3 durch den Ort. Wer hier losfährt kommt man ohne Abbiegen in Hamburg raus. Am Sonntagmorgen hielten wir das (nach langwierigem Abwägen) für die beste Idee von allen, denn es gab noch etwas zu tun im Norden. Die Straße war vollkommen leer, wir rollten in entspanntem Flow mit 90 Sachen durch den pastellfarbenen Vormittag. Die Panoramastrecke durchs Leinetal fühlte sich majestätisch an, bis schließlich die Berge aus dem Rückspiegel verschwanden. Ich glaube, wir waren schon kurz vor Hannover, als wir das erste Mal runterschalteten. Auf der Stadtautobahn ging es flüssig durch den Moloch, dann kam schon die Vierspurige nach Celle und dann die Heide. Die Endlosigkeit der Waldstraßen, die einen wie Wurmlöcher in eine andere Realität saugen, war ein ergreifendes Erlebnis wie schon lange nicht mehr und wurde allenfalls von einer Pinkelpause unterbrochen. Nicht ohne Angst erreichten wir Hamburg. Ich hatte schon im Anflug auf dem Navi nach den erwarteten Horror-Auto-Staus Ausschau gehalten, aber wir fanden die Stadt schläfrig und leer vor wie an einem Ferienabend, als würde sie uns wieder zurück haben wollen. Wir nahmen es dankend zur Kenntnis, machten aber keine Versprechungen.

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