über 20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 31. Oktober 2022

Am Endpunkt.

Der Wetterbericht war, als wolle uns jemand schnell noch einen Geschenkkorb mitgeben. Ja, der Termin wog schwer, daher diskutierten wir, bis ein Kompromiss auf dem Navi stand. Wo kam alles zusammen, echte 22 Grad, eine würdige Unterkunft, am Endpunkt 200 Kilometer goldgelb leuchtender Nebenstrecken? In Braunschweig. Vor Aufregung verirrten wir uns im Gewirr zwischen Harburg und Meckelfeld, aber das war alles vergessen, als der irreal warme Tag als endloses, störungsfreies 90-Km/h Kontinuum vorbeifloss. Wir hätten jauchzen sollen, aber es war stattdessen ein introvertiertes Genießen ohne Pathos, mit den Sinnen auf Asphalt, Licht, Motor. Irgendwann liefen wir in Braunschweig ein, parkten vor Fachwerk und verbrachten einen lauen Abend in Every German Innenstadt.

Der Montag war noch ein Sonntag, unter der im Prinzip gleichen Sonne und auf der gleichen Strecke. Die Fahrt nach Norden bedeutete nochmal dreieinhalb Stunden Gold, allerdings verlor sich ab der Hälfte die Wärme im Nebel. Wir erreichten durchgefroren und wortlos die Stadt am Endpunkt des Oktobers, sahen super aus in Jeans und Lederjacke, und bereuten keinen Meter.



Freitag, 28. Oktober 2022

Das Licht

Es war ein Nobrainer, einen Urlaubsfreitag einzureichen, an einem Saisonende wie noch nie. Wir schmierten ein paar Brote, warteten auf die Sonne und fuhren ihr auf bekannten Routen entgegen. Keine Experimente: Lauenburg, Boizenburg, B195 durch die Elbauen. Die Funktionswäsche war überflüssig, auf den gelbflirrenden Alleen war uns eher zu warm. Darüber beschwerte sich heute aber niemand. Die Bolt und die Rebel glitten durch den goldenen Tag, und in Dömitz gab es einen Sonnenplatz und Frikadellen. Das Zweitbeste (nach dem Wetter) war die Tatsache, dass kein Wochenende war, was bedeutete, dass wir die Verbotene Straße durch das Gebirge auf der anderen Seite fahren durften. Wir taten das mit Genuss und extra langsam. Ansonsten merkt man in dieser leeren Gegend nichts vom Werktag. Wir hingen noch die bummelige Deichstraße dran, wissend, dass irgendwann die Dämmerung kam. Und auch die Dunkelheit. Aber heute hatten wir noch einmal das Licht gesehen.

Sonntag, 23. Oktober 2022

Alles.

Ein milder Oktobertag und das Wunder der motorisierten Bewegung, das ist alles was man will. Die Route war gar nicht so wichtig, wir fuhren in den Süden, weil es dort ein Grad wärmer war. Entscheidend war das starke Gefühl der Bolt unterm Arsch, durch gelbe Alleen schiebend, Anja mit der Rebel im Rückspiegel und geputzte Stiefel an den Füßen. Die Stadt und die Probleme der Welt lagen wo sie hingehörten: weit hinter uns und kaum noch zu sehen. Ein umfassender, gleichgültiger Schwebezustand mit 90 Sachen blendete auch die immer zahlreicher werdenden Sonntagsfahrer aus. Die Beeline Tour war auf 150 Km ausgelegt, mit einem geteilten Kuchen in Bispigen. Eine perfekte Dosis, die noch Raum für einen Umweg ließ. Wir hatten alles, der Rest war für Fußgänger.



Stunde Null

Die Augen der Gäste wurden immer größer, als ich am Samstagabend auf die Uhr guckte, Lederjacke und Helm holte, um mit der SR pünktlich und allen Ernstes den Datumswechsel auf der Straße zu feiern. Es war eine angenehme Oktobernacht, aber ich hätte es auch bei Schneesturm getan. Sofort begenete ich einem anderen SR Nachtfahrer, was alles nur noch bestätigte. Ich rollte dann zusammen mit allerlei Tiefergelegtem durch die leuchtende Stadt. Nicht weit, aber mit breitem Grinsen. In der Speicherstadt waren die Straßen leer und der Himmel schwarz. Auf der Reeperbahn nachts um halb 1 stand ich staunend im Stau. Eine Million Bekloppter aus einer fremden Welt suchten Glück im Neonlicht. Ich hatte es längst gefunden.



Sonntag, 25. September 2022

Umweg nach Wandsbek

Entgegen aller Vorhersagen und Hoffnungen hatte der Westwind eine Schauerwelle nach der anderen übers Land geschoben, bis Sonntagnachmittag. Da war es schon so, dass ich die Honda nur noch kurz abwaschen, was erledigen und wieder wegstellen wollte. Naja, eine kleine Stadtrunde dürfte gehen. Oder die langsame Schnellstraße nach Harburg, um einmal Fahrtwind zu spüren. Währenddessen rechnete ich grob aus, wir eine Ausfahrt aussehen könnte vor der Dämmerung. Ich ließ mich die B3 entlangtreiben, schaltete die Griffe ein und genoss das das frische Gefühl, es war schön. Ich kam bis Welle, bog ab auf die fantastische Route durch die Heide nach Undeloh, von da nördlich nach Hanstedt und Brackel. Ganz alleine rauschte in den Abend, die Luft war reingewaschenen, die Honda war in ihrem Element und nahm dem Herbst seinen Schrecken. Ab Stelle wollte ich pragmatisch fahren. Die Zeit drängte, jeder Verfahrer nervte, die Sonne ging, die Kälte kam. In der Stadt hätte ich fast vergessen, nach Wandsbek zu fahren, um was abzugeben. Das war ja mein eigentliches Ziel, aber der Umweg war tausendmal besser.

 


Donnerstag, 22. September 2022

Kunstwerktag

Alles ging zu Ende, sogar der Oktober war schon in Sicht. Ein sonniger Donnerstag ließ sich im Abwesenheitsmanager leicht anklicken, und schon waren die Rebel und die SR unterwegs auf den Nebenstraßen des Nordens. Anja war in letzter Sekunde mit der Idee um die Ecke gekommen, nach Rendsburg zu fahren, und dort Kunstwerke anzugucken. Das gab der Ausfahrt Struktur, und eine gewisse Länge. Die Fahrt ging sanft und unbeschwert über z.T. abenteuerliche Dorfstraßen, auf denen man vom Werktag absolut nicht merkte. Das Tempo orientierte sich am Sweetspot der chromglänzenden SR, die Luft war frisch und die Funktionsunterwäsche kein Fehler. Das Beeline hatte sich unterwegs total verirrt, gab das aber nicht zu. Wir nahmen die absurden Exkursionen mit Humor. Auf der sehr guten Ausstellung behielten wir zum Wiederaufwärmen unsere Jacken an. Wir schafften nicht mal, alles anzugucken, wenn noch ein Flammkuchen und die Heimfahrt im Hellen drin sein sollte. Ganz klappte das nicht, denn unterwegs wollte das Device wieder witzig sein (erfolglos), und wir spulten das längste Stück erfüllt aber frierend auf der B4 ab. Sie führte schnurgerade in die Dunkelheit.





Sonntag, 11. September 2022

Kulturtourismus

Wir waren vernünftig und nahmen die wetterfeste Honda, und waren mental eingestellt auf den einen oder anderen Schauer und fetzigen Westwind. Ganz so war es nicht, die Luft war schwerer, die Schauer stärker als gedacht, vor allem häufiger. Etwa 170 Kilometer sind es nach Friesland, zum unverzichtbaren Event des Jahres. Die Strecke über Bremervörde ist manchmal luftig frei, meist gerade und überall monoton gleich. Westlich der Weser ist Flachland, und die Sachen waren trocken als wir Nethen erreichten. Die Honda war wieder mal total praktisch auf langen Strecken und Wechselwetter. Aber als wir mit Windschutzscheibe und dem Schrecklichen Topcase ziemlich uncool zwischen all den coolen Custombikes parkten, hätten wir am liebsten die Helme aufbehalten. Das war dann aber schnell verdrängt, denn die Sonne schien auf Beachclubatmosphäre und lässigen Bikerlifestyle, und wir waren dabei.

Der Sonntag begann mit einer Stadtrundfahrt durch Oldenburg, welches in vielen Aspekten überraschte. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder auf dem Festival, verfolgten den spektakulären Kampf um den Weltmeistertitel und genossen das ermutigende Gefühl, Teil einer Kultur zu sein. Als die Pokale vergeben waren, packten wir überflüssige Klamotten ins Schreckliche und trieben die Honda über die monotonen Landstraßen nach Nordosten. Der Weg war lang und die Maschine funktionierte wie immer perfekt. Aber irgendwie hatte sie unsere Zweifel mitbekommen, und reagierte subtil. Etwa Höhe Neuwulmsdorf begann sie, Luft aus dem Hinterreifen entweichen zu lassen. Das ging soweit, dass ich auf dem weiteren Weg an jeder Tanke nachpumpen musste. Mit Mühe kamen wir zu Hause an. Der Reifen war platt, wir auch.