Ein trübes, diagonales Band lag zäh über der Stadt und rührte sich nicht. Ich erledige sinnvolle Dinge, wie z.B. die SR zu putzen, obwohl sie nicht schmutzig war. Irgendwann wollte ich nicht mehr warten. Ich zog die Lederjacke an und fuhr nach Norden aus der Stadt raus, dorthin wo das Trübe Band angeblich nicht war, zusammen mit tausenden Autos, deren Existenz mich ärgerte. Beim Blick auf das Beeline bemerkte ich, dass ich es vergessen hatte. Die Route aus der Erinnerung zu fahren klappte nur so halb. Letztlich fuhr nach Nase auf das Blaue am Himmel zu. Einmal den Improvisationsmodus akzeptiert, machte das richtig Laune. Ich gurkte kreuz und quer durch das Gebiet um Kellenhusen, Hohenlockstedt, Hohenweststedt, und was es dort noch so alles gibt. Hier schien die Sonne wie im Sommer. Ich bog spontan ab, wenn es irgendwo eine Nebenstraße auf einen Geestrücken gab, freute mich über unerwartet kurvige Abschnitte und landete auf legalen Plattenwegen in einem flirrenden Wald. Die SR fand die Fahrt ins Blaue richtig gut, schnurrte lautlos durch leere Dörfer und war dankbar für ambitionierte Vollgasetappen dazwischen. In Itzehoe trank ich Cappuccino an der Tanke und prägte mir die Route ein, die am Stördeich entlang nach Glückstadt führt. Von dort ging es mit Fullspeed über Elmshorn und Uetersen zurück in die Stadt der Zurückgebliebenen.
über 20 Jahre !!!
Samstag, 17. August 2024
Montag, 12. August 2024
Glückwunsch.
Anja hatte Geburtstag, wir saßen im Zug aber der fuhr nicht los. Wie stiegen um auf die Bikes. Das ging los. Gleichförmig zog die B3 unter den Reifen dahin, die Gedanken schweiften kreuz und quer durch die Welt. In Celle gab es Cappuccino unter Einheimischen, dann nahmen wir gleichmütig das öde Stück über Uetze, und dann irgendwann kamen die ersten Berge, Kurven, Sonne und einsetzender Hunger. Wir checkten am Edelhof ein, dann nahm ich Anja hintendrauf und fuhr mit ihr durch einen glühemden Abend zum Griechen in Osterode. Ein Aperol bitte, herzlichen Glückwunsch.
Exkursion am Sonntag. Der Weg nach Halberstadt führt zwangsläufig über die Traumstrecken im Harz. Kurven und Berge und Sommerhitze. Die Kawa fragte zwischendurch, warum wir nicht immer so fahren. Eine berechtigte Frage, die uns beschäftigte als wir in Halberstadt als Fußgänger schwitzend durchquerten. Auf der Rückfahrt blies der warme Wind alles von uns. Wir stopften uns in Wernigerode mit Pizza voll und hatten den ganzen Abend für die einsamen Bergstrecken. Das Licht kam hart von vorn, aber wenn es über die goldene Landschaft strich, wollte man nichts anderes mehr sehen.
Bevor es Montag zurück in die Ödnis ging, musste ich unbedingt noch den neuen Aussichtsturm am Torfhaus ausprobieren. Dann ging es runter nach Bad Harzburg und auf einer östlichen Route durch den brennend heißen Nachmittag nach Norden. Die Gegend um Schöppenstedt war herrlich einsam, bei Wolfsburg gab es etwas Verkehr, nur VWs. Spätestens bei Wittingen hatte uns die Hitze so ausgelaugt, dass wir einen medizinischen Eiskaffee beim örtlichen Cortina bestellen mussten. Der Rest war rauschen durch die Heide auf langen Waldstraßen, bis schließlich der Speckgürtel der Stadt spürbar wurde und wir wussten, wir müssen baldmöglichst wieder los.
Sonntag, 4. August 2024
Im Westen was Neues
Normalerweise ist man niemals so weit im Westen unterwegs. Jetzt ist dort aber der neue Standort der Berliner. Einladung lag vor, Wetter gut. Zumindest bis zum Nachmittag, daher waren wir um 10 Uhr mit der Rebel und der Z auf der Landstraße. Es war die B 75, die sich zäh über Tostedt und Rothenburg nach Südwesten quält, durch immergleiche Dörfer auf plattem Land. Überraschenderweise gab es auch schöne, flüssig-freischwebende Abschnitte, auf denen man die Zeit und alles vergaß. In Verden überquerten wir die Weser und es ging durch immer westlicheres, unbekanntes Gebiet. Das schwachwellige Relief der Wildeshausener Geest war nach den monotonen Buschtunneln eine Erlösung. Danach kamen wieder graue Orte im Flachland. Von Westen schob sich eine Gewitterfront heran, im allerletzten Moment erreichten wir Bersenbrück. Die Bikes parkten im Regen, wir waren drinnen mit vielen netten Leuten. Christian hatte Geburtstag und Bersenbrück ist das neue Ding.
Sonntag. Nach dem Rührei hatte sich das Regengebiet verzogen. Wir fuhren einmal durchs Stadtzentrum und begaben uns auf die langen Geraden nach Nordwesten. Die Route war eine andere, aber es sah genauso aus. Highlights waren Großenkneten und die Fähre über die Weser. Der weitere Verlauf war entspannt, meist ungestört, meist mit 70 Km/h. Wir kamen über Bremervörde in heimisches Gebiet. Müde, mit leerem Tank und der Sonne im Rückspiegel rollten wir in die Großstadt ein. Bersenbrück existiert.
Sonntag, 28. Juli 2024
Gemütlichkeit
Alleine am Samstag, nicht schlimm. Den Tag hatte ich schon mal anfangen lassen und die Z erst klargemacht, nachdem die Alltäglichkeiten eingetütet waren. Sie fuhr dann auf den üblichen Wegen nach Süden aus der Stadt raus, alles lief normal bis zur Sperrung der Straße nach Fliegenberg. Ich brauchte ewig, um irgendwie östlich an Harburg vorbeizukommen, verstrickte mich im undurchdringlichen Wirrwarr zwischen Maschen und Stelle. Das Beeline war inzwischen auch abgestürzt, die Vollsperrung der B4 (echt!) durchfuhr ich auf dem Gehweg. Danach fiel alles von mir ab und ich rauschte weitgehend allein durch die Heide, auf einer quer verlaufenden Route bis zu den Hügeln südlich von Lüneburg. Das war so befriedigend, dass ich freiwillig die Hauptstraße bis Lauenburg in Kolonne fuhr, und von dort schläfrig am Deich entlang nach Hause.
Am Sonntag schwärmte ich Anja von dem Mittelgebirge südlich von Lüneburg. Das motivierte sie und wir fuhren eine sehr ähnliche Route nochmal zusammen. In Salzhausen brauchten wir Koffein, welches wir in einer Bäckerei abseits des Massentourismus bekamen. Die Sonne brannte, die Landstraßen lagen in tiefem Sommergrün zwischen geernteten Feldern. Leider waren auch in den entlegensten Ecken immer Autos unterwegs, was aus unserer Sicht keinen Sinn ergab, und auch nicht erwünscht war. Es gab aber auch herrlich fließende Abschnitte, zum Beispiel die Verlängerung von Bienenbüttel bis Bleckede. Weil der Tag lang war, setzten wir mit einer antiken Elbefähre über nach McPom, wo es ganz anders aussah. Noch ein Stück B195, ohne nennenswerten Verkehr, dann ganz klassisch zurück über Geesthacht und die schläfrige Deichstrecke. Wenn ich nicht im letzten Moment die panisch blinkende Benzinleuchte gesehen hätte, wäre es vielleicht noch abenteuerlich geworden. So war es nur ein gemütlicher Sonntagsausflug.
Sonntag, 21. Juli 2024
Sehnsucht
Sonntag noch mehr Hitze. Morgens um 10 war die Welt noch in Ordnung. Wir waren auf der Autobahn unterwegs nach Norden, mit leichtester Garderobe aber ohne Strandsachen im Gepäck. Irgendwo oben an der Küste musste frischer Polarwind von der Ostsee wehen. Der Fahrtwind war gut, ab Kaltenkirchen ging es diagonal über Hartenholm nach Norden. Die Z ab und zu mal etwas auszudrehen war ein immer noch neues, erregendes Fahrgefühl. Überraschenderweise hielt Anja immer Anschluss, 'angenehm zügig' sei meine Fahrweise geworden. Bei 100 Sachen in Küstennähe war die Temperatur gut zu ertragen. Ergebnis des Reality Checks in der Turmhügelburg Lütjensee: Lieber in westlichem Bogen zurück, als in eine der anrückenden Zellen zu geraten. Das ging über Preetz, Nettelsee bis Neumünster. Die Strecke war teils öde aber manchmal fluffig. Allerdings bestimmte die brütende Hitze im Landesinneren alles, so dass uns keine Heldentaten mehr zumutbar waren. Die B4 stach durch einen heißen, klebrigen Luftstrom, der Horizont war eine kompakte, unheilvolle diesige Masse. Erst die Garage war ein angenehmer dunkler, kühler Sehnsuchtsort.
Samstag, 20. Juli 2024
AC
Hochsommer wie noch nie kam am Wochenende. So viel Hitze, und so viel Autos waren zu erwarten, dass wir strategisch vorgingen, den perfekten Ort zu finden. Wie immer war dies Brook. Wir kannten Wege dorthin durchs Gebüsch, ohne Stau. Kühsen, Mölln, Schönberg lagen entlang einer Route, auf der warmer Wind durch den Hoodie wehte. Die Fahrt war leicht und frei wie im Sommer vergangener Zeiten. In Schönberg liefen wir ungewollt in ein Oldtimertreffen der Extraklasse, Schwerpunkt Ostfabrikate. Am Strand blies erwartungsgemäß ein kühler Wind aus Ost, wie aus der AC. Wir blieben dort bis der Kaffeedurst kam, dann rollten die Rebel und die Z im Schneckentempo über Klütz nach Grevesmühlen zum Griechen. Der hat auch Eis, wenn Jannys zu hat. Auf der Rückfahrt über Ratzeburg durchs Stormanische kamen alle Attribute eines perfekten Sommertages zum Tragen. Blendende Abendsonne, Sand in der Unterhose und ein leichter Sonnenbrand. Wir aßen Burger in Barsbüttel und fuhren mit einem Strom Durchgeknallter in die überhitze Stadt am Samstagabend.
Sonntag, 14. Juli 2024
Major Tom
Start. Währen der Rest der Welt mit der Planung von Nudelsalaten beschäftigt war, hatte ich mir eine verwegene Route durch die Heide programmiert. Aber als ich auf der B3 nach Süden schwebte, fand ich es schön und hielt die 500X einfach auf Kurs mit 90 Sachen. Der wichtigste Wegpunkt auf der klassischen Route ist Solschen, von hier aus sieht man erstmalig die mächtigen Harzberge. Der Rest war Routine. Rewe-Markt, auspacken, Füße hoch.
Sonntag: Völlig losgelöst durchs Eichsfeld, dann in groß angelegtem Orbit erst um Göttingen, dann um Kassel herum. Dazwischen, extra kurvige Transferbahnen über Stunden. Mal flott, mal auf einsamen Waldwegen. Ich querte die Weser, Eder, Fulda und Werra wie in einer Heimatkundelektion. Alles ohne Verkehr, ohne die geringste Störung. Dörfer wie aus dem Fallerkatalog lagen dekorativ zwischen den Hügeln. Ich fuhr mehr und mehr orientierungslos, folgte Tomtom, mit dem ich mich wortlos verstand. Er war hier in seinem Element. Nur die Burg Heiligenburg war nicht zu finden. Stattdessen eine tranceartige, einsame Fahrt über das Meißnergebirge in aufkommender Nachmittagshitze. Bad Sooden, das Grenzgebirge zurück ins Eichsfeld, ein nicht endender Rausch. Einen Schlenker in den Harz hängte ich noch dran, weil's so schön war und Tomtom das auch gut fand.
Einen Tag hatte ich noch, und Sonne und Zeit bis um 20:01 Uhr an Gleis 8. Und etwas zu besichtigen hatte ich auch, in Halberstadt, auf der anderen Seite. Den Weg dorthin schmückte ich aus, mit überflüssigen Fahrten im Hochharz. Die neu entwickelte Heidelandschaft sah super aus in der flirrenden Mittagshitze, sie ist ein echter Gewinn. Viele Kurven später saß ich in Halberstadt am Fischmarkt und traf dort Frau L. Zurück geriet ich in den örtlichen Berufsverkehr, was bedeutete, die Gerade, die auf die Berge zuführt in einer lockeren Kolonne zu fahren. Das geht schlechter, dachte ich. Das galt auch für die elegante B243 am Südrand, auf der ich ohne störende Autos in den Spätnachmittag glitt. Endpunkt des Tages war die Göttinger Innenstadt im Hochsommer. Noch ein Alkoholfreies, dann kam der ICE.



