Holprig wie der Samstag begann, war kontemplatives Cruisen das einzig Wahre. Ich war allein mit der Vulcan, vor mir zog sich die B3 schnurgerade durch den heißen Maidschungel. Die Zeit stand, nur die Kilometer verstrichen, jeder einzelne voller Sinn. In Soltau aß ich Eis, trank Kaffee, rauchte. Dann fuhr ich auf der B209, die ist noch monotoner, ganz durch bis Lüneburg. Statt zurück zu fahren, nahm ich noch ein Stück der 216, die man in den Abend gleitend nach Danneberg fahren könnte. Das sanfte Nachmittagslicht hätte es verdient. Die Vernunft brachte mich dann aber über Bleckede an die Elbe. Lauenburg, Deichstraße. Dinner am Zollenspiekerimbiss mit einem Alkoholfreien auf dem Deich. Die Sonne brannte weiter, ich ließ mich noch ein Stück über den heißen Stadtasphalt treiben, allein mit der Vulcan und einem Haufen sinnvoller Kilometer.
über 20 Jahre !!!
Samstag, 28. Mai 2016
Sonntag, 22. Mai 2016
Großer Bahnhof
Großer Bahnhof in Darmstadt. Mit dem Frühzug kam ich an, ging direkt zur Tiefgarage und holte die Bonnie raus. Man brauchte keine Jacke, die Sonne brannte auf die Straßen der Stadt und die Villen in der Wormser Straße. Dort fand ein großes Fest statt, und zwischendurch öffnete sich sogar ein Zeitfenster, aus dem Anja und ich kurz losdüsten, die Serpentinen hoch zur Burg Frankenstein. Durch den flirrenden Dunst des heißen Nachmittags blickten wir hinunter in die Rheinebene.
Das Fest ging bis spät in die Nacht. Als das Gespräch z.B. auf den Verlauf bedeutender Bundesstraßen fiel, reifte in mir ein verwegener Plan. Ich verzog mich klammheimlich, war dafür am Sonntag fit, und nahm nach dem Frühstück zur allgemeinen Irritation einfach mal die Bonnie mit nach Hause. Während Anja den Tag im Fond eines Toyotas verbrachte, fuhr ich mit einem satten Südwind im Rücken bis Fulda auf der Autobahn, Wie im Reiseführer "Germany" schwang sie sich elegant und leer durch die Hügel. Dann die B27 bis Göttingen: Ganz allein entlang der Werra, gleitendes, ungestörtes Fahren über 250 Kilometer. Die Handschuhe mussten aus, es war heiß. Auf der B3 ließ ich die letzten Hügel hinter mir, rollte nördlich von Hannover durch die Ebene. Celle, Soltau, vertrautes Land. Links von mir hatte sich eine bedrohliche Gewitterzelle gebildet, die ebenfalls nach Norden unterwegs war. Laut Radar blieb für Pausen keine Zeit. Nach 7 Stunden saß ich überraschend ausgeruht bei Anja auf dem Balkon. Die Zelle hatte sich aufgelöst. Ich hatte Hunger.
Montag, 16. Mai 2016
Am Ende der Straße
Der Sommer hielt noch eine Woche lang an. Jeden Tag fuhr ich unsinnigerweise mit der Vulcan durch die Stadt zur Arbeit, und abends trafen wir uns zum Spätcruisen, durch den Hafen oder an die offiziellen Bikertreffs im Umland.
Dann kam das Pfingstwochenende. Es war lang und hatte den Herbst an Bord. Samstag war noch erträglich genug, um z.B. trendige Ducatis zu testen. Sonntag regnete es den ganzen Tag. Und den Montag hätten wir fast verpennt. Aber mit Fleece und langer Unterhose wurde der peitschende Westwind und der grelle, zerrissene Himmel über Schleswig Holstein mit jedem Kilometer inspirierender. Wir stoppten in Reinfeld, dann in Travemünde, machten einen Haken an die Liste, fuhren ein Stück die Bäderstraße hinauf. Das Touristengewimmel in Scharbeuz störte uns heute gar nicht. Denn das Meer war wild und grün, die Vulcan hing gut am Gas, und alles war hell und klar. Im Inland wurde es immer kälter. Ahrensbök, Langniendorf, Reinfeld. Dann ein Stück B 75, bis zu dem Abzweig bei Bargteheide. Schnell in die Stadt, über jede wärmende rote Anpel freuend, nach vorne schauend, dort, am Ende der Straße gibt es eine warme Badewanne.
Sonntag, 8. Mai 2016
Berlin Cruise Days
Erstens kam das lange Himmelfahrtsbrückentagwochenende, zweitens ein Jahrhundertwetter. Aber am besten war, dass die Berliner Freunde uns eingeladen hatten. Donnerstag auf der B5 wucherte das Grün der Allee, strahlte das Gelb der Rapsfelder in das leergefegte Blau über uns. Am späten Nachmittag erwartete uns Rembert in Ribbeck zum Kaffee am Schloss. Die Sonne stand heiß und hoch, und wir ließen uns viel Zeit. Für den Kaffee, aber vor allem für die majestätische Einfahrt in die Hauptstadt. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten wurden angefahren. Friedrichshain erreichten wir in der Dämmerung.
Der Freitag war eigentlich ein normaler Freitag, nur halt frei. Für wohl alle, denn die Stadt war leer in der weißen Vormittagssonne auf dem Weg zum Treffpunkt mit dem Pauli. Südlich von Berlin muss man sich auskennen. Es gibt einen modernen Flughafen, der unbenutzt in der Landschaft liegt, endlose, einsame Waldstrecken und weite Flächen, die aussehen wie ein hellgrüner Park, durch den das Licht flirrt. Die Orte sind entweder allerliebst-hübsch, oder ostig-grau, je nachdem. Nicht vorne zu fahren ist für mich ungewohnt und sehr unterhaltsam. Mal fuhr ich hinter Rembert, mal am Schluss, die äußerst fotogene Cruisergruppe im warmen Nachmittagslicht bewundernd. Am Abend waren unsere Köpfe leer, so dass an Aktivitäten außerhalb des Balkons in der Sonntagsstraße nicht zu denken war.
Durch Androhung von Etappen im oberen dreistelligen Bereich konnten wir die Mitnahme zweier 125er erfolgreich wegdiskutieren. Denn es ging erst über Köpenick aus der Stadt raus, und dann in einem raumgreifenden Bogen durchs große Nichts des Oderbruchs hinauf in das westlich liegende, weithin unbekannte Mittelgebirge hin zur Schorfheide-Chorin. Der Ostwind hielt auch heute den Himmel frei, so dass alles, durch das wir rauschten, leuchtete wie frisch angemalt. Die Landschaft war abwechslungsreich, hügelig, die Sonne hochsommerlich und die von Rembert sorgfältig gewählten Strecken frei von Dosenverkehr. In den Kurven gab er mit der Slim ein flüssiges Tempo vor, beim Beschleunigen war für uns kein Land zu sehen. Vom Schiffshebewerk in Niederfinow aus war der Rückweg eigentlich klar. Die historische Katzenkopfpiste in irgendeinem namenlosen Brandenburgischen Dorf war aber ungeplant. Sie verwandelte sich in einen sandigen, holprigen Waldweg, so dass hinterher alle heimlich froh waren, das nichts abgefallen ist. Berlin erreichten wir über Weißensee und nie gesehene Teile, in denen noch richtige Plattenbauten stehen. Wie gesagt, beim Hinterherfahren ist es egal, alles ist aufregend, jede Ecke neu, und die Nächte in Berlin sind warm, und man hält beim Gehen stets eine Bierflasche in der Hand.
Sonntag, endless Summer, es war inzwischen wie Urlaub. Eskorte diesmal von Thomas auf der Vanvan aus der Stadt heraus. Unerklärlicherweise stauten sich die Bürgerkäfige zig Kilometer auf der Heerstraße, und auch die B5 war bis Friesack unangenehm voll. Das war dann erstmal egal, weil es dort die geheime, sensationell gute, familiengeführte Eisdiele gibt, in der man einfach noch eine Stunde vergehen lassen kann, bevor man die Maschinen anlässt und satte 250 Kilometer lang den Gang nicht mehr rausnimmt. Die Sonne überholte uns langsam und drückend, und vor Hamburg bogen wir auf die Deichstraße ab. Auch, weil auf den Hauptstraßen sich wieder die Dosen stauten, hauptsächlich jedoch, weil er nicht enden sollte, dieser Traum.
Samstag, 16. April 2016
Auf der Flucht
Das Wetter war viel besser als in der Vorhersage. Nach Osten kamen wir nicht aus der Stadt raus, zu viele Sperrungen, zu viele Bürgerkäfige. Aber es gibt ja noch den Norden. Auf der B4 cruisten wir zufrieden dahin, wollten einen großen Bogen machen und irgendwie über Stormarn zurück an die Elbe kommen. Wir nahmen ungewöhnliche Strecken, die z.T. gar nicht übel waren, wie z.B. von Wakendorf nach Nahe, dann weiter nach Grabau, wo es beeindruckende Hügelgräber gibt. Im Rückspiegel verfolgte uns eine unschöne, dicke graue Wolke. Irgendwann standen wir auf dem Parkplatz eines Supermarktes, und die Wetter-App brachte grausige Gewissheit: Eine kompakte Schauerzelle war hinter uns her. Wir diskutierten fieberhaft alle möglichen Strategien, mussten aber handeln. Kreuz und quer jagten wir über das Dreieck zwischen Oldesloe, Reinfeld und Segeberg, befuhren dabei Dörfer, die nie ein Fremder sah, und Wege, die mitten durchs Wohnzimmer der Bauern führte. Der Hauptfluchtweg nach Ratzeburg war, warum auch immer, durch ein Polizeigroßaufgebot gesperrt. Verzweifelt standen wir in Reinfeld, nichts ging mehr. Das Café hatte zu. Der Schauer entlud sich. Eine Minute lang. Doch außer vereinzelten Tröpfchen passierte nichts. Mit der Sonne tauchte Birte auf und lockte uns in eine andere Welt. Abseits der toten Stadt war unbemerkt ein riesiges Einkaufszentrum Amerikanischen Stils errichtet worden, mit Bäckerei-Drive-IN. Wir verbrachten dort staunend den Nachmittag. Unser Rückweg war ein spannender Balanceakt über ungewohnte Strecken um die Zellen auf dem Radarschirm herum. Trocken, und am Leben.
Sonntag, 10. April 2016
Our Heidelbergness
Es ergab sich, dass wir wieder in Darmstadt waren. Inzwischen war der Frühling nicht mehr aufzuhalten. Anja stieg direkt vom Intercity auf den Rücksitz der Bonnie. Dann trieben wir die B3 entlang, bogen nach Gefühl in den Odenwald ab und suchten uns eine Strecke für den Nachmittag. Nach Süden konnte nicht falsch sein. Mal waren es flüssige Bundesstraßen, meist aber kleine kurvige Nebenstraßen auf Kämmen entlang, oder durch Wälder und Wiesen. In Fürth waren wir die einzigen Gäste in einem seltsamen Café, und auf der Karte rückte Heidelberg in greifbare Nähe. Kurz darauf erreichten wir das Neckartal und besichtigten schnell noch eine Burgruine, in die wir am liebsten sofort eingezogen wären. In Heidelberg standen wir ungläubig in einer hysterischen Touristenmasse, die sich über die Brücke und durch die zurechtgemachten Gassen goss. Germany made in China, Romantik, Selfie-Sticks. Mittendrin saßen wir und aßen Burger, Die Bergstraße sieht zwar auf der Karte gut aus, ist in Wahrheit aber eine quälende Kette von Ampeln und nie endenden Neubauwohngebieten. Ab Weinheim nahmen wir die Autobahn zurück, es ging nicht anders.
Am Sonntag blieb wieder noch eine Tour mit Zeitlimit, was immer etwas unentspannt ist. Wir bretterten auf der Autobahn nach Nordwesten, Richtung Rheintal. Ans Autobahnfahren hat man sich in der Gegend inzwischen gewöhnt. Es ist normal und funktioniert mit der Bonnie erschreckend problemlos. Die Burgen am Rhein leuchteten in der Aprilsonne. Bei Kaub setzen wir mit der Fähre über, und die Uhr zog uns auf der anderen Seite schon spürbar Richtung Wiesbaden. Ein Strom von Bikern mit blankgeputzten Maschinen kam uns entgegen. In der Nähe der Touristenhotspots waren es vermehrt versnobte Showbikes. Autobahn bis Darmstadt. Dort stieg Anja wieder in den IC, ich parkte die Bonnie in der Tiefgarege und ließ sie zurück zusammen mit der ungeahnten Wärme dieses verschnarchten Sonntagnachmittags.
Sonntag, 3. April 2016
Wichtiges
Travemünde ist in letzter Zeit aus gegebenen Anlass wieder in den Fokus gerückt. Ich musste am Samstag um 10 Uhr da sein, aber das war auch auf der Autobahn nicht zu schaffen. Die Vulcan parkte draußen in der Sonne, während ich drinnen Gegenstände vergangener Zeiten sortierte. Danach genoss ich die bummelige, einsame Rückfahrt über die bekannten Strecken. Die Sonne blieb lange oben, und kalt wurde es heute nicht mehr.
Sonntag begann wie ein Sommer. Thomas war da, und fuhr auf der blauen VanVan mit uns die Elbuferstraße entlang. Die linke Hand war schon müde vom Grüßen, da fielen mir 2 wichtige Dinge ein, die irgendwo noch in Travemünde liegen müssen. Ganz wichtige Dinge. Kurzerhand trennten wir uns an der Cappuccinotanke in Lauenburg. Anja und ich cruisten gelassen über Büchen, Mölln Richtung Lübeck. In zwei magischen Momenten tauchten die Gegenstände auf. Als Belohnung fuhren wir die Dorfstraßen meiner Mofazeit über Warnsdorf, Kreuzkamp, Ratekau und gönnten uns ein dickes halbes Hähnchen in Bad Schwartau. Der Abend war warm wie im August. Die B 75 schimmerte im Gegenlicht, und wir glitten cool in die Stadt, abgekoppelt von der Hysterie um uns herum, umarmten gedanklich das, was wirklich wichtig ist.
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