20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 30. Dezember 2024

Weihnachten wie noch nie

Weihnachten auf Malle, das gabs noch noch nie. Eine Woche in Sonne und Luxus, dazu eine schneeweiße Vespa 300 und Straßen aus der Bucketlist. Als allererstes musste man die Sonnenbrille aufsetzen. Warme Unterwäsche war aber auch im Koffer, aus gutem Grund. In der Stadt war alles klaro bei Tapas im Freien, in den Bergen pfoff eisiger Wind durch jede Ritze, und da waren wir jeden Tag unterwegs. Mit gesunden 20 PS schnurrten wir über die Insel bis an letzte Ende. In den Kurven machten die Reifen mir Angst, ansonsten kamen wir gut klar mit der Vespa. Am Weihnachtstag ging alles außer tanken. Mit dem letzten Tropfen Benzin erreichten wir die einzige offene Tankstelle in Alcudia. Zur Belohnung bruten wir uns Pulpo statt Weihnachtsgans. Noch ein paar Fahrten, dann war Weihnachten vorbei ohne es zu merken.



Montag, 23. Dezember 2024

Vorweihnachten

Ein Lichtstrahl stach durchs endzeitliche Dunkel. Ein heller Gedanke, die Kawasaki willig, und kein Verkehr. Ein geretteter kleiner Tag auf der auf der Elbchaussee. Weihnachten konnte kommen.



Samstag, 26. Oktober 2024

Werte

Ich war allein und hatte einen Auftrag. Ein Wertpaket im Rucksack, die Z im Sweetspot, vor mir ein Stück Autobahn nach Norden. Manchmal passt das ins Konzept. Das Beeline steuerte mich dann über Götzberg, Kisdorf diagonal zur B432. Der wahre Wert war der diesmal wirklich letzte warme Sonnentag des Oktobers. Als ich bei Schwissel Richtung Strukdorf abbog, lag alles in einem zähen Nebel, der nicht wegging. Auf dem Anwesen übergab ich das Wertpaket, Sabine kochte Kaffee. Der Nebel sah an vielen Stellen spektakulär aus, trotzdem sehnte ich mich zurück in die Sonne. Die war auf dem Radar gut zu sehen, und zwar eher im Westen. Ich durchquerte Bad Segeberg, und irgendwo bei Todesfelde kam ich ins Licht. Es stach wie Laser durch die Knicks. Die kurvige Strecke über Sievershütten und Kisdorf konnte ich nicht so abfeiern, wie es vielleicht angebracht gewesen wäre. Als ich über Norderstedt in die Stadt kam, waren alle unterwegs und für sie war es ein sonniger Samstag. Ich schloss die Tür hinter mir und füllte die Badewanne.



Freitag, 25. Oktober 2024

Für immer 18.

Genau eine Woche später wiederholte sich alles. Wieder Wetterkarte, wieder 18°, wieder ausloggen. Ich zog die Goretextjacke an, polierte kurz den Tank, damit der Lack schön in der Oktobersonne funkeln konnte. Eine Stunde später schwebte die Z auf der B3 nach Süden. Das Streiflicht ließ das Laub leuchten wie im Kino, die Sonnenbrille perfektionierte das Bild, die Jacke war zu warm. Ich speicherte die schönen Eindrücke an einem sicheren Ort. An einer Nebenstraße zwischen Schneeverdingen und Soltau hielt ich an und genoss einfach den Moment. Über dem Land lag schräges, goldenes Licht, die Stille wurde allenfalls von vorbeischießenden Kleintransportern zerrissen. Ich fuhr mit Rückenwind und großer Wertschätzung für diesen Tag zurück in den Abend.



Sonntag, 20. Oktober 2024

Licht an.

Ein Oktobersonntag wir im Bilderbuch, gemacht für die Rebel und die Z, und deren Fahrende in GoreTex. Ich hatte Anja überzeugen können, dass es in McPom Bäume gibt (sie hatte das abgestritten) und wir waren auf der Autobahn  unterwegs nach Geesthacht. Von dort ging es auf verwinkelten Nebenstraßen durch die Knicks zur Kanalbrücke bei Dalldorf. Hier begann McPom, und es waren Bäume im Überfluss vorhanden. Sie leuchteten in allen Farben im Gegenlicht, genau wie gewünscht. Wir kamen auf einsamen Wegen durch die Bretziner Heide bis hinunter nach Neuhaus. Weil es so schön war, hätten wir auch ein langes Stück auf der B195 nehmen können, so wie die vielen anderen Biker. Realistisch war aber, mit der Fähre überzusetzen, auf der anderen Seite einen Eisbecher und Cappuccino zu bestellen und auf dem anderen Ufer leichtfüßig nach Westen zu fahren, unter diesiges Wolkenband. In Lauenburg war alles gesperrt, was man für einen zugigen Rückweg gebraucht hätte. Stattdessen kamen wir im Bummeltempo Hoopte und Fliegenberg zurück in die Stadt, gerade als das Licht an ging.



Freitag, 18. Oktober 2024

Endlich 18.

Als man innerlich schon alles eingepackt hatte, tauchte am Freitag auf der Vorhersage die Zahl 18 und ein Sonnensymbol auf. Ich setzte Prioritäten. Am frühen Nachmittag setze ich meinen Status auf Offline, zog ohne Umschweife die Lederjacke an und holte die Z raus. Den dichten Verkehr im Hafengebiet und im Speckgürtel saß ich duldsam ab, mein Ziel war die gelbe Herbstsonne in der Nordheide. Das war an sich nichts Besonderes, aber es war das Richtige, das spürte ich mit jedem Kilometer, den die Maschine durch die bunten Alleen rauschte. Hanstedt, Undeloh, Welle, die klassische kurze Strecke für den Nachmittag. Wenn ich hielt, wärmte die Sonne wie an einem frühen Frühlingstag. Die Heide leuchtete im Sonnenbrillenfilter, und die Z stand darin wie im Prospekt. Ich hing noch den Umweg über die Rosengartenstraße dran, die Finger wurden kalt, ich fuhr nach Hause und machte einen Haken.



Sonntag, 6. Oktober 2024

Sinnlos

Nein nein nein es muss noch weitergehen! Gern auch mit kleineren Brötchen. Beispielsweise mit der SR stadtnah, stilvoll und langsam unterwegs sein, dafür ist sie schließlich da. Langsam kam hin, ich war auf dem Weg nach Westen und schaute mir die Elbchaussee an. Dann quälte ich mich durch Wohngebiete in Blankeneese zwischen SUV's, Kinderwagen und Rennradgruppen. Immerhin war auf die Weise die Kälte auszuhalten in Lederjacke. Hinter Wedel traute ich mich auf die Landstraße. Ich fuhr bis zum Flughafen Üetersen, wo ich mir einen Stellplatz im Gewühl suchte. Das war das Problem: Stadtnah waren immer auch die anderen Hunderttausend, vor denen man eigentlich ja flüchten will. Die Flucht nach Westen Richtung Rellingen verdarb mir der eisig entgegenpeitschende Wind. Ich kam durchgefroren zurück, die Sonne schien noch sinnlos weiter.



Samstag, 5. Oktober 2024

Leben in Lederjacke

Man könnte mit Goretex und Winterfutter fahren, aber können kann man viel. Man kann auch in einer Lederjacke leben, und eine Route wählen, die langsam ist und den Lack der Z in gleißender Kaltsonne bestmöglich zur Geltung bringt (und ohne zu erfrieren). Anja war einverstanden. Wir fuhren durchs Schulterblatt, die Hafencity, Rebel und Z, das sah gut aus, alle anderen waren Fußgänger. Über Moorwerder ging es mit 50 Km/h ins Alte Land. Die Straße schwang sich engkurvig am Binnendeich entlang nach Jork (noch mehr Fußgänger) und weiter bis zum Lüheanleger in Grünendeich. Dort war das passende Publikum versammelt für ein gutaussehendes Duo aus der Großstadt. Wir tranken Cappuccino im Stehen, kommentierten die örtlichen Biker und fuhren fotogen ab. Am Köhlbrand schossen wir Bilder für den Hipsterkatalog. Die Sonne stand schräg, der Lack funkelte, die Kälte kam. Ein weiterer Tag wie im Urlaub endete frierend, wir waren zufrieden mit fast nix.

Freitag, 4. Oktober 2024

Heimaturlaub

Es gab einen Brückentag, kalten Sonnenschein, und keinen großen Plan der nervt. Stattdessen: Heimaturlaub und Ortstermine in der Nordheide. Initiator war Ben, da nimmt man besser gleich die Enduro. Ich führte uns auf bekannten Wegen aus der überfüllten Stadt heraus. In der Wildnis zwischen Harburg und Hollenstedt übernahm Bens grobstollige Africa Twin die Leitung. Es dauerte nicht lange und wir waren auf Plattenwegen unterwegs. Mein Tomtom zeigte nur noch Grün an und es ging weiter auf morastigen Waldwegen. Um Anja musste man sich dabei keine Sorgen machen, die Rebel butterte einfach rüber, wo wir die Enduros im Stehen durchs Dickicht trieben. Am Ende lag ein kleines Anwesen im Schilf. Wir gingen nicht rein, denn es war sicher eine Hexe drin. Das zweite Objekt war zivilisierter erreichbar und entsprechend trostlos. Zur Belohnung durfte ich noch eine Runde durch die nähere Umgebung gestalten, auf Asphalt über Hanstedt nach Stelle, ganz normal und mit eingeschalteten Heizgriffen. Gegen 17 Uhr erreichten wir die Stadt, genau als die Kälte anfing zu kriechen. Kurzer Abschied im Hafen, dann getrennte Wege in warme Wannen.

 


Sonntag, 22. September 2024

Ende gut.

Freitag, halb 12, Feierabend. Das mussten alle akzeptieren. Ich packte einen kleinen Rucksack und setzte mich in den Regionalexpress. 4 Stunden später war ich in Göttingen. Dort war Sommer, wie immer. Ich holte die 500X aus der Garage, fühlte mich frei und allein, fuhr mit irrem Tempo auf der Autobahn nach Windhausen. Sowas würde man normalerweise nicht tun, aber ich hatte einen Grund. Nach einer Stunde war dieser abgehakt und ein Wochenende begann, erfüllt von Sonne, Kilometern und sonst nix. Ich checkte in Hörden ein und brut eine Frikadelle.

Am nächsten Tag hatte ich mich mit Rembert verabredet. Treffpunkt war Bernburg an der Saale, die Anfahrt rechtfertigte eine ausufernde, diagonale Harzquerung. In der Morgenfrische war ich unterwegs auf meist unbekannten, verkehrsfreien Kurvenstraßen weit in den Osten, wo bei Mansfeld die Berge sanft in eine triste Ebene übergehen. Auf einem Parkplatz traf ich Rembert und dessen kolossale Road Glide. Zu Essen gab es in Bernburg nix, was mir ziemlich peinlich war. Ein Sandwich an der Tanke löste das Problem und war irgendwie auch stilecht. Wie beschlossen, den Tag auf kurvigen Asphalt zu verbringen. Meist führte die Glide, die Rembert unter Beastie Boys Beschallung äußerst souverän über die Bergstraßen trieb. Es war ein Vergnügen, dem Dickschiff durch die präzise gewählten Radien zu folgen. Auf den Geraden gab ich der Honda Vollgas, um dranzubleiben. Vergeblich. Die Höhenstraße im Zelluloid-Gegenlicht bildete den angemessenen, epischen Abschluss. Wir parkten lässig und etwas durchgekühlt bei Piccolo Mondo und bestellten Pizza.

Der Sonntag war genauso sonnig, als ginge es für alle Zeiten so weiter. Wir fuhren über den Sieberpass hinauf zur Hochstraße, dort trennten sich unsere Wege. Für mich ging es westlich aus dem Harz raus, 37879 Bikes kamen mir dabei entgegen. Die Honda musste nach Hamburg, was ich auf einer großräumigen Tour auskosteten wollte. Die Details hatte Tomtom ausgearbeitet, mir war nur wichtig, dass es durchs Leinetal ging, wo ich einen Aussichtsturm gesehen hatte. Er stand nördlich von Alfeld im Wald, aber unerreichbar am Ende eines Wanderweges. In finaler Sommersonne kurvte ich weiter nach Norden, bis die Welt verflachte und nur noch aus Wohnsiedlungen und Gewerbegebieten bestand. Hannover umfuhr ich ganz schlau auf der Autobahn. Nach einem kurzen Freiheitsgefühl stand ich im Stau. Ich probierte Waldgeraden im Westen aus, kam in Kolonne über Walsrode nach Soltau. Ein letztes Stück Fahrvergnügen wollte ich noch und nahm die hügelige Strecke Bispingen, Hanstedt, Brackel. In Fliegenberg stand ich müde am Deich, wo die Welt endete. Gutes Ende.



Sonntag, 15. September 2024

Rückenwind

Wir trugen lange Thermounterwäsche und konnten uns gar nicht mehr erinnern, wie wir vor eine Woche geschwitzt hatten. Den Tag sahen wir realistisch, hatten Wheels & Wake abgesagt und stellten keine großen Forderungen. Im Osten müsste es sonnig sein und vielleicht ein Grad mehr. Die Deichstraße nach Geesthacht war zwar angenehm langsam, aber leider auch quälend langweilig. Man kann sie inzwischen mitbeten. Auf der B195 kam der Wind von hinten und die Sonne schien lachend auf die Straße, die uns gehörte. Das galt auch für die Birnen, die wir kiloweise pflückten und im Rücksack verstauten. Das alles war so motivierend, dass wir bis Neuhaus durchfuhren, dort Filterkaffee tranken und uns nur ungern mit die Rückfahrt befassten. An der Fähre nach Darchau gab es eine Wiese für Wohnmobile. Wir rollten die rote Picknickdecke aus und dösten in der Sonne. Sie war stark und verwandelte den Tag. Auf dem anderen Ufer ging es mit gutem Gefühl zurück, schwingend, kühle Luft in warmen Farben. Ganz zum Schluss, im Stadtgebiet kroch die Kälte in die Lederjacke. Wir heizten den Grill an und spielten Sommer als wäre nix.



Samstag, 14. September 2024

Durch die Luft

Schnitt. 10 Grad weniger, ich, allein mit der Z, in der Nordheide, ohne Agenda. Mir schien das genau das Richtige zu sein. Kilometer flogen, Wind zog kühl durch die Jacke, Gedanken durch den Kopf. Es waren die bekannten Routen, aber darum ging es nicht. Nur das Dahinrollen zählte, autofrei durch die kalte Luft, abwesend, manchmal schnell. Bei genauerem Hinsehen war es ein Tag der Fußgänger. Aus jedem Wald und hinter jedem Knick krochen sie in bunter Funktionskleidung. Meine Welt war anders. Ich trank Kaffee aus einem Pappbecher an meiner Lieblingstanke, gab wieder Gas und rauschte schnurstracks auf der kalten B3 nach Norden. Die Fußgänger der Stadt trugen Daunenwesten. Motorradfahrer freuten sich auf die warme Wanne.

Samstag, 7. September 2024

Art

Der Endless Summer schien endlos. Man konnte sich nichts anderes mehr vorstellen als Fahrten ohne Handschuhe durch heiß flimmernde Nachmittage. Wir programmierten wieder eine kleinkurvige Route nach Norden, Ziel: Büdelsdorf. Es ging westlich der B4 durch teils bekannte, teils vergessene oder nie gesehene Nebenstraßen übers Land nach Norden, wobei Anja auf der Rebel führte. Eine milchige Dunstschicht milderte angenehmerweise die unter Volllast brennende Sonne, während wir über Wald und Wiese dem Kanaltunnel näher kamen. Mehrere Stunden verbrachten wir in den Hallen der NordArt. Am Ende tat uns alles weh, wir hatten Hunger und Durst und in unsere Köpfe passt nix mehr rein. Daher war es angemessen, die Rückfahrt zunächst relativ blöd anzugehen und erst im weiteren Verlauf noch den einen oder anderen Schlenker einzubauen (meist gegen den Willen des Beeline). Wir fuhren im Stadtzentrum von Nortorf vor, das es tatsächlich gibt, und wo italienischen Kaffee gibt. Ohne den hätten wir den Heimweh nicht geschafft.



Donnerstag, 5. September 2024

Eine gute Woche im Süden

29.8., Hamburg Hbf. Der ICE fuhr an, mit nur 20 Minuten Verspätung. Anja und ich saßen rückwärts auf unreservierten Plätzen, für 2 Stunden. In Göttingen war Sommer und die Stadt trug kurz. Wir beluden die dort stationierte 500X und richteten uns zu zweit auf ihr ein ein. Alles, was nicht ins Schreckliche Topcase passte, musste zurückbleiben. Vor uns lag glühend heiß die B 27 in den Süden. Wir hatten eine Woche Zeit, alle Möglichkeiten und je ein T-Shirt zum Wechseln. Ohne Handschuhe und mit offenem Helm rollten wir in das Landschaftspanorama. Wenn quälende LKW unterwegs waren überholten wir mit Vollgas. In Bad Hersfeld bogen endlich wir ab auf leere Nebenstrecken, auf einer ausgefeilten Route südöstlich über Schlitz Richtung Steinau, auf freier Bahn durch eine idealisierte Mittelgebirgswelt in flirrender Sommerhitze. Im Westen waren Gewitterzellen zu sehen, aber wir erreichten unbeschadet unser erstes Ziel: Ein Hotel in einer nichtssagenden Wohnsiedlung bei Wertheim am Main. Im Gewerbegebiet gab es fußläufig einen Biergarten wie im Urlaub.


30.8. Den ganzen Tag kurvten wir bei brütender Sommersonne durch erstklassige Landschaft, dessen Namen wir nicht kannten (Spessart, Anm. d. Red.). Immer wieder berührten wir Flusstäler, dazwischen lagen einsame Hochebenen mit schmalen Straßen und ohne Verkehr. Schwäbisch Hall sagte uns was, dort gab es ein klimatisiertes Kunstmuseum und Postkartenmotive. Zwischen Hall und unserem Ziel lag ein weiterer unbekannter Wald mit angenehmen Schatten und kringeligen Nebenstraßen, die uns beiden auf der Honda mächtig Spaß machten. Am Spätnachmittag ging der Wald abrupt in ein Einkaufszentrum und eine saubere Wohnsiedlung über. Wulf empfing uns dort und wir bezogen den Kühlraum.


31.8. Auf einer Scrambler 1200 XE führte Wulf uns über Stadtautobahnen zu unserem Aufhänger: Glemseck 101. In kurzen Hosen streiften wir über das Gelände und bewunderten umwerfende Custombikes. An einen Platz auf der Tribüne war nicht zu denken, und die mitgebrachten Wasserflaschen waren längst leer. Am Nachmittag waren wir wieder auf der Straße. Am Neckar gab es Weinberge und Wulf kannte irgendwo oben einen Biergarten mit Aussicht und Gyros. Weil noch Zeit war drehten wir noch eine immer größer werdende, kurvige Runde durch den ungekannten Wald vom Vortag. Er heißt Schwäbischer Wald und ist Wulfs Hausstrecke. Am Abend philosophierten wir lange über den weiteren Verlauf und programmierten das Ergebnis ins Tomtom.


1.9. Das Gremium hatte entschieden, die Alpen zu belassen wo sie waren und stattdessen 250 Kilometer nach Osten zu fahren. Eine gute Entscheidung, denn es ging ganztägig durch abwechslungsreiche Landschaft, meist auf sonnigen Nebenstraßen ohne Autos. Wir durchquerten z.B. den Krater des Nördlinger Ries, was sehr eindrucksvoll war. Östlich schloss sich eine extrem dünn besiedelte hügelige Gegend mit weiten Blicken an. Wir waren schon müde, da öffnete sich vor uns das Altmühltal. Ein Highlight, durch das wir in bester Cruisingmanier in den warmen Abend ritten. Am Ende der Tour lag Kelheim. Es gab Kopfsteinpflaster, Schweinebraten und lokales Bier. Wir stießen an uns beglückwünschten uns gegenseitig.


2.9. Über Nacht war eine ungeplante Gewitterfront gekommen, die nun lokal und zielgenau auf unserer geplanten Route träge dahin zog. Bis Mittag saßen wir im Hotel, warteten, analysierten Wetterdaten und arbeiteten eine raffinierte Strategie aus. Wir würden nach Süden aus der Wolke herausfahren und diese östlich außerhalb nach Norden umfahren. Das klappe tatsächlich, abgesehen von einer Regenschleppe, die wir mit Vollgas auf der Autobahn durchstießen. In Straubing schien die Sonne wie eh und je. Wir bewunderten die lebendige Stadt und aßen Fischbrötchen. Danach ging es wieder auf kleinen und kleinsten Straßen durch den Bayrischen Wald nach Norden. In manchem Dorf musste ich ungläubig nachfragen, aber Tomtom meinte es ernst, schickte uns zwischen Scheune uns Dorfteich in die absurd-kuppige, unübersichtliche Feldmark, oder sogar auf Gravelpisten durch den Wald. Auf diese Weise erreichten wir erschöpft und reichlich weltfremd Weiden in der Oberpfalz. Dort kannten wir uns aus. Es liegt in Bayern, ist aber wie Italien.


3.9. Wir verabschiedeten Wulf in Leder und starteten die Maschine. Was Wulf nicht wusste: Kurzfristig hatten wir uns geeinigt, Thüringen diesseits des Antifaschistischen Schutzwalls zu umfahren, auch wenn es noch so schön und wettergünstig auf dem Weg lag. Der Würgreiz verschwand sofort und wir wühlten wir uns durchs Hinterland bis Bayreuth. Einmal auf dem grünen Hügel stehen, das war was für Insta. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder auf Fränkischen Nebenstrecken jeglicher Art. Bei durchgehend 30° freuten uns über jeden kühlen Wald oder einen Dorfladen mit Kaffeemaschine. Ungezählte einsame, sanftwellige Kilometer später kam majestätisch die Röhn ins Bild. Ein echtes Gebirge mit Flugplatz obendrauf. Dahinter lag Fulda, das kannten wir schon. Dort checkten wir ein und fanden Schweinebraten in historischer Kulisse. Unter uns, jetzt, wo wir den Vergleich hatten: Na ja. Mit Bangen verfolgten wir die ganze Nacht das Wetterradar.


4.9. Wir hatten den Wecker auf 6 Uhr gestellt, um vor dem Eintreffen der Regenfront nach Norden zu fliehen. Total unnötig. Erst gab es noch äußerst fotogenen Frühnebel, dann wieder nichts als Sommerhitze und Neben-Nebenstrecken im Werra Grenzgebiet. Weit hatten wir es nicht, also nahmen wir jedes Bergsträßchen mit, wobei wir einmal sogar ein Stück Thüringen streiften (der Grenzverlauf ist hier unübersichtlich). Wir kamen über Duderstadt nach Hörden, packten unsere Sachen aus und fielen in einen tiefen Nachmittagsschlaf.


5.9. Letzter Tag, im Harz. Wir fassten Mut und überfuhren die Grenze. Denn drüben in Weißenborn stand eine Royal Enfield Guerrilla, die Anja testen wollte. Nicht schlecht. Zurück auf der Honda leitete Tomtom uns auf gröbsten Eselspfaden durch den Wald. An manchen Schotterkehren musste ich Anja absetzen. Lauterbach erschien wie die erlösende Rückkehr in die Zivilisation. Mit euphorischen Vollgas trieb ich die 500X sie Steigungen hinauf auf den Hochharz. Auf der anderen Seite lag Bad Harzburg. Es gab dort Eiskaffee und Ferienhäuser in Beton. Noch einmal ging wie selbstverständlich über die verkehrsfreien Panoramastraßen, Tomtom war im 'Schnelle Route' Mode auf den Wegpunkt 'Garage Göttingen' programmiert. Die Sonne stand schon tief, als der ICE einrollte. Die Klimaanlage funktionierte. Pünktlich ging eine gute Woche entspannte Action zu Ende.




Sonntag, 25. August 2024

Klimawende

Ich hatte einen Wunsch frei und sagte: Strand. Wir packten alles auf die Bikes, was man dafür braucht und gurkten geduldig durch die Stadt. Über Poppenbüttel, weil alles gesperrt war. Letztlich landeten wir auf der auf der B75, rauschten in lockerem Verkehr dahin, nahmen die Nebenstrecke über Rehhorst und fuhren auf dem Anwesen in Strukdorf vor. Anja machte dort Business, ich schnackte Sabine eine perfekt zur Z passende Strandecke ab. Es wurde heiß und wir versprachen uns etwas Luftzug auf der Autobahn bis Schönberg. Die Landstraßen im McPom waren herrlich zu fahren, und lange nicht gesehen. Die gewohnte Kühle in Küstennähe blieb aber aus. Am Strand kam der Wind von hinten und ich brauchte mindestens 2 Badegänge zum abkühlen. Nach einer Weile wurde Anja ungeduldig und wir machten uns auf den Weg in einen schwülwarmen Sommerabend aus dem Bilderbuch. Über Schlutup, die Travemünder Landstraße, Lohmühle, erreichten wir wieder Strukdorf, wo wir einen interessanten Abend mit Grillgut und Nachtsichtgerät verbrachten. Ein Highlight war eine spontane, konsterniert aufgenommene Ausfahrt zum Sunset nach Pronsdorf, im T-Shirt.

Am Sonntag hatte sich das Klima gewendet, nördlich und frisch. Eigentlich ein gutes Setting für eine Fahrt nach Rendsburg zur NordArt. Die Tour dorthin war positiv überraschend, führte uns über viele unbekannte Strecken, die wir frei schwebend abritten, Verkehr gab es nicht, alles war gut. Die dicken Wolken kurz vorm Ziel wollten wir nicht glauben. Sie waren aber real. Wir leiteten eine hektische Flucht nach Kompass ein, aber der Schauer kam trotzdem. Immerhin, wir schafften es auf einer genial berechneten Route durch Regenkorridore nach Haus, Frierend, aber getrocknet. Ich wärmte mich in der heißen Wanne auf als wäre Winter.

Sonntag, 18. August 2024

Die Glücklichen

Anja war nach Westerrade gefahren, geschäftlich. Ich warte darauf, dass es endlich aufklarte. Gegen Mittag war es soweit, ich fuhr ihr nach. Allein mit der Z folgte ich einer nördliche Route. Anfangs tief durchatmend auf der Autobahn, dann ein Stück auf der B4, dann kreuz und quer über die Dörfer. Die Fahrt fühlte sich frei und gut an, ein guter Plan. Ich sah interessante Gewerbegebiete in Henstedt-Ulzburg, wo ich das GPS im Handy kalibrierte. Aber die Strecke über Strüvenhütten war ein ordentlicher Kurvenrausch. Wittenborn, Segeberg, hintenrum über Schieren nach Westerrade. Dort sind die Hühner glücklich und die Menschen auch. Jetzt ging es in gewohnter Zweisamkeit auf den Rückweg, mit groß angelegten, verwinkeltem Umweg durch die Knicks. Highlights: Negernbötel, das umwerfend triste Wahlstedt, Kurven bis Heidmühlen. Das letzte Stück wurden wir immer schneller, aus Angst vor Schauerzellen rasten wir auf der B4 heim. Dort waren auch die Menschen glücklich.





Samstag, 17. August 2024

Voll ins Blaue

Ein trübes, diagonales Band lag zäh über der Stadt und rührte sich nicht. Ich erledige sinnvolle Dinge, wie z.B. die SR zu putzen, obwohl sie nicht schmutzig war. Irgendwann wollte ich nicht mehr warten. Ich zog die Lederjacke an und fuhr nach Norden aus der Stadt raus, dorthin wo das Trübe Band angeblich nicht war, zusammen mit tausenden Autos, deren Existenz mich ärgerte. Beim Blick auf das Beeline bemerkte ich, dass ich es vergessen hatte. Die Route aus der Erinnerung zu fahren klappte nur so halb. Letztlich fuhr nach Nase auf das Blaue am Himmel zu. Einmal den Improvisationsmodus akzeptiert, machte das richtig Laune. Ich gurkte kreuz und quer durch das Gebiet um Kellenhusen, Hohenlockstedt, Hohenweststedt, und was es dort noch so alles gibt. Hier schien die Sonne wie im Sommer. Ich bog spontan ab, wenn es irgendwo eine Nebenstraße auf einen Geestrücken gab, freute mich über unerwartet kurvige Abschnitte und landete auf legalen Plattenwegen in einem flirrenden Wald. Die SR fand die Fahrt ins Blaue richtig gut, schnurrte lautlos durch leere Dörfer und war dankbar für ambitionierte Vollgasetappen dazwischen. In Itzehoe trank ich Cappuccino an der Tanke und prägte mir die Route ein, die am Stördeich entlang nach Glückstadt führt. Von dort ging es mit Fullspeed über Elmshorn und Uetersen zurück in die Stadt der Zurückgebliebenen.



Montag, 12. August 2024

Glückwunsch.

Anja hatte Geburtstag, wir saßen im Zug aber der fuhr nicht los. Wie stiegen um auf die Bikes. Das ging los. Gleichförmig zog die B3 unter den Reifen dahin, die Gedanken schweiften kreuz und quer durch die Welt. In Celle gab es Cappuccino unter Einheimischen, dann nahmen wir gleichmütig das öde Stück über Uetze, und dann irgendwann kamen die ersten Berge, Kurven, Sonne und einsetzender Hunger. Wir checkten am Edelhof ein, dann nahm ich Anja hintendrauf und fuhr mit ihr durch einen glühemden Abend zum Griechen in Osterode. Ein Aperol bitte, herzlichen Glückwunsch.

Exkursion am Sonntag. Der Weg nach Halberstadt führt zwangsläufig über die Traumstrecken im Harz. Kurven und Berge und Sommerhitze. Die Kawa fragte zwischendurch, warum wir nicht immer so fahren. Eine berechtigte Frage, die uns beschäftigte als wir in Halberstadt als Fußgänger schwitzend durchquerten. Auf der Rückfahrt blies der warme Wind alles von uns. Wir stopften uns in Wernigerode mit Pizza voll und hatten den ganzen Abend für die einsamen Bergstrecken. Das Licht kam hart von vorn, aber wenn es über die goldene Landschaft strich, wollte man nichts anderes mehr sehen.

Bevor es Montag zurück in die Ödnis ging, musste ich unbedingt noch den neuen Aussichtsturm am Torfhaus ausprobieren. Dann ging es runter nach Bad Harzburg und auf einer östlichen Route durch den brennend heißen Nachmittag nach Norden. Die Gegend um Schöppenstedt war herrlich einsam, bei Wolfsburg gab es etwas Verkehr, nur VWs. Spätestens bei Wittingen hatte uns die Hitze so ausgelaugt, dass wir einen medizinischen Eiskaffee beim örtlichen Cortina bestellen mussten. Der Rest war rauschen durch die Heide auf langen Waldstraßen, bis schließlich der Speckgürtel der Stadt spürbar wurde und wir wussten, wir müssen baldmöglichst wieder los.



Sonntag, 4. August 2024

Im Westen was Neues

Normalerweise ist man niemals so weit im Westen unterwegs. Jetzt ist dort aber der neue Standort der Berliner. Einladung lag vor, Wetter gut. Zumindest bis zum Nachmittag, daher waren wir um 10 Uhr mit der Rebel und der Z auf der Landstraße. Es war die B 75, die sich zäh über Tostedt und Rothenburg nach Südwesten quält, durch immergleiche Dörfer auf plattem Land. Überraschenderweise gab es auch schöne, flüssig-freischwebende Abschnitte, auf denen man die Zeit und alles vergaß. In Verden überquerten wir die Weser und es ging durch immer westlicheres, unbekanntes Gebiet. Das schwachwellige Relief der Wildeshausener Geest war nach den monotonen Buschtunneln eine Erlösung. Danach kamen wieder graue Orte im Flachland. Von Westen schob sich eine Gewitterfront heran, im allerletzten Moment erreichten wir Bersenbrück. Die Bikes parkten im Regen, wir waren drinnen mit vielen netten Leuten. Christian hatte Geburtstag und Bersenbrück ist das neue Ding.

Sonntag. Nach dem Rührei hatte sich das Regengebiet verzogen. Wir fuhren einmal durchs Stadtzentrum und begaben uns auf die langen Geraden nach Nordwesten. Die Route war eine andere, aber es sah genauso aus. Highlights waren Großenkneten und die Fähre über die Weser. Der weitere Verlauf war entspannt, meist ungestört, meist mit 70 Km/h. Wir kamen über Bremervörde in heimisches Gebiet. Müde, mit leerem Tank und der Sonne im Rückspiegel rollten wir in die Großstadt ein. Bersenbrück existiert.



Sonntag, 28. Juli 2024

Gemütlichkeit

Alleine am Samstag, nicht schlimm. Den Tag hatte ich schon mal anfangen lassen und die Z erst klargemacht, nachdem die Alltäglichkeiten eingetütet waren. Sie fuhr dann auf den üblichen Wegen nach Süden aus der Stadt raus, alles lief normal bis zur Sperrung der Straße nach Fliegenberg. Ich brauchte ewig, um irgendwie östlich an Harburg vorbeizukommen, verstrickte mich im undurchdringlichen Wirrwarr zwischen Maschen und Stelle. Das Beeline war inzwischen auch abgestürzt, die Vollsperrung der B4 (echt!) durchfuhr ich auf dem Gehweg. Danach fiel alles von mir ab und ich rauschte weitgehend allein durch die Heide, auf einer quer verlaufenden Route bis zu den Hügeln südlich von Lüneburg. Das war so befriedigend, dass ich freiwillig die Hauptstraße bis Lauenburg in Kolonne fuhr, und von dort schläfrig am Deich entlang nach Hause.

Am Sonntag schwärmte ich Anja von dem Mittelgebirge südlich von Lüneburg. Das motivierte sie und wir fuhren eine sehr ähnliche Route nochmal zusammen. In Salzhausen brauchten wir Koffein, welches wir in einer Bäckerei abseits des Massentourismus bekamen. Die Sonne brannte, die Landstraßen lagen in tiefem Sommergrün zwischen geernteten Feldern. Leider waren auch in den entlegensten Ecken immer Autos unterwegs, was aus unserer Sicht keinen Sinn ergab, und auch nicht erwünscht war. Es gab aber auch herrlich fließende Abschnitte, zum Beispiel die Verlängerung von Bienenbüttel bis Bleckede. Weil der Tag lang war, setzten wir mit einer antiken Elbefähre über nach McPom, wo es ganz anders aussah. Noch ein Stück B195, ohne nennenswerten Verkehr, dann ganz klassisch zurück über Geesthacht und die schläfrige Deichstrecke. Wenn ich nicht im letzten Moment die panisch blinkende Benzinleuchte gesehen hätte, wäre es vielleicht noch abenteuerlich geworden. So war es nur ein gemütlicher Sonntagsausflug.

Sonntag, 21. Juli 2024

Sehnsucht

Sonntag noch mehr Hitze. Morgens um 10 war die Welt noch in Ordnung. Wir waren auf der Autobahn unterwegs nach Norden, mit leichtester Garderobe aber ohne Strandsachen im Gepäck. Irgendwo oben an der Küste musste frischer Polarwind von der Ostsee wehen. Der Fahrtwind war gut, ab Kaltenkirchen ging es diagonal über Hartenholm nach Norden. Die Z ab und zu mal etwas auszudrehen war ein immer noch neues, erregendes Fahrgefühl. Überraschenderweise hielt Anja immer Anschluss, 'angenehm zügig' sei meine Fahrweise geworden. Bei 100 Sachen in Küstennähe war die Temperatur gut zu ertragen. Ergebnis des Reality Checks in der  Turmhügelburg Lütjensee: Lieber in westlichem Bogen zurück, als in eine der anrückenden Zellen zu geraten. Das ging über Preetz, Nettelsee bis Neumünster. Die Strecke war teils öde aber manchmal fluffig. Allerdings bestimmte die brütende Hitze im Landesinneren alles, so dass uns keine Heldentaten mehr zumutbar waren. Die B4 stach durch einen heißen, klebrigen Luftstrom, der Horizont war eine kompakte, unheilvolle diesige Masse. Erst die Garage war ein angenehmer dunkler, kühler Sehnsuchtsort.



Samstag, 20. Juli 2024

AC

Hochsommer wie noch nie kam am Wochenende. So viel Hitze, und so viel Autos waren zu erwarten, dass wir strategisch vorgingen, den perfekten Ort zu finden. Wie immer war dies Brook. Wir kannten Wege dorthin durchs Gebüsch, ohne Stau. Kühsen, Mölln, Schönberg lagen entlang einer Route, auf der warmer Wind durch den Hoodie wehte. Die Fahrt war leicht und frei wie im Sommer vergangener Zeiten. In Schönberg liefen wir ungewollt in ein Oldtimertreffen der Extraklasse, Schwerpunkt Ostfabrikate. Am Strand blies erwartungsgemäß ein kühler Wind aus Ost, wie aus der AC. Wir blieben dort bis der Kaffeedurst kam, dann rollten die Rebel und die Z im Schneckentempo über Klütz nach Grevesmühlen zum Griechen. Der hat auch Eis, wenn Jannys zu hat. Auf der Rückfahrt über Ratzeburg durchs Stormanische kamen alle Attribute eines perfekten Sommertages zum Tragen. Blendende Abendsonne, Sand in der Unterhose und ein leichter Sonnenbrand. Wir aßen Burger in Barsbüttel und fuhren mit einem Strom Durchgeknallter in die überhitze Stadt am Samstagabend.




Sonntag, 14. Juli 2024

Major Tom

Start. Währen der Rest der Welt mit der Planung von Nudelsalaten beschäftigt war, hatte ich mir eine verwegene Route durch die Heide programmiert. Aber als ich auf der B3 nach Süden schwebte, fand ich es schön und hielt die 500X einfach auf Kurs mit 90 Sachen. Der wichtigste Wegpunkt auf der klassischen Route ist Solschen, von hier aus sieht man erstmalig die mächtigen Harzberge. Der Rest war Routine. Rewe-Markt, auspacken, Füße hoch.

Sonntag: Völlig losgelöst durchs Eichsfeld, dann in groß angelegtem Orbit erst um Göttingen, dann um Kassel herum. Dazwischen, extra kurvige Transferbahnen über Stunden. Mal flott, mal auf einsamen Waldwegen. Ich querte die Weser, Eder, Fulda und Werra wie in einer Heimatkundelektion. Alles ohne Verkehr, ohne die geringste Störung. Dörfer wie aus dem Fallerkatalog lagen dekorativ zwischen den Hügeln. Ich fuhr mehr und mehr orientierungslos, folgte Tomtom, mit dem ich mich wortlos verstand. Er war hier in seinem Element. Nur die Burg Heiligenburg war nicht zu finden. Stattdessen eine tranceartige, einsame Fahrt über das Meißnergebirge in aufkommender Nachmittagshitze. Bad Sooden,  das Grenzgebirge zurück ins Eichsfeld, ein nicht endender Rausch. Einen Schlenker in den Harz hängte ich noch dran, weil's so schön war und Tomtom das auch gut fand.

Einen Tag hatte ich noch, und Sonne und Zeit bis um 20:01 Uhr an Gleis 8. Und etwas zu besichtigen hatte ich auch, in Halberstadt, auf der anderen Seite. Den Weg dorthin schmückte ich aus, mit überflüssigen Fahrten im Hochharz. Die neu entwickelte Heidelandschaft sah super aus in der flirrenden Mittagshitze, sie ist ein echter Gewinn. Viele Kurven später saß ich in Halberstadt am Fischmarkt und traf dort Frau L. Zurück geriet ich in den örtlichen Berufsverkehr, was bedeutete, die Gerade, die auf die Berge zuführt in einer lockeren Kolonne zu fahren. Das geht schlechter, dachte ich. Das galt auch für die elegante B243 am Südrand, auf der ich ohne störende Autos in den Spätnachmittag glitt. Endpunkt des Tages war die Göttinger Innenstadt im Hochsommer. Noch ein Alkoholfreies, dann kam der ICE.


Sonntag, 7. Juli 2024

Wiedereintritt

Wir kamen zurück in ein Land, dass man sich erst schöntrinken musste. Bzw. zurechtfahren, an den verbleibenden Urlaubstagen. Um ehrlich zu sein, das war schwerer als gedacht. Aber es gab auch Highlights. Zum Beispiel am Freitag endlich die Enfield HNTR zu testen, die gewisse Chancen auf einen Platz im Fuhrpark hatte. Wir wechselten uns ab im Speckgürtel-Dickicht des Seevetals, wobei als direkter Vergleich die SR mitfuhr. Die HNTR ist dagegen ein modernes Bike ohne Vibration. Unangestrengt rollte sie mit 100 Sachen dahin. Die SR sah hinterher noch sexier aus, und vibrierte herrlich.  

Am Samstag kam ein schöner Schwall Sommerluft, den wir mit der Rebel und der Z ganz tief in der Südheide verbrachten. Im Schatten der TrÜbPl bei Munster gab es Einsamkeit und Freiraum, mit gutem Willen so ähnlich wie auf einer normalen Bundesstraße in Schweden. Leichtfüßig schwangen wir Richtung Amelinghausen, beide wussten, dass ein Eisbecher verdient war.  Dann flüchteten wir vor einer Regenfront, die nicht kam. Abends war es noch warm und schön, und ich bollerte mit der SR durch die taumelnde Stadt. Sonnenbrille, luftiger Hoodie, eine Dreiviertelstunde heile Welt.

Sonntag fuhr man wieder mit langer Unterhose, Aber egal, wir wollten es wissen. Im Bogen ging es über Kühsen nach Norden. Eigentlich einen gute Fahrt, wären nicht die Norwegischen Fjordstraßen noch so präsent in der Erinnerung. Aus Fantasielosigkeit landeten wir mit Kaffeedurst in Lübeck. Anja organisierte telefonisch Kaffee und Kekse in Strukdorf, wo wir von Skandinavien schwärmten. Zurück ging es kreuz und quer über Schwissel. Eine gut gemeinte Tour, aber die endlosen, gleichförmigen Buschtunnel, die allgegenwärtigen Bürgerkäfige und dass alle 3 Kilometer ein Dorf kam, das nahm deprimierende Ausmaße an. Zu Hause guckten wir 600 Bilder aus Norwegen durch.



Donnerstag, 4. Juli 2024

Entscheidung beim Rührei

Alles war geplant, gebucht und gepackt. Doch am Frühstückstisch war alles anders. Statt nach Frankreich buchten wir eine Kabine auf der Color Magic und waren am nächsten Morgen in Norwegen. Während wir noch ungläubig die eigene Courage verarbeiteten, zogen schon majestätisch Flusstäler, Felsen und Fjorde am Visier vorbei. Eine Woche lang gab es nichts als entspanntes Gleiten über Traumstraßen durch die spektakulärsten Landschaften seit Entstehung des Universums. Wir nahmen uns Zeit für Fotos am Antlantikvejen, auf Fjells mit Schnee bei 25°, wir wussten wo das Vinmonopolet ist und wo es Döner gab. Wir folgten der Sonne nach Schweden, und schlossen den Traum ab bevor er zerplatze.


Alle unglaublichen Details demnächst hier bei den Reiseberichten.

Samstag, 15. Juni 2024

Die Sonne über Meckelfeld

Die endlosen Junitage ermöglichen auch die späte Tour. Am Spätnachmittag waren die letzten Regenbänder durchgezogen. Die Sonne war noch hinter Milch, aber für eine Ausfahrt zum Durchatmen müsste es reichen. Keine Experimente im Ablauf - Hafen, Stelle, Nordheide. Ich hatte Zeit bis in den späten Abend. Theoretisch. Real kroch schon in Winsen die Kälte. Im Hinterland hatte ich den Wind frontal. Die programmierte Route hatte ich längst weggeklickt, es ging nur noch darum, den rettenden Sonnenstreifen im Westen zu erreichen, was zu einer verwinkelten, improvisierten Strecke führte. Es gab schöne, frei schwingende Momente, ich sah bunte Gewerbegebiete und verprollte Vorstädte. Die Sonne stand über Meckelfeld, eisig und hart. In Hamburg versuchte ich mich im Fußballstau aufzuwärmen. Am Ende half nur eine Wolldecke und ein warmes Bier.



Sonntag, 9. Juni 2024

Europa

Samstag in Europa. Ich wählte einen Tag allein mit der Z. Im Osten war das Wetter gut, immerhin, und es gab keinen Stau. Ohne jeglichen Gedanken segelte ich über Geesthacht und Lauenburg zur Grenze. In Boizenburg, wo man normalerweise auf die  B195 abbiegt, wollte die Kawa weiter geradeaus. Vor mir öffnete sich die B5 in ihrer ganzen Pracht. Ein grünwuchernder Tunnel, durch den ein graues Band in die Ewigkeit führt. Kein Auto störte die gleitende Fahrt durch den kühlen Luftstrom. Allenfalls die abartigen Wahlplakate störten, die den Ossis wahr machen wollten, es sei ihr Land. Das war natürlich Quatsch, mir ganz allein gehörte alles wo meine Reifen rollten. Hinter Ludwigslust bog ich Richtung Dömitz ab, Wortlos und introvertiert. Zurück ging es dann tatsächlich auf der B195. Vereinzelnd kamen Bikes entgegen, grüßten und verschwanden im Nirvana. Ich schloss die Tour am Zollenspieker ab. Der Eindruck westlicher Kultur und Zivilisation wirkte erholsam.



Sonntag, 2. Juni 2024

Gestern

Der triste, milchige Dunst blieb entgegen aller Versprechungen bis weit nach Mittag. Nur McPom leuchtete auf der Wetterkarte nach wie vor sommerlich. Es musste sich noch ein Tag wie gestern herauszaubern lassen, da waren wir uns sicher. In Ahrensburg bogen wir von der Autobahn ab und folgten einer winkeligen 'Fun' Route des Beeline. Hin und her ging es durch den dichtbesiedelten Speckgürtel. Nach kurzer Zeit hatte ich sowohl die Orientierung als auch die Motivation verloren. Eine uninspirierte Dreiviertelstunde lang standen wir auf einem Parkplatz in Barkhorst, Wetterkarten studierend und immer neue Routenmodelle durchspekulierend. Währenddessen wehte der Nordwind, so dass wir schon im Stand froren. Abbruch. Es folgte noch orientierungsloses Herumgurken auf Feldwegen über Rümpel nach Oldesloe (falsche Richtung), dann eine frostig-desillusionierende Rückfahrt über Norderstedt. Was blieb, war die Erinnerung an einen Sommer von gestern.



Samstag, 1. Juni 2024

Deluxe

Große Vorfreude ging diesem Samstag mit Sonnenschein voraus. McPom war ein gutes Ziel. Dort waren wir lange nicht, und die Z sogar noch nie. Es begann auf kleinteiligen Landstraßen im Herzogtum Lauenburg von wo wir irgendwo im Gebüsch auf due B195 nach Zarrentin stießen. Ich kurvte noch etwas müde durch die engen Alleen, und wir waren uns einig, am Schaalsee müsste es eine Pause geben. Über den See blies klarer Nordwind während wir Fischbrötchen mampften. Es ging weiter auf Buckelpisten Richtung Norden, immer vorsichtig um die unübersichtlichen Ecken in überbordender Buschigkeit. Hinter Mühlen-Eichsen ging es diagonal nach Grevesmühlen, es der Endpunkt der programmierten Route. Die Sonne schien grell, während wir mit zwei Eiskugeln über den weiteren Verlauf philosophierten. Ich wollte das Meer sehen und setzte mich durch. In Brook waren wir auf eisigen Wind und Schaumkronen eingestellt. Unerklärlicherweise wehte dort nur ein laues Lüftchen. Zwei Stunden sonnten wir uns in Unterhose am unschlagbaren Pausenplatz Deluxe, als wäre es ein Sommertag vergangener Zeiten. Auch die Rückfahrt durch sonnenbrillengoldenes Abendlicht hatte durch und durch nostalgische Züge. Wir streiften Lübeck, glitten völlig autofrei und unbeschwert über Kronsforde, Kastorf auf der Nebenstrecke durch den Sommerabend. Zum Abschluss fuhren wir beim Diner im Gewerbegebiet von Barsbüttel vor. Danach war selbst die Einfahrt in die Stadt Deluxe.



Sonntag, 26. Mai 2024

Tango

Diszipliniert waren wir um 10 Uhr auf der Straße. Alles war klar, hell und frei. Sogar der Elbtunnel. Ein gutes Stück nach Süden fahren, das war safe. Wir wussten bescheid. Wir nahmen Nebenstrecken im Abseits, westlich der B3, um Langeweile auszuschließen. Dort ist man selten, man fährt durch einen wuchernden Landschaftspark in sattem Grün. Wir staunten über interessante, unerwartete Strecken, sogar den einen oder anderen Hügel. Gegen Mittag quollen Wolken, aber wir hatten Kontrolle, wir waren safe. Wir fuhren weiter, erreichten Munster auf einsamen Militärstraßen. Von dort bot sich die Panoramastraße noch nach Amelinghausen an, mit genüsslichen Schwüngen ganz frei. Beim Eiskaffee analysierten wir die Lage. Gewitterzellen hatten sich in jeder strategisch wichtigen Richtung formiert. Uns gelang ein genau einstudierter Zellentango nach Norden an den Elbdeich. Konzentriert fuhren wir die Route ab, während im m Rückspiegel schwarz wurde. Ein letzter Sonnenkorridor brachte uns durch das Hafengebiet in Sicherheit. Danach war alles egal.



Montag, 20. Mai 2024

Nach uns die Sintflut

Montag war immer noch Pfingsten. Wir studierten die Wetterkarten und waren uns einig, im Norden trocken blieb man trocken. Wir fuhren los. Bereits in Bergedorf war klar, das mit Schwerin wäre Selbstmord. Am Himmel und auf dem Radar bildeten sich Schauerzellen, wirklich sicher war nur der wahre Norden. Es gab eine gute, eigentlich die beste Route nach Lübeck, über Koberg, Nusse, Berkentin und Krummesse. Mangels übergeordneter Pläne saßen wir kurze Zeit später in Lübecks Innenstadt und tranken Cappuccino in der Sonne. In Süden quollen die Ambosse, wir zogen weiter über die verdeckte, winzige  Hinterlandstrecke bei Großtimmendorf bis nach Scharbeutz, wo wir das Meer sahen. Es schäumte nicht schlecht, und überall waren Touristen mit E-Bikes. Es kam so, dass in der Folge einige Strecken meiner Tour vom Samstag wieder dabei waren, diesmal umgekehrt, z.B. der Buschtunnel von Pansdorf nach Ahrensbök. Die Gewitterzellen kamen zügig nach, Orte in denen wir in der Sonne gesessen hatten hatte die Sintflut bereits von der Landkarte gestrichen. Uns blieb einzig die Flucht nach Plön. Dort, am Bikertreff, ahnte niemand etwas davon. Wir saßen konzentriert am Bildschirm und berechneten einen Kurs, der uns um 18:05 Uhr bei Norderstedt durch einen Zellenkorridor in Sicherheit bringen müsste. Theoretisch. Die gleichförmige Kolonnenfahrt auf der B432 nahmen wir dafür duldsam in Kauf. Ungläubig realisierten wir, dass der Plan funktionierte. Vor unseren Reifen trocknete die Fahrbahn von den letzten Schauern, die anrückende Front blieb in weiter ferne. um 18.05 passierten wir Norderstedt rollten routiniert in die Stadt ein und klopften uns auf die Schultern.



Samstag, 18. Mai 2024

Rot und Grün

Ich hatte den ganzen Samstag für mich mit der Z und war ganz aufgeregt. Im Norden war man sicher vor den Schauern. Ich bastelte eine Route auf Nebenstrecken um den Westensee herum, das sah gut aus. Kreuz und quer ging es durchs Land. Alles wucherte in monotonem Grün Ton in Ton, oben Blau, dazwischen leuchtete ein roter Pfeil, das war die Z. Sie lief über Stunden unterbrechungsfrei dahin, abwechselnd auf Waldwegen, freien Landstraßen und Verbindungen auf Bundesstraßen, wo ich zunehmend Spaß am Überholen hatte. Ich fuhr und fuhr hielt nur an weil der Tank leer wurde. Bei einem Kaffee in Gnutz war noch zu viel vom Tag übrig Ich wollte fahren. Weiter fahren, fließen. Und das Meer sehen. Etwas Publikum für die Z wäre auch nicht schlecht. Es gab eine verwegene Route Diagonal über Ahrenbök, dann auf der uralten, unverschämt Kurvigen durch die Knicks nach Pansdorf, von dort weiter nach Timmendorf. Brodten, Travemünde, Straßen aus der Mofazeit. Auf das Meer verzichtete ich, denn es brachte arschkalten Ostwind. Ich fuhr weiter über Warnsdorf, Ratekau, Schwartau. Leider war ich inzwischen so durchgefroren, dass ich nur noch auf die B75 wollte, hin zu einer warmen Wanne. Alles fühlte sich hakelig, zäh und schlecht gelaunt an. Die Z konnte nix dafür, das musste ich ihr am nächsten Morgen nochmal sagen.





Freitag, 17. Mai 2024

Kurzer Freitag

Am frühen Nachmittag klappte ich das Notebook zu, brachte die Bolt ein letztes mal zum TÜV und stieg auf die Z um. Erst fuhr ich leichtfüßig durch die Stadt, aber am Ortsausgang im Osten waren sie alle da, meine vierrädrigen Freunde. Sie standen in ihren Pendlerkisten und rührten sich nicht, mehrspurig und dumpf. Ich wollte in die Gegend bei Lauenburg, aber die Idee war scheiße. Autos Autos Autos bis zum Getno. An der Tanke: Autos Autos Autos. Dann, ein Stück freie BAB bei Gegenwind, eine Erlösung bei 120 Km/h. In Geesthacht wieder: Autostau. Ich traf Niels mit seiner funkelnagelneuen Scrambler 1200 XE. am Hafen von Lauenburg. Huldigend trug ich mein Triumph T-Shirt. Ein langes Alkoholfreies lang gab es nur Bikes, und Sonne und Pläne. Alles war gut. Ich baute mir eine südliche Rückfahrt über Radbruch zusammen. In Autokolonne gurkte ich durch 30er Zonen. Das Beeline fand das 'fun'. Ich so: Du mich auch.



Sonntag, 12. Mai 2024

Konzept Himmel Fahrt

Mit 250 Km/h rasten wir nach Süden. Es war Mittwochabend, und als wir in Göttingen ankamen, war es noch hell und es war Sommer. Vom Bahnhof zur Garage waren es nur ein paar Meter. Wir packten die Bikes und die Sachen aus und fuhren zur Esso Tanke. Die einzige, die um 22 Uhr aufhat. Wir kauften Benzin, Milch, Eier und eine Flasche Notwein. Dann kam etwas Neues: Nachtfahrt auf der B27 unter Sternen. Die Strecke war leer und unkompliziert. Wir trieben immer tiefer in die Kälte des Weltalls. Durchgefroren und im Dunkeln tastend kamen wir in Hörden an. Am nächsten Morgen war Himmelfahrt. Oh, wir sind ja schon da! Müssen uns nicht beeilen. Auf dem Sofa ließ ich vom Tomtom eine 'kurvige' Rundfahrt ins Thüringische berechnen. Ich musste sie nicht nicht nacharbeiten, praktisch jede Strecke im Umfeld ist genial. Obwohl nie weiter als 50 Kilometer entfernt, waren wir den ganzen Tag unterwegs auf Straßen jeglicher Art. Die Besten waren wieder einmal die ganz kleinen durch Wald und Flur, wo niemand fährt, weil man nie weiß wo man rauskommt. Die Blicke schweiften über weites, hügeliges Land, wir entdeckten eine Burg am Ende eines Schotterweges sowie ein Meer von Bärlauchblumen in einem flirrenden Wald. Die ernteten wir großzügig ab und packten sie ins Schreckliche Topcase. Die Sommerhitze blieb bis zum Schluss. Wir tranken das erste Bier in alkoholfreiem Leder.

Frühstücksrührei in der Sonne, mit Bärlauch. Und Zeit für eine zwanglose Routenplanung. Irgendwie kam Bernburg ins Gespräch. Warum nicht eine Außenübernachtung einplanen, bei so viel Zeit? Als Nebeneffekt würde man die Saale-Unstrut Region sehen können und warm duschen. Es wurde eine lange, genießerische Tour quer durch den heißen Harz nach Osten. In dieser Richtung ist er riesig und läuft sanft aus, in eine völlig unbekannte Gegend. Wir reisten durch wechselnde Kulturen, erreichten schließlich den großen unbekannten Fluss. Bernburg war eine überraschend angenehme und interessante Stadt. Es gibt ein Schloss aus warmen Stein wie in Italien, nur dass man ganz alleine dort ist. Aber: es gab Aperol und Küche bis nach Neun.

Noch ein Tag, wieder quälend viele Optionen. Beschluss: Zurück nach Hörden. Eine aufwändige Programmierung führte uns zunächst am am Fluss entlang nach Süden. Das Saaletaltal ist genauso schön wir bei Google Maps, und wir glitten immer ohne jeglichen Verkehr durch die Landschaft. Über Weinberge und vergessene Holperstraßen kamen wir ins überdimensionale Tal der winzigen Unstrut. In der Nachmittagshitze tauchte eine Kaiserpfalz auf. Drinnen war es kühl und schattig, und etwas interessant. Das abschließende Stück ging direkt in die rot glühende Sonne rein. Bekannte Orte tauchten auf wie eine zweite Heimat. Besonders der Rewe in Herzberg, extra prollig am Samstagabend. Wir kauften Salat. Bärlauch hatten wir noch.

Sonntag: Diskutieren, abwägen, aber eigentlich war längst klar. Wir überführen erstmal die Bikes nach Hamburg. Die Fahrt startete einsam in den kristallklaren Morgen. Kulturell blieben wir beim Flussthema: Das Leinetal hatte von Zug aus gut ausgesehen, und auf der Karte auch. Es ist breit und der Fluss schmal. Die Straßen sahen auf der Karte romantischer aus als sie sind. Nach Norden hin kam zunehmend Verkehr und Besiedelung. Nichts Schlimmes, aber wir waren sehr entwöhnt. Hannover kam in Sicht, wir flossen mit dem Strom auf Schnellstraßen hindurch. Das ging schnell, aber die Vierspurige bis Celle war für Anja kaum zu ertragen. Wir mussten unser Mindset umstellen auf Heidecruisen. Es gab wieder schöne, leere Straßen, aber die gingen geradeaus und waren flach. Trotzdem, beim Eiskaffee in Bispingen war klar: Es ist gut, wenn man diese Rückfahrt einsparen kann. Jetzt hieß es, besser spät in Hamburg ankommen, als früh im Stau. Und am besten weitab vom Schuss. Wir kamen am Elbdeich bei Fliegenberg an wie am Ende eines Kontinents. Danach war der Anflug auf Hamburg dann easy. Abparken, Bier auf, 1000 Kilometer im Kopf, und ein Konzept das funktioniert.



Samstag, 4. Mai 2024

Stresstest

Ich nahm die Z allein mit in die Heide. Einerseits, um die Kilometer für die Erstinspektion zu füllen, andererseits weil ich fahren wollte und sonst gar nichts. Ich fuhr die Rosengartenstraße, auf der B3 bis Welle, wo ich tankte und einen Pappbecher Cappuccino trank. Die Sonne schien auf den Lack und das war gut. Handeloh, Undeloh, die typische Runde. Ich war überrascht, dass auch die Geraden schön gleitend zu fahren waren mit der Kawa. Das war unbewusst der wichtigste Stresstest und das Ergebnis war überragend. Der Sweetspot pendelte sich bei 90 Km/h ein, die Alleen und Wälder rauschen vorbei wie der Wind, leicht und schwebend und schön. So ignorierte ich im weitern Verlauf die Pfeile des Beeline, ließ mich über die nach Süden immer einsamer werdenden Militärstraßen nach Munster treiben und kam über sensationelle Strecke von Wriedel nach Amelinghausen wieder in zivilisiertes Gebiet. Inzwischen war es bedeckt, aber das machte nichts. Zurück in der Stadt fuhr ich mit großer Gelassenheit im Strom mit. Die hatten es alle furchtbar eilig, aber ich sah besser aus.





Mittwoch, 1. Mai 2024

Stream

Blau machen, nach Hörden fahren, beide Hondas unterwegs mit großen Plänen im Gepäck. Ich genoss die gleitende Fahrt auf der B3, die Maschine segelte schwerelos dahin, in meinem neuen Helm war es angenehm ruhig. Bis Anja sich per Funk meldete. Die endlose Gerade ging ihre gegen den Strich. Beim Versuch, den weiteren Verlauf kurvig zu machen, verirrten wir uns Tomtom sich erst im Speckgürtel von Hannover, später lernten wir aus versehen das Kloster von Derneburg kennen. Alles interessant. Wir hatten Zeit und vor uns lagen große Taten.

Dienstag Morgen in Deutschland. Überall Probleme, nur hier nicht, auf der verkehrsfreien Bergstraße durchs Siebertal. Ich kurvte allein den Pass hoch, genoss die einsame Weitsicht über die kahlen Kuppen des Oberharzes auf der Rennstrecke von Andreasberg nach Zellerfeld. Das war die Vorspeise. Als ich zum Edelhof zurückkehrte, waren die Probleme schon eins weniger. Anja sattelte ihre Rebel und der Hauptgang kam. Ich recycelte eine gespeicherte Route, die erst durchs Eichsfeld bis Heiligenstadt, dann querfeldein über das Grenzgebirge Richtung Meißner führte. Das Tomtom war im 'Kurvige Route' Modus, und es nahm den Auftrag ernst. Kringelige Waldstraßen am Hang, Abzweige ohne Schild, und immer wenn man glaubte sich orientieren zu können ging es gleich wieder um die Ecke in die sommerheiße, grüngelbe Wildnis. In Witzenhausen gab es einen erlösenden Eiskaffee, dann folgte wieder stundenlanges, intensives Fahren, in großem westlichen Bogen um Göttingen herum, ungestört und berauschend. Wir fuhren nicht mehr eine bewusste Strecke, sondern verschlungen die Straße und die Landschaft wie den Krabbensalat am Buffet. Am Ende waren wir verschwitzt, satt und müde. Das erste Bier zischten wir in Leder.

Der Erste Mai hätte normalerweise mit der Planung der langen Heimreise begonnen. Stattdessen befahl ich: 'Spannende Route' planen, kreuz und quer durch den Harz bitte. Es ging vier Stunden auf Nebenstraßen durch die Berge, die wir nicht wiedererkannten. Ab und zu kreuzten wir die bekannten Wege, auf denen ein schier endloser Strom von Bikern unterwegs war. Dann ging es wieder allein ins Abseits, auf z.T. endurowürdigem Asphalt, auf den die Sonne hemmungslos brannte. Das letzte Stück zogen wir gerade, um mit Puffer den Edelhof anzufahren und die letzte Etappe vorzubereiten. Schnörkellos ging es auf der B27 nach Göttingen. Dort steht uns neuerdings eine Garage zur Verfügung, in der wir die Bikes verstauten. Wir bestellten noch ein Alkoholfreies und setzten uns in den Metronom, der mit 160 Sachen durchs Leinetal in den Sonnenuntergang rauschte.

Sonntag, 28. April 2024

Kaffee und Milch

Verabredung in Blankensee mit Anja, Horst, Sabine und der Z. Strahlende Kristallsonne von Anfang an, auf dem leuchtenden Lack der Z. Wir mussten über Norderstedt aus der Stadt raus, deren letzte Straßen für den Marathon gesperrt waren. Es ging quer rüber über Bargteheide Richtung Mölln, für mich ein unbeschwertes Eingrooven mit der Neuen. Unterwegs kam über Telefon die Warnung rein, das Oldtimertreffen in Blankenese telefonische Warnung sei zu meiden wegen Überfüllung. Stattdessen saßen wir im Gartencafé in Anker beim Kaffee. Viele Bikes parkten da, aber keine war so schön wie die Z, da waren sich alle einig. Die Strecke südlich über Panten, Lankau, Hammer nach Alt Mölln ist unbekannt und echt der Hammer. Bei Wetter wie an einem Sommerabend, milchig und mild, schwangen wir über die maigrünen Hügel. Im Navi stand noch ein Umweg durch die Nordheide, diese ließen wir weg und gondelten mit 60 Sachen auf der Deichstrecke nach Hause. Ich parkte die Z, wir bewunderten sie nochmal, den Rest des Abends verbrachten wir am Grill mit großen Plänen.