Donnerstag im November, Northeim. Draußen formierten sich die letzten 15° des Jahres. Ich zog warme Sachen an und war 5 Minuten später aus der Stadt raus. Die kleine Sollingrunde passte in eine verlängerte Mittagspause, sagte Tomtom. Sie führte durch unentdeckte Wald- und Wiesenwege und sagenhafte Holperstrecken im tiefen Strahl letzter Herbstsonne. Das Hier-und-Jetzt-Gefühl war sofort wieder da: Genüssliches Schwingen auf einsamen Kurvenstrecken, den Blick auf die wohlproportionierte Landschaft im kitschigen Herbstfarben genießen. Danach werde ich das Bike in Göttingen abstellen und zum Fußgänger werden. Ich werde meine Sachen in Kartons packen und den Wohnungsschlüssel abgeben. Frost wird kommen, Weihnachten und eine vollkommen neue Zeit.
20 Jahre !!!
Donnerstag, 13. November 2025
Mittwoch, 5. November 2025
Grundrauschen
Alles Komplizierte (und der Regen) blieb aber unter der Wolkendecke zurück, die der A319 durchbrach. Kurze Zeit später waren da warme Gassen in Faro, Polvo und Bacalau. 10 Tage hatten wir Zeit und eine Honda Transalp mit reichlich Stauraum. Die ersten Tage waren wir gefangen in der südlichen Hälfte Portugals, wo wir einsame Bergstraßen im Hinterland, unendliche Strände, und leere Fischrestaurants erkundeten. Die Nächte waren erfüllt vom Hintergrundrauschen der Brandung und Knoblauchüberdosis. Später war der Weg frei nach Setubal, wo wir eine Suite bezogen und die perfekte Inszenierung einer Portugiesischen Hafenstadt genossen. Ganz weit im Osten entdeckten wir die Einsamkeit des Alentejo, kauften Souvenirs bei Esporao und kamen auf der N2 zurück nach Faro. Hätte dort nicht schon der Airbus gewartet, wir wären einfach da geblieben.
Sonntag, 19. Oktober 2025
Ohne Gesang
Goldener Herbst, gleißendes Licht und gute 13 Grad. Alles, was mir dazu einfiel war, die SR anzukicken und runzugurken auf Stadtstrecken, wo es reicht, mit vielleicht 60 Sachen zufrieden zu sein und sich mal nicht an den Familienkutschen zu stören. Über die Elbvororte kam ich zurück, hatte überhaupt keine Lust, das in irgendeiner Form zu inszenieren. Ich parkte die SR vorm Haus, ließ Wasser in die Wanne und ließ die grelle Sonne sang und klanglos untergehen.
Donnerstag, 2. Oktober 2025
Spätsommer am Solling
Feierabend in Northeim ist immer noch ein Genuss, aber ein warmflirrender Sommerabend ist es nicht mehr. Ich fuhr einfach am Nachmittag den Rechner runter, kaufte mir eine Thermounterhose bei Kik und gab Gas in Richtung Solling. Das war sofort wieder so wir man es braucht: Erst schwingende, leere Landstraßen durch schwer tragende Apfelalleen, dann die sensationellen, langen Bergstraßen mit introvertierten, schnittigen Kurven im Flow. Ich kam über Beverungen bis an die Weser, wo ich die B80 für mich allein hatte. Die Kik-Unterhose war super, aber im Schatten des Wesertales kroch die Kälte von überall. Ich ignorierte sie und blieb auf den schönsten Landstraßen bis Dransfeld, freute mich über flache Sonnenstrahlen auf den Kuppen. In Göttingen parkte ich die 500X in der Garage und bibberte als Fußgänger zwischen Leuten im T-Shirt, die einen letzten Spätsommertag genossen.
Sonntag, 28. September 2025
Freundlichkeiten
Hamburg - Strukdorf, ein Klassiker, und etwas zu feiern gibt es dort oft. Allzu schnell wollten wir nicht werden, denn an Temperaturen unter 20° mussten wir uns erst noch gewöhnen, Nach einer geduldigen Fahrt über Norderstedt klarte im Norden der Himmel auf und sah gut aus, so wie wir. Das Beeline gab eine kleinteilige Fun-Route quer durchs Land vor, die wir vielleicht kannten, aber erst bei Nütschau waren wir uns sicher. Wir kamen zeitig auf dem Anwesen an, machten uns fein und feierten Horst.
Für die Rücktour hatten wir den ganzen Tag, der besser war als gedacht. Einmal das Meer sehen, das wäre schön. Es ging über Pansdorf Richtung Timmendorf, von dort nach Travemünde und zurück nach Schwartau. Der Wind blies stramm und kalt, ich hatte Lederjacke, keine Heizgriffe und auch keinen Windschutz. Anja machte das alles nichts aus, mir auch nicht. Was zählte, war das lange, unaufgeregte Gleiten durch den freundlichen Nachmittag in bewährter Umgebung. Als wir zu Hause ankamen, war es noch hell und immer noch freundlich, die Maschinen parkten in der Garage, wir legten die Füße hoch und wärmten uns auf.
Sonntag, 21. September 2025
Norden
In Hamburg erwartete mich ein unerwarteter Spätsommersonnabend und meine Z. Anja auch, aber sie musste schmieden. Ohne lange nachzudenken programmierte ich eine Route ans Meer (obwohl ich die seit 28 Jahren auswendig kann). Bis Witzhave ließ ich die Kawa auf der Autobahn 24 dahinschnurren, mit Rückenwind und träge fließenden Gedanken. Dann ging es über Ratzeburg auf die lange romantische Gerade nach Schönberg. Streckenweise trödelte ich hinter Autos hinterher, manchmal schaffte ich mir durch Gasgeben etwas Freiraum. Ich erreichte Brook wie einen Ort, an dem man am Ziel ist. Zum Baden reichte das Wasser nicht, aber in der schrägen Septembersonne eindösen, das passte perfekt. Mehr aus Langeweile schaute ich aufs Wetterradar und wurde panisch. Was da im Westen quoll Westen kam, hatte das Zeug, den Tag in Jeans und Lederjacke total zu versauen. Ich rollte die rote Stranddecke ein und verlor keine Zeit. Schönberg, Ziethen, Mölln, so weit östlich wie möglich bis Lauenburg. Die Westfront blieb letztlich ungefährlich, so weit so gut. Um aber nach Hause zu kommen, musste ich einen absurden Bogen über Rahlstedt und City Nord planen, um bitte den Horrorstau der Vierrädrigen zu umfahren. Müde ließ ich mich von der großen Stadt im Norden absorbieren, stellte die Z in die Garage und machte ein Bier auf.
Sonntag, 14. September 2025
Süden
Von Northeim kommt man locker überall hin, auch nach Iphofen. Das sind zwar satte 300 Kilometer, aber vom Feinsten. Mit langer Unterwäsche und Gore Tex waren wir auf der B 27 unterwegs, von Westen kam eine Regenfront immer näher, und es waren vielleicht 15 Grad. Nicht daran störte uns, wir genossen die große Chaussee, die mit weiten Panoramen ein Bilderbuchdeutschland inszeniert. Das Stück von Fulda nach Bad Brückenau ist besonders spektakulär, die Straße windet sich durch die südliche Röhn, und selbst die vielen Autos, die verzweifelt ihren eigenen Autobahnstau umfahren wollten, störten uns diesmal nicht. Es ging einsam und flüssig weiter nach Süden über Hammelburg nach Arnstein, wo sich die Landschaft änderte in weitläufiges Hügelland mit Weinbergen und Sommerwärme. Das war Franken und ich konnte an nichts anderes mehr denken als Schäufele. In Iphofen überraschten wir Horst und Sabine. Der Abend gelang, es gab viele Themen und örtlichen Wein. Schäufele gab es nicht.
Deshalb reisten wir am nächsten Tag wieder ab. Zuerst musste noch ein Regenband abziehen, dann begaben uns auf die selbe Strecke zurück. Unten stand drückende Sonne über dem dampfenden Asphalt, auf den Kuppen zerfetzte der Westwind die Wolken. Der Tag verlief mit großer Leichtigkeit und ohne jede Störung. Pause in Fulda, etwas deplatziert inmitten Cappuccino trinkender Städter. Bad Hersfeld, Bebra, Eschwege, das sind Orte langer, ermüdender Touren der Vergangenheit. Jetzt ist Gegenwart, Northeim erreichten wir ganz locker, und hellwach. Beim Kochlöffel holten wir 2 halbe Hühnchen. Wenn es wieder Schäufele gibt, fahren wir wieder nach Süden.
Sonntag, 7. September 2025
Leer ist schöner.
Fliegen ist bestimmt schön, aber Motorradfahren auch und man muss nicht kotzen. Wir ließen die Propellermaschinen vom Flugtag in Hattorf zurück und programmierten ohne groß nachzudenken eine 'spannende Route irgendwo durchs Eichsfeld', im Osten. Manche Stellen kamen uns entfernt bekannt vor, z.B. der Bärlauchwald bei Lohra, aber dahinter lag unbekannte Erde. Wir waren fasziniert, wie weitläufig und leer das Land unter zartem Septemberhimmel unter unseren Reifen dahinzog, kein Verkehr störte den Fluss, der einfach nur aus freiem Schwingen über sanfte Hügel bestand. Oben gab es Ausblicke auf Bergketten am Horizont, unten buschige Senken, in denen menschenleere Dörfer lagen. So leer, dass man denken konnte, irgendetwas Schlimmes sei passiert und wir haben die Nachrichten verpasst. Egal, insgeheim waren wir vielleicht dankbar, hier niemand zu sehen. Vollkommen unerwartet tauchte die Unstrut neben der Straße auf, und unweit ihre Quelle. Es ist offenbar ein Pilgerort für Ossis und verwirrte uns. Gut für eine Pause mit selbstgepflücktem Apfel. Viele Kurven später war schon Spätnachmittag und hinterm Berg lag Göttingen. Wir waren im Westen. Ich konnte durchsetzen, den Abschluss auf der Burg Plesse zu krönen. Die Burg war voller Menschen, unnötig viele, nach all der schönen Leere.
Sonntag, 31. August 2025
Geduld
Ich freue mich jedes Mal auf Hamburg, auf die Z und die große Stadt, echt. Dort zu fahren ist anders. Zumal man meist gar nicht fährt, sondern steht, dabei aber gut aussieht. Anjas Rebel war fisch gewaschen und wir ließen uns geduldig vom Verkehr bis Hittfeld schwemmen. Dort gibt es ein verstecktes Tal, das aussieht wie das Eichsfeld. Im Wald Ben sich hat eine Pfalz gebaut, welche wir tief bewunderten. In der Garage befanden sich mindestes drei bis vier Bikes, unsere standen davor und glänzten im Licht, das durch die Baumkronen flirrte.
Sonntag wollten wir rollen. In der Heide ging das immer noch am besten, zumindest war das früher so. Die Sonne schien aus einem septemberblauen Himmel auf lila Heide, und die Strecken waren eigentlich gut. Uneigentlich es gab leider kaum einen Kilometer ohne dass wir eine Familienkutsche vor de Nase hatten. Die wirklichen Kutschen (mit Pferden) waren nicht störend. Trotzdem, dazwischen gab es kurze Momente der Freiheit, des Durchatmens, des Angasens. Zurück in der großen Stadt ließen wir uns mit dem trägen Strom heim schwemmen, gutaussehend und geduldig.
Sonntag, 24. August 2025
Entspannung
Freitag, 22. August 2025
Konsum
Laptop zu, Tomtom an, eine spannende Route bis 21 Uhr bitte, dann wird's dunkel. Es ging gleich gut los, die Kurven von Nörten nach Spanbeck gehören zu meinem Portfolio, das ich hüte wie einen Schatz. Bis Ebergötzen ging es direkt im Anschluss äußerst schnittig und ohne jede Störung durch etwaige Autos. Ich genoss die mir unbekannte Strecke wie einen guten Film, konsumierte die Landschaft und die immer neuen Hügel, um die sich die Straßen elegant schmiegten. Tiefenentspannt aber total aufmerksam, der perfekte Flow. Es folgten Nebenstraßen nach Landolfshausen, dann noch kleinteiliger über einen Pass von Obernfeld nach Breitenberg. Ich stand auf weiter Flur und inhalierte den Sommerabend, pflückte mir einen Apfel und begab mich zurück in Kurvenrausch und Nebenstreckenglück. Im Halbdunkel parkte ich die Honda in der Sudentenstraße, zu Hause. Alles war geradegerückt.
Donnerstag, 21. August 2025
Super
Routinemäßig drückte ich auf "spannende Route berechnen". Grobe Richtung: Eichsfeld, nix Großes. Ein bisschen kenne ich mich inzwischen ja aus, aber ich staune jedes Mal. Die Strecke war enorm vielfältig, meist auf keinen Holperstraßen durch stille Dörfer, durch die man schleicht. Ich entdeckte zufällig eine einen Berg namens Höherberg, mit Wallfahrtsheiligkeit und Aussicht auf gelbe Hügel. Ich kurvte weiter die einsamen Landstraßen und sammelte Superlative: Hier waren die elegantesten Kurven, die Honda war das fluffigste Motorrad, die Landschaft hatte das idealste Relief, dazu schien die sonnigste aller Sonnen. Ich durchfuhr immer neue Landschaftsbilder, dunkle Täler und strenge Alleen, Dörfer voller Tiere. Als Sundowner gab es die Rennbahn Ebergötzen - Spanbeck -Nörten. Danach wollte ich gar nichts mehr, alles war super.
Mittwoch, 20. August 2025
Schon wieder Feierabend
Feierabend in Northeim. Gleich hinter Einbeck geht es erst unscheinbar, dann ambitioniert auf einen Berg, über den eine unendliche, einsame Waldstraße führt. Auf der anderen Seite kam ich zwischen Grünenplan und Delingsen raus, total baff. Die Route hatte größtenteils wieder TomTom gestaltet, es ging dann weiter über kleine und kleinste Nebenstraßen, die sonst keiner kennt. Ich tangierte Freden, entdeckte den Viadukt von Greene, konnte von der Kurverei in der Abendwärme einfach nicht genug bekommen und hing kurzerhand noch den Umweg über Elvershausen ran. Zu Hause holte ich ein Einbecker Brauherren (alkoholfrei) aus dem Kühlschrank und nannte das: einen Tag.
Sonntag, 17. August 2025
Unsere Zeit
Samstag, 16. August 2025
Guter Schnitt
Sonntag, 10. August 2025
Burgfrollein
Anja war da und hatte morgen Geburtstag, das war bekannt. Unbekannt war, wohin die Reise ging. Sicherheitshalber hatten wir eine Zahnbürste dabei, Anja folgte mir auf ihrer Himalayan erst nach Einbeck, dann über den Hils auf einem seltsamen nordwestlichen Bogen in Richtung Weser. Der erste Pausenplatz war hoch über dem Tal weit zu sehen. Es war der Turm vom Köterberg. Das sollte eigentlich nostalgische Gefühle auslösen, eigentlich. Der Seitenständer war noch nicht unten, da wurden wir schon von örtlichen Klugschnackern attackiert. Wir kurvten den Bogen noch weiter in flirrender Sommerhitze über die unbekannten Hochebenen auf der anderen Seite, dann baute sich die Trendelburg über dem Tal auf. Ich tat so, als wollte ich sie besichtigen, aber in Wirklichkeit checkte ich ein und wir verbrachten einen Königinnenabend auf der Panoramaterrasse, herzlichen Glückwunsch.
Das alles liegt ja Luftlinie nur 50 Kilometer entfernt. Wir hatten also den ganzen nächsten Tag für einen beliebig großen Umweg. So sahen wir erstmalig Hann. Münden von innen, das ist wie Heidelberg. Praktischerweise steht auf fast jedem Hügel eine Burg (oder Entsprechendes), verbunden durch Bergsträßchen der Extraklasse, die wir gut gelaunt abfuhren. Schloss Berlepsch steht über dem Tal wie im Bilderbuch, auf einem Berg bei Freden steht ein brutalistisches Mahnmal vom Feinsten, und auf der Plesseburg war es schon Spätnachmittag, als wir mit vielen jungen Göttingern ins Leinetal blickten. Den ultimativen Sundowner gab es dann direkt zu Hause: auf dem Wieterberg. Die Sonne verglühte über den Kuppen der neuen Heimat. Wir fühlten uns gut, holten 2 Alkoholfreie aus dem Rucksack uns stießen an. Cheers.
Samstag, 26. Juli 2025
Unterwerfung
Tomtom hatte nach eigenem Ermessen eine 'spannende Route' erarbeitet mit dem Ziel Desenberg bei Daseburg. Dieser Modus kann hier im Umkreis seine Stärke voll ausspielen, dafür muss man nicht mal früh aufstehen. Er führte uns auf Serpentinen durch den Wald zur Weserfähre in Hemeln, und von dort auf Hochebenen mit spitzen Kuppen am Horizont. Die Fahrt war unbeschwert, frei, abwechslungsreich. Wir staunten im Diemeltal und erreichten den seltsam in der Ebene stehenden Burgberg. Die ganze Welt lag hier zu Füßen. Die Rückfahrt hatte einen Wegpunkt am nächstgelegenen Eiscafé Venezia. Wir brauchten extrem dringend je einen monströsen Eiskaffee, dafür war uns Volkmarsen recht. Der Rest war wieder Tomtom's Entscheidung. Wir unterwarfen uns willig seinen Anweisungen, irgendwelchen Dorfstraßen zu folgen, die dann verschlungen über den nächsten Berg führten. Nur zum Schluss griffen wir ein: Auf der ganz und gar freien B80 glitten wir in kühlendem Schatten durchs Wesertal, und dann in gleicher Manier über die elegant-sportlichen Kurven des Solling bis vor die Haustür. Wir mussten uns vergegenwärtigen, dass wir heute nur in einem Radius von 100 Kilometern unterwegs waren und dafür einen perfekten Tag bekommen hatten. Die Sonne sank hinter den gegenüberliegenden Wohnblock. Mehr kann niemand wollen.
Mittwoch, 23. Juli 2025
Ich hab's geschafft.
Nix Dolles: Honda in Göttingen abholen und nach Northeim überführen. 20 Kilometer. Biegt man aber in Bovenden ab, fährt kurz die Serpentinen zur Burg Plesse hoch, bewundert die gelbe Abendsonne über dem breiten Tal, spannt einen kurvigen Zickzack über Billingshausen - Spanbek - Bühle, ganz allein im Feierabendverkehr, den es nicht gibt. Also wenn man das kann, und in nicht einmal einer Stunde so viel Lebensqualität bekommt, dann weiß man: Ich hab's geschafft.
Dienstag, 22. Juli 2025
Bis ans Ende des Westens
Miniurlaub, Exkursion, Studienreise. Egal, jedenfalls hatten wir 4 Tage Zeit um an den äußersten Westzipfel des Landes zu gelangen, und darüber hinaus. Auf dem Display war der Weg zwischen hier (Northeim) und da (irgendwo bei Aachen) ein einziger Kurvenrausch. Es ging auf 'kurviger Route' nördlich um Kassel herum über Korbach und dann Richtung Sauerland. Da waren schon viele gute Momente dabei, aber auch viele Autos und blasses Licht aus diffusen Wolken. Das Sauerland ist ein stattliches Mittelgebirge mit weiten Schwüngen, vielen 50er Strecken und zugewucherten Ausblicken. Der dichte Verkehr gibt unbeirrt Vollgas. Ermüdet kamen wir in den Westerwald, der sehr dicht besiedelt ist. In der Nachmittagshitze gurkten wir in Autokolonne von einer Ortschaft zur nächsten, dazwischen gab es vielleicht ein paar Kilometer mit 70er Limit. In Bad Honnef checkten wir ein und bestellten ein Bier am Rhein.
Am nächsten Morgen, auf der anderen Rheinseite, ging es durchs genauso zersiedeltes Hinterland von Bonn. Irgendwann war der letzte Vorort und das letzte Einkaufszentrum passé und die Eifel lag vor uns. Mit ermutigendem Freiheitsgefühl ließen wir die Maschinen über die Hügel rollen. Am Bikertreff hatten wir die kleinsten Bikes und die weiteste Anreise, Respekt! Einen Cappuccino lang philosophierten wir über den Rheinischen Humor. Dann ging es weiter, bis es nicht mehr weiter ging. Hinter einem sauberen Siedlungsdorf begann ein seltsamer, wilder Wald. Wir spürten, das war Belgischer Boden. Allerdings ist hier alles durcheinander: Deutsche Schilder, Französische Namen und Niederländische Bauten. In Verviers, und erst recht in Liége, war dann alles wie im Urlaub. Vorsichtig testeten wir uns durch den Verkehr und bestaunten eine verfallene Kirche aus den 70ern, die Anja aus Insta kannte. Unser Hauptziel war eine Mittelalterburg in der Nähe von Aachen, die wir auf einem Hohlweg erreichten, für den man etwas Mut brauchte. Die Burg gehört Michaela. Sie zeigte uns ihr Zuhause und gab uns alkoholfreies Leffe. Wir verbrachten einen warmen Sommerabend in Aachen, an dem wir viel über Altbauten lernten. In Aachen gibt es Himmel und Ääd, und außerdem ist man dort sonst nie.
Den Sonntag planten wir kurzentschlossen um, zugunsten einer entspannten Ganztagstour durch die Eifel. Startpunkt war der Hambacher Tagebau, eine dystopisch monströse Abbruchlandschaft, an der wir uns nicht sattsehen konnten. Die anschließende Fahrt war ein langer, unbeschwerter Traum aus freien, kurvigen Straßen und grünen Hügeln der Eifel. In perfektem Flow ging es nach Südosten, und als wir den Wegweiser nach Marmagen sahen, hängten wir noch einen nostalgischen Umweg an. Das Ahrtal kannten wir aus den Nachrichten. In ihm verläuft heute eine perfekte Kurvenstrecke bis in die Nähe von Maria Laach. Alles lief bislang so easy, dass wir wir uns auf das touristisch perfektionierte Gelände wagten (Motorräder parken kostenlos) und die Christenbauten bestaunten. Am Rhein war die Eifel zu Ende. Wir stiegen in in einem altmodischem Hotel in Andernach ab, das war genau nach unserem Geschmack. Der Fluss glänzte im Sonnenuntergang wie Lava und die Stadt trauerte der Epoche III nach.
Montag war die letzte Chance, trocken nach Northeim zurückzukehren, daher richteten wir uns mental auf langweilige Bundesstraßen ein. Entgegen der Erwartungen waren diese jedoch bestens in die Landschaft gelegt, mit prächtigen Ausblicken und eleganten Kurven. An wichtigen Stellen waren sie vierspurig, so dass man störende LKWs überholen konnte und eine Weile frei atmen konnte. So rauschten zielstrebig wir durch den Westerwald, das Rothaargebirge über Biedenkopf und Frankenberg und zum Schluss auf abwegigen Nebenstrecken über die spitzkuppige nordhessische Vulkanlandschaft in vertrautes Land. Es leuchtete golden in der heißen Abendsonne. Eine Gewitterzelle machte einen Bogen um uns. alles sollte schön sein. Dieses Ziel wurde erreicht.
Sonntag, 20. Juli 2025
Kunstoutsider
Entgegen allem Unken kam Sonntag das übliche, schwerwarme Sommerwetter und machte die Bahn frei nach Büdelsdorf. Wir trugen Fußgängerjeans, ich eine coole, ungepolsterte Lederjacke, Jethelm, Sonnenbrille. Perfekter Match zum Design der Z. So wäre man 1972 gefahren, als Outsider, da war ich mir sicher. Die Z bot mir das genau richtige, physische Erlebnis mit viel Wind und Motor. Die Fahrt war insgesamt ein zielgerichtetes Dahingleiten auf den Geraden der B4, sogar ein freiwilliges Stück Autobahn war dabei. Unsere Verspätung verzieh man uns, weil wir so gut aussahen. Wir besichtigten NordArt und waren auch dieses Mal wieder froh, dass es sowas noch gibt. Die Rückfahrt stand im Zeichen der Gewitterzellenbeobachtung und stabiler Hoffnung. Erst zügig auf Schnellstraßen, dann beherzt über unsinnige Umwege bis an den Stadtrand bei Norderstedt. Lässige Einfahrt in die heiße Stadt, den Verkehr ignorieren, sich als Outsider fühlen.
Samstag, 19. Juli 2025
Reisende
Für den Samstag allein mit der Z in Hamburg hatte ich mir die Elbuferstraße ausgesucht. Viele Möglichkeiten gab es hier eh nicht. Total überrascht war ich, als Rembert spontan einem Treffen in Wittenberge zusagte. Der Termin war schon um 13 Uhr, ich musste zügig durchkommen. D.h. Autobahn bis Geesthacht, ohne Windschild mit noch erträglichen 120 Sachen, dann die B5, so wie seit Jahrzehnten. Ich blieb auf der B5, wo man normalerweise auf die kurvige B195 abbiegt. Das hatte was, ich hatte es fast vergessen. Gleichförmig schnurrte die Kawasaki den schnurgeraden, verkehrsfreien Highway entlang, die Stücke zwischen den Ortschaften sind gewaltig. Trotzdem kam ich zu spät. Rembert wartete schwitzend am Rande einen Ruderwettbewerbs. Ihm machte die Hitze nichts aus, den er hatte auf einer eine Umrundung der Iberischen Halbinsel an Wüstentemperatur angepasst. Seine Glide trug würdevoll den Staub von 7000 Kilometern. Wir ließen eine Schüssel Soljanka kommen und tauschten die wichtigsten Infos aus, dann trennten wir uns in Perleberg. Auf dem Rückweg konnte ich mir ein paar Nebenstrecken durch die Elbauen nicht verkneifen. Die Sonne schien auf heißen Asphalt, der Fahrtwind war herrlich und zu Hause wartete schon Besuch. Ich kam wieder zu spät, das mussten alle verstehen.
Dienstag, 15. Juli 2025
Bürokram
Anja war abgereist, der Regen auch. Übrig blieb ein sonniger Nachmittag für mich und die Honda. Warum nicht mal was Praktisches: Die Honda gründlich waschen, dann Fahrt nach Kassel, Homeoffice Kram bei Ikea holen, und mit Überbreite durchs Hügelland zurück. Das sah als Konzept charmant aus, und das hätte auf der Autobahn auch vielleicht geklappt. Ich wollte aber die B3 über Hann Münden, die hat nämlich echte Highlights. Aber dann stauten sich die Autos, und auf dem Tomtom erschien ein Sperrsymbol. Ich drehte um und wich irgendwelche auf Nebenstraßen aus. Kurze Zeit später befand ich mich auf semi-asphaltierten Waldwegen, wo die Vögel zwitscherten. Ikea war kein Thema mehr. Ich gab mich den Serpentinen hin, die hinunter ins Wesertal führten, In Bursfelde war ein Kloster und in Fürstenberg Porzellan. Wo sich das Tal weitete, kam eine bedrohliche diffuse Masse aus Westen. Ich verlor keine Zeit und hechtete über Neuhaus Richtung Uslar. Ganz allein auf den schnittigen Straßen im Solling, etwas zu schnell, hinter mir Grau, vorne die Sonne. Da gäbe es Schlimmeres. Bürokram bei Ikea kaufen, zum Beispiel.
Montag, 7. Juli 2025
Wochenende
Um 22 Uhr Anja abholen, Göttingen Hbf. Das stand im Kalender, und das ließ sich einrichten. Gerne nicht auf der B3, lieber linksleinisch am Hang entlang, im Sunset, der dass das gelbe Gras leuchten ließ. In Göttingen war viel los. Anja stieg vom ICE direkt auf den Rücksitz der 500X. Auf der Schnellstraße rauschten wir mit der Dämmerung ins Wochenende.
Wie so oft begann der Samstag bei Louis in Göttingen. Anja hatte sich so hartnäckig über das Schreckliche Topcase der Honda beschwert - immerhin hatte sie es beim Hinterherfahren immer vor der Nase. Jetzt bekam die 500X eine Alukiste im GS Style. Um diese unter Echtweltbedingungen zu testen, lieferte ich nicht Pizzas aus, sondern packte unseren Kram hinein und programmierte eine große Runde durchs Eichsfeld ins Navi. Dort sind praktisch alle Strecken erstklassig und zeigen die Landschaft von ihrer besten Seite. Die Honda und die Royal Enfield schwangen leichtfüßig über Berg und Tal bis an den Rand von Heiligenstadt, dann Wörbis, und zwar meist auf verwegenen Nebenstrecken und brennender Sonne. Ein entdeckter Weg herum um den Ayers Rock in Holungen wurde erst offroad und endete im Nichts. Am Horizont waren das Harzmassiv zu sehen. Dort lockten frische Temperatur, schneidige Kurven und immer wieder die unschlagbare Panoramastrecke. Vor allem aber: Zwei halbe Hahn beim Wienerwald am Torfhaus. Gibt's dort wirklich. Als Bonus gab es noch die Rennstrecke hinunter nach Bad Ground. Die Bäuche waren voll, die Tanks fast leer, der Tag war wieder perfekt und manchmal fragt man sich, wo der Haken ist.
Der Sonntag war wechselnd diesig und uneindeutig. Das ist manchmal gut, um z.B. einen Falkenhof in Bad Sachsa zu besichtigen. Dorthin könnte man auf der Schnellstraße rauschen, oder besser kurvig über Bilshausen, Gieboldeshausen, Ruhmspringe, das macht aus jedem Tag Urlaub. Im Falkenhof waren beeindruckende Eulen, Adler und natürlich Falken. Die Adler guckten grimmig, waren aber angebunden. Für die Rückfahrt berechneten wir einen krassen Nebenstreckenkurs, um vor der Regenzelle in Northeim zu sein. Das klappte, war aber unnötig. Der Regen war zum Lachen, was wir auch taten.
Donnerstag, 3. Juli 2025
Gut so.
Northeim, allein am Donnerstag. Im Hinterland von Nörten-Hardenberg gibt es eine Strecke, die ist live noch besser als auf dem Bildschirm. Ideale, weite Slalomkurven und interessanter Belag. Weiter über Bodensee, Wulften, introvertiertes Angasen auf einsamen Landstraßen. Einen Dönerteller (Huhn) mit Tsaziki in Hattdorf bestellen, dann die gleiche Tour nochmal zurück im sanften Abendlicht. So ist es gut, hier will ich sein.
Sonntag, 29. Juni 2025
Am Meer
Eine Sache gab es nur hier, im Norden: Man konnte an einem Sonntag einfach mal so ans Meer fahren. Große Teile der Stadt waren unpassierbar, aber nach 1000 Ampeln, und hundert Kilometern durch Norderstedt waren die Rebel und die Z auf freiem Feld, wo sie hingehörten. Kayhude, Bargteheide, Oldesloe. Eine durch und durch bekannte und unspektakuläre Route. Die war aber okay, denn die Maschinen konnten einfach mal laufen, bis endlich erste Seeluft in den Helm kam. Mehr wollten wir nicht. Wir nahmen die Priwallfähre in Travemünde, das war ein touristisches Highlight und außerdem sehr nostalgisch für mich. Auf dem Klützer Winkel entdeckten wir einen Strand beim Gut Schwansee. Dort sonnten sich mal keine nackten Ossis, sondern Städter mit Strohhüten. Zurück nahmen wir wie in jedem Sommer die lange Gerade bis Ratzeburg, sie führte in einen goldgelben warmen Abend und ließ den Gedanken freien Raum. Diagonal übers Land nach Hamburg zu kommen, gelang es nur mit mehrmaligem Nachschauen. In der Stadt erwartete man uns bereits, die Irren in ihren endlosen Autoschlangen nervten, und wir sehnten uns nach einen entspannten, langen Sommerabend, irgendwo wo nix los ist.
Samstag, 28. Juni 2025
In der Stadt
Ich war in Hamburg als Tourist. Was macht man da an einem Sommertag? Man quält sich von Ampel zu Ampel durch die Straßen, mit Millionen von Autos. Gut auszusehen ist wichtig, und mit der blitzblanken SR war das kein Ding. Das Gegurke ging mir trotzdem auf die Nerven, also fuhr ich raus, dorthin, wo es auf der Karte grün ist. In der Realität gibt es dort jedoch auch nichts als immer mehr Autos in dicht folgenden, gesichtslosen Vororten. Ich kam über Wedel zurück, wühlte mich nochmal durch die Stadt, überquerte die Elbe und erreichte den Apfelautomaten im Alten Land. Diese Strecke war zu lang für die SR, der Arsch tat schon weh und außerdem transportierte ich 2 Kilo Elstar im Rucksack. Ohne einmal über 70 Km/h gefahren zu sein, kam ich nach Hause und erzählte von einer erfüllten Tour.
Abends versuchten Anja und ich es nochmal zusammen. Immerhin, gleichzeitig waren Harley Days, da sollte man den Flair von Benzin und Heißem Stahl in der ganzem Stadt spüren. Vielleicht lag es am trüben Himmel oder an der zunehmenden Wokeness, aber es brannte weder die Luft, geschweige denn Gummi. Schwamm drüber. Wir fuhren nach Hause und schalteten den Fernseher an.
An den folgenden Tagen wurde es auch ohne Harley very hot. Wieder kam die SR zum Einsatz, diesmal mitten im Sweetspot: Im T-Shirt bullerte ich mit 60 Sachen durch die Dämmerung wie durch eine warme Wolldecke. Auf der Strecke durchquerte ich zweimal das Schulterblatt, immer noch mit Sonnenbrille, das passte. So funktioniert die Stadt.
Donnerstag, 26. Juni 2025
Midsommar in Darmstadt
In sonniger Morgenfrische auf der Straße zu sein, mit Gepäck für ein Wochenende, das ist eines unser unschlagbaren Lieblingsgefühle. Tiefenentspannt ließen wir die 500X und die Himalayan auf der B27 nach Süden rollen und genossen die Aussicht vom Leinetal ins mächtige Werratal, vorbei an Eschwege an die Fulda und Bad Hersfeld. Diese Strecke war früher meist Teil einer Gewalttour von Hamburg nach Darmstadt. Darmstadt war auch heute unser Ziel, nur mit unendlich mehr Zeit, Genuss und Leichtigkeit. Es ging auf einer immer besser werden Strecke weiter über Schlitz und Lauterbach, am Vogelsberg entlang auf freien, schwingenden Straßen und durch ansehnliche Dörfer, in denen es noch einen Imbiss gibt. Am Nachmittag setzte die Mainebene dem verträumten Gleiten ein Ende. Plötzlich waren es erdrückende 30 Grad, und alles bestand nur noch aus Schnellstraßen, die Millionen von SUV's ins nahe Frankfurt pumpten. Einzig die Aussicht auf die Roof Top Reopening Midsommar Party bei Albrecht ließ uns schwitzend aber gelassen die verbleibende B45 abreiten. Die Nacht über Darmstadt war hell und warm, und der Abend mit Freunden setzte allem einen entspannten I-Punkt drauf.
Morgens durfte ich mit Albrechts Vespa 946 Brötchen holen. Ich trug Shorts, Espandrillos und T-Shirt, das passte. Auf einer Bundesstraße am Waldrand gab ich Vollgas bis ich fröstelte, das war schön. Den Rest des Tages trieben Anja und ich unsere Reiseenduros durch einen heißen Luftstrom übers Land. Wir fuhren in leichtestmöglicher Bekleidung die gleiche Strecke vom Hinweg, waren richtig eingestellt und kamen gut durch. Wenn wir einzuschlafen drohten, unternahmen wir belebende Exkursionen in kühlende Höhen, wie z.B. den Hoherodskopf oder rosafarbene Mohnplantagen am Meißner. Aufgeweicht aber noch ansprechbar erreichten wir unsere Einzimmerpfalz in Northeim. Wir öffneten eine Flasche Rotwein und schalteten den Ventilator ein.
Freitag, 20. Juni 2025
Wienerwald
Anja war da, die Himalayan stand vor der Tür und die Einkäufe waren erledigt. Die Sonne brannte auf Northeim, und am liebsten wären wir im T-Shirt losgefahren. Heute blieb die Küche kalt, wir wollten essen gehen am Torfhaus - im Wienerwald. Das ist nur ein, zwei Traumstraßen entfernt, und Tomtom hatte noch einen Bonus über Bad Lauterbach und die B27 durch die Harzberge hinzugefügt, was wir gerne annahmen. Was wir gar nicht auf dem Zettel hatten: In den Bergtälern war es kühl, und oben im Gebirge sogar arschkalt. Vor allem, wenn man nicht mal einen Pullover eingepackt hatte. Der Wienerwald wurde auf irgendwann verschoben, wir kurvten stattdessen im Sturzflug nach Osterrode und cruisten im Abendlicht zurück nach Northeim. Dort gibt es einen Inder, den probierten wir aus. Mit Pullover.
Donnerstag, 19. Juni 2025
Eine Woche
Montag, Northeim (Han)
Feierabend. Der eine Moment, für den jahrelang geplant, diskutiert, gerechnet, verworfen und gezweifelt wurde, der war jetzt gekommen. Um 18:27 klappte ich mein feierlich Laptop zu und lehnte mich zurück. Ich nahm das Tomtom und ließ eine 'spannende Route' berechnen. Der Dönerladen in Clausthal sollte am Scheitelpunkt liegen. Ich nahm Helm und Jacke und startete die Honda, die vor der Tür stand. Auf der B248 dauert es keine 5 Minuten, dann ist man wo man immer sein wollte. Bei Echte ging es rechts ab, über einen kleinen Pass Richtung Westenhof, auf die einsame Kurvenstrecke vom Sonntag. Dann über Windhausen auf die Bergrennstrecke hoch auf den Harz. Die Honda, die Straße, der Moment und ich, wir waren eins. Am Ziel verschlang ich Dürüm unter örtlichen Studentenvolk, welches mit tiefergelegten Kleinwagen anreiste. Für sie war alles normal, während ich mich mühte, die neue Realität Schritt für Schritt einzuordnen. Zum Sonnenuntergang war es noch lange nicht dunkel. Ich parkte die Honda vorm Haus und freute mich auf morgen.
Dienstag machte ich mir erst gar keine Mühe. Ich tippte irgendwo westlich von Göttingen auf die Karte und orderte eine spannende Route. Diese dauerte 90 Minuten, das passte, ich fuhr sie ohne nachzufragen ab. Es ging linksleinisch am Hang entlang, sehr entspannt mit 90 Sachen durch den warmen, hellen, leerem Juniabend. Jede Straße ist ein Genuss, immer frei, die Dörfer schliefen schon, wenn ich im Fünften durchkurvte und durchatmete, wenn es mit etwas Gas auf den nächsten Hügel ging. Manchmal verliefen die Nebenstraßen bucklig durch die Feldmark, dann wieder zügig, egal wie, es war so wie ich es immer wollte. Wenn dies das Leben sein kann, was war es dann vorher, fragte ich mich. Zuhause goss ich mir ein Glas Wein ein und vermisste Anja.
Sonntag, 15. Juni 2025
Sonntagnachmittag
Am Sonntag behielten wir die Wetterkarte genau im Blick. Der Himmel war mal diesig, mal frei, oft drohend. Aber wir wollten in den Harz, besonders die Himalayan. Die Straßen waren herrlich frei, was wohl am diffusen Himmel gelegen haben muss. Von Clausthal über Altenau ging es mit tänzelnder Lockerheit hinauf zum Torfhaus. Wir parkten unser gutaussehendes Duo zwischen zig GS' aller Marken und verkrochen uns mit Kaffee und Kuchen in die letzte Ecke. Dann rollten wir hinunter nach Bad Harzburg, tankten, fuhren sinnloserweise nach Vienenburg, dann Goslar, und dann wieder auf die Kurven nach oben. Immer wieder hieß es, bald kommt der Regen. Aber trotz aller Extrakilometer waren wir pünktlich in Sicherheit. Es kam kein Tropfen. Anja packte ihre Sachen, dann ging es auf die letzte gemeinsame Fahrt nach Göttingen. Die Himalayan kam in die Garage, Anja in den ICE, und ich fuhr allein heim nach Northeim, um zu bleiben.
Samstag, 14. Juni 2025
Drüben am Solling
Wir ließen uns mit allem viel Zeit. Über Northeim brannte die Sonne wie im Urlaub, wir kauften ein wie Millionäre und ließen einen Gutteil des Tages ohne schlechtes Gewissen verstreichen. Erst am Nachmittag starteten wir die Motoren, in der Hoffnung auf kühle Waldstraßen drüben am Solling. Die ersten Kilometer waren zäh, weil Tomtom immer wieder lustig sein wollte, z.B. mit andauernden Ortsdurchfahrten bei 30°. Dabei hilft manchmal nur eine zügige Bundesstraße. Drüben am Solling begann es auf verwegenen Feldwegen, gefolgt von erstklassigen, flüssigen Bergstrecken durch tatsächlich kühlere Wälder. Kurve um Kurve, kaum Verkehr, fühlten wir uns im Paradies. Es fiel schwer zu realisieren, dass dies nun Teil meines Alltags werden soll. Am Ende der Kurven lag ein Wanderweg, der zum Weser Skywalk führte. Unten lag das Flusstal in heißem Abenddunst und sah aus wie im Urlaub. Für die Rückfahrt nahmen wir fließende Bundesstraßen mit schönem Luftzug. Die B 80 schwang sich ohne Verkehr durchs Wesertal, darauf folgte die B 241, die zog zügig über die Kuppen im Abendlicht. Während wir in Möckelheim Burger aßen, baute sich im Westen eine bedrohliche Front auf. Sie blieb dort, den ganzen Abend, da waren wir und das Regenradar uns einig. So einig, dass wir vorm Schlafengehen noch eine unfassbar einsam-fluffige Runde über Elvershausen, Marke und Westerhof dranhängten. Das ist hier der Nahbereich und allein das ist schon wie ein Lottogewinn.
Freitag, 13. Juni 2025
Zeitenwende
Bald war alles das vorbei. Die Qual am Freitagnachmittag bis zum Stadtrand, das debile Dahinvegetieren in bräsiger Autokolonne im Speckgürtel, zermürbende 65 Km/h hinter LKW auf der B3 nach Süden. Alles lichtete sich, als wir auf Nebenstrecken auswichen, durch die Südheide über Wietzendorf, ganz allein auf weiter Flur, und jede Bodenwelle als erste Anzeichen aufkommender Lebensfreude aufnahmen. Nach einer Pause an einer Privattanke mit Filterkaffee machte alles wieder Sinn. Hinter Celle war aus dem Dahinsiechen ein freier Flow geworden, und in Solchen erschienen die ersten Berge am Horizont in flirrender Nachmittagshitze wie die Verheißung. Tomtom verhieß eine Ankunft in Northeim nach 20 Uhr. Das war okay, denn der Rewe hat bis 22 Uhr auf und außerdem begann gerade neue Zeitrechnung.
Montag, 9. Juni 2025
Inspiration
Ein Tag des langen Pfingstwochenende war okay, und wir starteten die erste Ausfahrt der 500X und der Himalayan. Auf der Straße sag das Gespann dann doch überzeugend und gut aus. Wir machten keine Experimente, stattdessen eine entspannte, kleinteilige Tour nach Strukdorf. Dort gab es Publikum und was zu erzählen. Das Navi der Enfield ist schick, aber es kennt nur A und B. Wir folgten daher wie gewohnt dem Tomtom der Honda durchs Unterholz. Aber der Weg war eigentlich egal, Anja war mit der neuen Maschine beschäftigt, freundete sich mit dem lässigen Motorlauf und dem großen Vorderrad an, ich fand den Anblick im Rückspiegel richtig gut und äußerst inspirierend. In Strukdorf gab es Kuchen und große Bewunderung, genau darauf hatten wir spekuliert. Inzwischen waren dicke Wolken angerückt und die Rückfahrt war nur trocken möglich auf einer aufwendig berechneten, westlichen Route über Segeberg und Kaltenkirchen, zwischen mehreren Zellen hindurch an den Stadtrand. Die Maschinen kamen in die Garage, Würste auf den Grill und wilde Abenteuerfantasien in unsere Köpfe.
Dienstag, 3. Juni 2025
Die Königin
Anja hatte ihre neue, neuwertige Royal Enfield in die Garage gestellt, neben meine CB 500x. Das war nett gemeint, und auch logisch. Aber die Honda sieht seitdem irgendwie scheiße aus. Für die erste Ausfahrt ("kleine Hafenrundfahrt") am Feierabend nahm ich daher die Z als Begleitfahrzeug, schließlich ging es auch durch bewohntes Gebiet. Die Himalayan fuhr souverän, klang super und sie stand Anja umwerfend gut. Die Kawa war hart und ruppig. Im Alten Land holte ich 2 Kg Äpfel, im Rucksack. Auf der Rückfahrt durch den Hafen schien noch spät die Sonne. In der Schanze ging schon das Licht an. Anja rollte lässig durch und war die Queen.
Sonntag, 1. Juni 2025
Die Drei
Direkt hinterm Haus verläuft die B3 durch den Ort. Wer hier losfährt kommt man ohne Abbiegen in Hamburg raus. Am Sonntagmorgen hielten wir das (nach langwierigem Abwägen) für die beste Idee von allen, denn es gab noch etwas zu tun im Norden. Die Straße war vollkommen leer, wir rollten in entspanntem Flow mit 90 Sachen durch den pastellfarbenen Vormittag. Die Panoramastrecke durchs Leinetal fühlte sich majestätisch an, bis schließlich die Berge aus dem Rückspiegel verschwanden. Ich glaube, wir waren schon kurz vor Hannover, als wir das erste Mal runterschalteten. Auf der Stadtautobahn ging es flüssig durch den Moloch, dann kam schon die Vierspurige nach Celle und dann die Heide. Die Endlosigkeit der Waldstraßen, die einen wie Wurmlöcher in eine andere Realität saugen, war ein ergreifendes Erlebnis wie schon lange nicht mehr und wurde allenfalls von einer Pinkelpause unterbrochen. Nicht ohne Angst erreichten wir Hamburg. Ich hatte schon im Anflug auf dem Navi nach den erwarteten Horror-Auto-Staus Ausschau gehalten, aber wir fanden die Stadt schläfrig und leer vor wie an einem Ferienabend, als würde sie uns wieder zurück haben wollen. Wir nahmen es dankend zur Kenntnis, machten aber keine Versprechungen.
| Archivbild |
Samstag, 31. Mai 2025
Das Neue Konzept
Das neue Konzept kam Himmelfahrt erstmalig zum Einsatz. Wir fuhren mit der Regionalbahn nach Göttingen zur Garage, was keine Viertelstunde dauerte. Dort machten wir die beiden Hondas startklar, und fuhren Richtung Hörden, um einen Karton mit Sachen ins Topcase umzuladen und zurück nach Northeim zu cruisen. Das ging alles mit einer neuartigen Leichtigkeit vonstatten, und niemand schaute auf die Uhr oder die Kilometer, denn alle Ziele waren in Sichtweite. Abends gingen wir ins Kino und tranken Rotwein unter Einheimischen.
Nächster Tag. Es war schon Nachmittag als wir auf Tour gingen. Die Sonne brannte auf den lachhaften Feierabendverkehr der B3. In Göttingen gibt es einen Louis und ich kaufte Sommerhandschuhe. Und dann dauerte es keine 10 Minuten und wir fanden uns auf einsamen, verschlungenen Nebenstrecken in den umgebenden Wäldern wieder. Das Tomtom stand auf 'kurvige Route' und wir folgten ihm willenlos durch das Grenzgebirge zu Thüringen. In Allendorf kamen wir wieder in zivilisiertes Gebiet. Es gab Schatten und Falafel, und etwas Ruhe, einen würdigen RÜckweg zu programmieren. Das war nicht schwer: Auf den Meißner, dann kreuz und quer über Witzenhausen westlich an Göttingen vorbei nach Norden. Schwingende Kurvenstraßen durchs Hügelland im Abendlicht reihten sich aneinander bis Moringen. In einem Wald erschnüffelten und pflückten wir noch einen Strauß Bärlauch, und dann war plötzlich schon der Rand von Northeim erreicht. Wir brauchten nur noch vorm Haus parken, eine Flasche Wein öffnen und staunen, was alles möglich ist in diesem Konzept.
Einen beträchtlichen Teil des Samstag verbrachten wir im City Center Northeim. Es gibt dort alles, auch was man sonst immer bestellen muss. Der Tag war heiß und die Luft farblos und zähflüssig. Frische und Klarheit versprachen wir uns von einer Bergtour ganz oben auf der Höhenstraße im Harz. Die erreichten wir in einer knappen Stunde, und in der Tat konnte man hier tief durchatmen. Leider taten das auch ca. hunderttausend andere Biker, die meisten ohne Schalldämpfer. Peinlich. Unterwegs fiel Anja das Kloster in Walkenried wieder ein, das ganz unten am Rand liegt. Dort war es kühl, ruhig und interessant. Als Bonus gab es On-Demand-Grillwurst. Auf dem Radar rückte eine Westfront an. Wir rechneten und nahmen freiwillig die B241 Schnellstraße am Südharz, die wahrscheinlich schönste Autobahn der Republik. Wir glitten sie ohne jeden Verkehr eine halbe Stunde entlang und hofften, vor der bereits sichtbaren grauen Suppe in Northeim zu sein. Das klappte. Die Front kam wenig später, löste sich aber überm Balkon in ein großes Nichts auf. Nur noch wir waren da, umgeben von sanftkuppigem Mittelgebirge und tausend neuen Möglichkeiten.
Sonntag, 11. Mai 2025
Richard
Neue Reifen sind immer wie ein neues Leben. Allerdings, in der trägen Autokolonne auf der B432 hat es keinen Sinn. Heute war aber das Ziel der Weg, und wir waren zu zweit auf der Z unterwegs. Das ging diesmal nicht anders, und das ging überraschend gut. Hinter Segeberg schaltete das Beeline in den Fun Mode: Querfeldein kurvten wir durchs buschige Hohlwege in Richtung Neustadt. Auf Wegen, die wir nie zuvor gesehen hatten und Dörfer mit fremden Nahmen. Die Sonne stand gleißend am leeren Himmel wie immer, konnte aber nichts gegen die Kälte ausrichten, die mit jedem Kilomater zum Meer in unsere Lederjacken kroch. Kein Ding, denn wir sahen spitzenmäßig aus, und der Besuch sollte würdig sein. Im Wald von Brodau verirrten uns fast, bis wir Richards Baum fanden. Er stand in prächtigem Maigrün da. Auf dem Meer tosten Schaumkronen, unser Blick fiel bis nach drüben, dort lag Brook. Auf dem Rückweg hatten wir Rückenwind, aber die erträumte südliche Wärme blieb ein Traum. Bei hartem Gegenlicht und robuster guter Laune rauschten wir über Ahrensbök, Langniendorf, Reinfeld. Eine Aufwärmpause bei Aral mit Knackwurst in Oldesloe, dann durchhalten bis zum Stadtrand, das war zu schaffen. Zu Hause waren wir wieder einigermaßen aufgetaut und stellten fest: Eine würdige Fahrt. Richard hätte das so gewollt.
Sonntag, 4. Mai 2025
Familientag.
Es war das 1. Mai-Wochenende, und alle sagten man sollte raus auf die Straße. Kein Problem. Als Bonus gab es ein Ziel der Extraklasse: Family Bikertreff in Hörden. Um 10 Uhr rollten wir auf der B3 nach Süden. Unter unseren Reifen entwickelte sich ein makelloser Frühsommertag in viel zu warmen Klamotten. Die Kilometer zogen geradlinig und störungsfrei dahin, die ersten Berge kamen in Sicht, verheißungsvoll in schimmernden Dunst. Es war noch Nachmittag als wir ankamen, entspannt und voller Vorfreude. Vor Ort erwartete uns bereits Götz. Er hatte seine Triumph vom Hänger geladen und den Kühlschrank mit toten Tieren gefüllt. Für heute gab es nichts mehr zu tun als eine Tour über den Sieberpass, die ich improvisierend anführte. Die Serpentinen, die umwerfenden Panoramen auf der Stracke nach Clausthal, die perfekten Kurven, das passte alles in eine kleine Stunde rein. Was für ein Leben müsste das sein, dies immer zu haben. Über diese Frage philosophierten wir den ganzen Abend am Grill.
Freier Freitag: Während wir in der Sonne frühstückten, reise Albrecht an. Er lud eine verchromte Royal Enfield vom Hänger, zog die Lederjacke an und war am Start. Die Gruppe aus Street Twin, Interceptor und Rebel sah echt gut aus, nur meine 500X passte nicht ins Bild. Ich glich das aus durch Führung einer sorgfältig komponierten Tour durchs Eichsfeld: Wenig Kilometer, kommunikative Zwischenstopps, angenehme Strecken, und fremde Gegenden. Inzwischen war es heiß wie ein Sommertag. In einem nur Insidern bekannten Wald in der Nähe von Keula beorderte ich die Truppe auf einen Parkplatz. Anja und ich begaben uns ins Unterholz zur Bärlauchernte. Die Rückfahrt wurde zwar nicht der geplante, elegante Bogen, sondern ein auf seine Art nicht weniger eleganter Tanz zwischen mehreren Gewitterzellen hindurch. Am Ende waren es keine 150 Kilometer, auf die wir am Grill zurückschauten und Bärlauch draufstreuten.
Den Samstag verbrachten wir in Albrechts Mercedes. Der sprach viel tiefsinniges Zeug und nahm verwegene Nebenstrecken. Erstmalig fuhren wir z.B. bei Starkregen nach Düna. Im Gegenzug erreichten wie aber auch Goslar, das uns positiv überraschte, und das wir unter anderen Umständen so nie gesehen hätten.
Am Sonntag reisten alle ab in ihre andere Welt. Unsere Hondas fuhren gemächlich nach Göttingen in die Garage. Unser ICE kam, die Sonne ging überm Flachland unter, und wir schmiedeten Pläne.



























