Weihnachten feucht und mild, so mag man es. Wir zogen beheizte Socken und Handschuhe an, bepackten das Schreckliche Topcase deutlich über die Lastgrenze und rollten durch Wandsbek aus der leeren Stadt hinaus, hinein in den trübsten aller Nachmittage. Die Menschen in den Häusern hingen wohl Schmuck an Bäume und sangen fromme Lieder, aber das war Lichtjahre entfernt, auf unserem einsamen Weg durch die Feldmark und die Wälder, über die mit Wucht eine endzeitige, graublaue Dämmerung hineinbrach. Der Scheinwerfer stach einen Laserstrahl in den dicken Nebel, so dass sich die ganze Welt auf einen verlorenen Lichtblick reduzierte. Strukdorf glühte am Ende der Finsternis, wir rollten auf das Anwesen mit dreckigen Schuhen und dem summenden Gefühl eines bestandenen Abenteuers. Aus unserer Sicht (und der unserer Gastgeber) eine Legitimation zum Verheizen eines Waldes sowie die Vertilgung dessen Bewohner.
20 Jahre !!!
Samstag, 24. Dezember 2022
Sonntag, 13. November 2022
Der Sonne entgegen
Auf dem Wetterbild gab es kalte Sonne im Westen, ein Lichtblick, der mich anzog. Die Honda stand wetterfest bereit, ich hatte mehrere Lagen drunter und fühlte mich gut, als ich durch den Verkehr in den hellgrauen Nachmittag aufbrach. Zwischen Quickborn und Pinneberg gab es schöne Momente hinter der Scheibe, ich pflügte mit manchmal dreistelligem Tempo durch die Klarheit der Marsch. Die Temperatur war dabei gut auszuhalten, aber ich fragte mich allmählich, wo die Sonne war. Meine Weltraumkenntnisse sind überdurchschnittlich, daher wusste ich, dass sie da irgendwo ist. Aber hier nicht. Ich absorbierte noch eine Weile die einsame Leere des Raumes, schaltete die Heizgriffe ein und gönnte mir noch eine eisige Extratour über Haseldorf und Wedel. Durchgefroren erlebte ich den Wiedereintritt. Leider kam niemand, um mich als Held zu feiern.
Montag, 31. Oktober 2022
Am Endpunkt.
Der Wetterbericht war, als wolle uns jemand schnell noch einen Geschenkkorb mitgeben. Ja, der Termin wog schwer, daher diskutierten wir, bis ein Kompromiss auf dem Navi stand. Wo kam alles zusammen, echte 22 Grad, eine würdige Unterkunft, am Endpunkt 200 Kilometer goldgelb leuchtender Nebenstrecken? In Braunschweig. Vor Aufregung verirrten wir uns im Gewirr zwischen Harburg und Meckelfeld, aber das war alles vergessen, als der irreal warme Tag als endloses, störungsfreies 90-Km/h Kontinuum vorbeifloss. Wir hätten jauchzen sollen, aber es war stattdessen ein introvertiertes Genießen ohne Pathos, mit den Sinnen auf Asphalt, Licht, Motor. Irgendwann liefen wir in Braunschweig ein, parkten vor Fachwerk und verbrachten einen lauen Abend in Every German Innenstadt.
Der Montag war noch ein Sonntag, unter der im Prinzip gleichen Sonne und auf der gleichen Strecke. Die Fahrt nach Norden bedeutete nochmal dreieinhalb Stunden Gold, allerdings verlor sich ab der Hälfte die Wärme im Nebel. Wir erreichten durchgefroren und wortlos die Stadt am Endpunkt des Oktobers, sahen super aus in Jeans und Lederjacke, und bereuten keinen Meter.
Freitag, 28. Oktober 2022
Das Licht
Sonntag, 23. Oktober 2022
Alles.
Ein milder Oktobertag und das Wunder der motorisierten Bewegung, das ist alles was man will. Die Route war gar nicht so wichtig, wir fuhren in den Süden, weil es dort ein Grad wärmer war. Entscheidend war das starke Gefühl der Bolt unterm Arsch, durch gelbe Alleen schiebend, Anja mit der Rebel im Rückspiegel und geputzte Stiefel an den Füßen. Die Stadt und die Probleme der Welt lagen wo sie hingehörten: weit hinter uns und kaum noch zu sehen. Ein umfassender, gleichgültiger Schwebezustand mit 90 Sachen blendete auch die immer zahlreicher werdenden Sonntagsfahrer aus. Die Beeline Tour war auf 150 Km ausgelegt, mit einem geteilten Kuchen in Bispigen. Eine perfekte Dosis, die noch Raum für einen Umweg ließ. Wir hatten alles, der Rest war für Fußgänger.
Stunde Null
Die Augen der Gäste wurden immer größer, als ich am Samstagabend auf die Uhr guckte, Lederjacke und Helm holte, um mit der SR pünktlich und allen Ernstes den Datumswechsel auf der Straße zu feiern. Es war eine angenehme Oktobernacht, aber ich hätte es auch bei Schneesturm getan. Sofort begenete ich einem anderen SR Nachtfahrer, was alles nur noch bestätigte. Ich rollte dann zusammen mit allerlei Tiefergelegtem durch die leuchtende Stadt. Nicht weit, aber mit breitem Grinsen. In der Speicherstadt waren die Straßen leer und der Himmel schwarz. Auf der Reeperbahn nachts um halb 1 stand ich staunend im Stau. Eine Million Bekloppter aus einer fremden Welt suchten Glück im Neonlicht. Ich hatte es längst gefunden.
Sonntag, 25. September 2022
Umweg nach Wandsbek
Entgegen aller Vorhersagen und Hoffnungen hatte der Westwind eine Schauerwelle nach der anderen übers Land geschoben, bis Sonntagnachmittag. Da war es schon so, dass ich die Honda nur noch kurz abwaschen, was erledigen und wieder wegstellen wollte. Naja, eine kleine Stadtrunde dürfte gehen. Oder die langsame Schnellstraße nach Harburg, um einmal Fahrtwind zu spüren. Währenddessen rechnete ich grob aus, wir eine Ausfahrt aussehen könnte vor der Dämmerung. Ich ließ mich die B3 entlangtreiben, schaltete die Griffe ein und genoss das das frische Gefühl, es war schön. Ich kam bis Welle, bog ab auf die fantastische Route durch die Heide nach Undeloh, von da nördlich nach Hanstedt und Brackel. Ganz alleine rauschte in den Abend, die Luft war reingewaschenen, die Honda war in ihrem Element und nahm dem Herbst seinen Schrecken. Ab Stelle wollte ich pragmatisch fahren. Die Zeit drängte, jeder Verfahrer nervte, die Sonne ging, die Kälte kam. In der Stadt hätte ich fast vergessen, nach Wandsbek zu fahren, um was abzugeben. Das war ja mein eigentliches Ziel, aber der Umweg war tausendmal besser.
Donnerstag, 22. September 2022
Kunstwerktag
Alles ging zu Ende, sogar der Oktober war schon in Sicht. Ein sonniger Donnerstag ließ sich im Abwesenheitsmanager leicht anklicken, und schon waren die Rebel und die SR unterwegs auf den Nebenstraßen des Nordens. Anja war in letzter Sekunde mit der Idee um die Ecke gekommen, nach Rendsburg zu fahren, und dort Kunstwerke anzugucken. Das gab der Ausfahrt Struktur, und eine gewisse Länge. Die Fahrt ging sanft und unbeschwert über z.T. abenteuerliche Dorfstraßen, auf denen man vom Werktag absolut nicht merkte. Das Tempo orientierte sich am Sweetspot der chromglänzenden SR, die Luft war frisch und die Funktionsunterwäsche kein Fehler. Das Beeline hatte sich unterwegs total verirrt, gab das aber nicht zu. Wir nahmen die absurden Exkursionen mit Humor. Auf der sehr guten Ausstellung behielten wir zum Wiederaufwärmen unsere Jacken an. Wir schafften nicht mal, alles anzugucken, wenn noch ein Flammkuchen und die Heimfahrt im Hellen drin sein sollte. Ganz klappte das nicht, denn unterwegs wollte das Device wieder witzig sein (erfolglos), und wir spulten das längste Stück erfüllt aber frierend auf der B4 ab. Sie führte schnurgerade in die Dunkelheit.
Sonntag, 11. September 2022
Kulturtourismus
Wir waren vernünftig und nahmen die wetterfeste Honda, und waren mental eingestellt auf den einen oder anderen Schauer und fetzigen Westwind. Ganz so war es nicht, die Luft war schwerer, die Schauer stärker als gedacht, vor allem häufiger. Etwa 170 Kilometer sind es nach Friesland, zum unverzichtbaren Event des Jahres. Die Strecke über Bremervörde ist manchmal luftig frei, meist gerade und überall monoton gleich. Westlich der Weser ist Flachland, und die Sachen waren trocken als wir Nethen erreichten. Die Honda war wieder mal total praktisch auf langen Strecken und Wechselwetter. Aber als wir mit Windschutzscheibe und dem Schrecklichen Topcase ziemlich uncool zwischen all den coolen Custombikes parkten, hätten wir am liebsten die Helme aufbehalten. Das war dann aber schnell verdrängt, denn die Sonne schien auf Beachclubatmosphäre und lässigen Bikerlifestyle, und wir waren dabei.
Der Sonntag begann mit einer Stadtrundfahrt durch Oldenburg, welches in vielen Aspekten überraschte. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder auf dem Festival, verfolgten den spektakulären Kampf um den Weltmeistertitel und genossen das ermutigende Gefühl, Teil einer Kultur zu sein. Als die Pokale vergeben waren, packten wir überflüssige Klamotten ins Schreckliche und trieben die Honda über die monotonen Landstraßen nach Nordosten. Der Weg war lang und die Maschine funktionierte wie immer perfekt. Aber irgendwie hatte sie unsere Zweifel mitbekommen, und reagierte subtil. Etwa Höhe Neuwulmsdorf begann sie, Luft aus dem Hinterreifen entweichen zu lassen. Das ging soweit, dass ich auf dem weiteren Weg an jeder Tanke nachpumpen musste. Mit Mühe kamen wir zu Hause an. Der Reifen war platt, wir auch.
M
Dienstag, 6. September 2022
Dreieinhalbtausend
Wettersturz, Herbstanfang, Regenfronten. Der Bad News Stream reißt nicht ab. Das Paradies schließt, die Brötchen werden kleiner. Jetzt zahlt sich aus, eine SR in der Garage zu haben. Sie macht Stadtrundfahrten zum befriedigen Event, das in das kurze Fenster zwischen Feierabend und Dunkelheit passt. Jede rote Ampel zählt, und in der Schanze reiht man sich freundlich zwischen die Radfahrer ein. Auf den Geraden im Hafengebiet lässt man sie mit dreieinhalbtausend Touren in den Sunset brummen, das sind im Vierten gute 60 Sachen. Sweetspot.
Sonntag, 4. September 2022
Keine Kunst
Die Knüppeltour zum Glemseck hatten wir storniert, stattdessen buchten wir 250 extraentspannte Kilometer zum Edelhof. Das würde reichen. Abseits aller Hauptstraßen führte uns das Beeline schnurgerade nach Süden. Aber im Detail war jedes Stück anders, eins besser als das andere. Es ging einsam durch die Heide, auf vergessenen Militärstraßen durch den Wald und ließ uns Zeit für Abwege, z.B. zu einem Kaliberg hinter Celle. In hundert Kilometern, am Horizont, war der Harz schon sichtbar. Das Land war ausgetrocknet, aber die Farben sahen klasse aus. Es war erst Spätnachmittag, als wir ankamen. Eine Runde wäre theoretisch noch drin gewesen, aber wir stornierten sie einfach.
Am Sonntagmorgen waren wir ins Wesergebiet unterwegs. Von Anfang an gab es nur eins: Entspannten, flüssig-kurvigen Fahrspaß und Sonnenschein. Katlenburg, Lindau, Bodensee, übers Leinetal nach Adelebsen und Dransfeld, dann an der Fulda entlang nach Kassel. Alles super. In der Hitze Kassels trafen wir Thomas und Anja II, die uns kurz soweit brieften, dass wir zu Hause mit einem Documentabesuch angeben konnten. Kunst gab es nicht, aber Cappuccino und was vom Giftshop. Die Rückfahrt führte im perfektem Spätnachmittagsgoldlicht südlich durch den Kaufunger Wald über Witzenhausen, Friedland und dann wieder querfeldein ins Eichsfeld. Es war ein Navi-gesteuerter, nicht endender Flow von Luxuskilometern, den man nicht genug genießen konnte.
Der Montag begann gleich mit einem kleinen haltlosen Umweg durch den Oberharz, dann besichtigten wir Bad Harzburg an (gar nicht so bad). Dann ging es in die Wüste. Das nördliche Vorland lag kahl und staubig unter farbloser Sonne mit giftigen Strahlen. Zäh drückend zogen sich die Kilometer durch den trostlosen Streifen zwischen Braunschweig, Helmstedt und Wolfsburg. Nördlich von Wittingen liegt schon die Heide, es gab grünes Grün und Luft mit Sauerstoff. Wir rollten müde in den Abend, erreichten die rettende Elbmarsch bei Fliegenberg, die Stadt, die Garage, den Herd, das Bett.
Sonntag, 28. August 2022
Das war gestern.
Cruisen ist geil, dachte ich als die Bolt und die Rebel durch Eppendorf bullerten. Wir hatten eine ordentlich lange Strecke vor uns: 150 Kilometer nach Fehmarn, zu unseren Brüdern, total cool! Weil das so weit war, nahmen wir mal die extrablöde Strecke auf Bundesstraßen nach Segeberg, Ahrensbök, Neustadt. Das ging zwar einigermaßen flüssig, aber als Teil einer deprimierenden Autokolonne, die sich dösig durch monotone Buschtunnel an die See quält. Über den Sund wehte es stramm, kurz danach erreichten wir Burg. Als wir das sahen, fiel es uns wieder ein: Das sind gar nicht unsere Brüder, sondern unattraktive alte Männer von gestern, ohne Stil und Schalldämpfer. Wir bestellten einen Eiskaffee und hofften, nicht in diesen Topf geschmissen zu werden. Das war aber längst geschehen. Richtig befreiend war dann die Rückfahrt über die altbekannte, unschlagbare Route über Lensahn und Eutin, jetzt sogar mit Rückenwind. Die Cruiser cruisten ungestört über weites, gelbes Land. Ich baute bei Schwartau noch eine Expedition am Pariner Berg ein, und einen Stopp am Hähnchen-Eck. Die B75 nach Hamburg lag kühl unter einer farblosen Decke. Der Fahrtwind löschte, was nicht mehr benötigt wurde.
Samstag, 27. August 2022
Ein anderer Sommer
Samstag Nachmittag hatte der Wind Reste eines Regenbands nach Osten verschoben, übrig blieb ein ganz anderer Sommertag als sonst: Jacke, Pullover, Halstuch. Anja führte uns auf einer Tour in den Nordwesten, durch einen kristallklaren Raum zwischen Bad Bramstedt und Aukrug. Aus der SR-Perspektive wirkte sie respekteinflößend und cool, und wenn wir irgendwo standen, hörte ich den wummernden Bass der Rebel und die SR überhaupt nicht. Die Strecken waren langsam und gut für mich, ich folgte orientierungslos und freute mich jedes Mal, wenn es in irgendeinem Dorf auf einen verdächtig privat aussehenden Weg in die Feldmark ging. Aber Anja hatte ihr Beeline fest im Blick, früher oder später kamen immer wieder Ausläufer von Zivilisation. Der Scheitelpunkt der Tour muss irgendwo hinter Nortorf gewesen sein, dann ging es genauso verloren Richtung Süden. Manchmal sah man auf Wegweisern vertraute Ziele, und doch ging es wieder querfeldein ins Unbekannte. Zum Schluss fuhren wir über Schenefeld auf der Vierspurigen zurück in die Stadt. Das war meine Idee, denn ich fuhr die SR und wollte jetzt endlich mal Publikum.
Sonntag, 21. August 2022
Single
Eurocity 379, einfache Fahrt nach Berlin-Spandau. Ich war sehr aufgeregt. Weiterfahrt per Emmy, zu einer Villa im Westend. Dort stand meine zweite, neue SR (frag nicht warum). Sie sah live noch besser aus als auf den Bildern, glänzend und zart. Ich montierte mein Nummernschild, kickte sie an und verabschiedete mich freundlichst. Auf den nächsten Kilometern hatte ich ein dämliches Grinsen im Gesicht, gut, dass mich keiner kannte. Den Nachmittag verbrachte ich auf kuratierten Teststrecken im Ostteil der Stadt, durch die Thomas mich auf seiner Himalayan leitete: Holprige Ausfallstraßen durch graue Vorstädte, Dorfstraßen im Speckgürtel, Gravel und Autobahn. Zum Schluss kam noch eine inspirierende Regenfahrt durch Kreuzberg dazu. Ich nahm alles nur durch eine liebliche Verklärungshalo wahr, die die SR umgibt.
Sonntag um 9:30 parkte ich sie dekorativ vorm Übereck. Thomas kam als Fußgänger dazu und wir bestellten Rührei. Die Portion musste für einen langen, einsamen Tag mit der SR reichen. Meine Route führte abseits aller Hauptstraßen durchs Havelland an die Elbe. Fahrland, Ketzin, Luch, und ein Abstecher nach Kotzen (nur wegen des Ortsschilds). Die Straßen waren leer und perfekt für den Sweetspot bei knapp unter 80 Km/h. Ich brauchte nie auf die Uhr gucken, höchstens mal aufs Beeline, wo es als nächstes in den Wald geht oder durch die Prärie. SR bedeutet Single Road. Genau. Bei Havelberg kam ich auf die B195, vertraut kleinteilig führte sie einsam durch die Elbauen im Spätnachmittagsflirrlicht. Noch einmal tanken irgendwo, ein überdimensionales Stück Pflaumentorte in Dömitz, dann das letzte Ende in Richtung Zivilisation. Die 350 Kilometer spürend, aber nicht kaputt, rollte ich die Deichstraße mit genüsslichen 60 Sachen entlang in die hysterische Stadt. Die Verklärung war noch da, wahrscheinlich auch das dämliche Grinsen, das war jetzt egal.
Sonntag, 14. August 2022
Nochmal Meer
Sonntag waren alle weg und alles hing durch. Kurz bevor mir die Decke auf den Kopf fiel, verabschiedete ich mich in Richtung Garage. Ich schmiss die Strandsachen ins Schreckliche Topcase der weißen Honda und donnerte mit Vollgas die Autobahn entlang, bis Talkau. Dort reihte ich mich in die Autokolonne ein, es ging gerade nicht um Romantik, sondern ich wollte nochmal schnell ans Meer. Allein, das störte mich nicht. Auch die vielen Menschen am Strand nicht, die waren unsichtbar. Zwei Badegänge, trocknen, packen, los. Ich ließ mir Zeit für die Rücktour, erkunde seltene Teile von Lübeck, nahm die Dorfstraße durch gelbe Stoppelfelder und trocknes Grün, über Krummesse, Bliesdorf, Kastorf, Schönberg. Die Sonne schien durch Milchwolken und die Luft war ein warmer, großer Wattebausch. Alles war sachte, locker, easy, niedrigschwellig-harmonisches Schwingen, freie Bahn. Die Stadt schien Stress zu wollen als ich kam, aber ich machte nicht mit.
Samstag, 13. August 2022
Das Salz auf unserer Haut
Die Berliner waren auf Deutschlandtour und machten Halt bei uns in Hamburg. Die Hitzewelle konnten wir nicht entschuldigen, aber ich bot einen Workaround an. Sie bekamen die Gästehonda und ich führte uns zum einzigen kühlen Ort der Republik: Brook. Sehr entspannt rollte unser Trupp auf flirrend heißen Landstraßen durch abgemähtes Land nach Mölln, hinten herum nach Ratzeburg, von da auf der langen Geraden über Schönberg und Dassow nach Brook. Strecken, die wir seit 20 Jahren auswendig fahren, und die bei den Freunden auf der Honda bestens ankamen. Am Meer blies wie versprochen frischer Ostwind, Anja blieb an Land und behielt den Pullover an. Auf der Rückfahrt, nur ein paar Kilometer im Landesinneren, war sofort die Bruthitze wieder da. Ein aus alten Zeiten vertrautes Gefühl von Salz und Sand und Sonnenmilch in Abendsonne und Fahrtwind, Essenz des Sommers. Wir machten noch mehrere Eispausen und kamen über eine hässliche, aber gut flutschende Route durch Glinde und Oststeinbek zurück. Abseits der Automenschen, abseits von fast allem, glitten wir müde in die glühende Stadt.
Perseiden
Sonntag, 7. August 2022
Experimentierfreude
Es war Experimentierfreude, die mich am Freitagnachmittag auf die Straße brachte, aber auch die Idee mal alleine unterwegs zu sein. Dass ich auf der Autobahn fahren musste, war unvermeidbar, daher nahm ich die schnittige Honda 500X. Rechtzeitig wurde klar, dass die Autobahn natürlich mit Autos total verstopft war. Ich blieb also bis Fallingbostel auf der B3, langsam, um einen Schauer abziehen zu lassen. Danach ging es mit 130 Sachen auf der E45 nach Süden. Das funktionierte eigentlich ganz entspannt. In einem 80er Baustellenbereich testete ich, ob man während der Fahrt E-Zigarette rauchen kann. Geht. Hinter Hildesheim wurde die Autobahn leer, mit nagelneuem Belag und schönen Blicken in das Hügelland. Urlaubsgefühl. Letzte Kilometer mit Heizgriffen. In Herzberg fuhr ich beim Proll-Rewe vor und holte mir eine Pizza und eine Pulle Rioja.
Der Samstag begann schon wir im Bilderbuch. Ich programmierte eine kleinteilige Route auf die andere Seite, ins Weserbergland. Es ging auf spaßigen Nebenstrecken über Katlenburg ins Leinetal, dann über Uslar an die Weser bei Karlshafen. Verkehr gab es kaum, nur Kurven, Zeit und einen angenehmen Sommertag für mich allein. In Brakel besuchte ich ausgiebig die unschlagbare Modellbundesbahn. Auf der Rückfahrt verirrte ich mich genüsslich im Hinterland von Höxter, kurvte falsch über den Solling und ließ mich im "kürzeste Route" Modus (führte in Northeim direkt durch den Kirchturm) zurück zum Edelhof lotsen, wo ich von anerkannten Slowfood Expertinnen betreut wurde.
Ich nahm mir den gesamten Sonntag für die Rückfahrt, einfach weil er da war. Zunächst ging es schwungvoll, aber ohne Halt über den Harz, was der Honda offenbar sehr gefiel. Dann durch Bad Harzburg und schließlich nach Norden. Interessant ist, dass man auf der Richtung Helmstedt - Wolfsburg - Wittingen immer wieder doch noch unbekanntere Nebenstraßen findet. Der 500X war jede Strecke recht, die Holprigen, die Schnellen und die mit Gegenwind, alles mit Links. Aber cool wird man nie. Als ich im Abendlicht die Hafencity erreichte, wollte ich schnell unerkannt nach Hause (wegen des Schrecklichen Topcases). Der Tank hätte im Prinzip auch wieder zurück in den Harz gereicht.
Sonntag, 31. Juli 2022
All Inclusive
Alles war drin, und es ging schon am Freitagnachmittag los. Anja holte mich am Berliner Tor ab, und wir nahmen sogar ein Stück Autobahn, um pünktlich auf dem Anwesen vorzufahren. Am Samstag führte Götz uns auf seiner Street Twin zügig durch Ostholstein, auf der fantastischen Strecke über Eutin und Schönwalde nach Heiligenhafen. Dort schifften wir ein auf die Infinity und setzten Kurs auf Westfehmarn. Sie lag satt und machte über 7 Knoten Fahrt. Wir lernten alles über die Komplexität des Segelns und fühlten uns mächtig cool, als wir zurück in den Hafen kamen und in die Box rangierten. Der Rückweg nach Struckforf in der Abendwärme rundete den perfekten Tag ab. Am Sonntag kam noch eine kleine Ausfahrt nach Goldenbek dazu, mit ultraleichten Mountainbikes, und schließlich unsere Rückfahrt über Kühsen, Sachsenwald, Elbdeich. Kaum zu glauben wie viel reinpasste, Rechtzeitig um 15 Uhr parkten wir die Cruiser in der Garage, dann kam planmäßig das Regenband und wir erholten uns.
Sonntag, 24. Juli 2022
Schmalz
Der Tag war brutal heiß, und ohne die Gewitterzellen auf dem Bildschirm wären wir garantiert an die Ostsee gefahren. Wir versuchten stattdessen die Elbauen, dort gab es mal einen winzigen, unbekannten Buhnenstrand. Die Badehose musste in Anjas Tasche mit rein, denn mein Werkstattersatzfahrzeug, eine XSR 700, war ein cooles Hipsterbike ohne alles. Sie hielt mich mit ihrem schmalzigen Antritt über große Teile der Hinfahrt bei Laune, was nötig war, denn ich war etwas unfit-to-ride Die B 195 lag in stickig-trockener Bruthitze. Die Buhnen waren nicht auffindbar, der Ort auf der Karte irgendwie gelöscht, die Cafés verstopft mit E-Bikern. Da auch mein Kilometerkontingent erschöpft war, fuhren wir mit offener Jacke zurück, ungebadet, schmalzlos und müde, vergeblich auf die angekündigte Wolkendecke hoffend. Der Bogen über die Deichstraße passte noch gut rein, änderte daran aber nichts.
Dienstag, 19. Juli 2022
Magie
Brennender Asphalt, flirrende Luft, unter mir heißer, vibrierender Stahl mit 50 PS. Die Stadt war so leer wie man es sich immer wünscht, der Feierabend lang und zwanglos. Ich ließ sie Bolt über die Schnellstraße nach Harburg rollen. 80 Km/h zogen als warmer Luftstrom durch meinen Hoodie. Die Heideroute brach ich ab, folgte stattdessen der Sonne, die weißglühend über der Vierspurigen Richtung Stade stand. Durch die Sonnebrille sah Neuwulmsdorf aus wie der Sunset Boulevard. Alles war so cool, dass ich so langsam wie möglich mit dem gleichmütig fließenden Verkehr schwamm. Von Buxtehude aus fuhr ich in die Marsch und trank am Lüheanleger ein Alkfreies am Deich. Als alle Spacken weg waren, begab ich mich auf den Rückweg über Cranz. Die Strecke ist durchgängig 50, und ich hielt mich dran, bis mich ein LKW überholte. Als ich das Hafengebiet erreichte, lag alles unter schwülwarmer Dämmerung. Die Bolt glitt durch das Lichtermeer, die Luft strömte, das war Magie.
Sonntag, 17. Juli 2022
Kaffeefahrt
Jetzt, ganz am Schluss, ohne Drang und Ansprüche, gönnten wir uns eine dedizierte Kaffefahrt nach Strukdorf. Wir folgten dabei kritiklos einer Beeline-Route über Norderstedt und die dicht befahrene B432, aber wir waren noch so erfüllt von den Eindrücken schwedischer Highways, das juckte uns nicht. Auf dem Anwesen war Zeit, alles nochmal aufzurollen und mit den Erlebnissen anzugeben. Danach waren wir immer noch ein ganz bisschen im Urlaub und voller Tatendrang, programmierten eine Tour quer durchs Land bis zum Sachenwald und an die Elbe, Querfeldein durchs Land, mit 85 Km/h, die letzten Meter Asphalt hinauszögernd, träumend es ginge irgendwo hin, wo nicht Alltag ist.
Samstag, 16. Juli 2022
Abbruch
Irgendwie hätte es Stil gehabt, das Restwochenende noch mitzunehmen und noch auf die Schnelle nach Hörden zu fahren. Weil wir es können. Was sind 250 Kilometer im Vergleich zu Lappland? Andererseits, was sind das bitte für erbärmliche 17° im Vergleich zum Midsommar? Okay, das Wetter redeten wir es uns schön, aber in Verbindung mit der langen B3, die normalerweise als Baby-Highway herhält, wurde es anstrengend. Wir diskutierten lange in einem Wohngebiet in Soltau, aber die Entscheidung war längst gefallen. Abbruch, Umkehren, kleine Ehrenrunde durch die Heide, dann total durchgefroren auf schnellstem Weg in die heimische Wanne. Am Polarkreis wäre das nicht passiert.
Donnerstag, 14. Juli 2022
Weiche Landung
Letzte Etappe: Schwedenquai Kiel - Hamburg Eimsbüttel. Mit allergrößten Befürchtungen hatten wir die Fähre in Kiel verlassen, wühlten uns durch den LKW Stau und schmissen die programmierte Route direkt über Bord. Wir waren noch im Urlaub und fuhren einfach an der Küste entlang, als wären wir Touristen. Schönberg, Lütjenburg, Kükelühn, das waren keine Highways der Endlosigkeit, aber sonnige, freischwingende Landstraßen. gut zu fahren und ganz entspannt. Über Ahrensbök kamen wir in die Nähe Strukdorfs und fuhren dort kurzerhand vor, in der Hoffnung, irgendjemand würde da sein und Kaffee kochen. Götz war da. Wir zeigten ihm stolz das Foto vom Elch. Es war ein Rentier. Von Dort ging es in gewohnter Manier zurück in die Stadt. Die war ruhig und leer. Wir landeten weich.
Mittwoch, 13. Juli 2022
Norden
Cruisen in Schweden. Schwedenchopper. Mückenspray. Endloses Gleiten auf einsamen Highways durch ein Land wie ein Kontinent. Zivilisation, wo vorhanden, mit ausgeprägter Motor-Kultur und Hej Hej. Ansonsten: Rote Hütten, Dalarnapferdchen, Systembolaget und Tage ohne Nacht. Und weil wir unsere Route ein wenig anpassten, Midsommar wie kein zweiter.
Was wirklich am Polarkreis geschah, steht hier:
Sonntag, 26. Juni 2022
Wendezeit
Zur Sonnenwende versuchte ich eine einsame Spätfahrt, sie war kühl und ich müde. Zwei Tage später kam die Wärme und die Fahrt wurde wiederholt, mit Anja hinten drauf, und ohne Handschuhe, genüsslich bullernd durch die untergehende Sonne zwischen Hafenkränen. Check.
Das Wochenende stand schon im Zeichen übertriebener Reisevorbereitungen. Die Stadt war heiß und voller Harleys. Am frühen Samstagabend wollte ich eine kleine Runde drehen, kurz allein, da Anja ihre Zehen angemalt hatte. Die Fahrt war auf der Rosengartenstraße schon so genial, dass ich ohne schlechtes Gewissen noch das Stück bis Welle dranhängte. Und dann noch die Querverbindung durch die menschenleere Heide nach Undeloh und von da hoch bis Stelle. Ein heißer Wind blies durch den Hoodie, und die trockene Landschaft sah in der Sonnenbrille aus wie im Kino.
Am Sonntag staute sich stickige Hitze in der Stadt. Während im Süden die Harleys sich ebenfalls stauten, zogen wir nach Norden ab. Ein Stück B4, dann kurvig nach Elmshorn und durch die Marschlandschaft, die so frisch und grün aussah, wie man es gar nicht mehr kannte, nach Kollmar. Es gab dort schweres Softeis aus Kindheitstagen, ausnahmsweise, weil morgen ein Regenband kommt, und dann ein ganz neuer Film.
Samstag, 18. Juni 2022
Gut gemacht.
Alles Stand im Zeichen der Großen Hitze. Sie war aus Spanien unterwegs zu uns und würde alles einschmelzen. Nur der Bereich im Norden versprach Sicherheit, was gut passte, denn in McPom waren wir schon lange nicht. Wir waren nicht in der Stimmung, mit der Navigationssoftware zu diskutieren und folgten einfach deren Vorschlag. So sahen wir zunächst Wandsbek, Jenfeld und Oststeinbek. Das ging recht flüssig, war aber gruselig. Auch die Fahrt übers Land hinterließ zunächst einen zwiespältigen Eindruck. Weitgehend orientierungslos ging es auf auf eintönigen Hohlwegen über Kuddewöhrde, Koberg kreuz und Quer bis Ratzeburg. Die lange Gerade nach Schönberg war heute ganz besonders lang, und erst nach einem müden Picknick am dortigen Teich kam wieder Fahrfreude auf. Janny's Eis in Grevesmühlen hat inzwischen Weltstadtniveau und brauchbaren Kaffee, so dass wir einen satten Umweg für die Rückfahrt planten. Beeline's Route war diesmal weltklasse: Mühlen-Eichsen, Lützow, Wittenburg - herrliches, einsames Gleiten in leichter Klamotte durch dicke Alleen, die Landschaft schimmerte dazu im Sommerlicht wie in besten Zeiten. Auf der B5 ging es mit aller Zeit der Welt zurück bis Geesthacht, dann auf die Deichstraße. Dabei führte Anja und ich schaute es mir an wie einen gut gemachten, langen Film.
Sonntag, 12. Juni 2022
Freundschaft
Thomas kam aus der Hauptstadt zu uns, als Fußgänger. Er wurde gut versorgt mit Kost, Logis und der 500 X als Leihgabe. Das war eine gastfreundschaftliche Geste, allerdings nicht ganz uneigennützig, denn so konnten wir den herrlichen Samstag zu dritt auf den Landstraßen der Nordheide verbringen und mussten nicht mit den anderen Fußgängern in der überfüllten Stadt herumkrebsen. Wir fuhren die üblichen Routen durch die leere Weite, und Thomas freundete sich eng mit der Honda an. Weder die Cruiserbegleitung störte ihn, noch das Schreckliche Topcase, in das wir alles reinschmissen was nervte. In Bispingen gibt es eine Eisdiele mit Blick auf die beeindruckende örtliche Poserszene. Wir bestellten wieder unfassbare Eisbecher (das letzte Mal!) und ich analysierte zahlreiche mögliche Rückrouten. Der ganz große Bogen um die Militärgebiete war zu groß, der kleine auch. Wir folgten dem Beeline auf einer unbekannten, schicken Route nach Geesthacht, und kamen über die schläfrige Deichstraße zurück in den Sommer der Stadt, der eine einzige Party war. Am Sonntag gab ich Thomas einfach den Hondaschlüssel. Anja und ich fuhren Fahrrad.
Montag, 6. Juni 2022
Gute Zeit
Pfingsten 2: Treffen mit Thomas in Wittenberge, halsüberkopf vereinbart. Als Gast dabei: Ben auf 250er Honda Enduro. Um aus der Stadt heraus zu kommen, mussten man einen quälenden Bogen über Barmbek, Wandsbek und Horn fahren, denn die gesamte Innenstadt war gesperrt. Wir bleiben noch bis kurz vor Geesthacht in der 50er Zone, und auch die weitere Fahrt verlief zäh, so dass wir in Lauenburg einen Cappuccino brauchten. Die B195 kannte Ben noch gar nicht, sie gefiel ihm gut. Ich kannte sie gut, aber normalerweise mit weniger Dosenverkehr als heute. Je weiter wir in die Elbauen kamen, um so wärmer wurde es. Die alte Allee hinter Dömitz durchfuhren wir in prächtiger Sommerhitze. Am Treffpunkt war kurze Zeit später das Stampfen Tomas' Himalayan zu hören. Wir beantragten einen Tisch am am "Fährmann" Restaurant, wo es auch Pfingsten nichts zu Essen gibt, und auch keinen Kuchen. Ein paar Kannen Kaffee reichten, um alles Nötige zu besprechen. Wegen der auf dem Radar nachweisbar anrückenden Westfront konnte ich verargumentieren, über Perleberg auf der B5 zurück zu fahren. Formal sollte es nur eine halbe Stunde Zeit sparen, aber mit Rückenwind den Cruiser über den vollkommen freien, großen Highway gleiten zu lassen, das war ein heimliches Highlight der Tour. Überraschenderweise war das sogar voll okay für den Endurofahrer. Alles klappte gut, wir erreichten die rettende Stadt in guter Zeit. Die Regenfront kam gar nicht.
Samstag, 4. Juni 2022
Hierbleiben
Pfingsten I: Hierbleiben war die Devise, und das machte Sinn. Mann konnte z.B. nach fröhlichem Abend ohne überhöhte Ansprüche in die Heide aufbrechen, und z.B. den Eisbecher nachholen, der letzte Woche hinten runtergefallen war. Nach Amelinghausen braucht kein Mensch ein Navigationsgerät, aber ich hatte das Beeline programmiert, einfach weil es da ist. Die Route war im Detail auch anders als sonst, aber nicht besser. Wir sahen das eine oder andere Wohn- oder Gewerbegebiet unbedeutender Kleinstädte. Die meiste Zeit fuhren ließen wir die Cruiser locker mit dem Strom der Ausflügler schwimmen. Die Gedanken hatten dabei Raum, im Kopf umher zu fließen. Bei der Eisdiele war alles mit E-Bikes zugeparkt, aber die Eisbecher waren pervers groß. Für die Rückfahrt programmierte ich einen Bogen über Vögelsen nach Bardowick. Dort gab es einen Aldi, wo wie sicherheitshalber Grillgut kauften. Auf der Deichstraße ging es langsam und reizarm zurück in die Stadt. Die war angenehm leer und strahlte in harter Sonne.
Samstag, 28. Mai 2022
Himmelfahren
Langes Wochenende: Väterinnendonnerstag AKA Himmelfahrt. Ich guckte aufs Radar und nahm gleich die Honda mit den Heizgriffen. Anja montierte eine coole Sissibar an die Rebel, zog warme Socken an und gab Gas. Es ging auf gerader Linie nach Süden durch die Heide. Bispingen, Bergen Celle zogen ruhig und mit Rückenwind vorbei. Dann kam der immer wieder unbekannte Schleichweg zwischen Hildesheim, Peine und Salzgitter hindurch bis Holle. Auf Geschwindigkeit kam es nicht an, wir mussten nur rechtzeitig in Hörden sein, um dort Rembert zu empfangen. Es dauerte nicht lange bis die Slim zu hören war. Ein Alkfreies in Leder, dann fuhren wir zur dorthin zur Pizzeria, wo Osterode noch richtig tiefergelegt war.
Freitag verabschiedeten wir Rembert auf seinem Weg ins Münsterland. Den Rest des Tages verbrachten wir in örtlichem Bau- und Supermärkten. Die Leute wirkten allesamt doof und das Kabel war zu kurz. Uns konnte das nicht stören, denn wir hatten noch einen langen Abend auf den einsamen Landstraßen des Eichsfelds. In perfekter Beleuchtung schwangen wir über die Hügel, bis es kühl wurde.
Samstag war klar, das wir den Sonntag absagen würden, wegen der Regenfront. In Vormittagsfrische kurvten wir über den Harz, auf der anderen Seite hatten wir einen Termin in Halberstadt. Das sah alles gut aus, aber auf der Wetterkarte kamen die Einschläge näher. Auf der B79 ging es in Sichtweite an einer Schauerzelle vorbei, dann schnurstracks gegen den Sturm an nach Braunschweig, das wir auf der Stadtautobahn durchfuhren. Die Fahrt ging schnörkellos weiter bis Celle, von da auf der B3 nach Hause. Ich hatte die Griffe an und igelte mich hinter der Windschutzscheibe ein. Anja war auf der Rebel schutzlos dem unerbittlichem Nordweststurm ausgesetzt. Mehrfach fragte ich über Funk nach, aber sie behauptete stets, alles sein kein Problem, und ich solle mich nicht so anstellen. Nach und nach realisierte ich, dass das an der Sissibar lag. Auf der letzten Meile, Höhe Wilhelmsburg, erwischte uns ein fieser Starkschauer. Ich schaute in den Rückspiegel, Anja blieb am Gas.
Montag, 23. Mai 2022
Das reelle Ding
Feierabend, schnell ein Käsebrot, wartend bis der Verkehr der Bekloppten sich lichtet. Dann die Lederjacke anziehen und die Bolt anlassen. Um den Abend musste ich mir keine Sorgen machen, er war lang und warm. Ich fuhr über Schnelsen aus der Stadt raus, auf die B4. Bei 85 Sachen richtete ich mir ein flauschiges Fahrtwindkissen ein, sog das warme Streiflicht in mich auf, dass den Asphalt glänzen ließ, der mir allein gehörte. Die Route im Navi war kacke, der Bauch wusste es besser. Einfach links von Hoffnung einen improvisierten Kreis über die einsam in einer grünsamtigen, parkartigen Landschaft liegenden Straßen cruisen. Das war das einzig reelle Ding, das es je gab.
Sonntag, 15. Mai 2022
Pusteblumen
Der Sonntag kam wie aus einer heilen Welt. Frisch, hell, und kristallklar begann schon der Tag, und bis zum Schluss trübte kein Wölkchen oder Gedanke das Bild. In lässigem Style rollten unsere Cruiser durch Geesthacht und Lauenburg. Auf der B5 gefiel mir die Idee, einfach immer weiter zu fahren, auf der herrlichen, endlosen Allee. Kurz darauf meldete sich Anja per Funk. Sie wollte zwar nicht bis ans Ende der Welt, aber warum nicht z.B. mal nach Ludwigslust? Die B195 sparten wir und kurzerhand für den Rückweg auf. In Lulu gab es die bekannten Ziegelbauten, ein Schloss mit großen Fest und, wer hätte das gedacht, Menschen im Überfluss. Dazu echte Sommerwärme, durch die wir in viel zu warmer Funktionswäsche stapfend die Stadt erkundeten. Das Stück nach Süden bis Dömitz war eine enge Allee mit dicken Bäumen, unbekannt und doch vertraut. Dann die Rückroute über die einsame B195, ein unschlagbarer Klassiker im warmen Nachmittagsflirrlicht. Mit kaum mal schneller als 80 Sachen schwangen wir frei von Sorgen durch den Sonntag. Später, am Elbdeich, gab es noch ein Alkoholfreies unter Pusteblumen. Einen Moment lang war alles klar.
Sonntag, 8. Mai 2022
Bermuda
Anja musste erneut abgeholt werden, diesmal bei Heike in Lübeck St. Lorenz-Nord. Sie war als Selbstfahrerin da, was bedeutete, ich konnte am Samstagnachmittag entspannt die Bolt satteln und mich auf einen schönen Umweg dorthin machen. Ich wusste, es waren Schauerzellen auf dem Radar und nahm eine sichere, maximal östliche Route über Schwarzenbek, Mölln usw.. Es kam aber der Punkt, an dem das Grau vor mir echt bedenklich aussah. Tatsächlich hatte sich über Lübeck ein Regengebiet gebildet, dass ich durchziehen ließ, indem ich vollkommen absurde Ausweichmanöver bis ganz nach Wakendorf II unternahm. Es funktionierte, aber es war albern, denn das Unwetter waren nur einzelne, unmotivierte Tropfen, wie ich später erfuhr. Ich sammelte Anja ein und wir cruisten noch beherzt (aber orientierungslos) auf unbekannten Wegen im Bermudadreieck Arfrade-Dissau-Reinsbek umher, fielen in Strukdorf ein und verbrachten einen fröhlichen Abend mit den Üblichen Verdächtigen.
Sonntag begleitete Horst uns ein Stück auf seiner NC. Die programmierte Route funktionierte perfekt, es ging bei bestem Wetter über das grünende Land Richtung Osten. Ratzeburg durchfuhren wir nur, viel besser waren die Landstraßen durch das dahinter vergessene Grenzgebiet zwischen Mölln und Kittlitz. Dass ich mich verfranst hatte, bemerkte keiner. Es war auch egal, denn Horst kannte ein spitzenmäßiges Gartencafé und bezahlte auch den Kuchen. Wir trennten uns dort, Anja und ich drehten eine weitere unfreiwillige Runde über Salem, kamen letztlich auf die unvergleichlich schön und einsam in der Spätnachmittagssonne liegenden Straße von Zarrentin über Gudow nach Büchen. Zum Abschluss gönnten wir uns noch die Deichstraße, müde und zufrieden, fast so wie damals im Sommer.
Montag, 2. Mai 2022
Halberstadt
Als Teil der Großen Strategie lag eine Besichtigung Halberstadts an. Beinahe wären wir mit der Bimmelbahn gefahren, aber das Wetter war letztlich gut genug für eine Fahrt auf der weißen Honda, mit langen Unterhosen und Heizgriffen. Auf der Autobahn nach Lüneburg verloren wir nicht viel Zeit, es folgte ein Stück B4, die wir seit Jahrzehnten meiden, die heute, am Sonntag, aber flüssig zu fahren war. Die Route führte diagonal über Wittingen, am Rande Wolfsburg entlang und es war schön, wie nach und nach die ersten Harzausläufer spürbar wurden. Das letzte Stück auf der B79 waren reiner Genuss, es war niemand unterwegs außer uns. Das setzte sich dann auch so in Halberstadt fort. Es hat ein spektakuläres Stadtbild, aber kaum einen Menschen, geschweige denn ein Café für einen Sundowner.
Sonntag war schon Montag, aber das war so geplant. Wir versuchten, großräumig alles zu umfahren. Das gelang perfekt auf einer raffiniert gelegten Route über den Huy, durch das Allertal, den Drömling, auf enorm abwechslungsreichen Landstraßen über Völpke, Köckte, Klötze, Clenze bis hoch ins Wendland. Die Sonne schien mit Wucht auf den sprießenden Frühling. Über Pudripp und Plumbohm kamen wir an die Elbuferstraße. Mit dem Privileg des Montagsfahrers nahm ich das verbotene Stück durch die Berge bei Hitzacker. Danach schaltete ich das Navi aus, und fuhr nach Hause wie seit Jahrzehnten.
Sonntag, 1. Mai 2022
Muss abgeholt werden.
Anja war die ganze Nacht in Neukoppel. Um sie abzuholen, hatte ich am Samstag gegen Mittag ihre Sachen ins Schreckliche Topcase gepackt und trieb die Honda auf der mittleren Spur die A1 entlang. Das ging sehr gut, flüssig, tat meinem Kopf gut und dauerte nicht lang. Ich fand Anja beim Buchsbaumschneiden in Telses Garten. Für mich gab es auch Arbeit in Form eines Hängemattentests. Einige Tassen Kaffee später waren wir unterwegs auf einer äußerst kleinteiligen, 'kürzesten Route' durch Stormarn. Dabei kamen wieder Verbindungswege durch die Feldmark zum Vorschein, die uns staunen ließen. Höhepunkte waren die Entdeckung des Duvenseer Moores und die mittelalterliche Katzenkopfpiste durch den Wald bei Linau. Wir kamen bei Bergedorf an den Rand der Zivilisation, gaben kurz Gas und waren zurück in unserer Welt.
Samstag, 23. April 2022
Darstellung
Am Samstag war alles auf darstellendes Cruisen ausgelegt. 17 Grad, grelles Aprillicht und mehrere Bikerevents mit Outlawschwerpunkt im Flatland des Südwestens. Für den guten Auftritt legten wir Wert auf Minimalistik: ohne Funk, Trinkflasche oder Goretex ging es los. Am Lenker der Bolt klemmte das unauffällige Beeline Device, das fiel nicht auf. Alles war unfassbar lässig, als wir die B3 entlangzogen. Aber der locker-flockige Rückenwind machte uns auch misstrauisch. Genau genommen macht er uns Angst, und zwar vor der Rückfahrt, hundert Kilometer gegenan. Ohne Funkverbindung einigten wir uns auf eine Planänderung. Wir kurvten noch eine Weile über die Geraden zwischen Soltau und Rotenburg herum, einem unbekannten und auf eine Art interessanten Gebiet, zu dem wir nie über ein ambivalentes Verhältnis hinaus kamen. Immerhin entdeckten wir in Neuenkirchen (von dem wir nicht wussten, dass es existiert) ein Weltklasse-Bauernhofcafé. Danach ging es wie von selbst nochmal über die lonesome Highways der Heide. Aber die Kälte begann zu kriechen. Und egal wie kurzhosig die Leute in der Stadt herumliefen, auf der Heimreise hatte erneut nichts mehr Kraft als sie Vision einer warmen Wanne.
Montag, 18. April 2022
Im Gehölz
Nochmal Ostern, anderes Konzept. Noch etwas wärmer angezogen nahm ich meine weiße Honda, mit Windschutz und (inzwischen reparierten) Heizgriffen. Es ging kleinstteilig nach Neukoppel. Erst ganz entspannt durch die endlose Stadt, bis Duvenstedt und andere Orte, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Das Vio lotste uns durch Knicks und Wälder, über Katzenköpfe durch die Feldmark, bis ab und zu nur noch entfernt Bekanntes auf den Wegweisern erschien. Anja folgte auf der Rebel und ich war neidisch, weil sie so gut aussah, hatte zeitweise aber ein schlechtes Gewissen wegen der üblen Wegstrecke. Aber sie hatte überhaupt nichts zu beanstanden und die Rebel auch nicht. Der befürchtete sibirische Eissturm war erst einen Kilometer vorm Ziel plötzlich spürbar. Aber bei Telse gab es eine windschattige Ecke, wo man gern hängengeblieben wäre. Zurück hatten wir den Wind im Rücken, das flog sich wie von selbst. Erst über die B75, dann suchten wir aus Angst von den Osterheimkehrern einen Hintereingang in die Stadt, wieder bei Wohldorf durchs Gehölz. Das funktionierte gut, alles blieb entspannt, und die Heizgriffe blieben den ganzen Tag aus.
Samstag, 16. April 2022
Ancruisen
Mitten im April, Ostersamstag. Lederjacke anziehen, Jeans, Jethelm. Bolt anlassen. Nach 5 Monaten ist das ein ergreifender Moment. Mit alles durchdringender Coolness bullerte ich durch die Schanze zur Jet Tanke und tankte. Ich wollte noch die Reifen aufpumpen, aber es hatte sich schon eine Warteschlange aus Lastenrädern gebildet. Die Bolt fuhr trotzdem grandios. Es musste nicht weit sein, ich wollte rollen, sonst nichts. Auf der Schnellstraße mit satten 80 Sachen nach Bergedorf, weiter bis Geesthacht und sogar Lauenburg. Die Sonne schien gleißend, der Wind zog kalt und war herrlich. Ich fuhr die Deichstraße zurück, mit kleiner Fahrt und ohne Halt. Am Ende wollte ich nur noch in die warme Wanne.
Sonntag war Anja dabei. Die Rebel und die Bolt gaben ein respekteinflößendes Bild ab. Diesmal waren es ein paar Grad mehr und wir hatten die warmen Sachen an. In Anjas Beeline hatten wir eine Route durch die Nordheide programmiert. Sie führte um die Sonne herum auf einsamen Umlaufbahnen durch die Tiefe des Raumes. Die Maschinen glitten durch den leeren Osternachmittag, hier war niemand außer uns und am Waldrand gab es einen zarten Grünschleier. In Amelinghausen dockten wir am Eiscafé an und verargumentierten eine Ausnahmeportion warmen Apfelstrudels. Auf dem Rückweg stoppten wir am Köhlbrand und schauten rüber zur Stadt. Sie war angestrahlt und leer. Alles war gut, die Dosis richtig, die Zukunft strahlend.
Sonntag, 3. April 2022
Wird nicht langweilig.
Es hätte Alternativen gegeben, an diesem spätwinterlich-sonnigem Samstag nach Strukdorf zu gelangen. Wir hatten auch alle durchdiskutiert und uns für die einzig denkbare Version entschieden. Mit warmer Funktionswäsche und beheizbaren Socken tasteten wir uns zu zweit auf der CB 500 X Richtung Bargteheide aus der Stadt heraus. Auf dieser Route ist man maximal lange im Stadtgebiet unterwegs, kriecht mit 50 Sachen durch den Verkehr und kann sich an tausend Ampeln aufwärmen. Über Land ging es frontal gegen einen scharfen Eiswind aus Nordost an. Auf dem letzten Drittel zog die Kälte in die Knochen, aber trotzdem: das Fahren über die graubraunen Nebenstraßen zwischen Reinfeld und dem Anwesen machte Laune wie schon lange nicht mehr. Den Abend verbrachten wir mit großer Runde in Luxuslimousinen und Feinschmeckerrestaurants. Sonntagfrüh fuhr ich bei 3° nach Segeberg zum Brötchenholen, aber der Bäcker existierte nicht mehr. Später, auf der Fahrt nach Hamburg, war die Temperatur wie am Vortag, aber es kamen noch Schauer dazu. Einen sahen wir von der Ferne, beim nächsten stellten wir uns unter, und zum Schluss fuhren wir einfach durch. Es hätte alles so langweilig sein können!
Sonntag, 27. März 2022
Proof of Concept
Als die Temperaturen sich bewahrheiteten, nahmen wir einen Freitag frei und starteten eine umfangreiche Testreihe. Im Grunde sollte das Gesamtkonzept unter Realbedingungen auf den Prüfstand, und ein Teil davon war die weiße Honda. Sie sollte z.B. wie ein Auto zu nutzen sein, also auf der Autobahn, und ohne viel Romantik. Das Autofeeling war sofort da, als wir eine Stunde lang im Stau vor dem Elbtunnel feststeckten. Danach rauschten wir mit stattlichen 130 Sachen mit dem Strom der Bekloppten. Ohne die Kaffeepause irgendwo bei Hildesheim (die Autofahrer bestimmt nicht machen), und die herrliche Umleitung am Südharz (die das Navi nicht kannte), wären wir in Nullkommanix in Hörden gewesen. So waren es 5 Stunden. Wie immer, nur blöder.
Wir richteten uns auf dem Edelhof ein und führten verschiedene Messungen durch, Nach der Arbeit blieb genug Zeit für eine Runde durch den Harz. So sahen wir die vertrauten Strecken noch nie, alles sah winterkahl, monochrom und total verändert aus. Die Straßen waren vollkommen leer, die Honda fuhr willig um die Kurven, bügelte alles babyweich und der Einkauf vom Edeka in Ellrich passte in das schreckliche Topcase. Dazu schien die Sonne mit Laserstrahlen auf das blasse, auftauende Land.
Auf der Heimreise versuchten wir einen Mix aus Autobahn bis Braunschweig, auf der wir das einzige Fahrzeug waren, und langen geraden Bundesstraßen über Celle. In der dortigen Hafencity liefen wir herum, bis uns wieder warm war. Auf der B3 schwand die Wärme leider wieder, außerdem will man auf diesen Straßen eigentlich mit einem Cruiser cruisen, wenn schon denn schon. Dennoch kamen wir überraschend entspannt an, mit kalten Füßen und abgehakten Checklisten.
Sonntag, 13. März 2022
Tatsachen
Es waren unübersehbare Tatsachen: Der Winter war tatsächlich am Ende, Corona irgendwie auch, die Dunkelheit war hell, und Anjas Rebel sprang an, als wäre nichts gewesen. Erstmalig waren die beiden Hondas zusammen unterwegs. Es ging erstmal zur Jet an der Feldstraße. Jemand fürs Foto fand sich, und wir hatten genug auf dem Konto, um die Tanks randvoll zu machen. Trotzdem fuhren wir nur mit Halbgas durch die Sonne, schön gemächlich mit 60 Sachen am Deich entlang, so wie all die anderen Biker, die wir grüßten wie beste Freunde. Aus dem Osten wehte ein kalter Wind. Bei mir war es das Schutzschild, bei Anja das wiedergewonnene Gefühl der Freiheit, dass für einen Nachmittag lang alles von uns abschirmte. Wir kamen bis Lauenburg, das war weiter als geplant. Es gab Cappuccino an der Tanke, und einzelne warme Strahlen auf der Jacke, im Windschatten. Dann ging es denselben Weg zurück, jetzt mit dem Wind im Rücken und großen Plänen im Kopf.
Samstag, 26. Februar 2022
Lost Christianos
Okay, der Winter ist lang, das wussten wir vorher, und konnten es auch gar nicht ändern. Meine neue Honda nahm manchem Wind und Wetter den Schrecken, aber erstens funktionieren die Heizgriffe nicht mehr und außerdem regnete es meist düster durch die Nachmittage.
Die rote Honda auf Teneriffa hatte gar keine Heizgriffe, dafür ehrbare 99999 Kilometer auf der Uhr. Wir hatten sie eine Woche lang, um von Los Christianos aus ambitionierte Bergstraßen, geröllige Küsten und immer noch einmal die Krater am Rande des Universums zu erkunden. Wir absorbierten eine irreale Welt aus sonniger Leichtfüßigkeit, pfeifender Kälte auf 2000 Meter, einsamen Kurven und wüstem Beton für Engländer. Abends parkten wir die Honda in einer Seitenstraße, schauten der Welt am Fährhafen zu und freundeten uns mit der Playlist des örtlichen Alleinunterhalters an. Gerade als wir uns daran gewöhnt hatten, wurde unser Flug ausgerufen. Die Sonne hatten wir heimlich im Koffer eingepackt und mitgenommen.






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